Mollath

Ob Herr Mollth sich redlich seine psychiatrische Diagnose verdient hat oder nicht, weiss ich nicht. Trotzdem scheint es mir skandalös, dass eine bayerisches Gericht jetzt beschlossen hat, ihn bis 2014 – ohne weitere Begutachtung, d.h. aufgrund eines Gutachtens aus dem Jahre 2006 – psychiatrisch untergebracht zu lassen, d.h. gegen seinen Willen weggesperrt…

Lassen wir mal die Einzelheiten des Falles Mollath weg und schauen allein auf die Tatsache, dass heute – 2013 – eine derartige Massnahme mit einer Diagnose aus dem Jahre 2006 begründet wird…

Wenn wir die medizinische Metaphorik der Mainstream-Psychiatrie bzw. ihrer Diagnostik ernst nehmen, dann wäre das so, als ob heute jemandem der Blinddarm raus genommen würde, der vor etlichen Jahren mal Schmerzen im rechten Unterbauch hatte (ohne dass heute weitere Untersuchungen durchgeführt werden).

Ich persönlich glaube ja nicht, dass die Psychiatrie wirklich zur Medizin gehört (siehe Th. Szasz: Geisteskrankheit – ein moderner Mythos), aber dazu will ich hier gar nicht viel sagen. Was mich wirklich beunruhigt, sind die Richter, die ihrer Verantwortung nicht gerecht werden und sich hinter pseudowissenschaftlichen Gutachten verstecken, wenn sie Menschen gegen ihren Willen in die Anstalt verfrachten.

In der Zeit, als ich noch Gutachten oder gutachterliche Stellungnahmen zur Frage der Zwangsbehandlung von Patienten abgeben musste, habe ich es nie (!) erlebt, dass ein Richter meinem Votum widersprochen hätte (obwohl ich damals – zu Beginn meiner psychiatrischen Karriere – 25 Jahre alt war und die Richter teilweise in den 50ern oder 60ern). Alle unterschrieben innerhalb weniger Minuten – und das wohl weniger, weil ich so überzeugend wirkte, sondern weil sie sich vor der Verantwortung drückten… Schreibtischtäter, wie man sie unter Juristen meiner Erfahrung nach häufig findet.

29 Gedanken zu “Mollath

  1. Man muß sich diese ARD – Dokumentation nur einmal anschauen, um das Gruselkabinett zu erfahren, wo wir aktuell mal wieder stehen in der Gesellschaft:
    https://www.youtube.com/watch?v=8z99MO8uv2U

    Dies auch in Zusammenhang mit den allseits beobachtbaren Effektkumulationen in Richtung bürokratischem Totalitarismus.
    Dieser Fall scheint nun in krassester Weise zu offenbaren, dass wir es wieder einmal geschafft haben,
    „Schreibtischtäter, wie man sie unter Juristen meiner Erfahrung nach häufig findet“ ohne wirksame zwischengeschaltete öffentlichkeitswirksame, sensibilisierende Kontrollinstanzen unverantwortlichen schmalspurbesohlten Bürokraten den „Marsch durch die Institutionen“ in Schlüsselpositionen öffentlicher Dienstleistung zu erlauben. Dieses Phänomen ist jedoch für bei einer Vielfalt von Professionen zu beobachten, nicht nur bei Juristen.
    Fakt ist, dass gerade in den unterschiedlichsten Funktionssystemen und Organisationen im Hinblick auf die Qualität von Dienstleistungen immer noch mit zweierlei Maß gemessen wird. Insofern ist es längst an der Zeit, kontinuierliche Qualitätssicherungsmaßnahmen – speziell für die öffentliche Dienstleistung einzuführen – die sich einzig durch ein gesetzlich verankertes Gewaltmonopol mit strukturellem Machtgefälle legimiert.

    Die Psychiatrie gehört – sofern man sich deren unrühmliche Historie als korrupte Hure und Handlanger im Dienste totalitärer Machtapparate anschaut – in der Tat bereits vom Ansatz her nicht zur Medizin, obgleich sie sich selbst immer noch so versteht. Aus diesem Grund müßten jetzt auch die Standesorganisiationen der Medizin als Ethikwächter reagieren, sofern diese nicht auch bereits mit Funktionärsmentalitäten durchsetzt sind.

    Wenn man die destruktive Dynamik von Mobbingprozessen kennt, dann graust es einem, die Arztbriefe des BKH Bayreuth zu lesen:
    http://www.strate.net/de/dokumentation/index.html
    Was soll der arme Kerl angesichts dieser Übermacht seiner Zwangsunterbringung denn anderes tun, als sich Öffenlichkeit suchend immer wieder gegen diesen Machtapparat zur Wehr zu setzen?
    Zumindest erinnert das Ganze auch unmittelbar an das „Rosenhan-Experiment“ mitsamt der grausam stigmatisiernde und exkludierende Haltbarkeit von psychiatrischen Diagnosen. Ein Phänomen, das sich selbstverständlich gezielt einsetzen läßt, um Dominanz/Unterwerfungsstrukturen zu zementieren und unliebsame Gegner auszuschalten.

    Hier finden sich noch weitere Fälle, die selbstverständlich auch nicht ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gelangen sollten.
    http://www.gustl-for-help.de/weitere.html

    Spätestens bei dieser Dokumentation weiß man auch Bescheid, in welcher Funktion die Psychiatrie gezielt als „law and order“- Instanz eingesetzt wird.
    http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=4965148/8nywjl/

    Und so schließt sich dann auch der Kreis zum CA-Verlag
    http://www.meinungsverbrechen.de/

    Summa summarum, zur allgemeinen Lage ein Zitat aus einem Artikel von Hannah Arendt „Totalitarismus und die Zerstörung des Menschen“, was das fatale Muster zweiwertiger Logik eines korrupten Bürokratismus ohne jegliche Selbstreferenz und Eigenverantwortung bestätigt:

    „In diesem Sinne ist die Schwierigkeit, totalitäre Politik und die Institution der totalen Herrschaft zu verstehen …, dass sie zu ‚logisch‘, zu konsequent die Folgerungen ziehe, die ihren Ideologien inhärent sind.
    Während so die totalitäre Herrschaft einerseits alle Sinnzusammenhänge zerstört, mit denen wir normalerweise rechnen und in denen wir normalerweise handeln, errichtet sie andererseits eine Art Suprasinn, durch den in absoluter und von uns niemals erwarteter Stimmigkeit jede, auch die absurdeste Handlung und Institution ihren ‚Sinn‘ empfängt. Über die Sinnlosigkeit der totalitären Gesellschaft thront der Supersinn der Ideologien, die behaupten, den Schlüssel zur Geschichte oder die Lösung aller Rätsel gefunden zu haben. … Sobald ihr Anspruch auf absolute und totale Geltung ernst genommen wird, entwickeln sie sich zu logischen Systemen, in denen nun jegliches zwangsläufig folgt, weil eine erste Prämisse axiomatisch angenommen ist. Dabei liegt die eigentliche Verrücktheit dieser Systeme nicht so sehr auf der Prämisse selbst als in der zwangsläufigen Folgerichtigkeit, mit der aus ihr geschlossen wird, und in der um alle Realitätserfahrung unbekümmerten Konsequenz, mit der alle Folgerungen in die Wirklichkeit umgesetzt werden. In dem bekannten Wunsch , ein eindeutiges Weltbild, eine in sich stimmige Weltanschauung zu haben, der aus der Erfahrungsunfähigkeit der modernen Massen stammt und der eigentliche Motor aller Ideologien ist, liegt bereits jene Verachtung für Wirklichkeit und Tatsächlichkeit in ihrer unendlich variierenden und nie einheitlich zu fassenden reinen Gegebenheit, die eines der hervorstechenden Merkmale der totalitären fiktiven Welt bildet.“ …
    „Das eigentliche Ziel der totalitären Ideologie ist nicht die Umformung der äußeren Bedingungen menschlicher Existenz und nicht die revolutionäre Neurdnung der gesellschaftlichen Ordnung, sondern die Transformation der menschlichen Natur selbst, die so, wie sie ist, sich dauernd dem totalitären Prozess entgegenstellt.“

    Interpretiert man die Semantik beobachtbarer Effektkumulationen der jüngsten Zeit, dann wird auch klar, weshalb die immer noch als hierarchisch gedachte Konzeption des gesamten korrumpierbaren, bürokratischen Apparates zum Scheitern verurteilt sein muß. Zumal sich – da die üblichen rechtsstaatlichen Wege zunehmend versperrt zu sein scheinen – das Immunsystem der Gesellschaft (vgl. SozSys, Widerstand und Konflikt) allenhalben im Widerstand azentral formiert und organisiert.
    Die etablisierten, verkrusteten Organisationen werden dabei von einer evolutionären Eigendynamik überrollt werden, dem bürokratisch strukturierte Staatsapparate nicht gewachsen sind. Das sind Hase-Igel-Spiele.

    Hierzu Luhmann:
    „Die sich dabei einstellenden Rückkopplungen lassen sich nicht in Form von Gleichgewichtsmodellen begreifen. Sie neigen zu plötzlichen Effektaggregationen, die wiederum von außen auf die Organisationen einwirken und die dann eintretenden Erschütterungen auch in andere Funktionssysteme übertragen.“ (GdG, S. 846)

    So wirken sich dann auch die berühmten Schmetterlingseffekte aus, die als autokatalytische Prozesse in einer sich selbstbeschleunigenden Rasanz ablaufen und mit dissipativen Strukturen azentral „order from noise“ erzeugen. http://de.wikipedia.org/wiki/Dissipative_Struktur

    Das bedeutet auch: Interne Ausdifferenzierung mit operativer Schließung und durch strukturelle Kopplung gleichzeitig Öffnung mit Breitenwirkung nach außen.

    Schön zu sehen, wie sich Luhmann -gegen die Erwartungsstrukturen- bestätig findet:
    „Jedenfalls verdeutlicht eine so entschieden auf operative Geschlossenheit und Autopoiesis abstellende Theorie, wie sehr das Entstehen von Organisationen einerseits nur in Gesellschaften möglich ist, dann aber auf eigenständige Weise zur gesellschaftlichen Differenzierung beiträgt, und dies in einem doppelten Sinne: zur Differenzierung des Gesellschaftssystems und seiner Funktionssysteme GEGEN die Autopoiesis der Organisationen und, MIT HILFE dieser Autopoiesis der Organisationen, zur Differenzierung der Funktionssysteme gegeneinander und gegen ihre Umwelt.“ (GdG,

    Beobachtbar bleibt jedenfalls – anhand positiver und negativer Rückkopplungsprozesse – dass der Mainstream an Repräsentanten im Rechtswesen, in der Wirtschaft, in der Politik und aber auch in der Psychiatrie überhaupt noch nicht zu ahnen scheinen, wie ihnen bereits geschieht und wie sie sich in ihrer zweiwertigen Programmierung in Endlosschleifen aufspulen, sich selbst dabei inkludieren und im rasenden Stillstand strukturell entkoppeln.
    Dieses Sammelsurium an Korruption, Heucheleien und Lügen in den etablierten Organisationen läßt sich eine funktional differenzierte offene Gesellschaft nicht mehr bieten.

    Mit dieser „Paradoxie der Wahrscheinlichkeit des Unwahrscheinlichen“ können sie auch nicht kalkulieren, obgleich sich allenthalben die Semantik atmosphärisch bereits gedreht hat und sich die evolutionäre Transformation der Gesellschaft längst schon vollzieht.

    No Chance für zweiwertig programmierte Flachland- und Kästchen-Denker ohne ein Minimum an Reflexion und kreativem Potential.

    Wider totalitäre Ideologien jeglicher Couleur, das die „Metaphorik der Krise“. Und dies läßt- sofern Heinz von Foersters Vielhirn-Allhirn-Denken in Beobachtung zweiter Ordnung praktiziert wird, diesmal auf die Katharsis mit Phoenix aus der Asche hoffen.

    “Das Ziel ist klar: Wir müssen das System schließen, um eine stabile Bevölkerung, eine stabile Wirtschaft und stabile Rohstoffe zu erreichen. … nun das Problem der Konstruktion eines Konstruktion eines Kontrollmechanismus für die Bevölkerung und die Wirtschaft [kann] mit den geistigen Reserven dieses Planeten gelöst werden.” (Heinz von Foerster, „Die Verantwortung des Experten“)

  2. Das Zusammenspiel von Bürokratie und Wissenschaft ist immer und überall explosiv. Weil Wissenschaft Grenzen kennt, Bürokratie aber nur sehr bedingt. Psychiatrie wird überstrapaziert und die Psychiater lassens individuell und kollektiv mit sich machen.

  3. So ähnlich erlebe ich es seit 7 Jahren in meinem Arbeits-Mobbing-Prozess, verursacht durch Rechtsanwalt Helmut Naujoks.

    Psychiatrische Gutachten sind von Richtern seit 2010 in Auftrag gegeben worden, und haben dann die Gefälligkeitsgutachten bekommen, paranoide Schizophrenie, damit sie mich in die geschlossene Psychiatrie einweisen konnten und unter Betreuung stellen konnten.

    Das ist die Rache, dass alle Beteiligten von 2006-2008 vor dem Arbeitsgericht in Berlin gescheitert sind.

  4. @ 7: Danke für den Link.
    Hier argumentieren Juristen und leisten Widerstand.
    Das ist ein gutes Zeichen und das läßt hoffen.
    Gerade anhand der Rückverweise läßt sich erkennen, dass selbst bei vergleichsweise indolenten Juristen die Schmerzgrenze längst überschritten scheint und dass sich auch dort Beobachter 2. Ordnung im Lager von Betroffenen gegen die eigenen Organisationen formieren, um gegen die Motten, Flöhe und Filzläuse im eigenen Pelz zu agieren.

    Auf Basis von diffenzierter Aufklärung- und Bewußtwerdung gegenüber Korruption und Machtmißbrauch im Amt in der öffentlichen Dienstleistung werden vermutlich noch zahlreiche Köpfe in exponierten Positionen rollen, die diese Dialektik von „order from noise“ nicht verstehen und (noch) „nicht wissen, wie ihnen geschieht.“

    Gegen die rekursive Abrechnung des Immunsystems der Gesellschaft mit ganz radikalem Stimmungsumschwung fällt linear-kausal programmierten, parasitär agierenden Flachland-und Kästchen-Denkern ohnehin nichts mehr ein, um ihre Fehlentscheidungen noch vertuschend unter Verantwortungs-delegation abwehren zu können. Der Stimmungsumschwung wird noch viel weitreichendere Folgen haben:
    http://tinyurl.com/k2orkel

    Sensibilisierte juristische Revisionen und Interventionen werden vermutlich zur „Interdependenzunterbrechungen“ beitragen und dann via interne Qualitätskontrollen, speziell in öffentlichen Oreganisationen, zu gnadenlosen Abrechnungen führen. Insofern: Der successive Absturz einzelner Repräsentanten in diesem parasitär verfilzten, korrupten Spiel ist vorprogrammiert. Wer auf sich diese Art das Vertrauen der Öffentlichkeit und vor allem aber auch von Kollegen verspielt hat, hat sich die Folgen selbst zuzuschreiben. Dieser sich in Eigendynamik sich autokatalytisch beschleunigende Prozess in transdiziplinärerer Vernetzung läßt sich nicht stoppen.

    vgl. Luhmann:
    „Es kommt dann zu Konflikten zwischen Entscheidern und Betroffenen, zwischen den zumeist in Organisation errechneten Risikokalkulationen und den davon Ausgeschlossenen, die von etwaigen Folgen betroffen sind. Denn was für Entscheider ein Risiko ist, ist für die gegebenenfalls davon Betroffenen eine von außen kommende Gefahr, die aber in der Gesellschaft selbst, eben IN DER ENTSCHEIDUNG ihren Ursprung hat und darauf zugerechnet wird.“ (GdG, S. 534)

    Es dreht sich bei evolutionären Prozessen weniger um „Innovation“, sondern durch Re-Kombination im Wesenskern um Restabilisierung im Dienste der Autopoiesis (vgl. auch Heinz von Foerster „Verantwortung des Experten“)
    Und folglich dreht es sich nun auch um „Entmystifizierung der Gesundheit“, gerade im Zusammenhang mit Validität und Reliabilität psychiatrischer Diagnosen.
    In letzter Konsequenz wird dieser autokatalytische Prozess auch zu einer „Umdeutung aller Werte“ in rein theoretisch und vergleichsweise spekulativ agierenden Wissenschaftsdiziplinen bzw. Organisationen führen, die immer noch ihr Kalkül ohne den Wirt machen und auf Erfindungen und Wirklichkeitskonstruktionen ohne realen Bezug zur sozialen Matrix aufbauen.

    Alle rekursiven Indikatoren weisen darauf hin, dass dieser
    Prozess gegen die „Dysgnosie“-Epidemie mit dem Parasiten, genannt „Episto-Schwafel“ (vgl. Heinz von Foerster) sich in seinen Rekursionen nun heterarchisch und azentral als interne Ausdifferenzierung von Funktionssystemen erweist und auch erkennbar in Richtung Kohärenz und Resilienz, gemäß Prinzipien der Salutogenese verlaufen wird. http://de.wikipedia.org/wiki/Salutogenese

    „Soweit die Kanalisierung von Restabilisierungen in den Händen von Organisationen liegt, das heißt über Entscheidungen und gegen ‚postdecisional regret‘ abgesichert sein muß, leistet man gegen Neuerungen Widerstand. Sinn wird RETROSPEKTIV ermittelt, NACHDEM GEHANDELT und ENTSCHIEDEN WORDEN IST. Aber die Gesellschaft evoluiert, zum Glück oder Unglück, nicht auf Ebene ihrer Organisationen“

    „Die Antwort kann nur in dieser Gesellschaft werden, zum Beispiel in ihrer Fähigkeit Tempo auszuhalten, für Ausfälle Ersatz zu finden, Reserven für Unvorehergesehenes zu kapitalkisieren und vor allem: mit diesen Erfordernissen SOZIALISIEREND zu wirken und die Bewußtseinssysteme der Menschen mit diesen Gegebenheiten vertraut zu machen. Denn es ist nur allzu verständlich, wenn Menschen, die in langer Kultur anderes gewohnt waren, unter solchen Bedingungen nervös werden“.
    (GdG, S. 497)

    Wenn es sonst nichts wäre als auf Basis der systemischer Epidemiologie Pandemie – Pläne als Handlungsanweisung – gemäß der KybernEthik und den „Laws of Form“ zu entwickeln – um den evolutionären Transformationsprozess entlang der „Paradoxie der Wahrscheinlichkeit des Unwahrscheinlichen“ zu begleiten und die Semantik auf Zuordnung von Symbolen, Begriffen und Handlungen in Rückführung auf die Sinnndimensionen zu gewährleisten, dann stünde doch den differenzierenden „Umdeutungen der Werte“ nichts mehr entgegen.

    Gut zu wissen, dass es im Grunde keiner ideologiegefährdeten, moralisierenden bzw. psychiatrisierenden Spekulationen mehr bedarf, sondern dass die Güte von Dienstleistungen in sozialen Systemen, speziell in Organisationen, ganz nüchtern über engmaschige öffentlichkeitswirksame Qualitätskontrollen im Hinblick auf Einhaltung der „Laws of Form“ und der Rückkopplungsprozesse entschieden werden kann.

    „Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.“
    George Bernard Shaw

    Insofern: Wer jetzt noch nicht so langsam verrückt ist, bleibt beobachtertechnisch zumindest erst einmal verdächtig.
    Über Versäumnisse, Unterlassungen und Schuldfragen können dann Juristen entscheiden.

  5. Allen, die sich für Herrn Mollath interessieren, empfehle ich die Recherchen von Otto Lapp, Redakteur des Nordbayrischen Kuriers zu lesen. Herr Lapp hat Herrn Mollath viele Male im BKH Bayreuth besucht, seine Ex-Frau interviewt und – wie ich finde – viele interessante Informationen zu Tage gefördert, die ich als Lichtblick in der sonst sehr reduzierten Berichterstattung der Medien empfinde.

  6. @ 11: Was Sie als „sehr reduzierte Berichterstattung empfinden“, geht aus Ihrem Kommentar leider nicht hervor. Sie hatten auch keinen Link in Ihrem Kommentar.
    Googelt man Otto Lapp, Nordbayerischer Kurier, dann erscheinen zwar unter dieser Website die Schlagzeilen, der Rest ist kostenpflichtig. Allerdings findet sich in der Mainpost ein Artikel von Ottot Lapp
    http://www.mainpost.de/regional/bayern/Erstmals-spricht-Mollaths-Ex-Frau;art16683,7514346

    Halten wir fest:
    Wir beobachten hier aus externer Position von Beobachterebene zweiter Ordnung, die zugestandermaßen auch niemals völlig wertfrei sein kann. Was zu beobachten bleibt, ist, dass sich in diesem Fall, die Wellen brechen und Lager spalten, sowohl in Medienberichterstattung, bei Juristen, bei Psychiatern und insbesondere in der Politik.
    Es gibt eine Fülle von Belegen über das gesamte Verfahren.
    Was in dem vorangegangenen „Rosenkrieg“ geschehen ist, kann ohnehin niemand en detail nachträglich beurteilen. Hier stehen offenbar Aussagen gegen Aussagen mit nicht eindeutigen, offenbar auch höchst fragwürdigen Belegen. Was sich ohne Zeugen bzw. mit mehr oder minder beeinflußten Zeugen WIE in diesem „Rosenkrieg“ ereignet hat, wird vermutlich im Dunkel bleiben. Der Rest sind Indizizien.

    Die Öffentlichkeit interessiert in diesem Zusammenhang lediglich, inwieweit sich aus dem Verhalten von G.M. in der Tat „Allgemeingefährlichkeit“ ableiten läßt, was eine forensische
    Inhaftierung diesen Ausmaßes rechtfertigen könnte.

    Fakt scheint: Es gab nachweislich Verfahrensfehler mit gravierenden Rechtsbrüchen, Straftatbeständen und korrupter Geldwäsche, in die nicht nur psychiatrische Gutachter, die Bank und die Justiz, sondern auch die Politik verstrickt sind. Das ist der eigentliche Kern, der für die Öffentlichkeit von Relevanz ist.

    Medienberichte bleiben Medienberichte.
    Dass Medien aufgrund von wirtschaftlichen Abhängigkeiten auch manipulative Meinungsmache betreiben, ist hinreichend bekannt.
    Auch Otto Lapp gibt als Redakteur seinen Eindruck und – im Zweifel auch politisch gefärbte Meinung – wieder und stützt sich selektiv auf Aussagen der Ex-Frau und G.M.
    http://www.augsburger-allgemeine.de/community/forum/bayern-und-region/Untersuchungsausschuss-im-Fall-Mollath-id24269531/25616781–id25616781.html

    Für die Öffentlichgkeit dreht sich im Grunde um Glaubwürdigkeit -speziell auch der Medienberichte- und dabei um Möglichkeiten zur Plausibilitätsüberprüfung und um Evidenzen mit Belegen.
    Es macht gewiß Sinn, die unterschiedlichsten Berichterstattungen gegenüberzustellen, um sich als externer Beobachter ein einigermaßen breites Spektrum an Informationen verschaffen zu können.

    Was Sie nun als „sehr reduzierte Berichterstattung der Medien empfinden“, bleibt mir persönlich allerdings nicht so ganz nachvollziehbar. Vielleicht können Sie die „interessanten Informationen“, die in o.g. Zusammenhang von Belang wären, näher erläutern?

  7. “Die Antwort kann nur in dieser Gesellschaft werden, zum Beispiel in ihrer Fähigkeit Tempo auszuhalten, für Ausfälle Ersatz zu finden, Reserven für Unvorehergesehenes zu kapital[?]isieren und vor allem: mit diesen Erfordernissen SOZIALISIEREND zu wirken und die Bewußtseinssysteme der Menschen mit diesen Gegebenheiten vertraut zu machen. Denn es ist nur allzu verständlich, wenn Menschen, die in langer Kultur anderes gewohnt waren, unter solchen Bedingungen nervös werden”.
    (GdG, S. 497)
    Comment #10 by deaXmac — 16. Juni, 2013 @ 15:59 Uhr<
    Das bedeutet aber auch, dass Sozialsysteme aus- und nicht abgebaut werden müssen, um alle diejenigen aufzufangen, die das Tempo nicht aushalten, ausfallen, keine Reserven (mehr) haben und nervös werden.

    Oder ergebenes Militär à la Erdogan oder Tianamenplatz in der Hinterhand zu haben. Wobei wohl bei Erdogan fraglich ist, inwieweit das Militär ihm ergeben ist und er dem Militär den Kemalismus ausgetrieben hat.

    Sehe gerade: Erdogan ist ein anderer Faden. Aber wenn ich schon einmal beim Schwadronieren bin:

    Warum geben sich bei Erdogan und seiner Clique heute alle von Rang und Namen überrascht, genauso überrascht, wie sie es beim Arabischen Frühling waren, bei Griechenland, bei der DDR, bei Ungarn, bei der Tschechei oder damals bei Waldheim.

    Was nützt die ganze Geheimdiensterei, wenn man doch dumm und doof bleibt, und nicht mitbekommt, was die Spatzen von den …

    Im Übrigen bin ich dafür, die Reichen endlich zu besteuern.

  8. „Was nützt die ganze Geheimdiensterei, wenn man doch dumm und doof bleibt, und nicht mitbekommt, was die Spatzen von den … „

    1. die Leute belasten nicht den Arbeitsmarkt
    2. die wissen, wo F.B.Simon seine Dateien ablegt

    Das ist doch schon viel.

  9. Möglichkeit: PatVerfü!
    Es sollte immer im Auge behalten werden, dass sich seit Sept. 2009 (Inkrafttreten des ‚Patientenverfügungsgesetzes‘) alle Bürgerinnen der BRD und auch Bürgerinnen anderer Länder, welche hier ihren ersten Wohnsitz haben, gegen die Willkürmaßnamen der (Zwangs-)Psychiatrie schützen können.
    Mit der speziellen Patientenverfügung: PatVerfü.
    Auschluss psychiatrischer Zwangsmaßnahmen qua Verbot der Untersuchung und auf solche „Krankheiten“ und somit auch deren „Diagnostizierung“.
    Keine Diagnose – keine Prognose einer angeblichen „Selbst- und/oder Fremdgefährdung“ („Gefährlichkeit“(!)) – keine Zwangsmaßnahmen aufgrund sogenannter „psychischer Krankheit“!

    Geisteskrank? Ihre eigene Entscheidung!
    http://www.patverfue.de/
    PatVerfü – Die schlaue Patientenverfügung.

  10. @13: Klar, das entspräche auch dem evolutionär selbstorganisierenden Konzept:
    „Das bedeutet aber auch, dass Sozialsysteme aus- und nicht abgebaut werden müssen, um alle diejenigen aufzufangen, die das Tempo nicht aushalten, ausfallen, keine Reserven (mehr) haben und nervös werden.“
    Es fragt sich nur, über welche unterschiedlichen Schienen Infrastrukturen ausgebaut werden können, um auch strukturelle Kopplungen und Freiräume zu ermöglichen.

  11. Die Zukunft hat schon begonnen – kommst Du noch mit? Ausbau des Sozialsystems? Warum sollen die Trantuten, Leistungsverweigerer und Sozialparasiten nicht nervös werden? Werden Sie halt mit Mikrowelle behandelt. Oder eine Drohne landet Sonntag früh im Schlafzimmer. Aufgrund Rückmeldung von Facebook über terrorisumsuaffine Gemütsbewegung oder Versprecher am Handy ist im Nachhinein nicht mehr zu entscheiden und aufgrund der Häufigkeit solcher Verkehrsunfälle auf Dauer auch nicht von gesteigertem öffentlichen Interesse. Machen wir uns doch nichts vor: war es nicht schon immer von Vorteil, wenn man sich vorher überlegt, was man sagt? Wenn die Leute sich auf der Straße die Schädel einschlagen, raufen sich immerhin auch ein paar der infolge Rationalisierung sozial fragmentierten Familien wieder zusammen. Hurra: der Sinn sozialer Bindungen wird wieder praktisch spürbar! Für alle, welche die Korrektur der demographischen Überschüsse einigermaßen heil überleben. Traumata und Neurosen gehen zurück, weil der Alltag = Kampf in der zunehmend erwachsenen Wahrnehmung wieder als Normalität angesehen wird. Prima, auf welches Ausmaß an Resilienz sich die mehrfach benachteiligten Jugendlichen plötzlich besinnen werden! Der ganze Sektor der organisierten Hilflosigkeit – von durch Realitätseinbrüche ungetrübt in ihren akademischen Elfenbeintürmen dozierenden Professoren für Weltrettungsmanagement euphemistisch auch als sog. „Sozialsystem“ bezeichnet – schmilzt dahin wie Schnee auf der Herdplatte. Hart wird es für alle Behinderten und Alten, welche schon jetzt an der Grenze ihrer Komplexitätsverarbeitung bunte Bilder sehen. Was kommt, wird nicht schön. Aber in gewisser Hinsicht hat Tante Merkel womöglich Recht mit Ihrem „alternativlos“. Kein Diktator, der nicht als Weltverbesserer begann. Wir hatten in der Nachkriegs- und Nachwendezeit genug Freiräume, eine Leitkultur für die Welt zu werden. Luxustrunken haben wir es sowas von versemmelt. Militaristenphantasien aber auch Sozialstaat sind seit mehr als 30 Jahren auf Kredit beim lieben Gott finanziert worden. Dieser wird notdürftig solange bedient, als wir es noch hinkriegen, andere Kulturgemeinschaften ungestraft auszuplündern. Wir schaffen es nicht mal mehr all das blutige Geld rein zu waschen. Absehbar wird es für diese Fehlleistungen der hinreichend gebildeten Mittelklassebürger auf die F.esse geben. Oma ihr klein Häuschen holen sich die Kleinstaatenfürsten. Und all die prekär Unberührbaren können froh sein, wenn sie ein Ehrenamt bei der Tafel ergattern oder das online einstudierte Erzeugen von rotem Nebel offline ausprobieren dürfen. Das Beste, was uns im Freilichtmuseum Ameropa angesichts absehbarer Ressourcenverknappung noch passieren kann, ist eine Art DDR. In 5 bis 8 Jahren haben wir dieses Level und vorher ein klein bisschen Randale um für das mattscheibenvertrottelte feudalistische Fußvolk ein kleines bisschen die bislang unbegriffenen, weil als allzu abstrakt erschienen Fronten zu klären. Und was die auch durch Erlebnispädagogik nicht kurierten Narren angeht, um die kümmern sich die neuen Kirchen. Alles klar? Also: weiter machen wie bisher. Rechts halten. Die richtigen Leute grüßen. Lieb sein. Danke sagen. So tun als ob.

  12. Im Feudalismus florierte der Ablassbriefhandel. Im Feudalismus wurden Leute verbrannt. Die geistliche und weltliche Macht waren großenteils in Personalunion. Wo ist das Problem? Ich mein, für alle, die es nicht persönlich betrifft? Würden die armen Sünder ihre ökologische Situation anders wahrnehmen, könnten sie sich womöglich auf ein anderes Paradigma von Kooperation einigen. Für derlei muss der soziale Schmerz dauern. Von daher ist doch alles im grünen Bereich, nicht?

  13. @ 21: Danke für den Link.
    Das ist natürlich nochmals Skandal für sich.
    Was wiederum bestätigt, dass die Psychiatrie nichts mit der Medizin zu tun hat.

    „Zwei Gutachter haben sich im Fall Gustl Mollaths in sehr eigener Weise einen Namen im Verfahren gemacht.
    Sie erstellten Gutachten, die zentrale Bedeutung für den gesamten folgenden weiteren Verlauf eingenommen haben. Ohne ihn persönlich untersucht und gesprochen zu haben.“

    Wer sich etwas mit Begutachtungen auskennt, weiß unmittelbar, dass Aktengutachten in der Medizin lediglich dazu dienen dürfen, Akten nach irgendwelchen Ungereimtheit, Fehlinterpretationen von Befunden und Verfahrensfehlern bei Voruntersuchungen bzw. Vorgutachten zu durchforsten bzw. auf Stimmigkeit zu überprüfen. Bei medizinischen Gutachten kann man zumindest auf dokumentierte Laborbefunde, Funktions-untersuchungen, Schadstoffmessberichte u.ä. zurückgreifen, was mit neutralen und objektivierbaren Belegen dann auch Gutachten nach Aktenlage erlaubt.
    Ansonsten gehören sowohl vollständiges Erfassen der Aktenlage und -vor allem bei Erstgutachten- als auch umfassende Anamnese und körperliche Untersuchung der Person zum absoluten Pflichtprogramm, was ein Gutachter auch durch rechtsverbindliche Unterschrift versichern muß. Bei Gerichtsgutachten u.U. sogar -falls verlangt- mit eidesstattlicher Versicherung. Darüberhinaus muß sich ein Gutachter auf medizinisch-wissenschaftliche Grundlagen beziehen und sich rechtlicher Wertungen enthalten.

    Nach den allgemeinen Grundlagen ärztlicher Begutachtung
    schreit es folglich zum Himmel, dass Psychiater forensische Gerichtsgutachten rein nach Aktenlage durchführen können. Inwieweit dies auch sonst übliche Praxis ist bei psychiatrischen Gutachten und wie Psychiater ihre Gutachten wissenschaftlich bzw. zumindest plausibel begünden, kann jedenfalls noch spannend werden.

  14. Das entbehrt nicht der Tragik: Am Ende interessiert all uns mehr oder weniger Himmlische tatsächlich bloß, wer die beste Geschichte erzählt. All jene, die nur noch stammeln können, müssen sich alleine kümmern.

  15. „… Alle unterschrieben innerhalb weniger Minuten – und das wohl weniger, weil ich so überzeugend wirkte, sondern weil sie sich vor der Verantwortung drückten… Schreibtischtäter, wie man sie unter Juristen meiner Erfahrung nach häufig findet…“

    Dem kann ich aus eigener Erfahrung nur zustimmen und hinzufügen, dass das prophylaktische Abschieben von Verantwortung (Arzt auf Richter / Richter auf Arzt) dabei eine wichtige Rolle spielt.(siehe http://www.gegen-stimmen.de/?p=16126#gericht )

  16. Aber werden diese Leute nicht gerade deswegen dafür so bezahlt, wie sie bezahlt werden, um im Zweifelsfall das mit Entscheidungen verbundene Risiko tragen, also sozial überleben zu können? Das ist dann aber so nicht richtig.

  17. Der Fall Gustl Mollath zeigt doch eindeutig: die BRD ist kein Rechtsstaat, sondern ein Rechtsbeugungsstaat. In diesem Drecksstaat wird Recht zu Unrecht und Unrecht zu Recht! Doch wenn Recht zu Unrecht und Unrecht zu Recht wird, dann wird Widerstand zur Pflicht! Dieser Drecksstaat brauchtdringend einen Bürgerkrieg! Dieser Drecksstaat braucht eine Eskalation des Hasses und der Gewalt! Jeder Staat, der das Leben von Menschen zerstört, gehört selbst zerstört!

  18. Alle Richter, Staatsanwälte, Polizisten und Psychiater, welche für das grausame Schicksal von Gustl Mollath verantwortlich sind oder dazu beigetragen haben, gehören abgeknallt! Solche Drecksschweise haben den Tod verdient! Diesert Drecksstaat braucht dringend einen Bürgerkrieg!

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