La strada senza tasse

Im italienischen Fernsehen (RAI 3) wurde eine Dokumentation über ein Experiment gezeigt: Die Bewohner einer Strasse (ich glaube in Eboli – dort, bis wohin Christus nur kam…) hatten sich verpflichtet, fünf Wochen lang auf alle Dienstleistungen ihrer Gemeinde zu verzichten; deshalb mussten sie auch keine Gemeindesteuern für diese Zeit bezahlen. Es waren vier oder fünf Familien und zwei alleinstehende Damen, insgesamt 22 Erwachsene und eine Handvoll Kinder. Es war interessant, welche Dienstleistungen, die normalerweise als selbstverständlich vorausgesetzt und erwartet werden, auf einmal wegfielen. Das fing beim Strom an und hörte bei der Beseitigung von Graffitti und der Jagd nach Ratten auf. All diese Aufgaben mussten von den Bewohnern selbst organisiert werden. Das war mit einem beträchtlichen kommunikativen Aufwand verbunden: Es fanden Dutzende von Sitzungen statt, in denen gemeinsam entschieden und die Arbeiten verteilt wurden…

Nach den fünf Wochen wurde ein „Referendum“ zur Frage abgehalten, ob dieser steuerfreie Zustand beibehalten werden sollte oder nicht. Abstimmen durften nur die Erwachsenen. Das Ergebnis war knapp: 9 Bewohner stimmten dafür das Experiment fortzuführen, 22 wollten wieder zurück in die fürsorgliche Betreuung der Gemeinde. Die Argumente für die Fortsetzung des Experiments bezogen sich vor allem auf die Sozialdimension der Kommunikation: Der Zusammenhalt und die emotionale Bindung der Strassenbewohner hatte sehr zugenommen, und das war (eigentlich von allen) als sehr positiv erlebt worden. Was die knappe Mehrheit der Bewohner aber  zurück zur Gemeinde  getrieben hatte, war die Kehrseite desselben kommunikativen Aspekts: Es war viel bequemer sich auf einen zuverlässigen Dienstleister verlassen zu können. Außerdem hatte man alles in allem auch kein Geld gespart, denn die Steuern waren geringer als der eigenverwaltete Aufwand.

11 Gedanken zu “La strada senza tasse

  1. Das Ergebnis scheint mir übersignifikant: 22 Erwachsene stimmen ab, 9 sind dafür, 22 dagegegn

  2. Statistik hin oder her, das Ergebnis zeigt die Probe aufs Exempel. Was in meinen Augen bedeutet:

    1) Arbeitsteilung in der Dienstleistung -richtig und verläßlich eingesetzt- ist nicht nur eine angenehme und sinnvolle Errungenschaft, sondern zahlt sich letztlich auch aus.
    2) Offenbar leisten die via Steuern finanzierten öffentlichen Dienstleister auch verläßliche und gute Arbeit.
    Das erscheint -gemessen an deutschen Verhältnissen- allerdings schon wie ein kleines Wunder
    🙂

  3. 0@
    Ein Staat fördert durch seine Dienstleistungen bei seinen Bürgern Bequemlichkeit!

    Das ist allerdings bedenkenswert im negativen Sinn.
    Schließlich ergeben sich daraus negative Prognosen.

    So mancher Bürger wählt dann leider nach dem Motto:
    „Wenn das die Lösung ist… dann will ich mein Problem zurück.“

  4. @7: Und so eröffnen sich immer wieder wunderbare Räume für eine Fülle an Geschäftsideen. Ein vielversprechendes Start-Up befindet sich derzeit in Gründung,
    Donna Sawyours & Howberta Vimm.
    Kleine Lückenbüßer – Kunde

    Die Kunst des Zäune streichen Lassens, um mit
    Paravents ein Vermögen zu machen.
    😀

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