Lesefähigkeit

Nach einer aktuellen Studie ist die Lesekompetenz von Viertklässlern in Deutschland (wenn ich das richtig gelesen habe) bei Kindern, die aus einem Elternhaus kommen, in dem es mehr als 100 Bücher gibt, um etwa ein Lehrjahr den Kindern aus Unter-100-Bücher-Haushalten voraus.

Die Lösung, die für mich auf der Hand liegt: Einfach jedem Haushalt mit einem grundschulpflichtigen Kind 100 Bücher zur Verfügung stellen, dann ist alles in Ordnung. Das ist auch billiger als – noch dazu verbeamtete – Lehrer einzustellen. Und es geht ja ganz schnell: Man braucht wahrscheinlich ja nicht mehr als eine Woche, um das Leseproblem der Viertklässler zu lösen, heute wo die Logistiker die Bücherpakete innerhalb kürzester Zeit in den kleinsten Dorfschulstandort bringen können.

14 Gedanken zu “Lesefähigkeit

  1. @ 1: … z.B. mit Ihren Hörbüchern, getreu dem Motto: Wer schon nicht lesen kann, sollte wenigstens hören.

  2. @ 2:
    …wär ne Idee für den Einstieg. Am Besten man gründet gleich ne Stiftung “ Hören, um zu lesen zu lernen“, bevor einem noch Hören und Sehen vergeht. 🙂

  3. @ In der Grundschulpädagogik gibt’s ja schon die Anweisung: „Schreiben nach Gehör“.
    Das bewahrheitet den Satz, wonach die Fabriken der Zukunft zwischen den Ohren unserer Kinder ihren Platz haben – oder sind unsere Zukunftsfabriken eher Bruchbuden, in denen der „Ausschuss“ von morgen produziert wird?

  4. @2-4 Lesen vs. Hören?

    „Beim Lesen haben Menschen die Freiheit, vor und zurück zu gehen, je nach der eigenen Einschätzung ihrer Informationsaufnahme. Dies ist anders als beim Hören eines erzählten Texts oder beim Betrachten eines Videos, bei denen es eine Grundeinstellung des Informationstempos gibt.“ (Rakefet Ackerman)

    Mit den digitalen Medien ändern sich auch die Lesegewohnheiten. Mit den Lesegewohnheiten ändern sich die Rahmenbedingungen und Aufgabenstellung der Aufmerksamkeitsfokussierung der Leser. Um nicht „dümmer“ zu werden, genügt mehr Aufmerksamkeitsfokussierungsfähigkeit. („Mehr Bücher im Bücherregal“ genügen daher nicht. Und Hören oder Sehen kann Lesen nicht ersetzen.)

    Vertieftes(!) Lesen, Bedenken, Verknüpfen, Bewerten, Schreiben (als Antwort) usw. erfordert offensichtlich einen anderen Zeitmodus.

    Die Einführung vorgeschriebener Zeittakte zum Lesen (vor allem) neuer und komplexer Texte/Inhalte, führt paradoxerweise, eben nicht zu mehr „Intelligenz“*.

    (*Im Sinne eines tieferen Verständnisses der schriftlich vermittelten Tiefe und Komplexität von Inhalten und angemessener, vereinfachter Zusammenfassung und kreativ-verknüpfter, weiter-gedachter Schlussfolgerungen)

    Aufgrund der zwangsläufigen Oberflächlichkeit an (inhaltlich-fokussierter) Aufmerksamkeit unter Zeitdruck, werden Leser tatsächlich „dümmer“ durch deren Neigung zu Oberflächlichkeit.**

    (**Gut in digitalen, sozialen Chat-Netzwerken zu beobachten)

    “ Wenn eine Aufgabe zum Beispiel als das eigentliche Ziel und nicht als Training zur Vorbereitung auf eine andere Aufgabe vorgestellt wird, erreichen die Menschen am Bildschirm und auf Papier gleiche Werte.“ (Rakefet Ackerman)

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/interview-psychologin-rakefet-ackerman-zum-bildschirmlesen-15322757.html

  5. Willkommen im Schlaraffenland mit Überfütterung durch pädagogische Illusionen.

    Das Hören alleine wird es nicht leisten können. Es muß aufgenommen und dann auch meta-bolisiert, d.h. verstoffwechselt und in Handlung und Bewegung umgesetzt werden. Das ist Arbeit, die sich nicht nur zwischen den Ohren und dann als Umsetzung am Bildschirm abspielen kann. Arbeit aber auch, die Kinder in der Regel, sofern man ihnen auch genügend Freiräume gönnt, sich etwas zu erarbeiten, in spielerischer Herausforderung leisten können und wollen.

    Die eigentliche Problematik dürfte eher im sozialen Bereich liegen, wo sich Mangel an Anregungen und Überfütterung mit Pseudoangeboten die Hand reichen.

  6. @ 5: „Beim Lesen haben Menschen die Freiheit, vor und zurück zu gehen, je nach der eigenen Einschätzung ihrer Informationsaufnahme.“

    Stimmt!

    Es ist folglich weniger der Mangel an Angeboten, es ist auch nicht die andere Technik, am Bildschirm zu lesen.
    Nein, es ist die Taktung, das Tempo und der dadurch entstehende Zeitdruck, der Streß erzeugt und verhindert, etwas verstehen, etwas gedanklich hin und her zu bewegen und zu verdauen, sich ggf. auch in fiktiven Gesprächen zu erschließen und zum „Kino im Kopf“ reifen zu lassen, das die eigentlichen Qualitäten des Lesens in Zusammenhang mit dem Lernen ausmacht.

    Lernen und lernen lernen ist und bleibt in letzter Konsequenz ein ganz individueller Prozeß.
    Der Information-Overload unter Zeitdruck ist das eine, was sich dabei kontraproduktiv auswirkt,
    Der Gruppen- und Integrationszwang , auch noch forciert durch die Sollvorgaben von Curricula wirkt dann von der Kehrseite der Medaille her, in ein und dieselbe kontraproduktive Richtung.

    Summa summarum dreht sich auch nicht darum die Digitalisierung einzuführen und zu bewältigen. Die Digitalisierung repräsentiert lediglich eine anderen Zugang durch die neuen Techniken, die allerdings einen gehörigen Schwall an Information-Overload (ob mit Schrott oder mit hochkarätigen neuen Entdeckungen und Erkenntnissen) mit sich bringen.

    Man darf gespannt sein, wie wann und unter Einsatz welcher Mittel sich die Avantgarde endlich aufmacht, sich gegenüber der optischen und akustischen Umwelterschmutzung in sozialen Räumen abzugrenzen.

  7. @ 8

    Hat eigentlich Ihr Sohn an diesem Lesefähigkeitstest teilgenommen oder besucht er bereits das Gymnasium?

  8. @Lesen/Hören/Lernen: Ich hatte als Kind einige Lernschallplatten und natürlich die üblichen Märchen, Karl-May-Geschichten und so weiter. Ich kann vieles heute noch auswendig, was ich von dem meisten, was ich in der Schule aus Schulbüchern zu lernen hatte, weiß Gott nicht sagen kann.
    Das Problem liegt im Lesebegriff. Lesen zu können, das ist mehr, als Buchstaben aneinander zu reihen, Wörter zu erkennen, Satzzusammenhänge zu begreifen (letzteres können übrigens nicht wirklich viele).
    Und das gilt fürs Hören genauso. Kinder mögen das Zuhören. Sie mögen es auch, wenn die Sache immer und immer wieder gleich erzählt wird.

    Ich finde jedenfalls die Idee, Schulbücher auch als Hörbücher zu produzieren, gar nicht so verkehrt, denn dabei muss man über eine ganz andere Aufbereitung nachdenken. Dazu dann noch als Virtual Reality-Erfahrung.

  9. @ 11: „Dazu dann noch als Virtual Reality-Erfahrung.“

    … und täglich Buchstabensuppe in der Schulkantine.

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