GroKo

Nun gibt es also ein Papier, in dem steht, worauf man sich in langen Nachtsitzungen zwischen CDU/CSU und SPD als Grundlage einer neuen GroKo geeinigt hat.

Das heißt aber nicht, dass es zu einer GroKo kommen wird. Mein Tipp ist, dass es nicht zu einer neuen GroKo kommen wird. Das liegt m.E. aber nicht an den Inhalten des Papiers, sondern an der idiotischen Idee der SPD-Führung, die Basis über das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen abstimmen zu lassen. Idiotisch, weil wir ja nicht ohne Grund eine repräsentative Demokratie haben. Basisdemokratie führt ausser auf Gemeindeebene fast immer zu idiotischen Ergebnissen, weil da mehr die emotionale Grundstimmung statt sachlicher Erwägungen (gerade bei komplexen Problemen bzw. deren Lösung) die Wahlergebnisse bestimmt.

Die Basis der SPD wird gegen die GroKo stimmen, weil die SPD (außer in der Kiesinger-Regierung, in der Willy Brandt Außenminister war) immer unter Verlusten der SPD bei der nächsten Wahl zu leiden hatte. Es geht also nicht um irgendwelche inhaltlichen Fragen, sondern um die Beziehungsebene: Die SPD-Basis will wieder mal richtig Opposition sein dürfen, und das kann sie nicht in der Regierung.

Es geht um das Wiederfinden der eigenen Identität, die beim langen (Mit-)Regieren verloren gegangen ist. Die Geschichte der SPD bestand ja immer darin, „denen da oben“ Rechte für „die da unten“ abzutrotzen. Geht schlecht, wenn man selbst als zu „denen da oben“ von den Wählern gerechnet wird…

43 Gedanken zu “GroKo

  1. Das scheint nun in der Tat, ein echtes Dilemma sein.
    „Die Geschichte der SPD bestand ja immer darin, „denen da oben“ Rechte für „die da unten“ abzutrotzen. Geht schlecht, wenn man selbst als zu „denen da oben“ von den Wählern gerechnet wird…“

    Wie kommt man jetzt mit Guiseppe vergleichsweise unbeschadet, aber eigentlich doch etwas zu überfressen, durch den Arc de Triomphe, wahlweise durch’s Brandenburger Tor …
    https://www.youtube.com/watch?v=AssDQbaIP_I

    die IG-Metall schweißt auch nicht mehr soviel zusammen,
    außer vielleicht auf der Kreuzfahrt.
    die IG Metall ist schließlich auch nicht mehr das, was sie einmal war.

  2. @0 Den Satz sollte man fett drucken: „Basisdemokratie führt außer auf Gemeindeebene fast immer zu idiotischen Ergebnissen, weil da mehr die emotionale Grundstimmung statt sachlicher Erwägungen (gerade bei komplexen Problemen bzw. deren Lösung) die Wahlergebnisse bestimmt.“
    Schönes Wochenende!

  3. Aber nicht nur Basisdemokratie, derzeit leider offizielles Regierungshandeln. Z.B. die Tür aushängen und alle reinlassen. Obwohl über 95% nachweislich keinen Asylanspruch haben. Und obwohl anteilig sechsmal soviele Afghanen straffällig (auch bei Vergewaltigungen und Mord) werden wie Deutsche (nachzulesen in Tab. 62 der PKS 2016).
    „Wir müssen eine weitere Zuwanderung aus fremden Kulturen unterbinden“, sagte Helmut Schmidt in dem Interview (2015). Als Mittel gegen die Überalterung komme Zuwanderung nicht in Frage. „Die Zuwanderung von Menschen aus dem Osten Anatoliens oder aus Schwarzafrika löst das Problem nicht, schaffte nur ein zusätzliches dickes Problem.“ Junge, komm bald wieder. Und ich verspreche Dir, von mir bekommst Du immer Feuer, auch wenn ich Rauchen schwer ertrage.

  4. @3 Lothar Eder am 13. Januar 2018 um 12:21

    „Obwohl über 95% nachweislich keinen Asylanspruch haben…“

    Falsche Zahlen, böses Spiel?

    Mir fällt auf, dass Sie immer wieder imaginäre(!) Zahlen liefern, ohne Quellenangaben.

    Woher kommt’s, dass Sie sich zu solch offensichtlich unverhältnismäßigen, faktischen Aussagen hinreißen lassen, Herr Eder?

    Ich fand jendenfalls nur einen wenig ernsthaften Beleg für Ihre irrwitzige Behauptung (noch dazu von vor zwei Jahren am 1.2.15):

    „Die Debatte über Flüchtlinge, Zuwanderung und Pegida ist auch ein Gefecht mit Zahlen. 95 Prozent aller Asylbewerber seien doch Wirtschaftsflüchtlinge, meinte ein Redner auf einer der Dresdner Pegida-Kundgebungen.“

    http://www.sueddeutsche.de/politik/debatte-ueber-fluechtlinge-die-maer-vom-grossen-missbrauch-1.2325553

    Doch ich lasse mich gern korrigieren, wenn Sie es denn drauf hätten, etwas mehr als Wolkenkuckucksheimaussagen zu liefern.

  5. @0 Und wie lassen sich denn nun anwachsende Spannungen ausbalancieren, eskalierende Konfliktpotenziale entschärfen und wie lässt sich mit sich zu chronifizieren scheinenden Dilemmatas leben, welche sich zwischen der Sachebene (als Ebene der Macht- und Deutungshoheit von Regierenden für zu priorisierende Themen und deren Komplexität) und der Beziehungsebene (Teilhabe und Rechte von Bürgern nach innen sichern) auftun?

    Analyse, Diagnose und Prognose stimmen (wie fast immer).

    Doch für mehr Vertrauensbildung (in die Fähigkeit derer die regieren wollen) reicht das wohl kaum.

    Der Versuch eine Regierung zu bilden, scheint mir zu einer dauererregten, Dauerwahlveranstaltung zu werden. Sehr symptomatisch (nicht nur in Deutschland). Dauererregung jedoch, hat auf Dauer äußerst unangenehme Nebenwirkungen und wirkt auf ein System, das überleben möchte, kontraproduktiv.

  6. Lothar Eder am 13. Januar 2018 um 12:21:
    „Obwohl über 95% nachweislich keinen Asylanspruch haben. “

    Wie das so ist, wenn man mit grossen Zahlen operiert, gibt es da sicher eine beträchliche Fehlermarge, d.h. solche Völkerwanderer, die zwar einen Asylanspruch haben aber nicht anerkannt werden, was diese ominösen, offenbar willkürlich aus dem AfD-Luftraum gegriffenen 95% schon mal reduziert.

    Gesittete Menschen, die wir zu sein vorgeben, reduzieren den Prozentsatz im Geiste (zwei hin, eins im Sinn) weiter, weil in unseren Kopf allein der alte Asylartikel 16 des Grundgesetzes passt ohne jeden verquasten Gesetzesvorbehalt.

    Wie man weiss, ist der jetzt gültige Artikel und das Vorbehaltsgesetz nur für die gemacht, die aus der Geschichte nichts lernen wollen und absolut ausschliessen zu können glauben, dass die Lage eintreten könnte, dass man aus einem renationalisierten Deutschland lieber irgendwo anders hinstrebt.

  7. @ 6 Superbe …
    nur, wie kommt man jetzt -mit dem (zwei hin, eins im Sinn)
    – einfach nochmal auf die Schnelle dahin –
    wo man nach -seinem/ihren freien Willen- kommen sollen dürften könnte?

    Ich komm da immer irgendwie etwas durcheinander, wer da jetzt grad was im Sinn hat,
    vor allem, wenn’s so nachhallig zielführend wird …
    (auf oder auch -bewußt demonstrativ- irgendetwas im Schilde zu führen, jetzt einmal außen vor. Denn das wär schließlich ziemlich unterkomplex banal)

  8. Wie soll Politik, konfrontiert mit Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, welche zu höherer (gefühlter) Unsicherheit in der Bevölkerung führt, antworten, wie mit höherer Unsicherheit und Schwankungsbreiten dennoch ausreichend gut zu leben gelernt werden kann, ohne gleich in nostalgische und retrotopische Träumereien gefühlter Wahrheiten zurück fallen zu müssen oder sich sprachlos aus Führungsaufgaben zurück zu ziehen, oder mit Schnappatmung sich darin zu erschöpfen in der Dämonisierung politischer Gegner, welche zumeist nur ebenso schwach und unfähig sind, als man selbst?

    Am Ende scheint mir solches Verhalten kaum über die Wirkung eines Pflasters auf entzündete Wunden hinauszugehen.

    Irgendwie scheint es ja nicht nur in der Wirtschaft diesbezüglich an kompetenten Fachkräften zu fehlen.

    Bereits das ehrlich kommunizierte Eingeständnis, scheint mir ein erster Schritt zu sein, um allmählich wieder Vertrauensbildung (als ein Kerngeschäft von Politikern) mittels Bescheidenheit aufzubauen.

    Und angesichts des messbaren Vertrauensverlustes, welches faktisch zahlenmäßig im Wahlergebnis des vergangenen Jahres festgeschrieben steht, scheint es mir auch mehr als angemessen, von jenen, welche nun doch Regierung bilden wollen.

    Stattdessen berühren mich verbale Superlative nun unangenehm, mit welchen die Ergebnisse aus den Sondierungsgesprächen ausgelobt werden.

  9. Es wurden im Jahr 2016 695.733 Asylanträge beschieden. Davon bekamen 2.120 (0,3%) der Antragsteller eine Asylberechtigung nach Art 16a GG zuerkannt, Quelle BAMF, „Aktuelle Zahlen zu Asyl“.

  10. Lieber Herr Simon,

    so sehr ich Sie, Ihren scharfen Verstand und Ihre Bücher auch schätze, aber aus konstruktivister Perspektive möchte ich Sie gerne mal fragen: „Seit wann haben Sie solche Vorurteile gegen Basisdemokratie und wie lange schon?“ Denn nichts von dem, was Sie geschrieben haben, hat wirklich Substanz.

    Stattdessen dürfen Sie sich gerne eingehender mit dem Erneuerungskurs der Labour Party in GB beschäftigen. An dieser Stelle werden Sie nämlich einen aktuellen Hinweis erhalten, dass mehr Basisdemokratie tatsächlich sehr gut funktioniert. Der Unterschied zu der deutschen SPD ist, dass die Führung von Labour diesen basisdemokratischen Prozess wirklich gewollt hat, immer noch will und diesen wahrhaftig durch die Einbindung der Digitalisierung für die Basis auch ermöglicht. Das ist die Zukunft! Leider sind unsere hiesigen Parteien-Führungen, insbesondere die SPD, in dieser Frage, nämlich ihrer Basis mehr Vertrauen (+Einfluss) zu schenken, ganz Weit entfernt. Damals vor 10/20 Jahren konnte man das noch verstehen, doch heute haben wir die techologischen Möglichkeiten für mehr Partizipation, die aus Gründen (?) nicht genutzt werden.

  11. Jemanden lesen, der etwas davon versteht. Sein ganzes 40-jähriges Berufsleben sich mit diesen Fragen befasst hat. Fast alle fraglichen Länder bereist hat, die Lager besucht und mit den Regierungen gesprochen hat. Der mit allen wissenschaftlichen Mitteln versucht, diese drängenden Probleme zu durchdringen und Projekte von Obama begleitet hat, die dieser als seinen Nachlass empfindet……..

    https://www.amazon.de/Gestrandet-Warum-unsere-Fl%C3%BCchtlingspolitik-schadet/dp/3827500907/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1515915895&sr=8-1&keywords=gestrandet

  12. @ 11 und @ 3 plus 9:
    Das Asyl-Kriterium der unmittelbaren Lebensbedrohung reicht laut Alexander Betts und Paul Collier nicht aus. Sie plädieren in „Gestrandet“ für ein neues Asyl-Kriterium wegen Schutzbedürftigkeit, und zwar das der „Furcht vor ernsthaftem physischen Schaden“: „Wenn die Minimalbedingungen für ein menschliches Leben nicht mehr gewährleistet sind – sei es aufgrund von Umweltveränderungen, Nahrungsmittelknappheit oder Gewalt –, ziehen Menschen weg. Doch sie gelten damit bislang nicht als Flüchtlinge. Die Autoren schlagen daher ein neues Kriterium für Schutz vor, die „Furcht vor ernsthaftem physischem Schaden“, verbunden mit der Frage: „Wann wäre ein vernünftiger Mensch der Ansicht, dass ihm keine andere Wahl bleibt, als zu fliehen?“ […] Zwar fordern Betts und Collier, dass im Fall einer Notlage alle Staaten als Zeichen der Solidarität einige Flüchtlinge aufnehmen. Darüber hinaus sei es in der Regel jedoch sinnvoll, Menschen in Nachbarstaaten, mit denen sie eine Sprache und Kultur teilen, unterzubringen. Die Integration sei einfacher, die Versorgung günstiger, und zudem kehrten Flüchtlinge vor dort aus nach einem Ende der Krise eher in ihre Heimat zurück. Das entlasse andere Staaten aber keineswegs aus ihrer Verantwortung, die Zufluchtsländer massiv mit Ideen und Geld zu unterstützen.“ http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/alexander-betts-und-paul-colliers-gestrandet-14962168.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

  13. Man sollte das Buch lesen – oder zumindest einmal eine Leseprobe herunterladen.

    (Es wird Zeit, dass das dumme Geschwätz aufhört …….)

  14. Basisdemokratische Entscheidungen werden erst dann wieder mehr an Relevanz und Direkheit gewinnen, wenn Gesellschaften in kleinere Gruppen zerfallen. In Relation zuden zwingenden Umweltveränderungen stehen Flüchtlingsmengen und -bewegungen. Die Diskussion, wer wohl wo welches Recht auf Asyl hat, wird unter dem Aspekt, das es aktuell um das Überleben der Menschheit geht, banal.

  15. @11: Ja, ja, die KleiKo erklärt die Migrationskrise als beendet.

    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article172462683/Shithole-Affaere-Trump-hat-recht-Nigeria-ist-ein-Drecksloch.html

    „Wären unsere Länder keine Dreckslöcher wären wir nicht alle im Ausland.“
    (Ist auf jeden Fall bequemer, als sein Land vernünftig zu gestalten…… – würde ich vermutlich auch machen ……)

    Spiegel: Die schlauen sonstigen Europäer planen Gesetz auf EU-Ebene: nicht mehr automatisch das Land, in dem ein Flüchtling die EU erreicht, soll für dessen Asylverfahren zuständig sein, sondern das Land, in dem bereits Angehörige des Bewerbers leben – also Schland.

  16. So holen wir uns 1, 2 oder 3 Sozialhilfegroßstädte ins Land – JEDES JAHR.

    Ohne in der Welt auch nur einen Deut etwas zu verbessern………….

    Aber wir sind ja so gut: 44% der Klagen gegen die Millionen Asylbescheide sind „erfolgreich“. Eine bessere Einladung mehrmals zu klagen, gibt es nicht. (Die Anwaltsippe freuts!! Der Staat zahlts ……..und die Gelder sind für eine wirkliche Hilfe in den Nachbarländern der Krisenstaaten verloren.)

  17. @ 19: „In meiner Erinnerung glichen die Sondierungen einer zu langen Klassenfahrt im zu engen Bus – 16 Stunden von Flensburg nach Garmisch. Irgendwie denkwürdig und irgendwie ätzend.“

    Sind halt Profis, unsere Politiker…

  18. @Denis P.: Meine Skepsis gegenüber basisdemokratischen Verfahren habe ich, seit ich mich mit Fragen der sog. „kollektiven Intelligenz“ und der Dynamik von Kriegen (s. mein Buch dazu) beschäftigt habe.
    Seither ist mir speziell der Unterschied zwischen der Intelligenz bzw. Blödheit von Organisationen vs. Massen deutlich geworden. Massen (deren Dynamik seit LeBon und Elias ja ganz gut beschrieben worden ist) funktionieren durch Synchronisierung der Emotionen von Individuen, d.h. sie reagieren letztlich analog zu hochemotionalisierten Individuen (um es metaphorisch zu sagen: geleitet vom Stammhirn). Organisationen hingegen – um im Bild zu bleiben – regieren analog zum Funktionieren des Grosshirns, d.h. es können hochdifferenzierte Prozesse geordnet und prozessiert werden, bei denen eine Vielzahl von Menschen jeweils ganz unterschiedliche Handlungen vollzieht, die zusammen aber ein sinnvolles Ergebnis produzieren, während in der Masse alle Teilnehmer dasselbe tun (=entdifferenziert).

    Das Beispiel von Labour scheint mir keineswegs sehr attraktiv, nebenbei bemerkt, wenn ich die halbherzige Politik der Parteiführung zum Brexit betrachte.

  19. Krass, wie die Monothematiker hier es unabhängig vom aktuellen Post Thema schaffen, auch in 2018 immer nur ihr eines Angstthema rauszuseiern.

  20. @20
    Genau da ist der Denkfehler, auf denen Ihre ganze Konstruktionen aufbauen:
    „..holen…“
    Die Frage ist, ob sie es selbst erkennen können.
    @25
    ‚Monothematiker‘ – herrlich!
    @22
    Danke. Mich beeindruckte dieser Bericht.
    @3
    Ich kann ihre Argumentationen einfach nicht nachvollziehen. Ihren Umgang mit Statistik übersehe ich jetzt einfach.
    Einer der Argumente von Herrn Simon war ja „… zu idiotischen Ergebnissen, weil da mehr die emotionale Grundstimmung …“.
    Anlass für Sie zu einer Assoziation, in Bezug auf ein ganz anderes Thema. Was soll das? Und dann noch so abwegig. Gerade die Flüchtlingspolitik von Frau Merkel ist ja ein Beispiel dafür, genau dieser „emotionalen Grundstimmung“ nicht gefolgt zu sein. In der Presse ist das ja ausführlich aufgegriffen worden, dass dies einer der wenigen Entscheidungen von Frau Merkel war, um die sie ja gerungen und sich eingesetzt hat. (Deshalb wurde sie ja von Leuten, denen diese Haltung gegen den Strich ging, so angegiftet.)
    Also gerade ein Beispiel für den Vorteil der repräsentativen Demokratie.

  21. @ 24: Um hier kurz mal an die Einheit der Differenz und den winzigen Unterschied zwischen einem (produktiv) funktionalen und (kontraproduktiv) dsyfunktionalen Verhalten zu erinnern:

    Was spräche eigentlich dagegen, Herr Simon, daß das Großhirn – zumindest zwischendurch- auch einmal auf das Stammhirn hört, das schließlich -auch wenn man es nicht so genau erklären kann- sich eher Bauchentscheidungen zu öffnen mag, die sich erst -ex post und dann u.U. auch erst unter so manchen Eingeständnissen und unter schmerzlichen Verlusten – als die einzig Richtigen erweisen können.

    Man muß gelegentlich dann schon etwas genauer hinschauen:
    1) „Geordnet und prozessiert“ heißt nicht, daß auch Alles seine Ordnung hat.
    Wie bekannt, kann auch eine gute Organisation, die in letzter Konsequenz durchdacht, aber schlecht ist, unter Aufrechterhaltung der Methode nicht zwangsläufig zum Guten führen. Es kann auch noch schlechter werden. (frei nach Watzlawick) Bzw. analog Ihrer Rede: Mit einer guten Organisation läßt sich auch ein KZ führen

    2) Undifferenziert ist nicht gleichzusetzen mit entdifferenziert.
    Undifferenziert kann sein, was noch in frühen Entwicklungsstadien, sozusagen in den Kinderschuhen steckt.
    Der Ausdruck „entdifferenziert“ wird üblicherweise in Zusammenhang mit Krebszellen verwendet und beschreibt in der Regel ein „quoad vitam“ hochmalignes Zustandsbild.

    Ihre Analyse bitte, wie und auf bzw. über welche Ebenen, man zu differenzierten Aussagen kommen könnte?
    Wobei ich davon ausgehe, daß es im Beeich des Möglichen läge, das Eine zu tun, ohne das Andere zu lassen.

  22. Ad 26 und to whom it may concern:
    „Wer könnte in Abrede stellen, daß die Alarmisten, wie üblich, nahezu völlig recht haben? Die Bewohner der wohlhabenden Nationen schlafwandeln zumeist im unpolitischen Pazifismus. Sie verbringen ihre Tage in einer vergoldeten Unzufriedenheit. Unterdessen vertiefen sich an den Rändern der Glückszonen ihre Belästiger, ja ihre virtuellen Henker in Lehrbücher der Sprengstoffchemie, entliehen aus den öffentlichen Bibliotheken des Gastlandes.“ – Peter Sloterdijk

  23. @28 (Sloterdijk): Man kann auch als ziemlich intelligenter, auf jeden Fall hochgebildeter Mensch Idiotisches von sich geben…

  24. @Sloterdijk „Idiotisches von sich geben…“ hier, am 22. 11. 2017, eher Gegenteiliges , (wird den Alarmisten
    vermutlich nicht gefallen) :
    „Wird es in Zukunft noch für alle Menschen Arbeit geben?“
    https://www.youtube.com/watch?v=USoicY2sQd4
    (Ein vorzüglicher Erzähler und die Nase gut im Wind der aktuellen Theorien und Diskurse ?)

  25. „Man kann auch als ziemlich intelligenter, auf jeden Fall hochgebildeter Mensch Idiotisches von sich geben…“
    Ähem … ja, das ist wohl wahr.
    Das Zitat stammt übrigens aus „Zorn und Zeit“, ein wie ich finde sehr lesenswertes Buch (wie überhaupt so gut wie alles von Sloterdijk). Danke für den Hinweis, Herr S., ich werde mir den Link bei Gelegenheit mal anschauen.

  26. In der allseits beliebten Reihe „Vorab-Rezensionen“ (begonnen in „Gibt es ein Schizophrenie-Gen“) in lockerer Folge weitere Fundstellen:

    „Ich-schwache Menschen sind geneigt, Selbstverständlichkeiten wie: „Beobachtung x2 gekoppelt mit Unterscheidung x1 ist verknödelt mit Beobachtung y2 und Unterscheidung y2 oder 1 oder 3“ zu ihrem Ausdrucksmittel zu machen.“

    Sl.…..jk in der Zeitschrift „Nicht satisfaktionsfähig“ im Artikel:

    „ Wir leben tatsächlich in einer Welt, die beherrscht wird von dem Schein, Geborensein sei eine Trivialität, die wir in der tiefsten Implizitheit, der stummsten Selbstverständlichkeit auf sich beruhen lassen dürften bis dem Tag des Gegenteils, um das man sich seit jeher gründlichere Gedanken macht.“

  27. @24 Labour. Schau’n wir mal (die Wette gilt)
    „..Im Parlament mag Corbyn als Hinterbänkler und Außenseiter gegolten haben, doch in seinem Wahlkreis im Londoner Norden ist er populär. Acht Mal verteidigte er sein Mandat. 2017 erzielte er mit 73 Prozent ein wahres Rekordergebnis: Sein Vorsprung vor dem konservativen Konkurrenten betrug 60 Prozent. Es gibt in Deutschland nur einen Politiker, der mit Corbyn vergleichbar wäre: Das ist der links-grüne Ex-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele. Ihre Auffassungen, ihre innerparteilichen Kämpfe und ihre Sturheit ähneln sich. Doch Ströbele wäre nie auch nur in die Nähe einer Kanzlerschaft gekommen.

    Dass ein Typ wie Corbyn heute zum Rockstar der Politik werden kann, zeigt, wie dramatisch sich die Lage zugunsten der europäischen Linken verändert hat – wenn sie richtig auf die genannten Krisen reagiert. Corbyns Partei hat bei den Parlamentswahlen am 8. Juni 2017 fast 12,9 Millionen Stimmen erhalten, Macrons Partei erreichte zehn Tage später nur 7,8 Millionen – bei einer annähernd gleichen Zahl von Wahlberechtigten in beiden Ländern. Bei aller Liebe zu Macron – aber 2018 wird wohl ein Corbyn-Jahr.“
    https://www.freitag.de/autoren/wolfgangmichal/reiter-der-lawine

  28. Ach Gott, ach Gott, ich glaub, jetzt muß ich auf meine alte Tage
    doch noch konvertieren.
    „Meine Damen und Herren, ich komme zum Schluß“
    #metoo

  29. also wie viele Mädels wurden jetzt von diesem
    „Du mußt Dein Leben ändern“ angemacht?

    Von dem abgesehen, der bräuchte endlich mal nen Cut,
    Die goldenen Zeiten als Fernsehphilosoph sind längst vorbei.
    Aber selbst damals konnte ich diesen unsäglichen Schwätzer,
    vom Besetzer des geistigen Luftraums
    nur äußerst begrenzt ertragen.
    Und wenn, dann auch nur unter Abdunkeln des Bildschirms.

  30. Es wurde gefragt (mit der Andeutung, dies sei eine abstruse Assoziation), was das Thema GroKo mit der Migrationskrise zu tun hat (geht es eigentlich nur mir so, daß dieser fortwährende infantilisierende Sprachgebrauch, „GroKo“ schwer zu ertragen ist – ich denke da spontan an „Lurchi und seine Freunde“?).
    Der Zusammenhang liegt doch auf der Hand! Die Massenimmigration ist und war im Wahlkampf DAS bestimmende Thema. Union und SPD haben deshalb ihre historisch schlechtesten Wahlergebnisse erzielt und haben der AfD zu einem zwei Jahre zuvor kaum denkbaren Aufstieg verholfen. Allein die GRÜNEN konnten sich halten, weil ihre Wähler wohl eine hohe Bindung an die Partei haben (womöglich die höchste aller im BP vertretenen Parteien).
    Diese Dynamik führt dazu, daß wir nun, fast 4 Monate nach der Wahl (!) keine vom BP gewählte Regierung haben. Lindner ist FDP-untypisch auf den Merkelzug nicht aufgesprungen, Respekt. Er weiß was er tut, denn er spürt den politischen Todeshauch, der die Nochkanzlerin umgibt.
    Nun halten sich drei Verlierer (Merkel, Schulz und Seehofer) aneinander fest und wissen doch: ihr letztes Stündlein hat geschlagen, auch wenn der Abgang erst in 2 Jahren erfolgen sollte. Die SPD baut eine gewaltige Konfliktdynamik auf, weil ihre Stammwählerschaft ihr seit Jahren davonläuft und sie nicht weiß was sie will. Gut möglich, daß es zur Spaltung der Partei kommt. Z.B. durch die Gründung einer dritten linken Partei, wie von Wagenknecht und Lafontaine offenbar erwogen. Es sind spannende Zeiten. Aber wer will wirklich in spannenden Zeiten leben?

  31. Der Artikel ist leider noch hinter einer Paywall, aber schon die ersten Sätze erfreuen
    „Gabriel redet als Bauern-, Arbeiter- und Arbeitslosenfänger neuerdings von Heimat, Leitkultur und patriotischer Umverteilung, weil ihm niemand erzählt hat, wie schlimm Lassalle von Marx dafür verprügelt wurde, dass jener naive Mann allerlei Probleme der sogenannten sozialen Gerechtigkeit „vom engsten nationalen Standpunkt“ her fassen wollte.“
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kolumne-was-sagt-karl-marx-ungeheuer-schwierige-saetze-15401988.html

  32. GroKo oder Nicht-GroKo: „Juso-Chef Kevin Kühnert erinnert in der Sendung von Maybrit Illner an ein junges doppeltes Wiedergängerlottchen aus Eberhard Diepgen und Klaus Wowereit. Er ist ein Berliner Gewächs mit zweifelhaftem politischen Talent. Er sagt, die SPD werde sich Gedanken darüber machen müssen, wie sie wieder wachsen könne, als hätte ihm Werner Herzog mit dem Film „Auch Zwerge haben klein angefangen“ die Dramaturgie für sein Vorhaben geliefert. […] Das Regiebuch für diese Talkshow erinnert von ferne an Giuseppe Tomasis Roman „Der Gattopardo“. Der aufmüpfige Juso Kühnert, der so vehement dafür eintritt, dass alles sich ändert, operiert als ein Agent dafür, dass alles so bleibt, wie es ist.“
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik-maybrit-illner-zur-groko-debatte-15406186.html

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