Es war mir eine Ehre

Gestern bin ich nach Zehlendorf umgezogen, anschließend geht es nach Tempelhof und dann nach Kreuzberg. Ich schlafe mich durch meinen Freundeskeis-wie angekündigt, von Stadtteil zu Stadtteil.

Mitte September soll meine Wohnung wieder bezugsfertig sein. Inzwischen haben die Installateure ihre Arbeit getan, der Terrassenboden ist halb aufgebaut, in den Wänden zuckt es schon. Diese Woche sind die Trockenbauer dran, dann die Betonmafia und – nach vierzehn Tagen Wartezeit – Fliesenleger und Tischler. Das Ganze dauert voraussichtlich bis Ende September, dann kann ich wieder zurück, in meinen geliebten Adlerhorst über den Dächern von Berlin. So langsam erscheint Licht am Ende des tunnels.

Was ich Anfang dieser Woche als zusätzliche Belastung empfand – jeden Tag etwas ins Netz zu stellen -, hat sich ins Gegenteil verkeht. Ich hatte zwar nie richtig Zeit, aber die Zeit, die ich mir genommen habe, waren kleine Fluchten aus dem Reich der ehernen Notwendigkeiten; Stipvisiten in fremde Länder, Regionen ohne ständiges Müssen und Sollen und vor allem ohne Bauarbeiten; heraus aus diesen mit Wirklichkeiten zugetellten Raum- der Nase nach im Wind der Lust. Mit andern Worten: Ich habe es genossen.

Haltet mir die Daumen, dass dies alles seinen sozialistischen Gang geht und ich Ende September wieder ins normale Leben zurückkehren kann. Euch da draussen wünsche ich viele vergnügliche, nachdenkliche und unterhaltsame Reisen durch die mentalen Tageswelten der Autoren von Auer.

Hans Geisslinger