"Liebesbrief"

„Lieber Schatz,

das Gefühl, das Wichtigste in deinem Leben zu sein, ist für mich wunderschön. Uns verbinden so viele unvergessliche Augenblicke. Dabei hast du immer wieder ein gutes Gespür dafür, wie du mir eine Freude machen kannst.

Nun habe ich eine kleine Bitte: Es gibt eine Woman’s Special Partnerkarte zu deine Miles & More Kreditkarte, die echte Vorteile bietet. Ich werde damit sogar auf exklusive Events eingeladen und nehme an tolen Überraschungsaktionen teil.

Und das Beste: Ich bekomme ein 2-Jahres-Zeitschriftenabo der VOGUE, myself oder Architectural Digest geschenkt! Du weißt doch, wie gerne ich in solchen Magazinen stöbere…

Selbstverständlich möchte ich mit meiner Kreditkarte auch Meilen sammeln, so wie du, die wir dann gemeinsam in eine schöne Reise – vielleicht nach Paris – einlösen!

Ich würde mich unheimlich freuen, wen du diese Partnerkarte für mich beantragst: www. womans-card-de

Tausend Dank

Deine Special Woman“

(…das Ganze signiert mit einem roten Kußmund. Diesen Brief fand ich heute in meinem Briefkasten. Absender: die Lufthansa. Ich finde es interessant, welch Frauenbild die Lufthansa hat bzw. was die Lufthansa über die Beziehungsmuster ihrer Kunden denkt. Ob es auch einen analogen Brief an die M&M-Karteninhaberinnen mit einem Abo für den Playboy oder irgendeine Heimwerkerzeitschrift bei Bestellung der Partnerkarte gibt?)

23 Gedanken zu “"Liebesbrief"”

  1. Ach wie lieb! Was sich das Marketing samt Verhaltensökonomie so alles ausdenkt, wie Menschen ticken könnten. Wär doch mal interessant zu erfahren, welche Reaktionen auf Rücksendungen mit „Danke Schatz, Du kannst mich mal kreuzweise…Streich mich aus dem Verteiler“ erfolgen.

  2. Gar keine. Das mit Web 2.0 ist meist nicht ganz so ernst gemeint als wie man gern verkauft. Von Dialog spricht für gewöhnlich, wer Hochstatus oder irgendein Infomonopol aufgebaut hat.

  3. Das ist ja eine ganz reizende Idee, die sich auch leicht auf den privaten Bereich übertragen ließe! Wie wär’s denn mit einer goldenen Beischlafkarte: sex & more? Mit Extra-Punkten für spezielle Dienstleistungen und supertollen Überraschungen (z.B. rosa Puschel-Pantoffeln oder seidene Bettwäsche im Leoparden-Design)? Und wer besonders fleißig Punkte sammelt, gewinnt eine Gratis-Botoxbehandlung, damit frau vor lauter beglücktem Lächeln keine bösen, bösen Falten bekommt…
    Ich weiß schon, woher die Herren bei der ‚Lusthansa‘ ihr Frauenbild haben – aus irgenwelchen schwachsinnigen amerikanischen Gangsterfilmen. Nun ja: über den Wolken… ist die Luft ziemlich dünn, und das schadet ganz offensichtlich dem Neocortex.

  4. Die meinen das ernst! http://kurzurl.net/chvGB
    Irgendeine hoch bezahlte Agentur muss herausgefunden haben, dass das die Zielgruppe anspricht (das ist das eigentlich erschreckende) – wie auch immer die definiert sein mag. Adressiert werden jedenfalls Männer!
    Oder sollte sich sowas tatsächlich irgendwer am grünen Tisch ausgedacht haben? Bei einem Konzern wie LH?

  5. Auf Reinhard May scheint nicht so rundum Verlass
    http://www.youtube.com/watch?v=lK76cnUcj8U
    Vom Höhenkoller kann man, neben anderen Insuffizienzen, auch mal das Kotzen kriegen. Sollte eigentlich vor dem Abheben auch auf dem Beipackzettel erwähnt werden. Kotztüten gehören schließlich längst zum Inventar.
    @4. Und für Adam dazu gleich noch Spamfilter gegen sexuelle Belästigung! Wie sollen sich die armen Jungs bei dem ganzen
    Gender- und Quotengezwitschere noch zurechtfinden?

  6. Schon richtig gedacht von der Staatsairline.
    Der erfolgreiche deutsche Manager ist schliesslich mit einer Tussi aus dem Ostblock verheiratet, da braucht man:

    Perfekte Budgetkontrolle
    Mit dem Onlinekonto kann die Karteninhaberin jederzeit und tagesaktuell ihre Umsätze einsehen und behält so den Überblick über ihre Ausgaben.<
    (Von der verlinkten Lufthansa Webseite in Kommentar #4 by TPunkt — 14. Juni, 2012)

  7. @6 Was soll dass denn? „Tussi aus dem Ostblock“ Wollen Sie der Lufthansa-Reklame Konkurrenz machen?

  8. Was soll dass denn? “Tussi aus dem Ostblock” […]?

    Kommentar by Petra Backes — 15. Juni, 2012 @ 05:20 Uhr <

    Was stört denn, die „Tussi“ oder der „Ostblock“ oder beides?

    Also:
    Nachdem er von seiner Erstfrau geschieden ist, die er geglaubt hat, heiraten zu müssen, weil sie ihm seine Diplomarbeit getippt hat (Für Mutti & Vati), ist der erfolgreiche deutsche Manager (oder Politiker) verheiratet mit einer special woman aus einem der ex-sozialistischen Staaten.

    http://www.wie-sagt-man-noch.de/synonyme/tussi.html

    Dank dieses Hinweises in #7 wieder etwas entdeckt:
    im www lassen sich nachschlagen
    Fehlerhafte Schreibweisen
    tussssi, tusi, tußi, tuzzi, tussii, tuussi, ttussi, tussi, ussi

  9. Könnte man das ganze nicht ironisch auffassen? Bzw. was spricht konkret dagegen, den „Liebesbrief“ als ironisch zu werten?

  10. @zer0:
    Ironie: „Ich sage etwas, was ich gar nicht so meine. Ich kann aber vorraussetzen, dass mein Gegenüber das versteht.“ Hier meinen die Werbefuzzies es genau so wie sie es schreiben: „Besorg deiner Freundin eine Partnerkarte, dann bekommt sie Frauenzeitschriften und anderen Weiberkram, da steht die doch voll drauf, kennste ja die Weiber“. Dass man diese recht einfache Botschaft noch „cheesy“ verpackt ist keine Ironie. Höchstens eine Travestie (die Literaturgattung, nicht das mit den Anziehsachen). Übertreibung und Überzeichnung ist auch keine Ironie. Und in irgendwelchen Massenmailings ironisch sein zu wollen würde sowieso in die Hose gehen, das wäre mindestens so doof wie irgendwelche Klischees von vorgestern… oh.

    tl;dr: Bei einer Ironie müssten die irgendwas daran nicht ernst meinen, ich sehe da kein Anzeichen für.

  11. Ihr spinnt alle. Die Werbung ist raffiniert ironisch und spielt mit den in den USA derzeit blühenden Retrotrends, bei denen Frauwn- und Männerbilder der 50er und 60er Jahre aufgegriffen werden und neu verarbeitet werden. Ich finde es gelungen. Die ganze Kritik ist sehr deutsch und humorlos.

  12. Sind das eigentlich alles Arbeitslose die sich über so nen quatsch aufregen? Sucht euch mal nen Hobby.

  13. Das tolle ist, dass die gesamte Diskussion nun den Effekt hat, die Partnerkarte der Lufthansa überhaupt erst bekannt zu machen. Es war nicht ironisch und nicht lustig gemeint. Ganz sicher nicht. Aber es war effektiv. Und der Shitstorm war nicht eingeplant. Aber die Karte wird nun ordentlichen Absatz finden. Diejenigen, die der Brief anspricht, sind deutlich in der Überzahl

  14. Na, toll. Ich sehe meine Frau schon die Koffer packen … nicht aus Freude, sondern weil sie mich im Verdacht hat, irgendwo da draußen heimlich eine „Special Woman“ zu treffen. Werbung, die den Empfänger in so zweifelhaftes Licht rückt, gehört verboten.

  15. Lufthansa „denkt sich“ überhaupt gar nichts dabei. Sie wollen einfach die größte Zahl an Leuten ansprechen. Offenbar sind die Mehrheit dieser Vielflieger eben Heteromänner in einer klassischen Beziehung mit Einkommensgefälle. Die anderen 5% werden eben nicht angesprochen. Was regt ihr euch auf? Werbung soll keine gesellschaftlichen Zustände kritisieren, sondern etwas verkaufen. Und das macht das Mailing ganz gut. Wenn das schlimm wäre, dann dürfte man auch kein Mailing mit „Die Weihnachtszeit ist da“ anfangen, denn nicht alle feiern Weihnachten. Oder „Haben Sie schon ein Geschenk für den Valentinstag?“ Nicht alle haben einen Partner. Oder: „Sommerzeit ist Familienzeit!“ Nicht alle haben eine Familie. Wer so denkt, darf eigentlich überhaupt nichts mehr an irgendwen schreiben. Auf mich trifft übrigens nichts von diesen drei Sachen zu, ich bin Single und feiere kein Weihnachen. Trotzdem sind solche Mailings vollkommenm legitim, die sie die Mehrheit ansprechen sollen.

  16. @duscholux: von diffamierenden Einschätzung halte ich gar nichts. Meiner Meinung nach sagt sowas nichts Gutes über Sie als Absender.

    Hinter der Werekampagne steckt kein Sexismus. Diejenigen, die sowas gestalten wollen schlichtweg eine Werbung schaffen, die funktioniert. Und sowas funktioniert. Entweder direkt beim angeschriebenen Kunden oder auch indirekt bei allen, die davon dank des Internetrummels erfahren haben.
    Mit etwas Glück haben allerdings auch die Frauen davon erfahren und lassen sich so eine Partnerkarte nicht schenken.
    Ganz allgemein muss man ein gutes Vertrauensverhältnis und zumindest ein gemeinsames Bankkonto haben, wenn man sich auf solche Partnerkarten einlässt. Schließlich kann der eigentliche Inhaber die Umsätze des Partners kontrollieren, umgekehrt geht das aber nicht.

    Würden wir in einer Welt der Gleichberechtigung leben, würde sich vermutlich niemand über diese Werbung aufregen. Männer wie Frauen würden darüber lachen. Oder den Werbebrief in den Müll schmeißen. Und manche würden die Partnerkarte bestellen.
    Dass wir uns immer noch über so was aufregen zeigt, wie wenig emanzipiert Frauen sind und wie sehr Männer über die Finanzen ihrer Frauen bestimmen.
    Daran sollten Frauen etwas ändern. Verschafft euch Kompetenz und Selbstbestimmung in Sachen Finanzen und wählt eure Kreditkarten, Bankekonten, usw. selbst aus. Dann funktioniert solche Werbung nicht mehr. Und was nicht funktioniert wird auch nicht mehr gemacht.

  17. Es tut mir leid, aber da habe ich keinen Sexismus gesehen… Was ist so schlimm daran, dass eine Frau ihrem Mann direkt sagt, was für ein Geschenk sie sich wünscht?! Das macht JEDE (OHNE AUSNAHMEN) JEDE FRAU bei ihrem Patner. Jedes mal sagt sie was sie haben will und erklärt auch warum genau das und nicht was anderes. Und ich als Mann bin ihr dafür dankbar in dem Moment. Und dasselbe machen die Männer nur mit ihren Machosachen. Kann sie das selbst kaufen? Natürlich, aber ich werde mich freuen ihr ein Geschenk zu machen. Kann sie alles selbst erreichen? Ohne Zweifel, aber klauen sie mir bitte die Möglichkeit nicht sie zu überraschen. Sonst bleiben nur noch die homopaaren. Es ist so schön wenn Frau so stark ist, dass sie ihrem Mann ihre kleine Schwäche zeigen kann.

  18. @duscholux: wenn du ein „mann“ bist, würde ich dir gerne eine verpassen, aber wenn du eine Frau bist, tuest du mir Leid. Die mental starken und hübschen deutschen Frauen haben überhaupt kein Problem mit anderen verglichen zu werden (ob aus Ostblock, Asien oder sonstwo), deswegen kommen solche Ausdrucke entweder von impotenten Männern oder von Frauen, die diesen Konkurenzkampf noch vor dem Anfang verloren haben.

  19. Was ist so schlimm daran, dass eine Frau ihrem Mann direkt sagt, was für ein Geschenk sie sich wünscht?! Das macht JEDE (OHNE AUSNAHMEN) JEDE FRAU bei ihrem Partner. Jedes mal sagt sie was sie haben will und erklärt auch warum genau das und nicht was anderes. Und ich als Mann [Dennis, Kommentar #19] bin ihr dafür dankbar in dem Moment. […] Kann sie das selbst kaufen? Natürlich, aber ich werde mich freuen, ihr ein Geschenk zu machen. Kann sie alles selbst erreichen? Ohne Zweifel, aber klauen sie mir bitte die Möglichkeit nicht, sie zu überraschen.<
    Wo, bitte, ist die Ueberraschung?
    (OHNE AUSNAHMEN)<
    klingt wie T.I.N.A.
    Ich will nicht weiter ausholen, damit es nicht nach Retourkutsche aussieht, aber wir haben wohl völlig gegensätzliche Weltbilder.

  20. @duscholux: Ja, Gott sei dank, wir haben tatsächlich gegensätzliche Weltbilder. Und wenn Sie kein Problem haben die anderen als „Tussi aus dem Ostblock“ zu bezeichnen, dann müssen Sie auch kein Problem haben, dass jemand Sie als ein arrogantes androgenius Wesen bezeichnet.

  21. Sehr amüsant zu lesen über was sich manche Menschen aufregen! Habt ihr nichts besseres in Eurem kurzen Leben zu tun? Gibt es nicht Sinnvolleres? Ich weiß, die Dummheit der Menschen, all der Schwachsinn wird nie ein Ende nehmen solange es die Menschheit gibt!

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