Peter Sloterdijk

Peter Sloterdijk ist ohne jeden Zweifel ein belesener Mensch. Und wer ihn einmal auf einer Tagung oder im Fernsehen erlebt hat (und wer hat das nicht?), kann bestätigen, dass er das, was er da gelesen hat, in druckreifer Form situationsadäquat abrufen kann. Insofern: Mein Respekt ist ihm sicher. Und das sage ich hier nicht nur, weil ich ihm ein paar Mal begegnet bin und solche Leute ja prinzipiell nicht beleidige (was ja nicht erfordern würde, Respekt und Bewunderung zu bezeugen), sondern weil ich das wirklich beeindruckend finde und mit einem gewissen Neid beobachte.

Diese Bewunderung hat allerdings in all den Jahren nicht dazu geführt, dass ich das gut finde, was er äußert, wenn er selber denkt. Das bezieht sich vor allem auf Fragen der Gegenwart. Seit er sich zur Flüchtlingsfrage geäußert hat, fühle ich mich wieder einmal in meiner Skepsis seinen Ideen und Schlußfolgerungen gegenüber bestätigt. Statt hier selbst auf Einzelheiten einzugehen, sei hier auf die Kritik an seiner beleidigten Reaktion auf die Kritik an seiner Position, die Armin Nassehi in der Zeit publiziert hat, verwiesen:

 

Quelle: Peter Sloterdijk: Jenseits der Reflexe | ZEIT ONLINE

16 Gedanken zu “Peter Sloterdijk”

  1. Ich finde ein solches Geschreibsel (Zeit- online Artikel) sogar peinlich bis eklig.

    Warum:

    Es geht bei den Menschen in Idomeni, oder noch viel viel schlimmer im Südsudan

    http://www.tagesschau.de/ausland/suedsudan-153.html

    um ganz elementaren HUNGER, DURST, Minimum an MENSCHENWÜRDE, KÄLTE, HITZE, HOFFNUNGSLOSIGKEIT oder sogar BRUTALITÄT und TOD.

    Dagegen: der Stolz über mehrfach verschlungene Formulierungsorgien. Eingebildete, gekränkte oder kindisch provozierende alte Männer in ihren bequemen Hausbibliotheken mit den warmen Wollsocken und den Knieschonern aus dem Orthopädiebedarf.

    Was mich mein ganzes Leben schon gewundert hat – ich konnte es nie recht glauben:
    Leute mit oft angeberischen (Schein-) Intellekt, die schon

    MIT DER KLEINSTEN KRÄNKUNGSVERARBEITUNG SEELISCH ÜBERFORDERT SIND

    (aber dies mit höchst verschwurbeleten Worten zu verschleiern suchen).

    (Auch hier in diesem Blog gab es schon sehr sehr viel Bitter-witziges, Dummes, entsetzlich Verschroben-seltsames bis zu einfach Einsam- ungehörtes zu lesen.)

    Eine „gnadenlose Bewertung“ eines alternden, erkälteten „Dorfschullehrers“, der selbst hinterm warmen Ofen sitzt und selbst (in der Schule) nach seiner Meinung nicht genügend gehört wird ……

  2. Yep.
    Verschwurbelt trifft’s.
    Bildung schützt vor Torheit nicht, und Neologismen-Sprech kommt peinlich rüber,
    wenn es der eigenen Hermetik dient.
    Es ist die Hybris der Ontologie, die nach der Ontik greift.

  3. Das ist der Rudolf Steiner Effekt auf das Gehirn von Herrn Sloterdijk. Die Anthroposophen und ihre Wurzelrassen. Großer Käse.

  4. @Georgy: „Der erotische Raum“ – seltsame, dass Sie das nicht finden. Ich habe den Eindruck, ich sehe es immer, wenn ich mich zu dem Blog durcharbeite; aber wahrscheinlich, weil ich immer wieder im Geiste dort hängenbleibe.
    Ehrlich gestanden, jetzt wo Max Liebscht wieder da ist (Hallo – wo waren Sie so lange; ich habe immer wieder an Sie gedacht) melde ich mich vornehm ab, ehe ich ungut oder unfreundlich werde, wie es mir nicht anerzogen worden ist. Auch ich habe nicht immer Lust, auf jede Beleidigung und jeden Untergriff näher einzugehen (aber Ihre bescheuerten Bewertungen, Georgy, in Ehren!).

  5. Ich habe bei weitem nicht alles von Sloterdijk gelesen, aber doch einiges und finde, dass er vor allem durch das Entwickeln eigener Perspektiven und Modellierungen hervorsticht.
    Du läßt seine Aussagen zur Flüchtlingskrise gewissermaßen fremdkritisieren –
    Ich finde (ohne dies hier detailliert auszuführen), dass Nassehi die im ZEIT-Umfeld hinlänglich bekannten hypermoralischen (und damit zweifelhaften) Positionen vertritt und daraus das Recht ableitet, Tribunale abzuhalten durch bloßes Verwenden von Kategorien; z.B. die altbewährte rechts-links Kategorisierung, seit 1968 in D als moralische Kategorie verwendet, um politische Meinungen, die von der eigenen abweichen, a priori zu diskreditieren. Soll man so etwas wirklich als intellektuell satisfaktionsfähige Argumentation gegenüber Sloterdijk ins Feld führen?

  6. Wenn sich alle grad so hübsch einig sind, dass olle Sloti ein Idi sei – womöglich kommt er wie sein Kumpel Bazon Brock demnächst noch auf die Idee, für den Propagandasender der kriegslüsternen Russen Interviews zu geben – passt dies als Seiteneinwurf womöglich ganz gut; http://www.ossietzky.net/4-2016&textfile=3401

    PS: Na ob das eine atmosphärische Bereicherung wäre, wenn Sie von Bühne gehen und dafür ausgerechnet Faktotum Liebscht eingewechselt wird? Nee, nee, bleiben Sie mal lieber schön!

  7. Herzliches Beileid
    anlässlich Ableben des Moderators!
    So früh … So früh schon musste er gehen.
    Und was war er doch für ein Guter – damals!

  8. Die Geschichte wird es zeigen, ob sich Gevatter Sloterdijk umsonst Sorgen macht. Im Moment sieht es leider danach aus, als ob er mal wieder genau beobachtet und der Krieg näher ist als die Journaille zu vermelden hat.

  9. @10 Sloterdijk

    Der Unterschied zwischen „Achtung“ und „Ächtung“ dessen was wirkt und als Wirklichkeit in Erscheinung tritt, scheint zunächst marginal zu sein.
    Nur zwei Pünktchen!
    Die Folgen der getroffenen Wahl zu dieser Unterscheidung sind es mitnichten.

  10. Den Kommentar von Diez auf Spiegel online finde ich noch klarer in der Bewertung (ja, es geht um Bewertung!) der letzten und vorletzten Ausführungen Sloterdijks. Nassehi kritisiert ihn von einem nicht-philosophischen, soziologischen Stsndpunkt aus. Diez tut dies auf dem philosophischen Feld.
    übrigens: was sind moralische, was hypermoralische Denkkategorien. Oder ist solches „Sprachgeraune“, in diesem Fall systemisch unterlegt, nur eine andere Art von Sloterdijkscher Selbstdarstellungslust.

    Ich habe 18 Bücher von Sloterdijk (alle gelesen) zum „Wertstoffmüll“ gegeben.

  11. Vielleicht könnte man sich einmal darauf einigen, Menschen nicht immer als noch weiter zu hochzujubelndes und zu perfektionierendes Gesamt(Kunst)Werk zu denken, die- sofern sie in irgendeiner Weise diesen Kriterien nicht (mehr) gerecht werden in Gänze exkludiert werden.
    Das ist zwar übliche Praxis, aber en Detail betrachtet doch ziemlich banal.
    Ich persönlich bin zwar schon länger der Auffassung, dass Sloterdijk mit seiner intellektuellen Penetranz dringen einen Cut bräuchte -und dies durchaus in umfassend bio – psycho -sozialer Hinsicht. Wobei es vermutlich für alle Seiten angenehmer wäre, wenn man ihm -wie so manchen anderen auch – nicht erst beibringen müsste, die anfänglich partielle, in den steten Wiederholungen jedoch durchaus schwer bis kaum mehr erträgliche optische wie auch akustische Umweltverschmutzung von sich aus zu reflektieren.
    Sieht man einmal davon ab, dass beleidigte Leberwürste in keinem Alter besonders sexy sind, bedient dann auch ein süssholzgeraspelter Weiss-Wurst-Senf als Beilage die Geschmacksknopsen mehr schlecht als recht.
    Unter Ästhetik präsentiert von (selbst)-ernannten bzw. (selbst) -berufenen Ästhetikern stelle ich mir -speziell im geschliffenen Zustand – etwas ganz anderes vor.
    Diskretion, gepaart mit dem Grundsatz eines sich auch bedeckt halten Könnens hat in manchem doch so seine Vorteile, wenn alles fließt. ?

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