Offener Brief betreffend HartzIV an Martin Schulz und die SPD – Petitionen24.com

Ich gebe hier ja manchmal anderen Menschen und Projekten den Raum ihre Anliegen zu öffentlich zu machen. Das tue ich hiermit auch mit dem verlinkten offenen Brief an Martin Schulz (s. unten), dessen Ziel es zu sein scheint, die SPD etwas zu verlinken…

Quelle: Offener Brief betreffend HartzIV an Martin Schulz und die SPD – Petitionen24.com

79 Gedanken zu “Offener Brief betreffend HartzIV an Martin Schulz und die SPD – Petitionen24.com”

  1. Liebe Gitta, vielen Dank für deine politische Initiative und dein nimmermüdes soziales Engagement. Ich habe deine Petition unterschrieben und bin gespannt auf die Antwort von Martin Schulz.
    Auch ich bin der Meinung, dass wir Hilfebedürftigen unbedingt, also ohne Auflagen, Bedingungen und Sanktionen helfen sollte, (wieder) auf die eigenen Beine zu kommen.
    Aus vielfacher Erfahrung mit Hartz-IVlern möchte ich jedoch zu bedenken geben. Multiple Hemmnisse (z. B. Krankheit, Scheidung, Alleinerziehung, Drogenkonsum etc.), geringe Ressourcen an Bildung, Motivation, körperlicher und geistiger Fitness sowie ungeregelte Lebens- und Persönlichkeitsstrukturen verhindern derzeit bei vielen Hartz-IVlern, dass sie sich selbst zufriedenstellend versorgen, geschweige denn sich sozial engagieren können. Leider sind Sanktionen bislang das einzig wirksame Mittel, um Veränderungen im Mikrosystem einiger Hartz-IVler von außen bewirken zu können.
    Doch vielleicht – nein: hoffentlich – ist ehrenamtliche Arbeit für einige ein Anreiz, sich gesellschaftlich nützlich zu machen und mit dem eigenen Leben besser zurecht zu kommen.

  2. Liebe Gitta, ich wünsche deiner inspirierenden Petition große Resonanz. Wirst du sie auch unter hatetepe://www.openpetition.de einstellen, nach der Devise: „viel, hilft viel“?
    Zur Reform der Hartz-Gesetze hat auch Christoph Butterwegge einige Ideen: hatetepe://www.morgenweb.de/startseite_artikel,-arunzugeordnet-ein-wuerdevolles-leben-ist-mit-hartz-iv-schwer-moeglich-_arid,1017768.html und auf Butterwegges Homepage hatetepe://www.christophbutterwegge.de/texte.php.
    Möglicherweise könnte Martin Schulz auf das arbeitsmarktpolitische Instrument der Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung (AGH-MAE) hinweisen, das Langzeitarbeitslose bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt unterstützen soll. Dazu zählen zusätzliche Beschäftigungen, die abseits vom vorhandenen Arbeitsmarkt mit Hilfe von staatlichem Geld angeboten werden. Diesen sogenannten Ein-Euro-Jobs versuchen sich viele Hartz-IVler mit allerlei Tricks zu entziehen. Ob es mit ehrenamtlichen Tätigkeiten, für die es nicht einmal 2,50 Euro pro Stunde gibt, anders laufen wird?
    Die im ersten Punkt von dir geschilderten Veränderungen der Arbeitsmärkte durch die Digitalisierung der Produktion und den verstärkten Einsatz von Robotern und Künstlicher Intelligenz halte ich für ein stichhaltiges Argument nicht bloß für eine Reform von Hartz-Sanktionen, sondern für eine großzügigere finanzielle Förderung sozialer Initiativen, die irgendwann einmal ihre Dienste nicht mehr ehrenamtlich, sondern als staatliche Leistungen anbieten können.

  3. @1 Lieber Michael, vielen Dank.

    Ich würde erst einmal nicht davon ausgehen, dass dieser Brief das Gehör der SPD oder Martin Schulzens findet. Das kann in der heutigen Zeit nicht (mehr – wenn das überhaupt je ging, ich denke hier an den sein Leben bestimmenden Kampf von William Wilberforce für die Abschaffung der Sklaverei Englands) vorherbestimmt werden.
    Die Funktion des Offenen Briefes ist vielmehr, neue Argumente, Gedanken und Konflikte in die Welt zu tragen. Ist dieser dann so wie unserer durchdachter formuliert, ist ebenso nicht zu erwarten, dass die breite Bevölkerung (und in diesem Falle erst recht die zu weiten Teilen stark durchpolarisierte Hartz IV-Gemeinde) zuerst darauf reagiert.
    Daher begrüße ich es sehr, wenn er in Umfeldern wie diesem zur Kenntnis genommen wird, wo die Möglichkeit besteht, inhaltlich zu diskutieren, auf Probleme zu verweisen, Unmöglichkeiten, aber auch die Erwartungshaltung realistisch zu besprechen.

    Für gewöhnlich sind Petitionen dies Thema besprechend hoch emotional und populistisch formuliert und appellieren an das (spezifische) Gewissen ihrer Leser. Sie setzen dabei voraus, dass der Politiker seinem Gewissen nicht nur folgen kann, sondern dass er es auch will. Mehr noch, formulieren sie für ihn das Gewissen vor, von dem ihre Verfasser denken, dass er es haben sollte. Hat er es nicht, wird ihm dann (in Folge oder meist schon vorausgesetzt) unterstellt, er sei korrupt und habe keines.

    Wir hatten gestern erst noch einmal das Gespräch über die Komplexität von Systemen wie dem menschlichen Körper, der Psyche des Menschen oder von Gesellschaft. Genau hier an diesem Punkt kann klar werden, was das bedeutet: In diesem großen Raum dessen, was wir nicht bestimmen können, nimmt man vorweg, dass nicht nur bestimmt werden kann, sondern auch, dass das für alle (oder die Meisten) so gelten muss. Man verlangt Handlungen, man verlangt, der eigenen Moralvorstellung (die eben als zweiwertige Logik verstanden wird) zu folgen.
    Die Enttäuschung folgt dann stehenden Fußes.

    Vor allem die Parteien am politischen Rand machen sich dieses Komplexität reduzierendes Denken zunutze. Sie polarisieren und bieten einfache Lösungen an, die nicht funktionieren. Sie behaupten (wie die Linkspartei das sehr gern tut), sie würden die Bürger dort abholen, wo sie stehen, in Wahrheit aber manifestieren sie ein spezifisches, ein bestimmtes, ein bestimmte Resultate wollendes Denken, das die Gesamtproblematik nicht nur nicht mehr reflektiert, sondern das diese Reflexion verweigert. Das Resultat sind Menschen, die fast nur noch „Nein“ sagen können, wenn es um Aktivität geht. Jeder baut sich seine Insel, befestigt sie mit Statusdenken und lehnt Zusammenarbeit ab. Schlimmer noch, ist das „Nein“ allen anderen Lösungen gegenüber von der Qualität eines miserablen Mathematikers, der einen Beweis zu widerlegen bemüht ist, indem er nach Zeichensetzungsfehlern sucht.
    Das ist in meinen Augen eins der zentralen Probleme unserer Gesellschaft, denn aus ihm folgen Lösungen des vergangenen Jahrhunderts für Probleme eines jetzt schon seine Schatten (mit Absicht Plural) vorauswerfenden 22. Jahrhunderts.

    Genau vor diesem Hintergrund haben wir uns bemüht, unsere Argumentation aufzubauen.

    Nun – und bitte verzeih mir die Länge des Textes – zum zweiten Teil.
    Ja, das ist richtig, ich bin aber nicht sicher, ob Sanktionen da wirklich das einzig wirksame Mittel sind, denn ich sehe auch, wie Sanktionen genau das mit hervorbringen, was Sie zu bedenken geben.

    Was ich beobachte, ist eine zunehmende Lebensuntauglichkeit im Umfeld von Hartz IV. Das beunruhigt mich (und viele meiner ehrenamtlichen Kollegen) mehr als alles andere. Es ist zum Teil dieses Denken, das hinter der Sanktionsidee steckt, welches das mit manifestiert, aber wir können natürlich auch die Sanktionsidee nicht losgelöst betrachten von unserer deutschen Geschichte, von unserer Kultur, von der Art und Weise, wie wir uns kultivieren.

    Wir erleben Menschen, die sich rein gar nicht mehr bewegen möchten, die denken, dass andere für sie die Verantwortung tragen (übrigens, wenn uns unsere Beobachtung nicht täuscht, mehr in den östlichen, als in den westlichen Bundesländern). Viele Sanktionen sind das Resultat von Vernachlässigung der Anforderungen der Situation. Dasselbe gilt für massive bis lebensbedrohliche finanzielle Engpässe. Man scheint zu denken, dass – egal wie schlimm es wird und egal, wie dumm man sich verhalten hat – schon irgend jemand kommen und einen retten wird, ja retten muss. Der Ausgang dieser Geschichten ist oft fatal, wir haben Viele so in der Obdachlosigkeit mit den Worten des Kindes landen sehen „Ja, dann werde ich eben obdachlos… (Mami und Papi sind Schuld daran und werden schon sehen, was sie davon haben)“.
    Wir verlieren in diesem Milieu den mündigen Bürger. Das macht mir Sorgen.

    Als Fritz Simon vor einer Weile so freundlich war, die Anfrage der Notbremser an die Systemiker, wie man insgesamt dazu beitragen kann, die Situation zu verbessern, hier ins Blog stellte, kamen wir am Ende bei dem Gedanken der Selbstorganisation heraus. Ernüchtert muss ich heute konstatieren, dass „der Leistungsempfänger“ dazu motiviert werden muss. Es braucht Vorreiter, die vor Ort und in den Netzen diese Aufgabe übernehmen werden – und wieder sind wir im gefährlichen Bereich des „Heiligen Kriegs“ angekommen, denn solche Positionen werden gern von Menschen mit einigen Charakterschwächen übernommen.
    Das Experiment ist noch nicht beendet, der Gedanke war (und ist) das Bild des Leistungsempfängers in der Öffentlichkeit zu verbessern, um den Bürgern eine Möglichkeit zu bieten, ihre Vorurteile (und teilweise systemisch bedingten Urteile) langsam abzubauen und den Leistungsempfängern zu zeigen, dass sie selbst ihr Schicksal weitaus mehr in der Hand haben, als sie glauben. Aber, wir werden müde, denn wir kämpfen gegen einen ganz anderen Geist: den Geist, der willens hilft, der sich in dieser Position sieht und der jeden Sinn für Selbstbestimmung um eines eigenen emotionalen Vorteils willen im Keim erstickt. Die Helfer sind überall und verschlimmern die Situation.

    Indem dann noch weiterhin im einfachen Code argumentiert wird „Sanktion abschaffen, BGE einführen / Sanktion beibehalten oder noch verstärken“, bleiben wir in der Lösungsverweigerung, die die rechte Seite des Codes immer wahrscheinlicher macht. Wir müssen Wege finden, wie dem Leistungsempfänger die Chance gegeben wird sich vor sich selbst zu beweisen, auf der einen Seite und auf der anderen das so zu tun, dass er nicht denken muss, er sei ein dummes, kleines Kind. Das wird nicht gehen, ohne auch unangenehme Aspekte anzusprechen, dass nämlich HartzIV die Menschen tatsächlich noch mehr infantilisiert. Ein Kind, das sich benehmen muss, solange es die Füße unter Papis Tisch hat, wird sich später als Erwachsener schwer damit tun, eigenverantwortliche Entscheidungen zu fällen – es hat ja nie gelernt, wie das geht.
    Ich sehe, wie „der Leistungsempfänger“ vor dem Gang zum Jobcenter zittert und sich zum Kind macht vor dem Sachbearbeiter. Zum bittenden Kind oder zum aufmüpfigen Teenager. Wenn das kein Grund zur Beunruhigung ist und darüber nachzudenken, was wir tun können, weiß ich auch nicht. Ich weiß aber auch, dass nichts (und ich meine wirklich NICHTS) da ist, was wir mit einem Rutsch tun könnten, das alles verändert. Und das ist, um auf den Kern der gestrigen Unterhaltung zurück zu kommen, die frustrierende Seite systemischen Denkens, dass wir unsere Haltepunkte verlieren und uns unsere Moral und unser Handeln im fast luftleeren Raum aufbauen müssen.
    Deshalb liebe ich das folgerichtige und rationale Denken: Es schafft in diesem luftleeren Raum zumindest einige Haltepunkte, die ich nehmen und an denen ich mich orientieren kann. Sicherheit vermitteln sie aber auch nicht.

    Ich hoffe, ich konnte mich verständlich machen und freue mich auf Antworten und weitere Ideen.
    Text nicht Korrektur gelesen (ich habe die Erfahrung gemacht, dass das keinen Zweck hat, denn kaum drücke ich auf „Kommentar abschicken“, springt mir schon die erste Peinlichkeit mitten ins Gesicht 🙂 )
    Schönen Tag allerseits.

  4. @2 Auch für Deinen zweiten Kommentar: danke.
    Die ehrenamtliche Tätigkeit rechnet ja nur mit einer Aufwandsentschädigung. Wegen des Geldes macht das keiner. Die Befriedigung liegt in der Tätigkeit selbst.
    Die Befürworter des BGE glauben, dass alle Menschen in dem Augenblick, in dem sie ein Grundeinkommen erhalten, das Bedürfnis danach verspüren sich einzubringen und kreativ zu entfalten. Die Gegner des BGE sehen ein Großteil der Bevölkerung anschließend Chips fressend auf der Couch vor RTL2.
    Die Wahrheit wird – wie so häufig – mal wieder irgendwo in der Mitte liegen.
    Wie auch immer: Ich bringe mich ehrenamtlich ein und hoffe später noch mehr tun zu können, weil es folgerichtig ist. Das heißt aber nicht, dass ich dem größeren politischen Wert beimesse, denn das geht nur über Masse.
    Wer meinen längeren Beitrag gerade (2 Kommentare hier drüber) als Absage an den Erfolg interpretiert, übersieht, dass im Rahmen des Möglichen das durchaus eine Möglichkeit ist. Was meiner Ansicht nach diese Petition ungewöhnlich macht ist, dass sie eine Chance bietet. Die meisten Bürger wollen die Sanktionspraxis, aber wenn ich mit den Menschen rede, höre ich auch, dass sie es gut finden, wenn sich Leistungsempfänger ehrenamtlich einbringen und dass die „anders“ sind.
    Insofern besteht durchaus eine gewisse Chance.

  5. Ich halte es für wichtig, das Image der Leistungsempfänger in der Öffentlichkeit zu verbessern, zumal dies auch eine erhöhte Akzeptanz in der Bevölkerung bezüglich Abschaffung der Sanktionen mit sich bringen könnte. Ich rechne nicht damit – obwohl ich es mir wünsche -, dass das BVerG im Zusammrnhang mit der Gothaer Richtervorlage Sanktionen für verfassungswidrig erklären wird. Insofern wird es zunächst weiter um die Frage gehen, wer sein Existenzminimum nicht aus eigener Kraft sichern kann und was er aufwenden muss, um dies nachzuweisen und/oder seine Hilfsbedürftigkeit zu verringern. Da wird auch vermehrt zu fragen sein, welche Arbeitsangebote zumutbar sind.

  6. Völlig richtig, was Martin Schulz da vorgehalten wird, doch geht es ihm um „Gerechtigkeit“ als Wahlkampfslogan und Werbebotschaft. Damit hebt er sich vom CDU/FDP-Slogan „Wirtschaftswachstum“, dem CSU/AfD-Slogan „Sicherheit“ und dem Grünen-Slogan „Umwelt“ ab. Allerdings hat er ein Abgrenzungsproblem zur Linken, die viel radikaler den Slogan „Gerechtigkeit“ propagiert. Deswegen kann und will Martin Schulz (vor der Wahl) nicht so genau verraten, was er unter „Gerechtigkeit“ versteht und wie er sie herbeizuzaubern gedenkt – schon gar nicht, mit welchem Koalitionspartner. Vermutlich denkt Martin Schulz „rechts blinken, aber links abbiegen“ könnte funktionieren, doch dann bekommt er Ärger mit Gerhard Schröder und anderen großkoalitionären SPDlern.

  7. Liebe Gitta Peyn,

    zunächst möchte ich Ihnen großen Respekt für Ihre Initiative und Ihr langjähriges soziales Engagement zollen, vor dem ich nur den Hut ziehen kann.

    Erlauben Sie mir dennoch ein paar Bedenken aus meiner langjährigen Beschäftigung mit dem Thema vorzubringen, die ich ebenfalls systemisch und dann auch radikal konstruktivistisch verstanden haben möchte. Und zwar zum einen aus meiner langjährig präventiv beratenden und begutachteten Perspektive der Arbeitsmedizin heraus, zum anderen aus einer Perspektive, die auch den Grundgedanken meiner Herkunft aus einer Künstlerfamilie Rechnung zu tragen versucht, mit denen ich aufgewachsen bin.
    Bitte erschrecken Sie nicht, wenn ich nun ein paar Kritikpunkte an Ihrem Vorhaben vorzubringen wage, die weder den Wert Ihrer Initiative schmälern noch den Sinn und Ziele ihres sozialen Engagements ändern noch den Leuten, denen Sie helfen wollen, die Hoffnung zu rauben, sich aus den unerträglichen Lebensbedingungen und den größtenteils – auch aus Unkenntnis über ihre Potentiale- unverschuldeten Zwangslagen eines Lebens in sozialer Exklusion befreien zu können.

    Meine Kritikpunkte und Bedenken an Ihrer Initiative haben folglich nichts mit den Inhalten und Zielen Ihres sozialen Engagements zu tun, sondern
    richten sich einzig und allein gegen das strategische Vorgehen, dessen Effizienz und Effektivität ich zu bezweifeln wage.
    Und BITTE nehmen Sie mir dies nicht übel, sondern begreifen Sie es als eine Herausforderung Ihr Vorhaben weiter voranzutreiben, nur unter vielleicht geringfügiger, aber dennoch radikaler -sprich, das Übel bei der Wurzel packender-Änderung Ihres strategischen Vorgehens.

    Zunächst befürchte ich, daß Ihre Petition -wie zahlreiche Petitionen mit ähnlichem sozial engagierten Ansatz und auch ähnlichen sozial engagierten Zielen- verpuffen wird, ohne überhaupt wahrgenommen, gelesen und verstanden zu werden.

    Dies beginnt zunächst bei dem bzw. den Addressaten Ihrer Petition, dem bzw. denen ich nicht zutraue, daß -falls diese den hochkomplexen Text in seinen systemanalytischen Zusammenhängen wider Erwarten dennoch wahrnehmen sollten und lesen- überhaupt verstehen, worum es Ihnen vom Ansatz her dreht.
    Und wird dann vermutlich -da der Hebel einer politischen Umsetzbarkeit nicht bereits in funktionaler, sprich durchaus auch eingängiger, jedoch gegen populistisch agierende Wahlpropaganda mit vermittelt werden kann, unter „ferner liefen“, vielleicht sogar im „Spamfilter“ des Posteingangs des Petitionsausschusses hängen bleiben.

    So meine Befürchtung, denn ein solches Ergebnis fände ich nicht nur frustrierend, sondern auch höchst bedauerlich.
    Denn ich spreche hierbei aus meinen ganz persönlichen Erfahrungen, die sowohl meine professionelle Tätigkeit als auch meine -im weitesten Sinne mehr private und autodikatische Beschäftigung mit den Grundzügen, Motiven und Zielvorstellungen bei ehrenamtlichen Engagements betreffen.

    Zunächst möchte ich Ihnen jedoch etwas veranschaulichen, worin ich die Kernproblematik sehe und wo ich anschließend unter dem Begriff der „Compliance“ , fortfahren möchte und zwar gerinfügig modifiziert (im Script selbst) unter dem Titel:
    „To WHOm IT may CONCERN“

    Hier zunächst zur Kernproblematik:
    http://www.arte.tv/guide/de/061650-000-A/die-who-im-griff-der-lobbyisten

    Im Kern wird es sich anschließend um die Arbeit selbst und dabei um deren Wert, den Sinn sowie Zweck, Zielrichtung und Nutzen kreativer Arbeit drehen, aber auch um deren Potentiale und Entfaltungs-Möglichkeiten im sozialen Rahmen und dabei auch letzlich um den gewaltigen Unterschied zwischen entfremdeter und nicht entfremdeter Arbeit.

  8. @9 Liebe DeaXmac: Sie tragen weitenteils Eulen nach Athen. Leider fehlt noch die Freischaltung meines (wohl zu langen) Kommentars Nr. 4. Wenn Sie auf den warten mögen, werden Sie erkennen, dass wir gleich denken, was mich natürlich freut. Wer ist schon gern allein mit seinen Einsichten.
    Machen Sie sich deshalb bitte nie Sorgen mich zu kränken oder zu frustrieren, wenn Sie mir das Offensichtliche sagen. So ich es noch nicht gesehen habe, werde ich dankbar sein, wenn und dass mir jemand die Guckerlis auswäscht.
    Zur Kernproblematik äußere ich mich heute Abend oder morgen. So gern ich hier schreibe, habe ich nebenbei immer viel zu tun.
    Seien Sie auf jeden Fall bedankt für die Mühe.

  9. @ 8: Die Probleme der Weltgesundheitsorganisation wegen deren Finanzierung durch die Pharma-Industrie sind skandalös, doch mit ehrenamtlichen Organisationen wie beispielsweise den Küchen und Tafeln, bei denen Langzeitarbeitslose mit anpacken könnten, nicht vergleichbar – finde ich.
    Wenn Martin Schulz sein Versprechen umsetzen und die Hartz-Gesetze reformieren möchte, wird er sicherlich Gittas Idee auf seiner To-do-Liste berücksichtigen. Falls er sein Vorhaben an die Ministerialbürokraten unter der Ägide von Andrea Nahles delegiert, könnte – so fürchte ich – noch mehr Unheil angerichtet werden.

  10. Ich habe den Kommentar No. 4 jetzt selbst frei geschaltet (ich bin dafür zwar nicht zuständig – es gibt da eine Routine -, aber wenn ich am Computer sitze und Hilferufe höre …).

  11. @12 Lieber Michael, Irmela Nagel war maßgeblich an dieser Petition beteiligt. Besonders der Argumentationspunkt 3 ist ihr zu verdanken.

  12. @0 Liebe Gitta,

    vielen Dank für Dein soziales Engagement mit dem Verein „Die Notbremser“ und nun diese gelungene Petition, mit guter philosophisch-wirtschaftlicher, sozial-politisch-freiheitlicher und sozialrechtlicher Begründung, unterlegt mit passenden Beispielen.

    Die Petition wirbt und sensibilisiert für eine zukunftsfähigere Gesellschaft aus systemischer Perspektive.

    Die Problematik aus eigener (Arbeits-)Erfahrung mit Arbeitslosen und Langzeitarbeitslosen bekannt ist, lässt mich schlussfolgern, dass sich künftige notwendige und tiefgreifende Veränderungen in einer Gesellschaft, zuerst am Ergehen derer, welche sich an den „Rändern“ und in den Randgruppen einer Gesellschaft befinden, ablesen.

    Die Zahl der Arbeitslosen, lässt sich statistisch verschleiern, doch dieser „Fake“ wird den Politikern und uns als Gesellschaft auf die Füße fallen. In ihrer gesellschaftlichen Macht, kann die Aufmerksamkeit für „in Beschäftigungsmaßnahmen geparkte“, „potenzielle“, „wiederholte“ Arbeitslose, sowohl als Wähler, wie auch als „potenzielle Ressource für eine andere noch zu bildende, mögliche Gesellschaft“ oder auch für deren Zerstörung, nicht hoch genug sein. Ein Blick in die Geschichte genügt hier.

    Die gängige Sanktionierungspraxis aufheben und durch entsprechende (Be-)Lohnung für jede Form sozialen Engagements, jedes Sich-Einbringen in die soziale Gemeinschaft ist jedenfalls in meinen Augen ein notwendiger Weg, angesichts derer, welche derzeit und künftig noch „aussortiert“ werden von hocheffizienten miteinander konkurrierenden, und in vielen Bereichen automatisierten Unternehmen.

    Wie Recht du deshalb hast, mit dem „motivieren“ und dass hierbei konstruktive Unterstützung nötig ist. Die Politik – und darauf zielt Deine Petition ab – kann das Ihre dazu beitragen. Danke für den „Augenöffner“.

    Petition wurde unterschrieben. Dir Einen schönen Tag noch

    Siggi

  13. Liebe Gitta, ehrenamtlich Tätige sind sicherlich nachahmenswerte Vorbilder – auch für mich. Pädagogisch wertvoll könnten m. E. zudem künstlerische und sportliche Aktivitäten sein. Eine erstaunlich positive Entwicklung machte eine mir bekannte Langzeitarbeitslose, die an einem vom Jobcenter initiierten Theater-Projekt teilnahm. Sie durfte die Julia in „Romeo und Julia“ spielen und u. a. in Seniorenheimen aufführen. Sie blühte sichtbar auf und gewann viel Selbstvertrauen und Selbstsicherheit. Oft bewirken bereits das Gruppenerlebnis, der soziale Austausch und das Kennenlernen von Neuem kleine Wunder.

    Vielleicht geht die postindustrielle Gesellschaft in etwa in die Richtung, die Karl Marx bereits vor 170 Jahren prophezeite, wenn auch in eher freizeitorientierter Form: „So wie nämlich die Arbeit verteilt zu werden anfängt, hat Jeder einen bestimmten ausschließlichen Kreis der Tätigkeit, der ihm aufgedrängt wird, aus dem er nicht heraus kann; er ist Jäger, Fischer oder Hirt oder kritischer Kritiker und muss es bleiben, wenn er nicht die Mittel zum Leben verlieren will – während in der kommunistischen Gesellschaft, wo Jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit hat, sondern sich in jedem beliebigen Zweige ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben dadurch möglich macht, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden.“
    Aus: Die deutsche Ideologie. Karl Marx und FriedrichEngels, MEW 3, S. 33, 1846/1932

  14. @16 Danke, lieber Siggi, für Deinen konstruktiven und positiven Zuspruch, Dein Engagement und Deine Unterstützung.
    Der Offene Brief wurde nicht von mir allein formuliert. Wenn Du ganz nach unten blätterst, siehst Du noch Dr. Irmela Nagel und meinen Mann, Ralf Peyn.
    Ich ärgere mich schon lange darüber, dass Ehrenamtliche zum Aufgeben ihrer Tätigkeit gezwungen werden können, wenn man sie in Maßnahmen stopft oder in Jobs, die weit unter ihren Qualitäten liegen.
    Ralfs Idee war, eine Petition zu formulieren, die den darin bezeichneten Vorschlag macht.
    Die Argumente 1 und 2 sind von Ralf und mir, Argument 3 von Irmela und der Vorschlagsschluss von mir.

    @17, was für eine gute Idee, Michael. Ich hatte schon im Kopf, Unternehmungen zu fördern, die sich um die Senioren kümmern. Dass man in dem ganzen Rahmen auch auf künstlerisches Engagement kommen kann, gefällt mir gut.
    Ralf hatte noch den Gedanken, dass Menschen auch dafür belohnt werden sollten sich weiterzubilden. Auch das ist ja letztendlich zum Wohl der Gesellschaft, deren Fortkommen viel davon abhängt, wie gebildet die Menschen sind und vor allem, auf welchem Qualitätslevel sie ihre Entscheidungen fällen kann.
    (Ich gehöre – wohl unschwer erkennbar – zu denen, die der Bildungsreform höchsten Stellenwert zuschreiben. – Wie stehst Du dazu?)

  15. @ 4: Ja, richtig, „den Leistungsempfängern (…) zeigen, dass sie selbst ihr Schicksal weitaus mehr in der Hand haben, als sie glauben“ [wenn auch manchmal in die falsche Richtung, denn wer sein Schicksal nicht in die Hand nimmt, bestimmt dadurch ebenfalls sein Schicksal] und die „zunehmende Lebensuntauglichkeit im Umfeld von Hartz IV“, indem der Teufelskreis von Alimentierung und Entmündigung [Verfestigung von Lebensuntauglichkeit gerade durch die staatliche Alimentierung, die der Beseitigung von Lebensuntauglichkeit dienen sollte] geknackt wird, bespielsweise auch durch einfachere und großzügigere Möglichkeiten des Hinzuverdiensts und der Ausbildung für „Hartz-IV-Aussteiger“, um ihnen das finanzielle Risiko von Eigeninitiativen übergangsweise abzunehmen. Das gibt es zwar alles bereits jetzt, doch ist vieles noch viel zu bürokratisch und steht am Rand der kniffligen Grauzone zum Sozialleistungsbetrug oder zu einem der zahllosen und langwierigen Gerichtsverfahren mit oft kafkaesken Zügen.
    Misslich ist, dass die Gesetzesgrundlagen für Hartz IV bis heute lückenhaft sind, obwohl [oder weil?] das Zweite Sozialgesetzbuch eines der am häufigsten geänderten Gesetze ist. Mit der 80. Überarbeitung, dem „Rechtsvereinfachungsgesetz“, wollte Arbeits-und Sozialministerin Andrea Nahles im Jahr 2016 Bürokratie abbauen und Unklarheiten beseitigen. Das Gegenteil war der Fall: Es wurde wegen des Zustroms an Flüchtlingen eine Änderung der Zuständigkeitsregel eingeführt, die zu mehr Bürokratie und weniger Durchblick führte; es wurde ein Ermessensspielraum bei der Bewilligungsdauer eingeführt mit der Möglichkeit einer Vorschussgewährung, was in der Sachbearbeitung zeitaufwändig ist und zu einer Flut von Änderungsbescheiden an die Bezieher führt.
    Was ich deshalb wichtig finde: Eine einfache Regelung, selbst wenn es dann keine absolute Einzelfallgerechtigkeit geben kann. Doch auch eine einfache Regelung bedeutet knifflige Arbeit für Martin Schulz.

  16. @19 in allem Zustimmung, mit Ausnahme des letzten Satzes: Ich denke, wir überschätzen Martin Schulz Herrschaftsbereich über die SPD. Die Partei muss wohl eher als Ganzes gedacht werden mit MS derzeit als menschlichem Gummileuchtturm. Wir wissen sehr wenig darüber, was die Bevölkerung eigentlich will, bzw. wie viel Änderung sie verkraftet. Was wir wissen ist, dass was HartzIV angeht, es ausgerechnet die organisierten Leistungsempfänger sind, die bislang jede vernünftige Lösung blockieren, indem sie sich weitestgehend weigern, sich auf Kompromisse einzustellen. „Ganz oder gar nicht“ lautet die Devise, und meist läuft es ja dann auch ganz praktisch auf eine Forderung nach dem BGE hinaus, die vielen Bürgern (berechtigterweise) Angst einjagt, weil sie mit wirtschaftlichem und sozialem Schaden rechnen.
    Entsprechend offen bleibt, was nun eigentlich passieren soll.
    Im Precht-Interview hat Schulz klar gezeigt, was er kann, weiß und sieht – ganz im Gegensatz zu Frau Wagenknecht, die, wie es ein Freund neulich gesagt hat, gute Gegenwartsanalysen macht, um dann mit Lösungen von vorgestern zu kommen.

  17. @10 Liebe DeaXmac, ich schaffe die 1,5 Stunden heute nicht. Den Anfang habe ich gesehen, mehr morgen.
    Vielleicht soviel schon einmal dazu: Wenn man anfängt eine kleine oder große gemeinnützige Organisation aufzubauen, steht man sehr früh vor dem Problem und der Frage, wie man gedenkt mit Spenden umzugehen. Der Vorstand unseres Vereins hat beschlossen, dass der Verein in jeder Hinsicht ideologisch frei sein muss. Das schließt mit ein, dass jedes Vorstandsmitglied sagen kann, was es will. Bereits hier beginnt die Bestechlichkeit, beziehungsweise der Bestechungsversuch, denn die Menschen sind nur selten so frei, dass sie dazu in der Lage sind, einen Verein mit einer guten Idee zu unterstützen, dessen „Macher“ sich weigern, den Mitgliedern oder potenziellen Unterstützern „nach der Schnauze zu reden“. Man nimmt dann tatsächlich sehr viel weniger Hilfe entgegen.
    Es ist eine anstrengende Arbeit, denn das bedeutet, zu weiten Teilen auf finanzielle Unterstützung zu verzichten. Genau das motiviert aber auch zu Kreativität – zum Beispiel dergestalt, Direkthilfen zu organisieren, den Verwaltungsaufwand gering zu halten. Meiner Ansicht nach ist das der bessere Weg, zumuten wollte ich den aber nicht unbedingt jedem. Die Frustration ist hoch, die Anfeindung unausweichlich.

  18. Was mich im Zusammenhang mit Hartz4 fast am meisten erschreckt, sind Menschen, die bei auftretenden Problemen bis zum buchstäblich letzten Tag – oder darüber hinaus – warten, dass die Dinge sich irgendwie regeln. Viele Menschen haben nie gelernt, die Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen und fühlen sich dann einem System ausgeliefert, das sie überfordert. Sie stoßen aber auch auf überforderte Mitarbeiter bei den Jobcentern, und auf beiden Seiten gibt es schwarze Schafe, die die Negativerwartungen prägen. Zur Frontenbildung tragen auch jene Gruppen bei, die das bedingungslose Grundeinkommen unmittelbar aus dem Grundgesetz herauslesen oder die die Jobcentermitarbeiter, die auf Null sanktionieren, mit Soldaten gleichsetzen, die an Massenerschießungen teilnehmen und sich dann „auch nicht“ auf Handeln auf Befehl berufen können. Ich stoße meist auf Jobcentermitarbeiter, die kooperativ sind oder die mich fragen, wieso der Mandant ihnen nicht das erzählt hat, was ich jetzt vortrage.

  19. @ 22: Wäre es in den von Ihnen beschriebenen Fällen, nicht vielleicht sinnvoll, das „Fordern“ in den Hintergrund zu rücken und auf bedingungsloses „Fördern“, also „Bezahlen“, umzustellen? Der Vize-Chef der BA (Name habe ich vergessen, ein sehr hagerer, grauer älterer Herr, vermutlich Raucher) hat mal gesagt oder geschrieben, dass rund eine Million der fast fünf Millionen Hartz-IV-Empfänger niemals wieder auf eigene Beine kommen werden und lebenslang bedürftig bleiben werden. Warum sollte man die nicht aus der Hartz-Bürokratie herausnehmen?

  20. Ich sehe hier einen möglichen Fall des Nicht-Könnens, aber auch die Notwendigkeit, Menschen auf ein eigenverantwortliches Leben besser vorzubereiten. Vielleicht würde es sogar schon weiter führen, wenn sie in der Lage wären, einen konkreten Hilfebedarf frühzeitig zu erkennen und sich Hilfe zu suchen, wenn die persönliche Katastrophe noch abzuwenden ist.

  21. Der Vorschlag, dass Belohnung für Altruisten winken soll, wenn sich für andere engagiert wird, würde ja unmittelbar die Diskriminierung psychisch Erkrankter zur Folge haben und davon gibt es besonders bei Hartz IV EmpfängerInnen nicht wenige, denn ohne Arbeit zu sein ist ein Risikofaktor psychischer Krankheit, welche Altruismus erheblich erschwert. Die Lösung für Hartz IV ist, dass das Einkommen von Arbeit entkoppelt wird, denn genau genommen ist es das bereits: während Manager sich die Renten ihrer Angestellten einstreichen, sollen fleißige Arbeiterinnen weiter für den Mindestlohn ackern.
    Hartz IV zu empfangen ist nicht gleichbedeutend mit Untätigkeit oder gar mangelndem Altruismus. Ehrenamt ist etwas für festangestellte Akademiker. Hartz Vierer brauchen sich nicht sozial zu engagieren, sie brauchen Berufsberater, die sich für sie engagieren. Allzuoft versteckt sich hinter der psychischen Krankheit schlicht auch eine schwere Behinderung. Für Betroffene gibt es auch derartige Angebote. Womöglich ist dieser Weg für die Meisten realistischer und auch ein gangbarerer.

  22. @24 Irmela, da sehe ich das Problem, dass – richten wir den Fokus dabei nur auf die Leistungsempfänger – der Eindruck verschärft wird, dass „sie sich nicht um ihr Leben kümmern können“. Dabei ist das Fehlen eigenverantwortlichen Denkens ja ganz sicher nicht auf die Leistungsempfänger beschränkt. Insofern gefällt mir der Gedanke besser, die Verstärkung der Tendenz dazu, sich den existenziellen Problemen nicht mehr adäquat nähern zu können, betrachtet werden kann wie ein nach unten hin immer stärker werdendes Gefälle.
    Verstehst Du, was ich meine? Und was denkst Du dazu?

  23. Ich meinte nicht nur die Leistungsempfänger. Das war vielleicht missverständlich. Das Nicht-Verantwortung für das eigene Leben wirkt sich nur nicht so verhängnisvoll aus, wenn jemand einen sicheren Arbeitsplatz hat, wo er die Vorgaben erfüllt, die sein Auskommen sichern.

  24. @26 *seufz* Da ist sie, die Illusion der Kontrolle. Einer der Gründe, denke ich, dafür, dass HartzIV-Sanktionen sich bei weiten Teilen der Bevölkerung so großer Beliebtheit erfreuen. Hab nen schönen Abend, ich schalte mich für heute raus.

  25. Liebe Gitta, bitte schlage Martin Schulz noch vor, im Zuge seiner Hartz-IV-Reform das Ganze umzubenennen. „Hartz“ klingt ziemlich hart. Viel sympathischer wäre Gitta-6. ?

  26. Liebe Gitta, weil das Bewusstsein, wenn auch bei mir bisweilen langsam, dem Sein folgt, finde ich es für mich zukunftsweisend, wenn die ÜberbauarbeiterInnen, pardon: die ÜberlebenshelferInnen mich jetzt an der Erkenntnis teilhaben lassen, dass ich mich so langsam an meinen Platz auf der systemischen Ab- und Ausschußliste gewöhnen sollte. Denn jeden kann es treffen, dass er aussortiert wird. Hartz-IV ist nicht zuletzt deshalb zur Chiffre einer Zeitenwende geworden, weil es die Verliese der Existenznot auch für den bürgerlichen Mittelstand aufschließt: Ein Jahr arbeitslos und die mittlere Führungskraft darf ihre Ersparnisse verfressen, und sind die weg, geht es in die Asozialität, als welche die Öffentlichkeit die staatlich verordnete Armut propagandistisch aufbereitet, damit die Ohnmächtigen was zum Selbsthassen haben.

    Also: Was du zur Zukunft der Arbeit bzw. der Arbeitslosigkeit skizzierst, betrifft nicht bloß die aktuellen Hartz-IVler, sondern auch viele noch Berufstätige und erfordert eine umfassende Reform der Bildung, die jeden einzelnen dazu befähigt, aus seinem Leben etwas zu machen, selbst wenn er seinen Lebensunterhalt bald nicht mehr durch klassische Arbeit verdienen kann. Dazu bedarf es eines kostenlosen und vor allem qualifizierten Bildungssystems von der Krippe bis zur Hochschule, das auch praktische Fertigkeiten weiterentwickelt einschließlich von Fähigkeiten zum Selbstmanagement und zur kreativen Lebensgestaltung.

  27. @29 *lacht* Guten Morgen, lieber Michael. Sie haben ja keine Ahnung, was passiert, wenn man Frauen zur Projektionsfläche macht 😀

    @30 Darf ich das „Du“ darin so ansehen, dass wir wieder dabei sind?
    Ja, eine umfassende Bildungsreform wäre schön. Wir können sie nur nicht vom Staat erwarten, der kann das gar nicht.
    Die Angebote hierzu werden aus der Wirtschaft kommen, von den Universitäten, von freien Schulen, das hat ja schon begonnen. In dem Augenblick, in dem eine neue Art von Bildung wirtschaftlich attraktiv geworden ist, beginnt der Rutsch. Meiner Ansicht nach kann ausgerechnet das Systemische Denken den Anlass dazu bieten. Wer so denken kann, denkt weiter, komplexer, umfassender. Dem Staat kann man tausendmal versuchen zu erklären, dass seine Bürger ein viel gesünderes und erfolgreicheres Klima schaffen, wenn sie das lernen. Er wird das nicht begreifen können. Ein Wirtschaftsunternehmen aber kann den Vorteil darin erkennen, wenn seine Mitarbeiter und Teams gelernt haben, die Entspanntheit zu genießen, die mit reflexivem, zirkulären und mit Denken aus dem Unbestimmten oder gar Unbestimmbaren heraus kommt. Solche Mitarbeiter werden mit der Überraschung kommen, dass sie von selbst gesteigert Interesse an Bildung zeigen. Nicht alle natürlich, denn in Paradoxien zu denken tut halt anfangs auch ganz schön weh, da wird sich so mancher sperren, aber hinreichend, um einen signifikanten Unterschied für das Unternehmen zu machen. Die das gelernt haben, können nachhaltig und langfristig denken und prognostizieren und haben auch weniger Angst vor Rationalität.
    Um das attraktiver zu machen: Wenn ich mir den Unterschied ansehe, der in Sprache, Denkgewohnheit, Sozialverhalten sichtbar wird zwischen Systemikern und Nicht-Systemikern und nehme HartzIV dazu, dann wünsche ich mir eine Maßnahme, die Leistungsempfängern das beibringt. Der Unterschied ist gewaltig. Erfolg geht leichter im Leben (und Misserfolge auszuhalten erst recht), wenn man keine Angst vor Komplexität hat. Solches Denken kann einen Großteil des Drucks herausnehmen und den Menschen dabei helfen, ein stärkeres Gefühl für Würde zu entwickeln. Man muss es dann einfach erklären und zeigen können, aber das geht durchaus.

  28. #3 Wolfgang Geiling 5. April 2017 um 10:19
    „Martin Schulz scheint es mit mehreren offenen Briefen zu tun zu haben: http://www.nachdenkseiten.de/?p=37685

    In dem verlinkten offenen Brief auf den Nachdenkseiten steht gefettet u.a. folgendes:

    „Such Dir in aller Ruhe in der Partei die Genossen zusammen, die schon in der Vergangenheit Konzepte entwickelt haben, die die soziale Gerechtigkeit wiederherstellen, z.B. in der Rentenpolitik.

    Ich sage Dir an dieser Stelle ausdrücklich, dass Andrea Nahles nicht dazu gehört. Ihr Rentenkonzept, das sie gemeinsam mit den Arbeitgebern und der Versicherungswirtschaft entwickelt hat, gehört in die Abfalltonne.“

    Andrea Nahles wird natürlich nicht in die Tonne getreten werden. In der Partei und der über die SPD berichtenden Journaille scheint es eine bedingungslosige Grundbegeisterung für diese Frau zu geben, was mir schwer verständlich ist.

    Ich meine, wer einigermassen exceln kann, rechnen gar nicht notwendig, kann schnell selbst nachrechnen, dass auch ihr letztes schnell gestricktes Rentenkonzept letztenendes viele, zu viele Rentner in die Tonne treten wird.

  29. @ 33: Bundesarbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles möchte Nachfolgerin von Bundeskanzler Martin Schulz werden. In der Abiturzeitung gab sie als Berufswunsch „Hausfrau oder Bundeskanzlerin“ an (Abiturzeitung Gymnasium Mayen 1989, S. 16).

  30. @34: Der Unterschied zwischen beiden Karrieren verwischt natürlich, wenn die schwäbische Hausfrau das Modell ist, an dem Kanzlerinnen sich orientieren…

  31. @ 31: “ [ich] wünsche (…) mir eine Maßnahme, die Leistungsempfängern das [systemische Denken] beibringt“

    Das müsste längst möglich sein, denn die mir bekannten Stellenausschreibungen für SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen von Institutionen, die solche Maßnahmen durchführen, fordern neben einem einschlägigen Diplom die Ausbildung zum „Systemischen Berater“ als Einstellungsvoraussetzung.

  32. @36 Ich scheine mich unklar ausgedrückt zu haben. Ich dachte eher an einen freien Kurs für Leistungsempfänger, um mit Hilfe veränderten Denkens die mit dem Leistungsbezug kommenden Probleme entspannter zu bewältigen. Oder meintest Du, dass das mit diesen Systemischen Beratern, also mit ihrer Hilfe, längst möglich sein sollte?

  33. @ 37: Ja, ich kenne SozialarbeiterInnen, die Maßnahmen für die Jobcenter mit Langzeitarbeitslosen durchführen und „Systemische Berater“ sind. Sie motivieren ihre Klienten mit zirkulären Fragen, paradoxen Interventionen und systemischen Irritationen. Das funktioniert in der Regel schneller und nachhaltiger als die zahllosen anderen Maßnahmen, die sie vorher meist lust- und erfolglos durchlaufen haben – selbst weit besser als Psychotherapien und Verhaltenstherapien. Die meisten sind „ausanalysiert“, „austherapiert“ und beten ellenlange Kranken- und Misserfolgsberichte herunter, die weder ihre Ressourcen im Blick haben noch kurzfristige Lösungen eröffnen.

  34. @38 Aha, ein Missverständnis also. Ich hatte etwas anderes gemeint. Ja, Du hast Recht, das ist nachhaltiger.

  35. @ 40: Um einem weiteren möglichen Missverständnis vorzubeugen: Diese mir bekannten SozialarbeiterInnen haben eine dreijährige Weiterbildung zum Systemischen Berater absolviert, doch sie wenden die dabei erlernten, gemeinsam diskutierten und erprobten Methoden im Gespräch mit ihren Klienten an, ohne diesen auch bloß ein Sterbenswort über ihre systemischen Hintergedanken zu sagen oder dabei das systemische Vokabular zu verwenden. Im Gegenteil dazu sehen sie von sich völlig ab und fühlen sich möglichst passgenau in den Klienten ein, um diesen sich selbst von seinen eingefahrenen Gedanken und Gewohnheiten lösen zu lassen, um Freiräume für neue Lösungswege erkennen und beschreiten zu können.
    Diese SozialarbeiterInnen haben auch sich selbst und teilweise sogar ihr Leben während ihrer dreijährigen Weiterbildung zum Systemischen Berater weiterentwickelt, ob allerdings ein solcher Kurs bei Hartz-IV-Beziehern sinnvoll wäre, wage ich zu bezweifeln.

  36. @ 38: Die besondere Qualität dieser mir bekannten Systemischen BeraterInnen hat sich übrigens bei den MitarbeiterInnen der Jobcenter und auch bei den Langzeitarbeitslosen rasch herumgesprochen mit der Folge, dass diese Systemischen BeraterInnen doppelt so viele KlientInnen zu betreuen haben als ihre nichtsystemischen KollegInnen dieses Maßnahmenträgers und dass sie von ihren KlientInnen mit Blumen und Pralinen, Wein und Sekt überhäuft werden – selbst viele Jahre nach dem Ende der Maßnahme noch.

  37. @38 SIC!
    Die ganze Riesenschleife von Testbatterien im“Asset Management“ in Berufsbildungs- und Berufsförderungswerken könnte man sich sparen, wenn sich die Maßnahmen anstatt sich im BGM (Beruflichem Gesundheitsmanagement) zu erschöpfen, schon in der Prävention auf das BEM (berufliches Eingliederungsmanagement) abgestimmt wären.

    Denn mittlerweile leiden selbst diese Institutionen, die mit allen Möglichkeiten der Integration von behinderten Menschen und Rehabilitation über den zweiten Bildungsweg auf Basis des SBG IX ausgestattet sind, unter erheblichen Finanzierungsnöte.
    Und die Verantwortlichen als „Sozialpartner“, sprich die Spitzenkräfte der institutionalisierten „Akteure“ in ihren Leuchttürmen ächzen unter den mittlerweile rat-und hilflosen und zu Schönfärbereien angehaltenen Verwaltungsherrschaften im Management ihrer jeweiligen Institutionen.

    Ein, ab- und umgesetzte Protagonisten im Verwaltungsmanagement sozialer Institutionen, die sich bereits bei der Integration und schulischen wie später beruflichen Ausbildung und/oder in der Rehabilitation, ob privat und/oder im BEM unter der von Mme von der Leyen arrangierten Ägide hätten einbringen sollen und die Mme -damals noch Arbeitsministerin -ca. Ende 2011/Anfang 2012 unter der Fahne „Kampf dem Streß“ bei psychischen Erkrankungen insbesondere im HR – Bereich zu mobilisieren versuchte.
    ( und dies unter ihren -bereits allseits bekannten und absurdesten Manövern als talkshowerprobte Selbstdarstellungskünstlerin in Folge – )
    Mit den Haupt-Verwaltern der „Human ressources“, sprich mit den „Personalern“ und ihren in Kurzformeln gefassten Unternehmens-Philosophien in den hatte ich er zur Genüge zu tun. Die Bollwerke ihrer -nichts als Gesundheit surch Wasser predigenden Verschiebepraktiken- in den
    gesetzlichen Krankenkassen, der Rentenversicherung, der BAA und den Jobcentern scheinen unüberwindlich, wenn nicht gerade mal wieder Wattwanderungen angesagt sind, um sich die Ebbe in den Kassen zu Gemüte zu führen.
    Die nächste Flut kommt bestimmt, unter der sich auch das Inseldasein wieder genießen läßt.

    Das scheint nun mittlerweile für alle Bereiche des „Bestandsschutzes“ zum Recht auf Teilhabe nach SGB IXzu gelten.
    Heckenröschen, auf dem Kutscherbock und hoch auf dem gelben Wagen sei Dank.

  38. @43 Sorry, die Schreibfehler. Es muß heißen:
    „Mit den Haupt-Verwaltern der „Human ressources“, sprich mit den „Personalern“ und ihren in Kurzformeln gefassten Unternehmens-Philosophien hatte ich es in der Arbeitsmedizin -durch Einführung des BEM, speziell auch in der Verkehrsmedizin- zur Genüge zu tun.“
    Fehler am laufenden Bande,
    so rot wie Blut,
    so schwer wie Blei und
    so schwarz wie
    Ebenholz.

  39. @41, 42 Guten Morgen, lieber Michael.
    Danke für die weitere Aufklärung. Ich habe von zwei dieser Fortbildungen gehört und finde sie gut, mache mir nur Sorgen, wie dort ein Qualitätsstandard gesetzt werden soll. Weißt Du darüber mehr?

    Dem Leistungsempfänger die Idee der Paradoxen Intervention beibringen? Um Gottes Willen! Ich finde den Gedanken ziemlich erschreckend, dass da draußen ein Heer von Leuten unterwegs ist, die womöglich glauben, den Geheimplan zur Psyche des jeweils anderen zu haben. Sowas gehört in die Hände von Profis, die wissen, wie saubere Arbeit geht.

    Nein, ich meinte wirklich die Grundlagen systemischen und konstruktivistischen Denkens (und nicht die therapeutische Maßnahme) und die so einfach vermittelt, dass ihre entspannende Wirkung sich zeigen kann, ohne dass die ‚Workshoppers‘ unter einem Theorienoverflow zusammenbrechen. Da haben wir haufenweise Menschen, die wir nur noch schwer im Arbeitsmarkt unterbringen können. Warum dieses Potenzial nicht nutzen und ihnen anbieten, entspannter und klüger zu werden? Das ginge auch ehrenamtlich.
    Mir geht es um die Frage der Würde. Systemisches Denken entstresst.

  40. @45 Ich meine ein Gefühl für die komplexen Zusammenhänge der Wirklichkeit der Menschen. Systemtheorie bedeutet natürlich eine ganze Masse mehr als das und ganz grundlegend muss man erst einmal erkennen, dass man Systeme nicht durch einfache Interventionen kontrollieren kann.
    Viele beschäftigen sich mit Systemtheorie, sagen, dass sie das machen, und versuchen dann genau das. So etwas kann nicht funktionieren. Dieses Problem haben wir auch beim Neurolinguistischen Programmieren. Selten lernen die Leute die Zusammenhänge und tauchen in das Metamodell der Sprache wirklich ein. Statt dessen befassen sie sich mit den magischen Tricks, die nur selten anhaltend funktionieren, sondern nur vorgegaukelt werden.
    Systemtheorie für Hartz IV-Empfänger ist natürlich ein großes Wort für ein minimales Ergebnis (so man entspanntere Menschen, die ihr Leben anders anpacken können, als „minimales Ergebnis“ bezeichnen möchte).
    Das wichtigste, was man den Leuten erst einmal beibringen muss ist, was die Zusammenhänge ihrer Welt sind und welchen Einfluss sie darauf haben und eben auch zu erkennen, was sie nicht erwarten können, dass sich die Welt zum Beispiel per Knopfdruck ändert oder dass jemand anders das für sie machen kann.
    Das ist vor allem ein beliebtes Schema, was Systemreduktionisten versuchen den Leuten zu geben, und das wird überhaupt nicht funktionieren, sondern die Situation nur noch verschlimmern. Ich hatte das in Punkt 4 schon angedeutet, dass ich hierin eine der Ursachen dafür sehe, warum es sich bei HartzIV heute um eine Systemkrake handelt, die wir so einfach nicht mehr loswerden, wie sich das die meisten Leistungsempfänger wünschen.
    Wichtig ist ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass man in einer komplexen Welt lebt, Interesse daran sie zu begreifen und wenn man eine komplexe Welt orientieren will, dann braucht man dafür komplexe Orientierungsmodelle. Die können auf einer anderen Ebene aus, einer anderen Richtung betrachtet, verhältnismäßig einfach aussehen. Die Frage ist nur, wie kommt man da hin?
    Hast Du mal gesehen, wie die meisten Menschen mit ihren Hunden oder Katzen umgehen und nie herausfinden, wie ihre Mitgeschöpfe tatsächlich ticken? Generalisiere das, und Du hast das Problem.
    Ist das nachvollziehbar, was ich schreibe?

  41. @ 45, @ „Qualitätsstandard“: Die Qualität dieser Fortbildungen hängt vom Anbieter, den Leitern und Referenten sowie den Vorkenntnissen und Berufserfahrungen der Teilnehmer ab. Ein umfassendes und detailliertes Curriculum gilt es zu absolvieren und nach zwei Jahren eine praxisbezogene Hausarbeit zu schreiben, die in einem Rigorosum „verteidigt“ werden muss. Zudem gibt es regelmäßige Treffen von Peergroups, in denen sich die Teilnehmer Referate zu vorgegebenen Themen vortragen und darüber diskutieren. Das Pensum ist enorm und die Literatur unerschöpflich. Nach dem dritten Jahr erfolgt eine Abschlussprüfung, bei der die Peergroups einen vorgegebenen Modellfall bearbeiten und im Plenum präsentieren müssen. Wer das alles bewältigt hat, erhält ein Diplom als „Systemischer Berater“, das von zwei der Systemischen Dachorganisationen anerkannt ist. Noten gibt es keine und durchfallen kann niemand.

  42. @ 46: „HartzIV (…) eine Systemkrake“, „Menschen mit ihren Hunden oder Katzen“

    Diese beiden Aussagen verstehe ich nicht so ganz.

  43. @47 Ich schreib Dir mal eine Mail dazu, ich glaube, wir sprechen doch von zwei verschiedenen Maßnahmen. Da damit aber persönliche Gespräche und Erfahrungen verbunden sind, kann und will ich das nicht öffentlich machen.

    @48 Ich hatte in Kommentar 4 versucht, recht ausführlich zu beschreiben, dass ich das Problem sehe, dass sich Hartz IV mit den vorhandenen Erwartungen an Knopfdrucklösungen nicht nur nicht lösen lässt, sondern sich dadurch nur noch tiefer in die Gesellschaft hinein gräbt. Das meine ich, wenn ich „Systemkrake“.

    Hunde und Katzen: Das habe ich als Beispiel dafür versucht, wie viele hingehen und versuchen, mit einfachen Modellen über ihr Haustier sein So-Sein zu beschreiben und sich nach diesen Erwartungen zu verhalten, die vollkommen an dem Tier vorbei gehen und oft genug in Verhaltensstörungen des armen Vierbeiners münden. Dasselbe machen Menschen auch miteinander.
    Ist es jetzt klarer?

  44. @ 49: Zu „Hartz IV als Systemkrake“: Ich halte Hartz IV für einen klugen Versuch von fachfremden Experten, die mit dem Prinzip des „Förderns und Forderns“ lediglich einem Teil der Anspruchsberechtigten gerecht werden. Die Gruppe derjenigen, von denen leider niemand mehr etwas fordern kann, weil sie schon allein mit sich völlig überfordert sind, sollte „verrentet“ und in Ruhe gelassen werden (Grundsicherung bei Erwerbsminderung nach SGB XII). Die Gruppe derjenigen, die gerne aufsteigen möchten, wird demotiviert durch die finanziellen Einbußen, die bei Arbeitsaufnahme drohen. Eine fünfköpfige Familie mit rund 2.000 Euro Hartz IV müsste brutto rund 4.000 Euro erwirtschaften, um etwa gleich viel Geld zur Verfügung zu haben. Diese Stellen bekommen sie nicht und wenn, dann müssten sie sich dafür mehr anstrengen als für Hartz IV, das von Hauptschülern oftmals schon als Berufswunsch geäußert wird. Das heißt, im Steuer- und Sozialversicherungsrecht müssten Geringverdiener noch viel stärker entlastet werden, denn das Hartz-IV-System hängt nicht bloß mit dem Arbeitsmarktsystem, sondern auch mit dem Steuersystem und dem Sozialversicherungssystem zusammen.
    Zu „Hunde und Katzen“: Ich glaube, das Verhältnis vom Menschen zum Haustier ist Ausdruck von unausgelebten Wünschen und Verhaltensweisen, die auf das Haustier projiziert werden. Viele Hundehalter dressieren ihre Hunde so wie sie es zu ihrem Bedauern bei anderen Menschen nicht schaffen oder nicht dürfen. Dabei geht es oft um Machtausübung. Katzen lassen sich dagegen nicht so leicht dominieren. Sie dienen eher dem Ausleben von Zärtlichkeitsbedürfnissen, die von den Mitmenschen nicht erfüllt werden können oder wollen.

  45. @50 Ich bin nicht sicher, ob ich irgend etwas Konstruktives am „Fordern“ erkennen kann. Ich war auch nie der Meinung, dass jemand, der sagt: „Also mich haben meine Eltern geschlagen, und in der Schule ging es auch disziplinierter zu als heute, und das hat mir nicht geschadet“ eine Vorstellung davon hat, wie eine wahrhaftige Einschätzung der eigenen Persönlichkeit geht. 😉
    Ich liebe Herausforderungen. Den Gedanken jedoch, Menschen mit Bioüberlebens- und Sicherheitsängsten unter Druck zu setzen, um sie so zu motivieren, den finde ich pervers. In meinen Augen ist HartzIV nichts anderes als die konsequente Fortführung eines bereits vorhandenen Systemfehlers.
    Und ich würde gern einmal eine gründliche Untersuchung dazu sehen, ob und inwieweit die Gruppe, der dieses „Fordern“ nicht geschadet, sondern „Gutes“ in ihrem Leben möglich gemacht hat, nicht auch anders möglich gewesen wäre. Meint, ob sie nicht eh die Voraussetzungen mitbringt, die Raum schaffen für ein gesundes und erwachsenes Fördern.
    Grundsätzlich (aber dieser Überzeugung konnten wir in einer Petition, deren Ideen als Anregung dienen sollten, einen langsamen Ausstieg zu bedenken) bin ich überhaupt nicht der Ansicht, dass es eine gute Idee ist, auch nur irgendwen in ein bereits krankes System per Druck hineinzukonditionieren. (Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepaßt an eine zutiefst kranke Gesellschaft zu sein. Jiddu Krishnamurti)
    An dem Part über Hunde und Katzen habe ich zu kauen – wir haben fünf Katzen, die wir als unsere Freunde betrachten und die uns jeden Tag zeigen, wie einzigartig ein Wesen ist und wie unverständlich. 😀

  46. @53 Es ist vier oder fünf Jahre her, da hatte ich für eine Weile intensiveren Kontakt zu Inge Hannemann. Ich achte ihr Engagement und fand sie immer aufrichtig bemüht. Ich finde „Sanktionsfrei“ eine wichtige Sache, auch wenn ich nicht der Ansicht bin, dass der ganz-oder-gar-nicht-Weg der ist, den die Bürger der Bundesrepublik wollen. Nichtsdestotrotz leistet „Sanktionsfrei“ wichtige Aufklärungsarbeit, und auch die rechtlichen Schritte, die aus der Richtung eingeleitet werden sollen oder schon wurden, sind ganz sicher ein wichtiger kommunikativer Akt. Dazu kann Irmela Nagel aber mehr sagen als ich, die immer wieder davor warnt, zu große Hoffnung in Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht zu setzen.

  47. @ 52: „Ich bin nicht sicher, ob ich irgend etwas Konstruktives am „Fordern“ erkennen kann.“

    Das Prinzip „Fordern“ ist aus der Pädagogik nicht wegzudenken, soweit mir bekannt ist. Und dieses Prinzip hängt zusammen mit der Konsequenz „Strafen“. Wer Kinder erzogen hat, weiß, wie schwer eine konstruktive Balance von Motivieren und Sanktionieren zu erreichen ist. Das gilt auch in der Schule und im Berufsleben.

    Aus gutem Grund ist bei Hartz IV das Fordern bei Jugendlichen viel stärker ausgeprägt und sind die Sanktionen wesentlich schärfer.

  48. @52: Vielen Dank für das überzeugende Petitionsanliegen, dem ich viel Gehör wünsche.
    @31: Den Bildungsreformangeboten der unter anderem freien Schulen, die vor allem im privaten Grundschulbereich zugenommen haben steht bislang an erster Stelle auf der Seite des Elternwahlverhaltens nicht der Wunsch nach Reform, sondern nach „sozial ausgewogen“ zusammengesetzter Schülerschaft, weg von multikultureller Durchsetzung, die in der Elternvorstellung Lehrer an ihre Grenzen bringt solides Wissen und eventuell soziales Verhalten zu vermitteln. Die Privatschule fördert soziale Segregation, führt zur Schließung von Standorten öffentlicher Schulen… etc.
    Orte für eine gelingende Erziehung und Etablierungsraum für eine Orientierung nach systemischer Ausrichtung könnten sie dennoch werden.

  49. @ 56: „Siehst Du den Staat in der Aufgabe, seine Bürger zu erziehen?“

    Natürlich nicht.

    Das wäre Bevormundung.

    Jeder sollte nach seiner Fasson selig werden dürfen.

    Doch wenn sich jemand – aus welchen Gründen auch immer – nicht selbst helfen kann, sollte er in die Lage gebracht werden, dies irgendwann einmal zu schaffen.

    Darin sehe ich den Sinn von „Erziehungsmaßnahmen“ des Staates – sei es bei Hartz-IVlern oder bei Kranken oder auch (und das ist eine völlig andere Personengruppe) bei Kriminellen.

  50. Das Thema Sanktionspolitik wird m.E. völlig überbewertet. Die Sachbearbeiter und Sachbearbeiterinnen haben selbst strengste Auflagen zu erfüllen und eine Unmenge Anträge zu bearbeiten, deren Aufschlüsselung auch noch intransparent ist bis zum Geht-nicht-mehr.

  51. @57, 59

    @57 Meine Nicht hat mich gerade auf zwei sehr interessante Projekte aufmerksam gemacht, liebe Rosa Fischer. Schauen Sie mal, was halten Sie davon?

    http://www.igs-goe.de/grundlagen/
    und
    http://www.igs-seevetal.de/
    Zu letzterer schriebt sie:
    „Es gibt eine Kooperationsklasse mit Integrationsschülern. Diese nehmen auch am Regelunterricht teil. Des Weiteren gibt es viele Wahlpflichtkurse an denen alle Schüler je nach Wunsch teilnehmen können. Schulbegleiter für Schüler mit sozialen Integrationsproblemen. Des Weiteren auch Sozialpädagogen für alle Schüler und Lehrer. Noten gibt es erst ab Klasse Neun.“

    @59 Puh, da bekomme ich mit den Formulierungen ein Problem. Nehme ich den einen Satz, der mir wichtig wäre und formuliere ich ihn mal so um, dass ich dabei nicken kann: „Doch wenn sich jemand – aus welchen Gründen auch immer – nicht selbst helfen kann, sollten ihm alle nur denkbaren und machbaren Möglichkeiten geboten werden und alle entsprechende Unterstützung zuteil, dies irgendwann einmal zu schaffen. Gelingt dies immer noch nicht, sollte er die Hilfe bekommen, die er benötigt, ohne, dass er weiter dazu motiviert wird sich einzubringen.“

    Das Wort „Maßnahme“ würde ich ganz abschaffen. Es vermittelt meiner Ansicht nach die ganz falsche Botschaft.
    Einen schönen Abend!

  52. @ 56 NEIN!
    liebe Britta Peyn,
    das wäre nun so ziemlich das Allerletzte !!!

    dann sollte man doch lieber Steinwolle fressen,
    anstatt Kreide aus Rügen.

    Aber am besten gleich im Ganzkörper-Kondom erscheinen,
    um sich auch gegenüber PSA offen zu zeigen bzw. erkenntlich zu erweisen,
    wenn am Opel-Kreisel zuallererst einmal die Reifen der Trucks
    in Durchfahrt durch die Hygienepfütze desinfiziert werden.

    @ 11 das mit den „Eulen nach Athen tragen“ war mir klar,
    mir fehlten nur noch ein paar Brüsseler Spitzen,
    sobald der Rückwärtsgang eingelegt wird.
    Vorwärts rollt sich’s nämlich wunderbar leicht, das ist das Schöne.
    😉

  53. @61 😀 „Steinwolle fressen“ 😀
    „Brüsseler Spitze“
    Ihre Sprache ist klasse. Ich habe ein paar ältere Freunde, mit denen habe ich meine „ach, ja“-Ecke. Man sitzt auf seiner geistigen Bank in der Sonne und seufzt einfach ab und zu professionell. Ich nenne sie meine „Schildkröten“-Freunde.
    Sie, liebe DeaXmac scheinen mir eine Schildkröte mit Turboantrieb, ach, ja.
    Gute Nacht!

  54. á propos Schildköte,
    ich hatte keine andere Wahl,
    meine Blagen sind begeisterte Chillkröten ..
    und da muß man sich eben anpassen und die Kröten immer mal wieder wandern lassen
    😀

  55. @ 58: Vielen Dank für den Überblick des wissenschaftlichen Diensts des Bundestages zum Sanktionsthema. Mein Fazit: Sanktionen bringen nicht die erwünschten Wirkungen, sondern schaden der aus humanitären Gründen gebotenen finanziellen Versorgung und der angestrebten langfristigen Überwindung der Hilfebedürftigkeit.
    Als Schlussfolgerung meine Vorschläge: Denjenigen Hilfesuchenden, die im Hartz-IV-System bleiben möchten, sollten die Leistungen dauerhaft zugesichert und mit möglichst geringem bürokratischen Aufwand zur Verfügung gestellt werden. Denjenigen Hilfesuchenden, die aus dem Hartz-IV-System herauskommen möchten, sollten die Jobcenter zusichern, dass sie die vollen Kosten für einen (mit Mindestlohn oder dem tariflichen Lohn honorierten) Arbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt übernehmen (= indirekte Förderung der Arbeitslosen über die Arbeitgeber, die einen für sie kostenlosen Mitarbeiter einstellen möchten). Falls das allein nicht ausreicht, um alle Arbeitswilligen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, könnte zusätzlich eine einmalige Einstellungsprämie ausgezahlt werden, wenn das Arbeitsverhältnis mindestens zwei Jahre lang besteht.

  56. @ 58: „Arbeitsförderung statt Hartz IV?
    Das System Hartz IV ist offen sichtlich nicht mehr haltbar. Bisher war Kritik bisher Sozialverbänden, Sozialexperten, Erwerbslosen und den mit ihnen Solidarischen, und unter den Parteien der LINKEN vorbehalten. Jetzt melden sich auch die Vorreiter des Hartz-IV-Systems zu Wort, um es zu entschärfen. Nachdem SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz für einige Ausgewählte ein längeres ALG I forderte, setzt jetzt Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit nach.“
    http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/arbeitsfoerderung-statt-hartz-iv.php

  57. @57, 59 liebe Ruth Fischer, lieber Michael, mein Kommentar Nr. 61 wurde jetzt freigeschaltet. Er hatte zwei Links darin. Deshalb die Verzögerung.
    Schönes Wochenende!

  58. Lesenswertes zu Wahl in Frankreich. Respektlosigkeit wirkt, LePen verschlägts die
    Sprache in der Diskussionsrunde der Präsidentschaftskandidaten:
    „Disrespect Intended: Mechanic-Candidate Bursts French Political Elite’s Bubble.
    Philippe Poutou, a fringe candidate in France’s presidential election, emerged as a hero to some after a debate in which he tried to puncture the mutually protective world of the political class.“
    https://www.nytimes.com/2017/04/06/world/europe/with-disrespect-mechanic-candidate-bursts-french-political-elites-bubble.html?_r=0

  59. @71: Danke für den Link.
    Der schnellste und auch erfolgreichste Weg ist -wie auch Luhmann in „Soziale Systeme“ beschreibt- der Weg über das Immunsystem der Gesellschaft, denn dieses verfügt selbst dann noch über das NEIN, wenn alle Rechtswege versperrt sind.
    Ein Immunsystem läßt sich zwar eine Weile blockieren und unterdrücken, aber in der Regel nicht völlig korrumpieren. Es schlägt irgendwann zurück.

    Denn:
    Wenn „Immunität“ einseitig über das Rechtswesen definiert, okkupiert und parasitär korrumpiert worden ist, tritt das ein, was -in Negation der Negation – auch den Erfolg von Mr. Potou ausmacht.

    “And then we’ve got Le Pen, next to me, Le Pen, dipping into the public purse,” Mr. Poutou said. “It’s not here, it’s Europe, and now for somebody who is anti-European, the worst is that the National Front, which calls itself anti-system, it doesn’t give a damn. It protects itself thanks to the laws of the system, thanks to parliamentary immunity, and so refuses to answer a police summons.”

    Then he scored what was acknowledged as the evening’s bull’s-eye, aimed squarely at Ms. Le Pen: “When we workers are summoned by the police, we don’t have worker’s immunity. Sorry about that. There it is. Here we go,”

  60. @ 8, @ Irmela Nagel: Wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?
    Am 6.5.2016 hatte das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) schon einmal die Richtervorlage des Sozialgerichts Gotha zur Verfassungswidrigkeit von Arbeitslosengeld-II-Sanktionen abgelehnt (Az. 1 BvL 7/15).

  61. @61: Sehr vielversprechende, vorbildliche Absichten stecken in den von Ihrer Nichte aufmerksam gemachten Projekten, liebe Gitta Peyn. Anders als bei gegenwärtig gängigen Konzeptionen steht bei beiden Schulen gelingende Vermittlung von eigener Handlungskompetenz für Problemlösugen als Entwicklungsmöglichkeit für jeden einzelnen Schüler im Vordergrund, weitgehend milieuungebunden.
    Die gesellschaftlichen Überzeugungen, die bei Überlegungen im Erziehungskontext eine Rolle spielen, führen bei beiden Projekten zu aussichtsreichen Perspektiven.
    Sehr schön.

  62. @ 78: „Der Bericht stellt in seiner Kurzfassung fest, dass sich die Einkommensverteilung zulasten armer Kinder verschiebt – die finanzielle Kluft zwischen ihnen und ihren Altersgenossen also immer größer wird. Was der Bericht allerdings auch im Hauptteil nicht thematisiert: Diese wachsende Kluft ist eine zwangsläufige Folge der Hartz-IV-Systematik. Während die Gesamtzahl der Hartz-IV-Empfänger in den vergangenen Jahren leicht abgenommen hat, nimmt die Zahl der unter 18-Jährigen in Hartz IV sogar leicht zu – und lag Ende vergangenen Jahren zum ersten Mal nach sieben Jahren über der Marke von zwei Millionen.“ http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/kinderarmut-im-regierungsbericht-das-verharmloste-problem-a-1141672.html

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