Mission accomplished

Sagen wir mal so: Es ist wahrscheinlich nicht sonderlich schlau als amerikanischer Präsident, der gerade Raketen auf ein fremdes Land abgeschossen hat, obwohl dies völkerrechtlich problematisch ist, voll Stolz oben zitiertes Statement abzugeben, wenn diese Worte auch auch von einem Amtsvorgänger vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls nach einer völkerrechtlich problematischen Intervention verkündet worden waren und Folge dieser „Mission“ eine politische, vor allem aber humanitäre Katastrophe war und ist …

75 Gedanken zu “Mission accomplished

  1. Dieses Schlagwort markiert einen der Tiefpunkte in Bushs Präsidentschaft. Seither wird dieser Ausdruck sarkastisch darauf bezogen, dass entweder eine Mission von zweifelhaftem Wert abgeschlossen wurde oder dass ein größerer Fehler gemacht wurde.

  2. ‚US, British and French strikes slammed into a series of targets around Damascus that the Western countries said were linked to the Syrian government’s chemical weapons programme.
    “The building had three storeys: a basement, ground floor, and second floor,” said Said Said, an engineer who identified himself as head of the centre’s paint and plastics department.
    “It had labs and departments that were unfortunately completely destroyed, with all their equipment and furniture. Thank God, no one was here,” he told AFP.
    Said told AFP only non-lethal research and development was under way at the centre.
    “As we work in civilian pharmaceutical and chemical research, we did not expect that we would be hit,” he said.
    Said said the Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons had visited the site in Barzeh in recent years and had declared it free of any toxic weapons.
    “The OPCW used to stay in the two upper rooms, and use the labs, and we would cooperate with them completely,” he said.‘
    https://www.hindustantimes.com/world-news/at-destroyed-syria-lab-workers-say-they-produce-antidotes-to-snake-venom-not-toxic-weapons/story-e2OIzVf2RqPMMuRK0XdK0H.html

  3. Schlimm! Systemanalytikern ersten Grades muss man die einfachsten Zusammenhänge erklären. Das war doch eine Verkaufsaktion! Warum wurden gleich mit Eifer die Trefferquoten veröffentlicht mit Angabe der Abschussstationen? Toll gelaufen, keiner gesundheitlich zu Schaden gekommen, großartiges Militär im Einklang mit einer supi Show. Details sind bloß was für Intellektuelle. Eine Exegese welche die Hypothese von der verdeckten Kollusion zwischen den theoretisch so verfeindeten, sich in sehr ähnlicher Situation befindlichen Militärs stützt:
    https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/USA-drohen-mit-weiteren-Angriffen-Russland-schickt-Fregatte-mit-Marschflugkoerpern/Hat-Russland-mit-dem-S-400-System-36-von-59-Tomahawks-abgeschossen/posting-30222220/show/

    Zu den mehr oder minder bedarften Analysen des angeblich so Unbedarften. Robert Mercer, auf Bannon angesprochen: „Er hat immer prompt geliefert.“ Wie nun ist das mit der Liefertreue bei Trump? Warum lässt man einen Troublemaker bei der Wahl durchmarschieren? Weil man Trouble braucht! Milliardär oder nicht, der Typ muss liefern, desgleichen Macron und die innenpolitisch unbeliebte May sowieso. Die sympathische Überraschung lautet, der Typi legt – bisher – keinen gesteigerten Wert auf Massaker wie in Jugoslawien, Irak, Libyen usw. usf. Ungewöhnlich im Hinblick auf all die Soziopathen, die in den letzten Jahren da unterwegs waren. Seine Erklärung ist im Hinblick auf die Präzision mit der gezielt daneben geschossen wurde, einfach großartig. Man vergleiche – das wären dann „Alternative Fakten“, nur um für Alphabeten mal den Begriff zu klären – mal mit den Kriegstotenzahlen in Libyen oder Irak. Mit einer beeindruckenden Chuzpe wird er den Erwartungen gerecht und gleichzeitig doch nicht gerecht. Er liefert Krieg und die durch „gut informierte Kreise“ verwettbaren Ausschläge an den Charts, aber er liefert den Krieg nur beinahe, so dass es für die Ausschläge an den Charts reicht. Das nenn ich mal Paradoxiemanagement! Aber gut, von derlei verstehen Vollzeitsystemiker halt nix. Fakt ist immerhin, dass wir alle mit dem Erfolg dieser Gratwanderung existenziell verbandelt sind. Wer sich nur mal das einfache Schema mit den Stufen der Konfliktesklation nach Glasl anschaut, dem wird klar, wie viele Berufgruppen und Geschäftsmodelle an einem gewissen Aussmaß induzierter Konfliktspannung hängen. All die Warlords im Nahen Osten könnten stempeln gehen, sobald es den Folks trotz Soft Power bzw. Religion gelänge, zu durchschauen, wie sie gegeneinander ausgespielt werden. Angesichts akuter Implosionsgefahr der sogenannten (quasireligiös verpackten) Finanzwirtschaft ist es jetzt aber nicht mehr nur im Nahen Osten angesagt, dass immer mal wieder jemand dafür sorgt, dass die Spannung wieder auf ein sportliches Maß an Intensität kommt und die alten Männer ein paar Horden dummer junger Männer entsorgen können – auch im transatlantischen Raum ziehen nahöstliche Verhältnisse ein. Uns geht nicht das Öl aus sondern die Glaubwürdigkeit unserer, durch Kanonenbootpolitik gedeckten westlichen Werte. Daher müssen Trump, Macron, May und all das andere politische WC-Personal liefern. Ansonsten sind sie geliefert. Der Stil, in dem sie den an sie gestellten Erwartungen gerecht werden, der unterscheidet sich freilich. May hat die Nummer versucht wie die britische Geheimdiplomatie vorab zu WK I und WK. Sie hat die Show völlig verhauen, was aber folge des immer feudalistischeren Bildungsniveaus von Krethi und Plethi kaum einem weiter aufgefallen ist. Macron hat nichts falsch gemacht und nichts richtig. Trump hat sie getoppt. Er hat Frieden gehalten und den Bankstern an den Terminals ordentlich Konfliktspannung geliefert. Sie müssen – um abrupten Absturz des Scheingeldsystems zu verhindern – dieses Spiel so lange spielen, bis sie mit den Kryptowährungen von Staats wegen und anderen Sauereien ihren Feudalismus 2.0 strukturell verankert haben und man die Erregung, die beim Aufdecken der Karten entsteht – Hoppla 40 Jahre Altervorsorge futsch, ja wie denn das Die Zahlen haben doch immer gestimmt, huhu? – auffangen kann. Die Chinesen und Russen haben es da leichter.

  4. @Ambrose Bierce: Kann es sein, dass Du einer dieser Durchblicker bist, die zwar die HIntergründe der Weltpolitik erklären können, aber nicht in der Lage sind, die eigenen Schuhe zuzuschnüren?

  5. #5 Ambrose Bierce argumentiert am 15. April 2018 um 21h44 mit Sputnikzitat, immer eine verlässliche Quelle zur Erklärung der (westlichen) Welt. Danach haben die amerikanischen Stümper nur ein syrisches Ziel getroffen.

    In der Pressekonferenz des Pentagons dazu zeigte US-General Kenneth F. McKenzie Jr. drei zerstörte Ziele. In der Lifeübertragung der gesamten Pressekonferenzwaren meiner Erinnerung nach mehr Fotos zu sehen als in folgendem Ausschnitt aus der Welt:

    https://www.welt.de/politik/ausland/article175447510/Luftangriffe-Das-waren-die-Ziele-der-Raketen-in-Syrien.html

    Französische Stellen, die ich heute nicht mehr finde, zeigten auch mehr.

  6. Kann sein, muss nicht sein..
    Man weiß es nicht genau. // Die westliche Hochkultur erklärt sich selbst wohl am besten… via Hollywood…. Argumentiert habe ich, dass die Voelkerrechtsbrecher in stillem Einvernehmen mit den russischen Militärs gezielt vorbeigetroffen haben. Wenn schon die UNO bedeutungslos wird, ist das immerhin ein erfreuliches Zeichen, dass sich die Militärs gut verstehen.jemamd hat hier axrlrod zweckentfremdet um sich als intelligent herauszustellen. Intelligenter waer gewesen, auf die Parallele zu der von Axelrod zitierten Episode der soldatenverbruederungen hinzuweisen. Auch damals mutete es… Zumindest fuer die generalitaet… Ruetselhaft an, wie präzise die Soldaten immer wieder vorbeigetroffen haben.

  7. Robert Fisk reports head of Douma Clinic denies chemical weapons attack 16 Apr, 2018
    https://www.craigmurray.org.uk/archives/2018/04/robert-fisk-reports-head-of-douma-clinic-denies-chemical-weapons-attack/
    ‚Robert Fisk is one of the very few excellent investigative journalists still employed in the UK. He is twice winner of the British Press Awards‘ Journalist of the Year prize, and seven time winner of the British Press Awards’ Foreign Correspondent of the Year. He is extremely smart and knows the Middle East very well. He has just made his way – not accompanied by Russian or Syrian government officials – to Douma and this is what he reports.‘

  8. @ 10
    Wenn es kein Giftgas gab, war dann die Attacke vom Freitag falsch?
    Wer hat sie fingiert und warum?

    Paradoxer Effekt:
    Die militärische Attacke erhöht die diplomatischen Bemühungen um eine Lösung.

  9. Systemische Schläue vielleicht schon. Denn die braucht er in der – angesichts Infoversorgung schlecht zu beurteilenden, aber offenbar reichlich fettnäpchenbekränzten – Situation. Um deren Ausprägung wiederum einschätzen zu können, kommt man mit trivialisierenden Maßstäben nicht weit. Die Schwierigkeiten der Auftragsklärung dürften systemischen Beratern geläufig sein. Die Komplexität der Auftragssituation für diesen Zeitgenossen dürften immens komplex und alles andere als risikofrei sein.

    Wenn man von den interessanzten Aufregungen an den Börsen mal absieht, die der installierte Troublemaker wieder ganz zuverlässig produziert hat, der grassierenden Glabwürdigkeitsverlust der UNO ist kaum nochzu übersehen – dass die NATO inzwischen alles andere als ein Verteidigungsbündnis sondern vorzüglich ein Wirtschaftfaktor ist auch. Um so wichtiger – und m. E. nervenberuhigender – dass es andere Gremien der Verständigung gibt und auf dieserart Ebene … https://de.sputniknews.com/politik/20170307314800900-russland-usa-und-tuerkei-besprechen-syrien-und-irak-in-antalya/ … auf systemisch subtile Weise offenbar eine Art Verständigung möglich ist, welche sich den alltäglichen Beurteilungskriterien gründlich entzieht. Natürlich wäre mir eine UNO, die funktioniert, lieber als diese Perfektionierung des Machiavellismus – aber besser als gar nichts. Insofern war diese Art der Verständigung über Bande sowohl von US-amerikanischer als auch von russischer Seite eine Meisterleistung. (technisch ist man inzwischen fast soweit, dass man einem lachenden Bettler den Wackelzahn aus der ersten Gebissreihe schießen könnte, Tomahawk treffen ihre Ziele auf 10 – 50 Genauigkeit. Im Hinblick darauf mutet die ganze Aktion ausgesprochen feinfühlig an. Die Warlords haben ein Mindestmaß an Koordinaten, um sich wieder einzukriegen. Die Russen haben so wenig gezeigt als sie konnten, aber doch hinreichend. Die Auftraggeber rings dürften nicht ganz das bekommen haben, was sie erhofft haben, aber wenig Grund zur Beanstandung haben.

  10. Wenn man will und wollte, könnte man schon lange klarer sehen
    Syrien : Der Westen ist schuldig, von Reinhard Merkel – vom 02.08.2013
    “Am 24.März 2013 erschien in der „New York Times“ unter der Überschrift „Waffenlieferungen an syrische Rebellen ausgedehnt – mit Hilfe der CIA“ ein detailreicher Bericht. Er weist mehr als 160 Frachtflüge mit Kriegswaffen nach, die seit Anfang 2012 aus Saudi-Arabien, Qatar und Jordanien regelmäßig am türkischen Flughafen Esenboga entladen und von dort über die Grenze nach Syrien geschafft wurden – alle mit logistischer und vielfacher sonstiger Hilfe der CIA. Das zeige, konstatiert die Zeitung nüchtern, dass die Vereinigten Staaten entgegen regierungsamtlichen Bekundungen ihren arabischen Verbündeten sehr wohl „auch bei der Förderung der tödlichen Seite des Bürgerkriegs“ zur Hand gingen.”
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/syrien-der-westen-ist-schuldig-12314314-p5.html

  11. Das ist schon so eine Sache mit der eigenen „Mission“ (Berufung).

    (Mir geht es aber nicht um Trump und Konsorten und auch nicht um die Mission der Kommentatoren in diesem Blog, die ja wohl – mal mehr, mal weniger offensichtlich – in „eigener Mission“ unterwegs sind… und deren „Mission“ ein eigenes Thema wert wäre…)

    Der Eine sieht sich von „Gottes Gnaden“ berufen, der Andere weil er meint schlauer als der Rest der Menschheit zu sein, und wieder ein anderer, weil ihm das Wohl der Bürger seines Landes über alles geht (zumindest sagen das im Allgemeinen Volks-/Bürgervertreter. Eine Überprüfung ist jedoch schwierig, weil niemand die Echtheit und Authentizit von Berufung und damit verknüpfter Aussage prüfen kann, was ja wichtig wäre bzgl. der Auswirkungen hat auf die Glaubwürdigkeit von dessen Wirklichkeitskonstruktion) usw. …

    Hierzu eine konkrete Frage an @Fritz B. Simon (oder wer sich kompetent meint diesbezüglich):
    Ich frage mich ob wir es tatsächlich „übertrieben“ haben mit der Inklusion „psychisch Kranker“ (oder die Statistik es hergibt, oder neue Studien die Plausibilität belegen usw…) und eine Gefährdungslage für den Rest der Bevölkerung durch psychisch Kranke besteht? Vielleicht gibt es ja tatsächlich Gesetzeslücken, die zu schließen sind zum Schutz der Bevölkerung – oder für notwendige Befugniserweiterung z.B. der Polizei, welche bekanntlich die Bevölkerung vor Gefährdern zu schützen hat?
    Worum also geht es wirklich in Bayern mit seiner geplanten Gesetzesvorlage das in den Meinung so präsentiert wird, dass die Bevölkerung des Schutzes vor „psychisch Kranken“ bedürfe, da diese auch „potenzielle Gefährder“ seien (oder sein können) und gewissermaßen per Gesetz die Polizei Handlungsfreiheiten und -befugnisse bekommen soll „Narrenfreiheit“ psychisch Kranker einzuschränken.

    Was ist davon zu halten, welches Signal sendet es und wie ist es der nachstehende Gesetzesentwurf angemessen zu bewerten? Als Missverständnis? Die Kritik als unberechtigte Überinterpretation? Wie sehen/handhaben das andere Bundesländer?
    Ich werde mit ersten Online-Petitionen konfrontiert, welche sich gegen den Gesetzesentwurf aussprechen. Die unterstellte Erleichterung einer „Mollathisierung“ (Heribert Prantl) per Gesetz, nimmt gerade an Fahrt auf zu folgendem Auslöser:

    Gesetzentwurf für ein Bayerisches Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz
    hatetepees://www.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP17/Drucksachen/Basisdrucksachen/0000014000/0000014418.pdf

    Heribert Prantl’s Kommentar:
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/umstrittener-gesetzentwurf-bayern-will-psychisch-kranke-wie-straftaeter-behandeln-1.3944987

    Markus Söders Antwort auf die anlaufende Kritik:
    hatetepe://www.sueddeutsche.de/bayern/proteste-regierung-kuendigt-zugestaendnisse-an-1.3947616

    Ich gebe gerne zu, dass ich des Juristischen nicht mächtig bin… Ich seh mich daher außerstande zu entscheiden, ob das Gesetz ein Schmarrn ist, eine Hilfe (für wen?) oder zur Rolle rückwärts gehört, mit der das Wohl psychischer Kranker gefährdet wird (Stichwort: erlaubte Stigmatisierung als „potenzieller Gefährder“ durchs Gesetz)… oder was ganz anderes….

    Es interessiert mich echt. Vielleicht finde ich hier kompetente Stellungnahmen dazu.
    Zumal ich denke, dass dies Modellcharakter haben könnte für andere Bundesländer usw.

  12. @17: „Psychisch Kranke“ (wenn man sie denn so nennen will) sind nach allen Stitstiken, die mir bekannt sind, weniger „gefährlich“ (d.h. begehen weniger Gewalttaten) als „psychisch Gesunde“ (wenn man sie denn so nennen will). Allerdings machen Menschen, von denen man erwartet, dass sie sich in unerwarteter Weise verhalten, im Allgemeinen mehr Angst bei der durchschnittlichen Bevölkerung, weil sie Unsicherheit hervorrufen (aber keine reale Gefahr). Wer Gesetze erlässt, die vor vermeintlichen „Gefährdern“ aufgrund psychischer Erkrankungen erlässt, betreibt einen Populismus der unabständigsten Art, die mit öffentlicher Verachtung und Beschimpfung bestraft werden sollte (vor allem abef mit Entzug der Stimme bei den Wahlen)!

  13. @17 und @19:
    “ „Psychisch Kranke“ (wenn man sie denn so nennen will) sind nach allen Stitstiken, die mir bekannt sind, weniger „gefährlich“ (d.h. begehen weniger Gewalttaten) als „psychisch Gesunde“ (wenn man sie denn so nennen will). Allerdings machen Menschen, von denen man erwartet, dass sie sich in unerwarteter Weise verhalten, im Allgemeinen mehr Angst bei der durchschnittlichen Bevölkerung, weil sie Unsicherheit hervorrufen (aber keine reale Gefahr). Wer Gesetze erlässt, die vor vermeintlichen „Gefährdern“ aufgrund psychischer Erkrankungen erlässt, betreibt einen Populismus der unabständigsten Art, …“

    Wenn man die Konstruktion incl. der Kommunikationsstrukturen
    dieser Gesetzesvorlage im Überblick liest,
    insbesondere auch anhand der Kommentare und Stellungsnahmen dazu,
    ergibt sich ein Muster, das ziemlich eindeutig darauf verweist, daß die Psychiatrie
    (und die im Sinne der „klassischen“ Psychiatrie Argumentierenden)
    NICHT zur Medizin gehört -wie auch schon häufiger in diesem Blog erwähnt.
    Die Medizin kennt zwar durchaus meldepflichtige Erkrankungen, deren Folgemaßnahmen, wie -zumindest vorübergehend- zu isolieren, in Quarantäne zu setzen – als Schutzmaßnahmen durchaus Sinn machen
    https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/IfSG/Meldepflichtige_Krankheiten/Meldepflichtige_Krankheiten_node.html
    allerdings …
    -und dies sei zur Diskussion gestellt-:

    Worin besteht denn der elementare Unterschied zwischen Medizin und Psychiatrie bereits vom Ansatz her, der sich dann auch schon in der Formulierung des Titels „Psychisch-Kranke-Hilfe-Gesetz“ manifestiert?

  14. @ 17 und 19

    Die Frage betrifft m.E. auch die Definition von „krank“, „schwer erziehbar“, „verhaltensauffällig“, „abweichendes Verhalten“, „kriminell“ sowie die Schutzfunktion des Staates und seine Befugnisse, in die Privatsphäre seiner Bürger einzugreifen.
    Nach meiner Kenntnis hätten viele Morde verhindert werden können, wenn Menschen wie z.B. Anders Breivik, der Germanwings-Co-Pilot Andreas Lubitz und Jens R., der Münster Amokfahrer, von den Jugendbehörden, den Lehrern, Ärzten, Psychologen und Psychiatern, die mit ihnen zu tun hatten, rechtzeitig richtig behandelt oder notfalls aus dem Verkehr gezogen worden wären.
    Ob das neue Gesetz in Bayern dazu beitragen könnte, kann ich nicht sagen, doch mir scheint, dass diese Diskussion geführt werden sollte, und zwar unter dem Aspekt der freiheitseinschränkenden Rolle des Staates bei der Erziehung und gegebenenfalls auch Behandlung von gestörten und potenziell gefährlichen familiären Verhältnissen. Fraglich ist auch, wie das auf menschliche und wirkungsvolle Weise besser geschehen könnte als heute.

  15. @22: weitestgehende Zustimmung hierzu:

    ad 1) „Nach meiner Kenntnis hätten viele Morde verhindert werden können, wenn Menschen wie z.B. Anders Breivik, der Germanwings-Co-Pilot Andreas Lubitz und Jens R., der Münster Amokfahrer, von den Jugendbehörden, den Lehrern, Ärzten, Psychologen und Psychiatern, die mit ihnen zu tun hatten, rechtzeitig richtig behandelt oder notfalls aus dem Verkehr gezogen worden wären.“

    Die kommunikativen Mißstände ZWISCHEN den Kontaktpersonen -die Familien mit einbezogen- erscheinen evident.

    ad 2) „freiheitseinschränkenden Rolle des Staates“
    auch hierzu gibt es (neben den o.g. Katastrophen) mittlerweile genügend Material zur Evidenz mit anschaulichen Beispielen,
    die sich insgesamt unter dem Titel „Der verunsicherte Staat“
    -seinerzeit ein Vortrag von Wolfgang Wodarg zum Thema „Schweinegrippe“
    https://www.wodarg.com/vision/
    subsummieren ließen.

  16. „..dass diese Diskussion geführt werden sollte, und zwar unter dem Aspekt der freiheitseinschränkenden Rolle des Staates bei der Erziehung und..“
    Diese übersteigerte Form staatlicher oder gesellschaftlich organisierter Rationalität
    trägt, wie wir erfahren haben, in sich noch grössere und monströsere Gefahren.
    Unser Wissen ist zeitgebunden, siehe die fast in allen, auch in sozialdemokratischen, Kreisen akzeptierte ‚Theorie‘ der Eugenik oder Erbhygiene in den 20iger Jahren und ihre
    katastrophalen Folgen.
    „..einem Willen nach Ordnung, man könnte sagen von einem übersteigerten Willen nach Ordnung, nach Reinheit, nach aufgeräumten Gemeinschaften, geprägt von einem Glauben an die Technik, an die Rationalität, an die Möglichkeit der Kontrolle der Natur, an das arbeitsteilige Regelwerk der Bürokratie. Bauman hat den Holocaust und den Totalitarismus insgesamt dann immer eher als Kind der Moderne interpretiert und nicht als Unfall innerhalb der Moderne, weil er gesagt hat, bestimmte Tendenzen, die westliche Gesellschaften seit 1800 oder 1850 prägen, in gewisser Weise auf so eine Katastrophe wie den Holocaust auch zugelaufen sind – also nicht den Holocaust als das andere Moderne, sondern als ein Kind der Moderne oder Modernisierung.“
    http://www.deutschlandfunk.de/lektor-ueber-zygmunt-bauman-fuer-bauman-war-die-moderne.700.de.html?dram:article_id=376059

  17. @ 25
    Das haben Horkheimer und Adorno ähnlich gesehen („Die Dialektik der Aufklärung“) und ähnliche antibürokratische Schlüsse daraus gezogen (Stichwort „verwaltete Welt“).

    Mir geht es um eine menschliche Form der verbesserten Risikoprophylaxe. Hinterher machen sich die Eltern von lange Zeit verhaltensauffälligen Menschen, die später zu Gewalttätern werden, Vorwürfe, weil sie ihre Versäumnisse sehen und oft auch von den zuständigen Ämtern und Gerichten im Stich gelassen wurden.
    Beispielsweise hat der Vater von Anders Breivik ein Buch mit dem Titel „Meine Schuld“ geschrieben, in dem er seine Überzeugung äußert, dass die Anschläge nicht passiert wären, wenn er das Sorgerecht für seinen Sohn bekommen hätte. Das wurde jedoch der alleinerziehenden und hoffnungslos überforderten Mutter zugesprochen.

  18. @Michael S.: Ich kann nur wiederholen: Auch psychisch bzw. korrekter: verhaltensmässig auffällige Menschen sind nicht gefährlicher als unauffällige Menschen. Die grosssn Verbrechen werden von den „Normalen“ vollbracht. Ihre Argumentation halte ich (als Fachmann und Staatsbürger) für gefährlich. Man sollte Sie möglichst schnell aus dem Verkehr ziehen, bevor Sie mit dieser Art des Denkens grössere Katastrophen auslösen…

  19. @ 28 „Man sollte Sie möglichst schnell aus dem Verkehr ziehen, bevor Sie mit dieser Art des Denkens grössere Katastrophen auslösen…“
    in Bezug auf @ 22 „Nach meiner Kenntnis hätten viele Morde verhindert werden können, wenn Menschen wie z.B. Anders Breivik, der Germanwings-Co-Pilot Andreas Lubitz und Jens R., der Münster Amokfahrer, von den Jugendbehörden, den Lehrern, Ärzten, Psychologen und Psychiatern, die mit ihnen zu tun hatten, rechtzeitig richtig behandelt oder notfalls aus dem Verkehr gezogen worden wären.“

    Da haben Sie m.E. etwas missverstanden bzw. pauschalisiert. Die drei von mir genannten Fälle sind gut dokumentiert. Alle drei weisen eklatante Fehleinschätzungen der beteiligten Personen und Institutionen auf. Deshalb bloß mal die Frage an Sie als Fachmann: Könnten staatliche Institutionen wie Jugendamt, Schule und Gerichte in die Lage versetzt werden, solche Fehler zu vermeiden und den verhaltensauffälligen Menschen zu helfen? Wenn ja, wie?

  20. @ 29 „Die grosssn Verbrechen werden von den „Normalen“ vollbracht.“

    Genau diesen „Normalen“ meine ich (im Sinne der „Banalität des Bösen“).
    Die Normalen sind m.E. die Nichthilfebedürftigen, die sich selbstständig durchs Leben schlagen können, ohne aufzufallen. Dazu gehörten z.B. Anders Breivik, Andreas Lubitz, Jens R. und auch Beate Zschäpe sowie zahlreiche Menschen in Chefsesseln, die ein außergewöhnlich hohes Destruktionspotenzial in sich tragen, weil in ihrer familiären Kommunikation und Interaktion etwas schiefgelaufen war.
    Prävention müsste also in der Familie ansetzen, und die Schule könnte eine Ausgleichsfunktion erfüllen, indem sie in die Lage versetzt wird, Erziehungsmängel zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.
    Auch die Sozialpolitik könnte besser darauf abgestimmt sein, die finanziellen und bildungsmäßigen Defizite auszugleichen, um den Kindern von sozial schwachen Familien bessere Entwicklungs- und Bildungsmöglichkeiten zu eröffnen.
    Das halte ich nicht für schädlich, sondern für geboten.

  21. Die Frage lautet, ob die Abwesenheit der Vernunft oder der Traum vollkommener Vernunft mehr Unheil anrichtet.
    Meine Antwort: Vernünftig ist die ausgewogene Balance von individueller Freiheit mit sozialer Verantwortung.
    Im oben angesprochenen Fall ergeben sich zwei weitere Fragen: Wann sollte aus sozialer Verantwortung die individuelle Freiheit eingeschränkt werden dürfen? Und wie lassen sich individuelle Freiheit und soziale Verantwortung in größtmöglichem Umfang realisieren?

  22. @30: Präventiv polizeilich zu arbeiten, wenn es um abweichendes Verhalten geht, öffnet m.E. die Büchse der Pandora (etwa im Sinne eines Intentionsstrafrechts oder Gefährderstrafrechts statt eines Tatstrafrechts). Was nicht heißt, dass man immer warten muss, bis was passiert. Hilfsnagebote usw. sind sicher sinnvoll. Auch die Beobachtung krimineller oder terroristischer Milieus erscheint mir sinnvoll. Aber sobald es um präfentive Haft o.Ä. geht, ist die Entwicklung zum totalitären System nicht mehr zu kontrollieren… Zu empfehlen ist in der Angelegenheit der S. Spielberg-Film „Minority-Report“.

  23. Hätte Breivik über Ämter und Privilegien eines politischen Amtes verfügt, hätte er nicht zu schießen brauchen? Bspw. Herr Kissinger oder Herr Brzeszinski galten im persönlichen Umgang eher als friedlich. Psychiatriegesetz Bayern ist nur eines der trojanischen Pferde, die vor den zerbröselnden Grenzen der einst mit „Rechtsstaat“, „Sozialstaat“, „Demokratie“, „Kapitalismus“ irgendwann sogar mal „Aufklärung“ konnotierten Kulturgemeinschaft aufgefahren stehen. Wir alle sind wahnsinnig, insofern wir gerade die Errungenschaften von Jahrhunderten preisgeben. Als normaler Bürger (?) weiß ich gar nicht, wie ich alle diese gesetzlichen Verbesserungen einordnen soll. https://www.youtube.com/watch?v=rkdmINsFGqk&bpctr=1524048647 Fiese Verschwörungstheoretiker sagen, all das gäbe Sinn, wenn man es als Dimension der Führung mehr oder weniger gut abgestimmter Kriege einordnet.

  24. Weil es mir dann aber doch irgendwie zuwider ist, mit all dem sich als „normale Bürger“ tarnenden Pack konnotiert zu werden, freue ich mich um so mehr an derlei Reflexionen; https://www.youtube.com/watch?v=YImyAZGNjwc Die Frage der Souveränität stellt sich in dem Maße als „total“ als die ohnehin schon fragwürdigen Gesetze und Rechtsbrüche ebenfalls um eine digitale Dimension erweitert werden. Aus Lawrence Lessigs „Code is law“ wird folge Blockchain „Law is code“. Bye bye human life.

  25. @ 33
    Anders Breivik und Jens R. waren beide vorbestraft und als dissoziale Einzelgänger bekannt. Sie waren aus verständlichen Gründen von ihren jeweiligen Bezugsgruppen, wie Schützenverein, rechtspopulistischer Fortschrittspartei, ausgeschlossen worden. Beide waren finanziell erfolgreiche Geschäftsleute, wenn auch teilweise mit kriminellen Methoden.
    Ähnlich wie Anis Amri wurden sie von den Behörden nicht als potenzielle Gefährder, sondern als Kleinkriminelle angesehen.
    Wo also beginnt oder endet die Beobachtung krimineller oder terroristischer Milieus, die Sie für sinnvoll halten?
    Wann ist es beispielsweise angezeigt, einen vorbestraften Sexualstraftäter nach dem Absitzen seiner Haftstrafe präventiv in Sicherheitsverwahrung zu nehmen?
    Das alles ist nicht neu, und es bedarf m.E. keiner neuen Gesetze – die bestehenden bieten genügend Möglichkeiten der Prävention und auch der pädagogisch-psychologischen Intervention.

  26. @26, Michael:
    Interessanter Aspekt, schon im Titel:
    „Beispielsweise hat der Vater von Anders Breivik ein Buch mit dem Titel „Meine Schuld“ geschrieben, in dem er seine Überzeugung äußert, dass die Anschläge nicht passiert wären, wenn er das Sorgerecht für seinen Sohn bekommen hätte. Das wurde jedoch der alleinerziehenden und hoffnungslos überforderten Mutter zugesprochen.“

    im Hinblick auf Zusprechen des alleinigen Sorgerechts, liegt schon ziemlich viel im Argen. Dies ist ein Grauzone, in der es weitaus mehr Kooperation bedarf,
    zwar nicht nur unter Einschaltung bzw. nachträglicher Beschimpfung von Profis, die im übrigen mittlerweile mit dem Outburst und der Expansion an Gewalt durch Trittbrettfahrer ebenfalls grenzenlos überfordert sind, sondern auch durch Anhörung von Laienbeobachtern vor Ort, aus den durchaus respektablen Formen der Nachbarschaftshilfe, wie z.B. Tagesmütter, Hausaufgaben-Betreuung, Jugendarbeit in allen möglichen Sportaktivitäten, handwerkliche Unterstützungen bei Bau-, Reparatur- und Renovierungsarbeiten etc.pp.

    Letztere haben zumeist wesentlich mehr Einblicke in ganz Alltägliches, das in der professionellen Kommunikation höchstens gebündelt und auf die wesentlichen Punkte reduziert zur Sprache kommt.

    Um Probleme zu ermitteln und ggf. auch präventiv Zeichen setzen zu können, eignet sich das abwägende „stresses and strains“-Konzept der Arbeitsmedizin recht gut.
    Das „stresses and strains“-Konzept, übersetzbar als Belastungs-Beanspruchung-Konzept
    vermag relativ gut einen Überblick zu liefern, in welchen Bereichen Unterstützungsbedarf besteht.
    Wobei „stresses“ -gemeinhin als Überforderungen interpretiert- nicht nur Überbelastungen implizieren, sondern sich in Form „strains“ individuell auch als Resultate chronischer Unterforderungen manifestieren können. „use it or loose it“ bezieht sich insofern auch nicht nur auf rein physische Merkmale, weshalb gelegentlich auch ein aufmunterndes Lächeln im Sinne von „Alles gut!“ helfen kann.

  27. @35: Ich glaube, die nächste Fortbildung, die zu betreuen im Sinne Deines „health-management“ – Konzepts in Zusammenhang mit der „work-life-balance“ einer eindeutige Spektrumerweiterung dienlich wäre,
    wäre dann diese,
    https://www.youtube.com/watch?v=jeSPYH6f6JE
    zumindest um Frederick D.Moorefield’s
    „?“ in Sachen Change ab 1:58 min. in Sachen „Spectrum sharing“ als
    „big challenge“ ab 3:24 —> Kultur weiterzuhelfen …

    🙂

  28. Zur Erinnerung:
    „Die Hauptprobleme in der Welt sind das Ergebnis des Unterschieds zwischen dem wie die Natur funktioniert und der Art, wie Menschen denken.“
    (G.Bateson)

  29. im Original liest sich das zwar besser – als Zitat-
    und nicht so unsäglich gestelzt…
    …by the way
    ad 1) Wie funktioniert denn eigentlich die Natur?
    und
    ad 2) auf welche Art denken Menschen?

    Gibt’s dazu schon ein formidables und einhellig zitables Ergebnis?

  30. @45 ad 2)

    Our everyday, traditional ideas of reality are delusions which we spend substantial parts of our daily lives shoring up, even at the considerable risk of trying to force facts to fit our definition of reality instead of vice versa. And the most dangerous delusion of all is that there is only one reality. (P.Watzlawick)

  31. @ 37 „Das „stresses and strains“-Konzept, übersetzbar als Belastungs-Beanspruchung-Konzept vermag relativ gut einen Überblick zu liefern, in welchen Bereichen Unterstützungsbedarf besteht.“
    @ 40 „Also jetzt mal ehrlich Leute! Steckt nicht in jedem von uns ein kleiner Terrorist, so ab und zu wenigstens?“

    Anders Breivik wurde am 13.2.1979 in Oslo geboren. Einige Monate nach seiner Geburt übersiedelten seine Eltern mit ihm nach London. Im folgenden Jahr trennten sich die Eltern und die Mutter kehrte mit ihrem Sohn und einer sechs Jahre älteren Tochter aus einer früheren Beziehung nach Oslo zurück. Als Anders zwei Jahre alt war (1981), wandte sich seine Mutter an ein Sozialbüro in Oslo und beantragte für den Jungen die Unterbringung in einem kommunalen Wochenendheim, weil er ihr zu anstrengend sei und sie eine Entlastung benötige. Anderthalb Jahre später, Anfang 1983, suchte die Mutter von Anders, der mittlerweile vier Jahre alt war, eine Familienberatungsstelle auf und bat erneut um Hilfe. Daraufhin kam die dreiköpfige Familie für einige Wochen zur Beobachtung in das Staatliche Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ein Kinderpsychiater stellte fest, dass Anders Schweirigkeiten habe, „sich emotional auszudrücken“, dass er „passiv im Spiel“ sei und ihm „Elemente der Lust und Feude“ fast vollständig fehlten. Er schrieb an das Jugendamt: „Wir halten an unserer ursprünglichen Konklusion fest, dass Anders so vernachlässigt wird, dass die Gefahr besteht, dass siche eine schwere psychische Störung entwickelt.“ Dennoch sprach das Jugendamt den Jungen der Mutter, einer Krankenschwester, zu und nicht dem Vater, der als Betriebswirt im diplomatischen Dienst Norwegens beschäftigt war. Nach den Attentaten äußerte derselbe Kinderpsychiater, Anders könne am Asperger-Syndrom leiden.
    Anders Breivik wurde vom Gericht für zurechnungsfähig erklärt und zu 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.
    Sein Vater meinte, die Attentate wären nicht passiert, wenn das Familiengericht ihm das Sorgerecht zugesprochen und er Anders zu sich genommen hätte.

    Mein Fazit: Solche „schwierigen“ Menschen benötigen eine Eins-zu-eins-Betreuung, die allein die Familie geben kann. Notfalls – falls die familiäre Betreuung nicht ausreicht, um zu verhindern, dass Straftaten begangen werden – müssten staatliche Institutionen für einen adäquaten Ersatz sorgen, selbst wenn das mit einer gewissen Einschränkung von individueller Freiheit verbunden wäre.

  32. @45

    „We are beginning to play with ideas of ecology, and although wie immediately trivalize these ideas into commerce or politics, there is at least an impulse still in the human breast to unify and thereby sanctify the total natural world of which we are“ (G.Bateson 1979)

  33. @ 51 „, and although wie immediately trivalize these ideas into commerce or politics,“

    … „we“ oder „wie“ ?
    😉

    Schwierig heutzutage, wo überall die Blagen wie Aasgeier auf allen Drähten rumhängen, nichts eigenständig zustande bringen, nur noch weiter gefüttert und unterhalten werden wollen …
    und noch nicht einmal das Original kennen
    https://www.youtube.com/watch?v=BmPUu-rMpWA

    🙂

  34. Mh, es scheint fast so, als versuchten Sie, sich auf meinen Kommentar zu beziehen. Möglicherweise ist die Pointe mit der Parallele von Terroristenlaien und auf scheinbar friedliche Weise massenhaft mordenden professionellen Terroristen von Staats wegen zu interpretationsoffen formuliert gewesen und an Ihnen vorbeigegangen.

    Bzgl. des von Ihnen angesprochenen Phänomenbereiches trifft es sich nun, dass damit zu befassen ich gerade die zweifelhafte Freude (und deshalb wahrscheinlich öfter schlechte Laune) habe. Eigentlich könnte man sehr viel dazu sagen. Es spricht aus Ihnen ja eine Art Sorge derart, wie sie die besorgten Bürger in Kandel auf die Straße gebracht hat. Aber ich vermute, dass es Ihnen eher um das Gefährdungspotential geht, welches von „eingeborenen“ Gefährdern ausgeht. Diesbezüglich möchte ich mal ohne theoretische Voraussetzungen vor dem Hintergrund ausgiebiger praktischer Erfahrung etwas zu Ihrer vermutlich gut gemeinten Anregung sagen. Ich formulier es mal ganz zurückhaltend. Mal angenommen, dass ein paar Jugendliche, für welche das Jugendstrafrecht anwendbar ist, auf die Idee kommen würden, Sie oder ihre Familie „platt zu machen“ – Körperverletzung, Raub, Stalking – das Spektrum der, den Heranwachsenden in Form e-Learning alltäglich angeboteten Schulungen dazu ist breit gefächert – so muss man nüchtern konstatieren, dass Sie keine Chance hätten. Der rechtliche Rahmen gibt es nicht her, dass für Sie ohne besondere weitere, informell gegebene Voraussetzungen irgendeine Garantie gegeben werden könnte, dass Sie und ihre Familie geschützt werden. Das Recht ist offenbar für kulturelle Voraussetzungen hin abgestellt worden, die es so nicht mehr gibt oder die es vielleicht so, wie unterstellt, aus entwicklungspsychologischer Sicht auch noch nie gegeben hat. Wenn die Kids sich in ihrer Gang fest vornehmen würden, Sie fertig zu machen, dann können sie das tun. Sie haben alle Freiheiten dafür. Der rechtliche Rahmen gibt den Schutz für Sie einfach nicht her, nicht dem Gesetz nach und nicht den Befugnissen der Polizei und Richter nach. Ich empfehle, mir zu mißtrauen, das mal selbst zu recherchieren, mit kundigen Fachkräften zu sprechen. Aber das ist de facto die Situation. Die Kids können nach etwas ernsthafteren Fehlversuchen kurz in Gewahrsam genommen werden, es stehen ihnen gleichwohl alle Möglichkeiten frei, es wieder und wieder zu versuchen, Sie empfindlich zu schädigen. Selbst nach überführter Tat und selbst nach Verurteilung sind Sie und ihre Familie nach wie vor vogelfrei.

    De facto haben wir in Dtl. im Hinblick auf Sicherheit/Gefährdung die gleiche Situation wie bzgl. der Mythen über Finanzwesen und die von diesem sorgsam verwaltete Altersabsicherung. Sie leben längst in einer quasi religiösen Sicherheitsillusion. Sie sind längst Freiwild und wissen es offenkundig nur nicht. Ich spreche nicht über die Verunsicherung der Verantwortungsträger bei der Polizei, bei den Gerichten etc. Ich spreche nicht über Möglichkeiten informeller Einflussnahme, wenn Sie die Zusammenhänge kennen oder sich informell eines besonderen sozialen Status erfreuen. Ich spreche nicht über organisierte Kriminalität, welche über die reale Chance für Schutz gegenüber Gefährdung keinerlei Illusionen pflegt. Ich spreche nur Ihre Lebenssituation an, was die quasi Eingeborenen durch „unsere“ hiesige Kultur hervorgebrachten, nur ansatzweise organisierten jugendlichen Breiviks anbelangt und nicht über die noch dringend hinzugebetenen weiteren Gefährder mit ihrer gelebten Vorerfahrung.

    Insofern gehen Sie, als bzgl. eingeborener Breiviks besorgter Bürger mit Ihrer Anregung von einer Situation aus, die – gelinde gesagt – gar nicht im Ansatz besteht.

    Auf das Elend mit „Maßnahmen“ im Rahmen geschlossener Unterbringung gehen wir besser gar nicht erst ein. Was Sie möglicherweise davon erwarten, wirkt extraterrestrisch. Aber gut, das ist ja manches hier.

  35. @ 53 … kannst Du das nicht etwas knapper ausdrücken, worum es sich hier dreht?
    Schau mal hier
    https://www.spektrum.de/news/die-psychologie-des-stolzes/1538073

    „Doch wozu dient Stolz überhaupt? Die beiden Kölner Sozialpsychologen Jens Lange und Jan Crusius haben ihn für ihre Forschungsarbeit mit einem anderen Laster in Beziehung gesetzt: dem Neid. In einer Reihe von Studien ergründeten die Forscher das zwiespältige Wesen von Neid wie von Stolz. »Beide Emotionen interagieren miteinander«, erläutert Jan Crusius seine Hypothese. In ihrem Zusammenspiel hätten sie dann eine wichtige soziale Funktion: »Sie helfen uns dabei, Status auszuhandeln und diesen auch zu kommunizieren.«“

    … und dann übertrag das mal auf die Union …

    Es läuft im Ergebnis stets auf den Unterschied zwischen Bindungsgesellschaften und Ausgrenzungsgesellschaften hinaus, wie in der Familie, so in der Gesellschaft.

    und Oskar Negt behält auch recht mit seinem Vortrag, damals bei „I,Ei,Eye“

    „Europa scheitert nicht am Euro,
    Europa scheitert an der Ausgrenzung des Sozialen“

    sellemools halt als in HD noch wie üblich die Ernte eingefahren werden konnte…
    jetzt baut bzw. sponsort man halt Konzerthäuser,
    wenn man nicht mehr weiß, wohin mit seinem Geld
    😉

  36. @ 36, @ Resozialisierung von Sexualstraftätern, nachlässige Kontrolle
    Im Staufener pädokriminellen Fall, der gestern und heute in Freiburg verhandelt wird, war der 41-jährige Angeklagte Markus K. nach seiner Haftentlassung wegen einer ähnlichen Straftat unter Führungsaufsicht gestellt worden, aber lediglich nach der mildesten Kategorie überwacht worden. Ein Kriminalpolizist, der als Zeuge aussagte, kritisierte die unzureichenden Kontrollmöglichkeiten von aus der Haft entlassenen Sexualstraftätern. Das Programm „Kurs“ zur Resozialisierung von Sexualstraftätern müsse verbessert werden, die Kontrolle von unter Führungsaufsicht stehenden Tätern müsse strenger ausfallen.
    Markus K. war einer von mehreren Männern, die einen neun Jahre alten Jungen mindestens 50 Mal sexuell missbrauchten. Etwa 20 Mal verging sich dessen 39-jähriger Stiefvater Christian L. an dem Kind, mehr als 30 Mal wurde es anderen Männern ausgeliefert, größtenteils gegen Bezahlung. Das sagte der 39 Jahre alte Christian L., der den pädokriminellen Ring in einem Zeitraum von drei Jahren über das Darknet organisiert haben soll, am Mittwoch als Zeuge im Strafverfahren gegen Markus K. aus. Dem aus Südbaden stammenden, 41 Jahre alten Hilfsarbeiter werden schwere Vergewaltigung, sexueller Missbrauch sowie der Besitz von Kinderpornographie vorgeworfen. Christian L. zeigte bei seiner Aussage wenig Empathie oder Reue. Er legte dar, dass die sexuellen Handlungen auch zur eigenen sexuellen Erregung gefilmt worden seien. Auch die 47 Jahre alte Kindsmutter Berrin T. habe sich die Filme aus diesem Grund angeschaut. Für Markus K. habe sie in ihrer Wohnung auch Fesselwerkzeuge bereitgelegt. Der Angeklagte hatte das Kind zwei Mal getroffen und zwei Mal sexuell missbraucht. Christian L. und Markus K. hatten sich in der Justizvollzugsanstalt Freiburg kennengelernt und nach der Entlassung in einer psychiatrischen Praxis wiedergetroffen.

  37. @ 53
    Mir geht es nicht um meinen Schutz und um mein Sicherheitsbedürfnis, sondern um vernachlässigte Jugendliche, die schon früh unsoziale Verhaltensweisen zeigen und an denen Eltern, Erzieher, Lehrer, Sozialarbeiter, Psychologen, Psychiater, Richter und andere wohlmeinende Helfer scheitern.
    Verständnis, Milde und die großzügige Haltung: „Das wird sich schon legen“ werden unserer Verantwortung für diese Menschen und deren mögliche Taten nicht gerecht.
    Laissez-faire-Pädagogik und Anti-Psychiatrie, offener Strafvollzug und Resozialisierung nehmen im Sinne von Freiheit und Eigenverantwortung hohe Risiken in Kauf und sind in vielen Fällen zielführender als Strafe und Vergeltung, in anderen Fällen jedoch eine indirekte Erlaubnis, ähnliche Taten erneut zu begehen.
    Einen allgemeinen Maßstab für Toleranz oder Konsequenz gibt es nicht, sondern muss in jedem besonderen Fall gefunden werden.

  38. Was kommt, bevor die Polizei, die Psychiatrie zur Komponente erzieherischer Einflussnahme werden?

    Hab mich vor 13 Jahren eingesetzt, dass es bei uns Schulsozialarbeiter gibt.
    Einerseits ein Fortschritt sicherlich, andererseits eine Problemverlagerung.

    Die „Probleme“ zeichnen sich bereits im Kindergarten ab.
    Lehrer und teils auch Eltern merken das in der Regel durchaus.
    Aber sie verfügen kaum ansatzweise über die fachlichen Grundlagen, um darauf adäquat zu reagieren und die institutionellen und rechtlichen Möglichkeiten so Sinn stiftend als verantwortungsbewusst einzusetzen.
    Pädagogik ist noch immer ein Modebetrieb, taumelt von einer Zeitgeistlaune zum nächsten Hype, nahezubar irgendeiner wissenschaftlichen Fundierung.
    Die fachlichen Grundlagen sind über Jahrzehnte von Seiten der Psychologie, Soziologie, Ethnologie nicht bedarfsgerecht zugearbeitet worden.
    Im Hinblick auf die „Versorgungslücke“ sind systemische-konstruktivistische Konstrukte als Hoffnungsträger verstärkt nachgefragt.
    Auch ist die Diskussion selbst hinsichtlich der epistemologischen Grundfragen noch immer nicht soweit gediehen, dass man der Kindergärtnerin und dem Lehrer die Methoden mit der unter Pädagogen so beliebten didaktischen Eindeutigkeit vermitteln könnte.

    Rotthaus spricht von „Erziehungsunsicherheit“.
    Gunther Schmidt meinte mal: „Wer für alles offen ist, ist irgendwo auch nicht ganz dicht.“
    Bei den orientalischen Zugereisten gibt es keine Erziehungsunsicherheit.
    Da blutet ab und an mal jemand, aber das gehört dazu.
    Bei den Nazionalsozialisten und bei Makarenko gab es auch keine Erziehungsunsicherheit.

    Einerseits haben wir eine zunehmend degenerierende bzw. sich von den ökologischen Anforderungen scheinbar erfolgreich abkoppelnde Kultur, eine Art Psychiatrie im XXXL-Format, sozusage als Familienpackung.
    Die Behauptung mag sich für manchen wieder schrill anhören.
    Der Trouble um die jüngste Echoverleihung war ein Reflex auf Überschreitung einer Schmerzgrenze hinsichtlich kultureller Degeneration.
    Eine Gesellschaft, die selbst durch die Landschaft der Entwicklungsmöglichkeiten irrt und dabei irre geworden ist, stellt den Kontext dar, in dem man sich nicht zu wundern braucht, wie viele Jugendliche am Wahnsinn der Erwachsenenwelt irre werden sondern wie wenige es sind angesichts der Parallelerziehung, die wir ihnen effektiv antun via Leitmedien etc.

    Wenn man es kurz machen will, kann man es so sagen:
    Wer nach einer anderen Pädagogik ruft,
    ruft nach nichts Geringerem als einer anderen Gesellschaft.
    Wäre die Aufklärung nicht gescheitert, wäre dies der Soziologik zufolge die „Gesellschaft jenseits der Ismen“.
    Die transzendiert die bekannten Kulturstufen unter der Voraussetzung, dass diese gelebt, hinsichtlich ihrer Möglichkeiten und Grenzen ausgetestet werden können – ein Aspekt der für ein Verständns der entwicklungspsychologisch gebotenen Aufgaben von Pädagogik grundlegend ist und für den Pädagogen heute folge unzureichender Berufsvorbereitung noch blind sind.
    Die GjdI ist natürlich längst da in Ansätzen, es gibt vor unser aller Augen jede Menge Empirie dafür, wie Erziehung effektiv, effizient, nachhaltig Sinnerleben vermittelt.
    GjdI wäre nur eine – dem Bedarf der Pädagogen nach didaktischer (und evaluierbarer) Eindeutigkeit entgegenkommende Systematisierung dessen, was im Ansatz sowieso schon längst funktoniert.
    Die im politisch korrekten Reflexdenken versackten Soziologen sind uns diese Vision schuldig geblieben.
    Die Systemfritzen entdecken gerade ein paar Schatten davon mit Laloux.
    Allen unterhalb der Etage der Consultantclowns agierenden Gesellschaftsmitgestaltern wird nichts anderes übrigen bleiben, als den Sinn ihrer gewachsenen Heimatkultur selbst neu zu entdecken oder eine halbwegs resiliente Karikatur davon auf die Beine zu stellen.
    Was – wenn wir uns mal gestatten wollen, systemtheoretisch zu denken – vorerst so endet, dass wir uns im interkulturellen Dialog/Kampf außerhalb der Schnöselghettos auf dem stabilsten, sprich primitivsten Niveau für Kooperationsgestaltung wiederfinden werden.
    Hier noch ein bisschen Sound für den Weg; https://www.youtube.com/aggrotv
    Allen, die das nicht so richtig schön finden, empfehle ich Lisa Eckhart. Dazwischen … geschweige jenseits dessen gibt es nix, oder?

  39. @55&@56

    … Mißbrauch, Mißbrauch, Mißbrauch …

    Wie geht man mit diesem Faß ohne Boden um,
    ohne daß man selbst zwischen die Mühlsteine gerät
    bzw. der Bumerang zurückschnappt ?

    Mir fallen dazu nur zwei Zitate ein, die sind allerdings aus der
    Philosophie, mit der Systemtheorie nach wie vor etwas auf Kriegsfuß
    zu stehen scheint

    1) principiis obsta (sero medicina paratur)
    und
    2) ultra posse nemo obligatur

    Die alten Herren verstehen das noch, selbst die in Schwarz,
    bei denen es unter den Talaren längst schon müffelt,
    wenn nicht gar gewaltig stinkt.

    und wer das nicht zu übersetzen versteht, muß entweder nachsitzen
    und büffeln oder fliegt halt gleich bis alsbald raus.

  40. @ 57 „Die GjdI ist natürlich längst da in Ansätzen […]“
    GJDI = Grapefruit Juice-Drug Interaction
    GJDL = Grid Job Definition Language

    @ 58 „principiis obsta (sero medicina paratur)“, „ultra posse nemo obligatur“
    »Tritt den Anfängen entgegen, (das Heilmittel kommt sonst zu spät)« oder dem Sinne nach: »Wenn die Krankheit noch in ihren Anfängen ist, suche sie zu bekämpfen, (sonst kommt der Heilungsversuch zu spät)«.
    »Über das Können hinaus wird niemand verpflichtet«, besagt, dass eine moralische oder rechtliche Verpflichtung zu einer Leistung, die unmöglich ist, nicht bestehen kann. Dies gilt sowohl, wenn die Leistung objektiv (= Unmöglichkeit), also für jedermann, als auch wenn die Leistung subjektiv (= Unvermögen), also nur für den Schuldner, unmöglich ist.

  41. @ 57
    Anstand und Rücksichtnahme kann ein Mensch ebenso wie Liebe, Einfühlungsvermögen und Verantwortungsbewusstsein am besten im Elternhaus lernen.
    Doch wenn in bestimmten Fällen selbst die Eltern damit überfordert sind, kann man es von Erziehern und Lehrern nicht verlangen.

  42. Der Tatbestand der Degeneration geht nicht als Versehen“oder „kultureller Betriebsunfall“ durch: diese Form von Gesellschaft macht die Heranwachsenden verrückt oder – wie man es nimmt – reif für den nächsten Einsatz im Kolonialkrieg zugunsten unserer Zapfsäulen, Smartphones und Biodiversitätskatastrophen. Ins Auge springen die Parallelen zwischen manchen Hilflosigkeiten institutionalisierter Erziehung – bspw. wenn halbstarke Früchtchen mit Segen der Jugendämter gut gemeint ins Ausland „deportiert werden – und denen, die einst von hier aus auswanderten (oder weggefangen und auf die Schiffe gesperrt wurden) und im Dschungel der Kolonien Sinn und Zweck ihrer geflogenen Kultur aus sich selbst heraus neu entdeckten. Verdienstvoll: http://www.imi-online.de/

  43. @59 Wer die Fähigkeit sich in Krisen- und Umbruchszeiten orientieren zu können im Kleinen seiner Familie und „Dorfes“ lernen durfte, dem mag es leichter fallen, in einer sich wandelnden „globalen Welt“ sich zu orientieren.

  44. Gerhart Baum, Bundesinnenminister a. D., schreibt heute im „Handelsblatt“: „Der hinterhältigste Dämon, der eine freie Gesellschaft bedroht“ (Zygmunt Baumann) ist die Angst. Angst vor Fremden, vor Altersarmut, vor Globalisierung, vor Europa, vor Terror. […] Die Erfahrung zeigt, dass es nicht an Instrumenten [zur Wahrung der Sicherheit] fehlt, sondern zu oft an deren konsequenter Anwendung – sonst könnten die Opfer von Amri noch leben.“

  45. Auffällig, dass die Amris‘, Breivik’s, Lubitz‘ usw. dieser Welt sowohl männlich, als noch grün hinter den Ohren, evt. auch entwicklungsverzögert scheinen und in diesem Zustand sowohl ihr eigenes Leben ’satt haben‘ und des Lebens überdrüssig sind (wie es sonst eher bei Älteren von mancherlei Beschwerden geplagten Zeitgenossen beobachtbar ist), als auch ihren Austritt aus dem Leben in einer fulminanten Selbstinszenierung planen, welche Gier nach größtmöglicher ‚Aufmerksamkeit‘ als Benefit verrät.

    Einzelfälle. Der große Rest an Eltern kann sich über die „Verhaltensauffälligkeit“ ihrer Zöglinge beruhigen: 😉

    „Das Hauptproblem der Jugend ist, den Anschluss an die Erwachsenenwelt zu finden. Sich dazugehörig fühlen. Die Erwachsenenwelt lässt sich allerdings Zeit, sie heißt die neue Generation nicht gleich willkommen, sie hat genug mit den älteren Erwachsenen zu tun und weiß nicht, wohin mit ihnen. Mein Sohn ist 18 Jahre alt, das Abitur haben wir mit vereinten familialen Kräften Gott sei Dank durch. Wie es weiter gehen soll, weiß er noch nicht. Er sucht sich. Dagegen ist erst einmal nichts anzuwenden, die Selbstsuche ist eine wichtige Lebensphase, jeder hat das Recht, sich zu suchen.
    Man braucht nur den richtigen Ort dafür. Mein Junge sucht sich bei uns Zuhause, in der Küche, auf dem Sofa, vor dem Fernseher. Meine Erfahrung sagt, das kann dauern. „Schmeiß ihn raus!“ raten mir meine Freunde, „schicke ihn nach Australien, mit einem One Way Ticket!“ Dieses Australien scheint zur Zeit der heißeste Spot für alle Eltern zu sein, die Kinder in der Selbstsuchephase haben. Etliche Erziehungsberechtigte aus meinem Bekanntenkreis haben ihren spätpubertierenden Nachwuchs in Australien zwischengeparkt. Der Gedanke dahinter ist gut nachvollziehbar: einerseits ist Australien groß genug um sich voll und ganz auszutoben, andererseits ist es eine dünnbesiedelte Insel, also läuft der Nachwuchs nicht weg und ist zur Not schnell wiederzufinden. Aber mein Junge will nicht nach Australien, er will sich in Berlin finden. „Darf ich nicht einmal durchatmen, nach 12 Jahre harter Schularbeit?“ fragt er uns rhetorisch. Nur Geduld, denke ich. Wir schaffen das“ (W.K.)

  46. @ 66 W.K. = Wladimir Kaminer

    Die einen kämpfen um Aufnahme in die Gesellschaft, wie z.B. Wladimir Kaminer, die anderen gegen die Aufnahme dieser W.Ks. in die Gesellschaft, wie z.B. Anders Breivik.

    Integration und Migration (= Neo-Integration) versus Beton-Nationalismus und nationalen Separatismus.

    „Im Juni 1990 bekam Kaminer humanitäres Asyl in der DDR. Noch vor dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober erhielt er die Staatsbürgerschaft der DDR und deshalb danach automatisch die bundesdeutsche Staatsbürgerschaft. […] „Die wahre Revolution ist die Migration. Die ganze Welt scheint zurzeit unterwegs zu sein. Wenn man woanders hingehen kann, ergibt es keinen Sinn mehr, seinen Staat zu retten. Eine Menge von Leuten haben verstanden, dass es sich nicht lohnt, Veränderungen in einem Land anzustreben, die vielleicht einmal ihren Enkeln zugute kommen.“ Wladimir Kaminer 2017: Interview mit Jan Sternberg zu Goodbye, Moskau. Betrachtungen über Russland.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Kaminer

  47. @ 66 „Auffällig, dass die Amris‘, Breivik’s, Lubitz‘ usw. dieser Welt sowohl männlich, als noch grün hinter den Ohren, evt. auch entwicklungsverzögert scheinen […]“

    „In dem nur über drei Verhandlungstage geführten [Sexualstraf]Verfahren [in Freiburg]wurde deutlich, dass es erhebliche Kontrolldefizite bei Sexualstraftätern gibt, die zur Resozialisierung entlassen sind. Ein Polizist, der Markus K. im Rahmen des vom Landeskriminalamt verwalteten „Kurs“-Programms überwacht hat, schilderte, dass viele Sexualstraftäter rückfällig würden, die Überwachung nicht engmaschig genug sei und der therapeutische Ansatz des Programms sein Ziel verfehle. „Das Programm funktioniert nicht“, sagte der Beamte.
    Christian L. und Markus K. waren nach ihrer ersten Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs sogenannte Vollverbüßer. Aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte konnte für sie keine nachträgliche Sicherungsverwahrung angeordnet werden, weil sie in den Urteilen nicht unter Vorbehalt angekündigt war, deshalb standen sie lediglich unter Führungsaufsicht und wurden im Rahmen des „Kurs“-Programms betreut. Für Markus K. war nur die mildeste Überwachungsform angeordnet; die Polizei hat bei solchen Personen nur begrenzte Möglichkeiten, die Überwachung zu intensivieren.
    Markus K. belästigte, während er unter Führungsaufsicht stand, in einem Supermarkt ein Kind. Kritikwürdig ist auch, dass sich Markus K. und Christian L., die sich in der Justizvollzugsanstalt Freiburg kennengelernt hatten, angeblich in einer forensischen Ambulanz in Freiburg wieder trafen und sich so zu den verhängnisvollen Straftaten verabreden konnten. „2016 oder 2017 habe ich ihn bei meinem Psychologen im Küchenraum getroffen“, sagte Christian L. „Ich war eine halbe Stunde zu früh da, da hat der Psychologe Herrn K. die Tür geöffnet.“
    Sie verabredeten zwei Treffen mit dem Jungen, einmal auf einem Feldweg, zwischen Büschen und Rebstöcken, ein zweites Mal in der Wohnung der Kindsmutter in Staufen. Andere Täter zahlten bis zu 10.000 Euro für eine Vergewaltigung, Markus K. gab dem Jungen 20 Euro. „Ja, das war Freundschaft zwischen uns, er war in der Haftanstalt meine Ansprechperson, und er hat mir gesagt, dass er nicht viel Geld verdient“, sagte Christian L. Über sein eigenes Verhalten fügt er noch eine ungeheuerliche Behauptung hinzu: „Ich habe ihn nicht jede Woche missbraucht, es gab auch Phasen, da haben wir wie eine normale Familie gelebt.“
    Ein normales Familienleben gab es für den Jungen nie, denn auch die Mutter soll ihren Sohn sexuell manipuliert haben. Das will eine Lehrerin von einem Mitschüler des Jungen erfahren haben. Sie berichtete im Juni 2017 darüber dem Jugendamt im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, dort stufte man diese Beobachtung allerdings nur als „vage“ ein. Sollte sich das bewahrheiten, müsste die Rolle des Jugendamtes hinterfragt werden, denn zu diesem Zeitpunkt hätte es Möglichkeiten gegeben, der Mutter das Sorgerecht für ihren Sohn zu entziehen.
    Für Markus K. beantragte die Staatsanwältin am Mittwoch eine Freiheitsstrafe von zwölfeinhalb Jahren und Sicherungsverwahrung. Das Gericht entsprach diesem Antrag weitgehend, es verurteilte den Angeklagten am Donnerstag zu zehn Jahren Haft und ordnete Sicherungsverwahrung an.“
    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/freiburg-10-jahre-haft-fuer-ersten-angeklagten-in-missbrauchsfall-15550279.html

  48. Den etwas „schwereren Jungs“, mit denen ich gelegentlich zu tun hatte, hab ich Ukraine empfohlen. Hie und da wird hierzulande auch geworben dafür, nur eben nicht für den Donbass sondern – passend zu unserer Grundordnung und westlichen Werten – durch Asow.

    Bei der Bundeswehr haben die potentiellen Fachkräfte im Guten wie im Schlechten bessere Chancen auf nachhaltige Selbstverwirklichung als bei der Zeitarbeit/ALG. https://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/start/einsaetze/mali/minusma/!ut/p/z1/hU5PC4IwHP0sHbzuNzTNuk3Ig0gIGukuMXVNYzqZS_v4GZ6Cond7f3lAIQfas6kVzLSqZ3LhBfWugR9nsb23bTc5-pict4GfhZGNTw5c_gXoYuMfIBjSmkOxbOx-boQepECB3tnEnmhQ2khuEKveD6FoWF9LnqiKrEIEVEhVrtdJXzq-AKr5jWuu0UMvcmPMMB4sbOF5npFQSkiOKtVZ-FulUaOB_DMJQ5fP2HHlFJPNC2rwLtk!/dz/d5/L2dBISEvZ0FBIS9nQSEh/#Z7_B8LTL29225PE80AU4B8TFJ20F6

    Der IS ist als Erlebnisurlaubsparadis für Heranwachsende derzeit etwas aus dem Rennen. Das Mädel aus der Pfefferkuchenstadt Pulsnitz hatte in dem Zusammenhang kurz mal zu denken gegeben. https://www.welt.de/politik/deutschland/article166942397/Ich-bin-zusammengebrochen-als-ich-erfuhr-dass-Linda-lebt.html Pegida fand sie offenbar nicht so attraktiv als Startbahn zur Selbstverwirklichung. Bis http://www.emanzipation.org/?q=rojava hat sie es nicht geschafft, aber auch da wird begeisterungsfähiges Personal gesucht.

    Lothar Kannenberg is derzeit etwas angeschlagen. Ein konzeptioneller Ableger der unter Pädagogen für schwierige Fälle lebhaft diskutierten Eagly Academy versucht sich in Deutschland, kann aber nichts dazu sagen. https://www.youtube.com/watch?v=uqm_4mSFMo8

    Ansonsten werden wir uns – „Frieden“ im Inland vorausgesetzt – früher oder später wohl auf derlei Kulturstandards einstellen dürfen; https://www.youtube.com/watch?v=RNAaIoZZFJY

  49. Noch so ein „schwerer Junge“: „Beim nächsten Prozesstermin am 9. Mai will der kleine, stämmige Mann mit Pferdeschwanz selbst das Wort ergreifen. „Er wird vollumfänglich Stellung nehmen und für alle Fragen zur Verfügung stehen“, kündigt Anwalt Krechel am Freitag an. […] „Sein ganzes Leben war von Drogen geprägt, hartes Zeug, Ecstasy, Speed und LSD“, sagt Krechel. Rick J. habe jahrelang keine gefestigten Beziehungen zu anderen Menschen und eine unsichere und instabile Persönlichkeit gehabt. „Er hat sein eigenes Leben und das Leben anderer mit Füßen getreten. […] http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/mord-an-achtjaehriger-eine-endlose-geschichte-15552023.html

  50. another ‚mission accomplished‘ – ganz still und heimlich
    „WASHINGTON — The end came quickly for one of the costliest covert action programs in the history of the C.I.A.
    During a White House briefing early last month, the C.I.A. director, Mike Pompeo, recommended to President Trump that he shut down a four-year-old effort to arm and train Syrian rebels. The president swiftly ended the program…“
    https://www.nytimes.com/2017/08/02/world/middleeast/cia-syria-rebel-arm-train-trump.html

  51. Worin besteht denn nun eigentlich die (Aufklärungs-)“Mission“ aus systemtheoretischer Sicht?

    Überleben vs. Überlegen(heit)?

    Aufklärung besteht für mich bestenfalls im aufdecken von Paradoxien, Dilemmatas und Unentscheidbarem.

    Aufklärung jedoch, welche mit dem radikalen Versprechen nach Gleichheit, einer nicht hierarchischen Gesellschaftsstruktur auftritt und dieses Versprechen letztlich schuldig bleibt (z.B. weil sich Veränderung nicht schnell genug vollzieht oder die Mehrheiten nicht stark genug davon profitieren), erzeugt eine gefühlte Unzufriedenheit in deren Folge die Wut durch die Decke geht.

    Sofern der westliche Wohlstand eben nicht hauptsächlich und maßgeblich auf Innovation, sondern faktisch auf Imperialismus, Ausbeutung und Sklaerei beruhte, führen realistischerweise unerfüllte Erwartungen an das Phantasma (o.a. „Fake-News“) jenes Pseudo-Evangeliums welches „Gleichheit und Wohlstand für alle“ provezeite im 21.Jahrhundert zu Ressistements, Revolutionen, Terror und Bürgerkriegen.

    Entwicklungsprozesse sind eben keine Einbahnstraße ins „Glück“. Leben deshalb viele im Westen mit einer „Cartoon-Version der eigenen Geschichte“, sofern Terror, Krieg, Gewalt, welche den Prozess (des Westens) begleiteten, ausgeblendet werden?

    Die Ausnahmeperiode welche die Nach-1945-Generationen als extrem beschränkte Erfahrungen linearn Wohlstandswachstums erlebten, führen genau deshalb zu gefährlich-dummen blinden Flecken der Welt- Geschichts- und Wirklichkeitswahrnehmung wie sie der brüchigen Brille liberaler Demokratieverständnisses (einer Ausnahmeerscheinung!) zu eigen sind.

    Es scheint durchaus plausibler, realistischere Hoffnungen, gerade von jenen zu erwarten auf auf jene zu setzen, welche in der Lage sind künftige Gefahren realistischer einzuschätzen, weil ihnen selbst die blinden Flecke jener Biografien fehlen, wie sie mit erlebtem wachsenden Wohlstand, Sicherheit und Gesundheit einhergehen (sie haben dafür andere blinde Flecke) und welche in ihrer Hybris diese Weltanschauung naiverweise auf den Rest der Welt extrapolieren und projizieren suchen und entsprechenden Widerspruch und Widerstand ernten.

    https://www.nzz.ch/feuilleton/die-welt-sitzt-in-der-falle-pankaj-mishra-zeitalter-des-zorns-ld.1363288

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