Generalverdacht

Als überaus aufmerksamem Beobachter ist mir aufgefallen, dass die Attentäter auf Charlie Hebdo ein Brüderpaar waren. Die beiden Attentäter auf den Boston Marathon waren ebenfalls ein Brüderpaar. Ganz offensichtlich ein Muster, das Anlass zur Vorratsdatenspeicherung und zur routinemäßigen Beobachtung durch den Verfassungsschutz sein sollte. Brüderpaare sind verdächtig: die kleinste terroristische Zelle…
Ein klares Argument, nebenbei bemerkt, für die Frieden stiftende Wirkung des Bruderzwists! Und Grund genug, das Ideal der Brüderlichkeit noch einmal zu hinterfragen.

25 Gedanken zu “Generalverdacht”

  1. Wenn man sich im Kriegszustand wähnt, muss man einfach andere Kriterien anlegen. Sag ich jetzt mal als Politikerversteher. http://www.rtdeutsch.com/9424/headline/schaeuble-denkt-ueber-gezielte-toetungen-von-terroristen-nach/ Krieg im Abendland – wer hätte das gedacht? Die Next Society hat sich als Option um Jahrhunderte entfernt. Die soziologischen Beobachter, die aus ihren akademischen Beamtengehäusen heraus gern die Welt verstehen wollen, hatten offenbar die Pilzbrille auf.

  2. „GENERALVERDACHT“ als beobachtende Haltung, halte ich generell für würdig, verdächtigt zu werden, dass da versucht wird (innere) verlorene Macht über die eigene Angst wieder zu finden.

    Motiven wohnen Emotionen inne auf der Suche nach einem gut verbundenen Leben als Brüder, Familien, Gesellschaften, Menschen.

    Generell verdächtig: Wenn Algorithmen von Computerprogramme aus dem Vorrat vorhandener Daten, konstruieren was immer sie konstruieren um Menschen das (langsamere, ureigene, angsterfüllte) Denken abzunehmen.

  3. Dass immer mal wieder Unverdächtige durch Drohnen liquidiert werden, bestätigt doch einfach nur den Generalverdacht der Rhetorik-Coaches, dass es da Subjekte gibt, die es nicht lassen können, sich in beleidigender Weise kompliziert zu verhalten und bittschön ändern sollten. Also Folks: Klares Bekenntnis zu aktuell angesagten Popgruppe erspart Euch und allen anderen unnötigen Ärger!

    Interessant ist, dass schon die Tatsache reicht, dass jemand verschlüsselt. Allein das führt dazu, dass versucht wird, zu tracken. http://www.they-know.org/de

    Dass die „Falken“ vieler Herren Länder gut verbunden agieren, dieser Eindruck drängt sich angesichts der durch die Filialen des US-Außenministeriums in der bundesdeutschen Medienlandschaft so unisono vertretenen Leitmelodeien jedenfalls irgendwie auf.

  4. Ein Brüderpaar. Vielleicht kann man es ein Terroristisches-System nennen. 😉 Die Autopoiese ist offenkundig. Es hat sich selbst geschaffen, es erhält sich selbstständig, es gibt eine Außengrenze, die konstitutiven Elemente bestimmen die Eigenschaften des Systems.
    Es ist traurig, dass die Hierarchie der Familie hier wohl dazu führte, das der eine dem anderen gefallen wollte und dazu führte, dass er mitgerissen wurde. Wie es dazu kam, ist die never-ending-story, die unserer (und die Frankreichs) in Kauf nehmen. Junger Mann mit Migrationshintergrund kann es weder der eigenen „Kultur“ (als fließend zu verstehen, wobei die Eltern meist seit Jahrzehnten in der ehemaligen Kultur erstarrt sind) noch der neuen „Kultur“ recht machen. Ob sie als Hilfsarbeiter oder Akademiker aus dem „institutionalisierten System“ Schule ausgespuckt werden, sie werden nicht in ausreichendem Maße von der Gesellschaft gleichberechtig anerkannt. Sie suchen Anerkennung und finden die falschen Lösungen, die falschen Irritationen des Systems, um Respekt zu erhalten. Ich frage mich heute ob die Politik es in Kauf nimmt, weil es kostengünstiger ist als Geld in die Hand zu nehmen, um diesen Zustand zu ändern. Persönlich wird mir täglich wegen dieses Zustandes übel.

  5. Von Berufs wegen sind viele Vollzeit- und Teilzeitsystemiker ja ohnehin Verschwörungstheoretiker. Ein Think Thank, eine Unternehmung, ein multinational aufgestelltes Projektmanagement sind nix anderes als eine Verschwörung. Ein möglichst starkes Commitment zur Corporate Identity wird als kapitalwert angesehen und mit all dem zur Verfügung stehenden Methodenrepertoire systematisch gefördert.

    Als etwas unschön empfinde ich, wie manche Verschwörungspraktiker ihr systemisches Know How einsetzen, um geostrategisches Kalkül durchzusetzen. Es ist nicht so schwierig, Leute ohne Perspektive unter Druck zu setzen / zu verleiten, irgendwelche Sinnlosigkeiten zu begehen. http://www.pseudology.org/Gallup/Heinsohn.pdf Lässt schön grüßen. Es sind aber mit Sicherheit nicht nur religiös oder anderweitig ideologische aufgestachelte, perspektivlose Muselmanen, die mit der Komplexität gesellschaftspolitischer Wirkzusammenhänge überfordert sind und sich instrumentalisieren lassen. Ich bin mir ziemlich sicher, auch in diesem Land warten viele gefühlt zu kurz Gekommene, dass endlich der Tag kommt, „an dem es losgeht“. Bei all den mitunter ausgesprochen gewaltbereiten Zeitgenossen diverser Milieus, die ich in meinem Leben berufsbedingt und privat erlebt habe, wäre fast keiner mental, logistisch, finanziell imstande gewesen, derart perfekt zu agieren. Nun kann man davon ausgehen, dass es bei den arabischen Temperamenten auch gut ausgebildete Spezialkräfte gibt. Dass für deren Kapazitäten ausgerechnet eine unter Hunderten europäischen Satirezeitungen das Ziel der Wahl sein soll – das erinnert mich eher an das, was nach gängigen Hollywood-Klischees unter einer „guten Story“ verstanden wird…

  6. Im Hinblick auf das Timing bei Charlie Hebdo und den Fakt, das genauere Nachforschung effektiv vereitelt wurden, hab ich befürchtet, dass es sich wieder mal um einen Kommandoauftrag handelt und ausnahmsweise meine Klappe gehalten, weil es mich selber nervt, leider so oft Recht zu haben. Die Geschichte war ja auch soo schön: die gekrönten Häupter des Abendlandes kommen auf den Punkt genau spontan zusammen, gerade so, als ob sie ungeachtet unzähliger anderer humanitärer Katastrophen nichts anderes sonst zu tun haben, weil sie ihr Herz für die ausgerechnet jene Leute entdeckt haben, die sie als Politiker sonst durch den Kakao ziehen. Bei derart viel Elend infolge menschenverachtender Politik hätten unsere Vorbilder jeden Tag Grund genug, auszurücken. Wenn das … http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/01/19/ex-militaer-attentat-von-paris-war-militaerische-kommando-aktion/ … zutrifft, steht zu befürchten, dass die Strategien, welche bislang zur gezielten Destabilisierung, zur anschließenden Legitimierung unpopulärer militärischer Maßnahmen, dem Unterlaufen von Rechtsgrundsätzen, letztlich zur Herrschaftsausweitung bislang in Süd- und Mittelamerika, Südostasien, Afrika, auf dem Balkan angewandt wurden, im Hinblick auf die Interessen in Osteuropa und Deutschlands sowie Frankreichs Bedeutung als Zünglein an der Waage, nun offenbar auch vermehrt im „Herzen Europas“ eingesetzt werden. Angesichts dessen der Krieg mit Russland offenbar als sehr dringlich angesehen und massenmedial dementsprechend orchestriert wird, dürften kleinere Interventionen genügen, damit in den nächsten Monaten auch hier viele Brüder und Schwestern einander für ihre Dummheiten und deren Konsequenzen verantwortlich machen und aufeinander losgehen, während dem woanders die für uns alle wirklich wichtigen Fragen entschieden werden. „Divide et impera“ – es funktioniert einfach zu gut. Auch heute noch, da Abendländler wie Morgenländler theoretisch schlauer sein könnten, aber leider nicht sind. Der Tag zieht den Jahrhundertweg.

  7. Herr Liebscht, als Moslem empfinde ich Betitelungen wie „die“ dann noch im Zusammenhang mit „Muselmanen“ nicht für sonderlich offen. Als Student der Systemischen Beratung empfinde ich ihre Aussage bezüglich der Verschwörungstheoretiker ebenfalls als etwas platt. Persönlich halte ich Verschwörungstheoretiker für ein wenig dämlich. „Vollzeit- und Teilzeitsystemiker“, (insofern sie Akademiker waren) die ich bisher kennenlernte, habe ich bist dato als alles andere als dämlich empfunden.

  8. Das kann ich nicht mal im Ansatz garantieren. Dafür ist die Gesellschaft zu komplex. Ich kann nur aus meiner eigenen Perspektive entstanden aus meinen eigenen Erfahrungen heraus argumentieren. Ich kenne viele Muslime und mittlerweile doch einige Systemiker. Ich, wie sie lebe aber in einer sozialen Blase. Meine „Blase“ sagt mir das…sowohl die soziale als auch die Andere.

  9. Glauben Sie doch einfach wem Sie wollen oder glauben Sie gar nichts mehr. Je nachdem, welches Lebensgefühl bzw. Grundwerterleben Sie bei sich bestätigen wollen – bedienen Sie sich, es stehen genug Angebote zur Verfügung. Über Fakten / Wahrheit ließe sich natürlich auch sprechen – aber nicht, bevor die Historiker ihren Job gemacht haben. Und das kann dauern.

  10. Und selbst dann treten diese doch eher selten als Chor auf.
    Derzeit, so scheint es (nicht nur mir sondern auch diversen Programmbeiräten – dies ist nur 1 Beispiel: http://www.heise.de/tp/artikel/42/42784/1.html ) schreiben nicht nur die Historiker der Sieger der Geschichte ihre Geschichte sondern auch deren Journalisten.
    Und da hab ich irgendwie was dagegen. Jetzt, mein. Jetzt, da der wie auch immer interpretierbare Ausgang unser aller Geschichte noch gestaltbar ist. Und ich hab insbesondere etwas dagegen, wenn mit den Mitteln einer derart lausigen Propaganda, wie wir sie nicht einmal vom Neuen Deutschland auszuhalten hatten, die durch ein mittelalterliches Bildungssystem verblödeten Zeitgenossen aufeinander gehetzt werden, um währenddem um so ungestörter den Raubkrieg gegen Russland und noch einige andere, für uns alle ausgesprochen fatale Manöverziele durch zu bringen. Von daher denke ich, sind Sie schwer im Irrtum, wenn Sie sich der Illusion anvertrauen, von Historikern zu erwarten, dass die dereinst zweifelsfrei rechten werden, was in Ihrem Leben jetzt angesagt wäre an Engagement. Statt Tatort können wir alle per Video fast life dabei sein bspw. am Flughafen von Donezk, in Syrien und wo immer es geostrategische Zielstellungen einzulösen gilt. Wie einst in Jugoslawien geht das ganz schnell, dann tobt sich der inszenierte Irrsinn hier in unser aller Mitte aus. Entscheidend sind nicht die Historiker, sind noch nicht einmal die chronisch opportunistischen Zeilenschinder der psychologischen Kriegsführung. Weltgeschichtlich entscheidend könnten derzeit die Bürger in diesem Land wirken. Leider ist das Niveau der politischen Willensbildung von links bis rechts, von „christlich“, bis „jüdisch“ und „muslimisch“ inzwischen derart erbärmlich, dass da leider keine anderen Choreographieverläufe als in den vorher schon destabilisierten anderen Ländern der Welt zu erwarten sind. Wir werden es leider erleben die nächsten Monate. Die Zeichen stehen auf Krieg, der offenbar massiv gewollt und dementsprechend durch Interventionen innerhalb der Bevölkerung der absehbar involvierten Staaten flankiert wird. Das wird unser aller Leben selbst bei weitestgehend konventioneller Kriegsführung auf militärischer, massenpsychologischer und wirtschaftlicher Ebene weitaus stärker tangieren als es die Zerschlagung Jugoslawien getan hat.

  11. Die Blasen faszinieren mich weniger. Ich erinnere mich an die paar Freunde, die ich unter Muselmanen gehabt habe und die ich auch als Heimat suchende Wanderer zwischen kulturellen Welten wahrgenommen habe. Mein Eindruck damals: wer als Vorzeigebeispiel geglückter Integration dienen konnte und sich politisch profilieren wollte, hatte gute Chancen wahrgenommen zu werden. Wie es denen wohl derzeit ergehen mag?
    Und auch das: Auch wenn mich wenig davon erreicht hat, hab ich doch gute Gründe anzunehmen, dass der islamische Kulturkreis mehr zu bieten hat als Gammelfleisch, Humorlosigkeit und Vergewaltigungen.
    Neulich war ich im Seminar bei einem Menschen, der sehr gut vertraut ist mit den kulturellen Schätzen orientalischer Philosophie – Was muss dieser Mensch leiden angesichts des Schwachsinns der dieser Tage allerorten zu hören ist bzgl. dieser Kultur! Obschon lehrbar verstehe ich noch nicht mal die Fragen, die da auf offenbar recht kunstreiche Weise bedient werden.

    Trotzdem ich sicherlich kein Fan katholischer Ansichten bin, würde ich es für ziemlich töricht halten, diese Religion auf den sexuellen Missbrauch Minderjähriger reduzieren zu wollen. Irgendwie auf dem Level ist offenbar aber die öffentliche Debatte angekommen. Nie in all den Nachkriegsjahrzehnten hat sich der intellektuelle Bankrott dieses informell jemals aus dem Feudalismus ausgetretenen „Bildungssystems“ deutlicher offenbart als in diesen Tagen. Interessanterweise gibt es in all den scheinbar konfligierenden Religionen bildhafte, aber aus systemischer wie strukturtheoretischer Sicht doch plausible Aussagen zu den Konsequenzen von Sünde bzw. Degeneration innerhalb einer Community. Menschen sündigen. Organisationen sündigen. Ganze Kulturgemeinschaften. Die Korrektur folgt so oder so.

  12. Was Zizek über die „strenge asymmetrischen Regulierung der sexuellen Differenz, Verbot der säkularen Erziehung)“ sagt ist sicherlich ein Grund. Aber bei weitem nicht der Einzige.
    Das alleine treibt keinen Jugendlichen in die Arme der ISIS.

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