Elizabeth Warren

Heute Nacht war auf CNN eine Debatte zwischen 10 der 20 Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei der USA zu beobachten. Herausragend waren m.E. Elizabeth Warren und Bernie Sanders. Denn diese beiden hatten radikale Pläne zu bieten, wie die amerikanische Gesellschaftsordnung – soweit sie durch Gesetzgebungsprozesse überhaupt zu beeinflussen ist – verändert werden kann. Sie fordern erheblich größere staatliche Eingriffe, was ihnen den Vorwurf des Sozialismus bzw. Liberalismus einträgt. Beides sind in den USA ein Schmipfworte und sie können nicht recht unterschieden werden, gelegentlich wird solch eine – hier wahrscheinlich sozialdemokratisch genannte – Position auch progressiv genannt. Aber im Prinzip geht es immer darum, die riesigen Unterschiede zwischen Arm und Reich in den USA ein wenig zu reduzieren, indem etwa eine Krankenversicherung für alle eingeführt wird.

Die Frage, ob jemand mit solchen Ideen wählbar ist, spielte eine große Rolle. Und die sogenannten „Gemäßigten“ brachten nur langweilige Minimalverbesserungsideen in die Debatte ein. Nicht beeindruckend. Was Warren und Sanders vorschlagen, wurde von den anderen als illusorisch und „ganz links“ bezeichnet – was aus europäischer Sicht ziemlich lächerlich erscheint.

Ich verfolge die politische Karriere von Frau Warrenseit etwa 2007/2008, als sie sich mit dem Heraufziehen der Finanzkrise für die Gründung einer Verbraucherschutzbehörde einsetzte, die Verbraucher vor den dirty Tricks der Finanzindustrie schützen sollte. Diese Behörde wurde auch gegründet, allerdings inzwischen von Donald Trump wieder dem Erdboden gleich gemacht… Was Frau Warren, die inzwischen Senatorin geworden ist, von den anderen Kandidaten unterscheidet: Sie ist intelligent, hat fast alle aktuell relevanten politischen Themen sorgfältig durchdacht und konkrete Pläne zur Lösung der jeweiligen Probleme entwickelt; sie ist darüberhinaus uneitel und eine engagierte Kämpferin für das Wohl der Bevölkerung, ohne dabei auf persönliche Vorteile zu achten. Sie ist nicht korrumpierbar, was sich z.B. darin zeigt, dass sie für ihren Wahlkampf keine Spenden von Großspendern aus der Wirtschaft akzeptiert, sondern nur die von einzelnen Bürgern und potenziellen Wählern.

Wenn ich mir einen Präsidenten oder eine Präsidentin für die USA wünschen dürfte, so wäre sie sicher die erste Wahl.