George H.W. Bush vs. Donald Trump

Die Feier anlässlich des Staatsbegräbnisses von George H.W. Bush war ein Beispiel, wie es gelingen kann, etwas zu sagen, indem man es nicht sagt.

Neben vier US-Ex-Präsidenten war auch Trump (auf Wunsch des Toten) bei der Feier anwesend. Die Familie Bush hatte alle Redner gebeten, nicht über Trump zu sprechen. Und doch haben es alle getan – wenn auch in bewundernswert eleganter, verdeckter Art.

Zunächst fiel mir auf, dass fast keiner, der Gutes über den Verblichenen sagte, es sich nehmen ließ, die Trauergemeinde zum Lachen zu bringen. Es wurden Scherze gemacht und vor allem die Anlässe, in denen der Tote selbst seinen Humor gezeigt hatte, berichtet. Dass auf Totenfeiern gelacht werden darf – vielleicht sogar muss -, ist in Deutschland nicht in dem Maße (wenn überhaupt) der Fall, ist mein Eindruck.

Spannender war aber, wie die Preisungen des Ex-Präsidenten gestaltet waren: Aus jeder der Reden konnte man die impliziten – ohne ihn direkt zu erwähnen – Aussagen über Trump heraus hören. Ein schönes Beispiel, dass man über die Innenseite der Unterscheidung sehr viel erfahren kann, wenn man die Merkmale der Außenseite (=deren Negation) charakterisiert. Alles, was an Bush zu loben war, kann nicht über Trump gesagt werden. Es wurde eigentlich dauernd über ihn geredet – und was für ein Stück Scheiße er im Vergleich zum noblen, fairen, Freundschaften pflegenden, das Land wichtiger als die Partei oder sich selbst nehmenden, niemanden hassenden, international anerkannten und verantwortungsbewußten Bush ist.

Trump selbst hörte sich das mit verschränkten Armen vor der Brust und versteinerter Trotzmine 90 Minuten lang an. Über die Jokes der Grabredner hat er nicht gelacht…