Provisorisches

Da ich durch meinen gestrigen, offenbar hinreichend verwirrenden und Trance auslösenden Beitrag (Erickson’sche Konfusionstechnik) so viele Frage ausgelöst habe, die ich heute abarbeiten musste, kann ich mir meinen heutigen Beitrag eigentlich sparen und alle Interessierten auf die Fortschreibungen von gestern verweisen.

Trotzdem noch ein Gedanke, der mir heute im Laufe des Tages gekommen ist (wäre natürlich psychoanalytisch interessant, bei welcher Gelegenheit).

Eigentlich müßten provisorische Lösungen endlich mal von dem Makel befreit werden, der ihnen anhaftet. Ja, sie sind m.E. eigentlich die einzig angemessenen Lösungen für lebende Systeme im Allgemeinen, für Menschen und soziale Systeme im Speziellen.

Der Gegenbegriff zu provisorisch, so wie wir diesen Begriff umgangssprachlich verwenden, ist ja wohl am ehesten „endgültig“ oder „dauerhaft“ oder noch schlimmer: „perfekt“. Dass etwas als Provisorium bezeichnet wird, verweist darauf, dass es nicht als dauerhaft zu betrachten ist. „Provido“ heißt ursprünglich „ich sehe voraus“, und offenbar sehe ich nur kurze Zeit voraus oder ich verspreche mir oder anderen, dass das Provisorium nicht von Dauer sein wird.

Aber das ist ja eigentlich nur realistisch. Nichts, was lebt, bleibt, wie es ist. Perfektion und Leben sind nicht miteinander vereinbar. Perfekt ist eine Bezeichnung für etwas Vergangenes, Abgeschlossenes. Was weiter geht, kann nicht perfekt sein bzw. bleiben.

Vielleicht sollten wir endlich beginnen, Provisorien wert zu schätzen, eine Theorie des Provisoriums zu entwickeln, das Hohe Lied des Provisoriums zu singen usw…

Auf jeden Fall ahne ich jetzt, warum die Personen in meinem Bekanntenkreis, die nach Perfektion streben, so angestrengt wirken… (allerdings: Wenn sie etwas Schöpferisches tun, ein gemessen an ihren eigenen Ansprüchen „perfektes Werk“ schaffen, dann scheinen sie doch zufriedener zu sein als alle anderen – das geht aber wahrscheinlich nur, wenn man mit totem Material arbeitet: Skulpturen aus dem Stein klopft, Farbe auf Leinwand platziert, Bücher schreibt…).

Mit diesen unabgeschlossenen Gedanken, höre ich jetzt erst mal auf,

FBS

38 Gedanken zu “Provisorisches”

  1. Worüber man sich auf dem systems peak; Gipfel des Systemischen (?) so alles wundern kann! Klar is Leben provisorisch. Besonders provisorisch. Denn was ändert sich denn nicht. Und wem es zuviel wird damit, nu jaa mancher wird leicht ein Opfer seines Standpunktes, das Tote als perfekt anzubeten. „Habe
    fertig.“ War es das heute? Ich empfehle jedenfalls 14 Tage Rumänien.

    Außerdem swingen wir schon wieder in diesen aristotelischen Dingern rum. Ich wollte endlich mal was zu einer Alternative wissen. Irgendwas muß
    doch da in den ganzen Büchern drin gestanden haben,
    die Sie da womöglich makelhaft gelesen weil empfunden haben

    Hochachtungsvoll

  2. Systems peak – system speak … gefällt mir. Ja, den Aristotelischen Versuchungen entgehen wir wahrscheinlich nicht, solange wir Sprache gebrauchen. Auf der anderen Seite ermöglicht sie uns aber auch nette Spielereien. Ich bin schon lange der Meinung, dass es eigentlich heissen müsste: Die Geburt der Philosophie aus dem Geiste des Kalauers.

    Beste Grüsse, FBS

  3. Dass es auf Erden nur Provisorisches gibt, das ist klar. Ich denke, dass die Idee es Perfekten nur Sinn macht, wenn man die alteuropäisch-philosophische Differenz zwischen Immanenz und Transzendenz mitkonstruiert. Nach Platons Ideenlehre hat jedes sinnliche Ding (also alles Irdische) ein immaterielles, ideelles Urbild (die Idee des Perfekten), dessen bloßes Abbild es ist (schön veranschaulicht im hyperbekannten Höhlengleichnis). Etwas trivialisiert dargestellt: Der Platz des Provisorischen ist das Immanent-Irdische, der des Perfekten die transzendenten Ideen. Vielleicht wird es dann einfach anstrengend, wenn diese Zuordnungen vermischt werden… (aber wahrscheinlich sind Platons Ideenlehre und systemische Epistemologie miteinander recht inkompatibel, habe mir darüber aber noch keine letzten Gedanken gemacht sondern nur provisorische…;-))
    Matthias Ochs

  4. Das Streben nach Perfektion und das Wissen um die Unmöglichkeit perfekter Lösungen im lebendigen System müssen sich doch nicht gegenseitig ausschließen. Oder? Ich denke da an die Übungen von Frau Taraba (Hallo!!), das Aikido, in der letzten Woche. Aus Japan kommt ja auch das KAIZEN. Wenn wir uns bemühen, alles stets ein wenig besser als bisher zu machen, unser Denken, Schreiben, Meiseln, Rechnen, Malen, Heilen, Lernen, Lehren usw., und behalten dabei im Bewusstsein, dass auch das augenblicklich absolut Bestmögliche nicht das endgültig und absolut Beste sein kann, könnten wir vielleicht ein wenig von dieser deutschen Verbissenheit verlieren. Wenn also der Weg das Ziel ist, um eine fernöstliche Denkfigur einzubringen, die gewiss auch ins Systmische passt…

    Grüße Horst Kasper

  5. Nein, das Streben nach Perfektion und die Unmöglichkeit perfekter Lösungen in lebenden Systemen, dies muß sich gegenseitig nicht ausschließen; diese Kompetenz/Inkomptenz der innerpsychischen benignen Integration dieser beiden Aspekte bekommt allerdings Relevanz bei einer Reihe von klinischen Phänomenen: So gelingt es bei der Somatisierungsstörung nicht, die imperfekte, von Alter, Stress, Trauer, Konstitution, Hunger, Sport, Wetter, Krankheiten etc. abhängige Körperbefindlichkeit zu (er)tragen, zu integrieren. Bei depressiven Phänomen gelingt es nicht den Verlust idealisierte Harmoniezustände etwa im sozialen Bereich zu integrieren.
    Grüße Matthias Ochs
    PS Was wohl ein Zeitmanangement-Experte wie Lothar Seifert zum Zeitvergeuden (Ablenken von wichtigeren Tätigkeiten, Verzetteln, Abschweifen von der Tages To Do Liste) mit Blogeinträge schreiben sagt 😉 …

  6. Liebe Diskutierende, wenn hier letzte Woche, gestern und heute schon mal so locker über Gott und die Welt diskutiert wird , dann stelle ich jetzt einmal meine radikale konstruktive Unverfrorenheit zur Diskussion, die ich ja ständig mitschwingen lasse, wenn ich etwas sage, die aber gewöhnlich durch das Raster der konditionierten Aufmerksamkeit durchfällt.

    Es ging ja gestern um die Frage ob die Hirnforschung heute (!) beweisen könne, dass Freud recht (!) hatte.
    Also es geht einerseits um Rechthaberei und andrerseits um Zeit.

    Hier geht es um die getroffene Übereinkunft, dass alles Unterschiedene ein Provisorium sei.

    Darf ich nun vor dem Hintergrund meines Veständnisses der GESETZE DER FORM, Ihnen mein Modell der Instanatanität und also des Radikalen Konstruktivismus, wie ich es in meinem Buch entwickelt und ausgeführt habe, kurz und grob skizzieren:

    1. Aus der Ersten Unterscheidung folgt instantan alles was „ist“
    2. Alles, was „ist“, wird von mindestens zwei Beobachtern konstruiert.
    3. Alles, was konstruiert wird wird JETZT (als Provisorium) in struktureller Kopplung konstruiert.

    So auch das Problem ob Hirnforschung heute beweisen könne, dass Freud recht hatte.
    So auch die Übereinkunft, dass alles ein Provisorium ist

    In der BESCHREIBUNG des Konstruierten spielt Zeit eine Rolle.
    Das Ganze ist POESIE – eine, nein DIE GROSSE ERZÄHLUNG.
    Diese Große Erzählung (von Evolution, Geschichte, diverser Biografien) wird von mir als Unserere Große Erzählung Unserer Ex-sistenz und Unserer Umwelt („Gesellschaft“, „Natur“, „Universum“) in der sie sich ereignet, ständig (gegenwärtig) innerhalb des Rahmens Vergangenheit/Zukunft erzählt (unterschieden, beobachtet, beschrieben, das heißt konstruiert) – UGEUEUUU.

    Also gehen wir davon aus, dass es in den Wissenschaften darum, am komplexen Gewebe dieser Großen Erzählung zu weben, in dem gemutmaßt wird wie es sein könnte, was wir uns qua unseres Blinden Flecks nicht erklären können, wir einander das „NEUE“ und sein Eingebettetsein in das Verschiebliche Veränderliche Vergängliche PLAUSIBEL erzählen können.

    Für die Märchen, Mythen und Sagen, die Kunst und Poesie gilt die Plausibilitätsregel nicht in dieser zugespitzten Form, gelten andere Kriterien.

    Liebe Lesende in alphabetischer Reihe Herr Kasper, Herr Liebscht, Herr Milzner, Herr Ochs, Herr Simon – so gesehen macht es dann Sinn sorgsam nicht nur mit seinem Gehirn umzugehen, sondern mit den Gedanken also dem, was man sagt, und wiederholt, wie man handelt und ganz allgemein welche Unterscheidungen man trifft, dennsie werden zur Realität.

    Harmonisch in sich veränderbar sind die gemeinsame Übereinkünfte über das Gesamtwerk nur durch kleinste strukturell gekoppelte Verschiebungen.
    Irritationen, Perturbationen Revolutionen, Evolutionen des Systems bauen wir in unsere Beobachtungen erst ein, wenn irgendwas an der Erzählung für die Mehrheit unerträglich zu werden scheint. Was das alles jeweils ist??? Gegenstand unendlicher plausibel erzählter Forschungsprojekte.

    Könnten Sie mit mir darin übereinstimmen oder hat die Geschichte von UGEUEUUU für Sie einen Haken? Was würde sich in der Grossen Erzählung ändern, wenn wir ( in der Umwelt von Gesellschaft) die internen (Denk)Muster verändern? Über erfrischende Antworten würde ich mich sehr freuen.
    Ganz herzlich Sylvia Taraba

  7. PS – Kann man lieber Herr Webmaster das unbeabsichtigt Kleingedruckt Erschienene in die normale Schrift überführen???

  8. Liebe Frau Taraba,
    Ihre radikalen radikal-konstruktivistischen „Unverfrorenheiten“ (die ich als solche nicht empfinde) entgehen nicht meinem „konditionierten Aufmerksamkeitsraster“. Ich empfinde diese nur als in ihrer Extremität idealistisch, sozusagen als Versuch einer perfekten Ausgabe des radikalen Konstruktivismus: so als ob Platon ständig versuchen würde, die armen, imperfekten, provisorischen Menschenkinder in das Prokrustesbett seiner tranzendentalen Ideenlehre zu zwängen…
    und ich empfinde Ihre Ausführungen immer wieder (wenn ich mich denn auf die Länge Ihrer Einträge einlasse) anregend.
    Herzliche Grüße
    Matthias Ochs

  9. Zugegeben: raffiniert. Aber zwecklos. Den Verdacht hatte ich nämlich schon die ganze Zeit, daß „Matthias Ochs“ nur ein Pseudonym ist, unter dem Sie, Herr SEIWERT hier die ganze Zeit inkognito mitarbeiten.

    Es kommt für Gelingen versus Nicht gelingen womöglich auf den Frame an, auf den Sie das mithin wertend beziehen wollen und evtl. auch auf die Differenzierung Bewerten / Beschreiben / und so ähnlich. Herrn Simon fragen oder Herrn Hellinger -je nach präveriertem Störungstyp !

    Beste Grüße

  10. Wenn das, was Sie, Frau Taraba, da machen, Logik ist, gefällt mir das. Es scheint was Nettes zu sein, mit dem sich zeigen läßt, daß die Dinge relativ flüssig sind. Nach dieser qua Aufmerksamkeitsfokussierung anregenden Intervention in Ihre Neurologien womöglich sogar flüssiger als gedacht. Und ich dachte, Zeit entsteht als Interferenz aus bzw. zwischen den Erzählsträngen.

    Und ist es mit der Sorgfalt nicht, wie bei Hase und Igel sein: „Das Mögliche ist längst schon da!“? Für die Igel macht es womöglich keinen relevanten Unterschied.

    ? Ich würde vermutlich mehr meine Klappe halten.

    Alles Gute bis eben!

  11. Lieber Herr Ochs, ich erinnere mich noch gut, dass Sie mein Konzept des kreativen Kapitals, bzw. meine Aussage, dass unser Kapital unsere Kreativität ist für erfreulich hielten. Jetzt bin ich ein wenig schockiert und auch enttäuscht, dass Sie den Idealismus so scharf abwerten. Aber es ist gar keine Idealismus und auch keine transzendentale Ideenlehre, sondern als introszendente Praxis konzipiert – ich habe den „Radikalen Konstruktivismus“ beim Wort genommen – ich habe mir noch mein kindliches Gemüt bewahrt, was Kinder ja von sich aus haben, die Worte beim Wort zu nehmen. Wie so nennen wir etwas Radikalen Kontruktivismus und bleiben damit auf halbem Wege stehn und fabrizieren nur einen weiteren ISMuss, statt endlich mal eine wirkliche persönliche subjektive Herausforderung?
    Mein Konzept besagt nichts von einem idealen Menschen, noch Übermenschen sondern schlicht als oberste Maxime: Beobachten wir uns dabei und passen wir darauf auf, was wir denken und sagen, welche Muster wir bedienen und welche Konsequenzen es tatsächlich hat. Wir haben dafür die Kriterien durchaus dabei.
    Es geht hier um die Sorge um sich – im erweiterten Foucaultschen Sinne.

    Darüber muss man länger nachdenken, ich denke schon sehr lange darüber nach. Es geht hier um Selbstformung durch Weglassen um Aufräumen im Denken. Mit herzlichen Grüßen Sylvia Taraba

  12. Liebe Frau Taraba,

    Es war nicht meine Intention, den Idealismus abzuwerten. Ich wähne nur, dass eine saubere Buchhaltung manchmal sinnvoll sein kann: Die Ideale/das Perfekte ins Transzendente und das Imperfekte/Provisorische ins Immanente…

    Zudem glaube ich, Sie durch Ihren letzten Eintrag (Comment #11) wieder etwas besser verstanden – auch ich habe manchmal noch ein kindliches Gemüt und es hilft mir dann, wenn man mir die Dinge wie für einen Sechsjährigen erklärt…

    Ansonsten mutmaße ich, dass Kinder keine radikalen Konstruktivisten sind. Kinder im Grundschulalter befinden sich nach Piaget bekanntlich in der Phase der konkreten Operationen (im Vorschulalter in der präoperationalen Phase). Sie können in dieser Phase noch nicht Operationen auf Operationen anwenden (das können sie erst im Jugendalter, und dort tun sie es nicht selten dann in einer Eltern auf die Palme bringenden exzessiven Weise…) – also Kybernetik 2. Ordnung betreiben. Radikaler Konstruktivismus/Kybernetik 2. Ordnung ist möglicherweise gar nix für Grundschulkinder, also Menschleins in der Phase der konkreten Operationen, wo man tatsächlich die Worte beim Wort nimmt…

    Ihre Haltung, der es um die Sorge um sich geht, gefällt mir sehr gut: Das Achten darauf, was wir denken und was wir sagen und welche Muster/Konstruktionen wir bedienen. Sie rekurrieren hierbei auf meinen Psychologen-Kollegen Michel Foucault, bekanntlich einem Poststrukturalisten. Eine Grundhaltung des Poststrukturalisten ist ja das lebensbejahende Denken statt Eingrenzung des Lebens. Der Poststrukuralist Deleuze schreibt dazu in Nietzsche und die Philosophie: „Statt einer sich dem Leben entgegenstellenden Erkenntnis ein Denken, das das Leben bejahte. Das Leben wäre die aktive Kraft des Denkens, aber dieses die bejahende Macht des Lebens. Beide gemeinsam, sich wechselseitig ziehend, gingen sie in dieselbe Richtung, im Gleichschritt, vorwärts im Bemühen um eine bisher noch beispiellose Schöpfung. Denken würde bedeuten: entdecken, neue Möglichkeiten des Lebens erfinden.“ Ich erlaube mir zu vermuten, dass dieses Zitat Ihnen gefallen könnte, liebe Frau Taraba. Mir gefällt es jedenfalls…

    Herzliche Grüße
    Matthias Ochs

  13. Lieber Herr Liebscht,

    Mist, Sie haben mich enttarnt. JAAHH, Ich bin es tatsächlich: Professor Lothar J. Seiwert, „Deutschlands tonangebender Zeitmanagement-Experte“ (FOCUS 1/2000), hier im Auer-Blog, um die Systemiker endlich davon zu überzeugen, dass Sie Ihre Missionen und Visionen konsequenter verfolgen und nicht ihre Zeit in solchen Blogs verdaddeln sollten.
    Nein: Spaß beiseite. Wenn ich Lothar Seiwert wäre, dann würde ich wahrscheinlich hier viel mehr Werbung für meine Bücher machen. Ich habe für mein neues Buch Lothar Seiwert interviewt (übrigens ein sehr schönes Interview…) – und dafür, dass ich dieses Interview in meinem Buch abdrucken darf, muss ich für zwei neue Bücher und ein Hörbuch von ihm in meinem Buch werben.

    Herzliche Grüße
    Matthias Ochs

  14. Lieber Herr Ochs,
    Danke für Ihre anerkennenden Worte. Ich weiß nicht ob Sie den Eintrag noch finden, aber ich schreib ihn dennoch. Tatsächlich gefällt mir Ihr Deleuze-Zitat. Ich liebe Nietzsche. Besonders an ihm, dass er an seinem letzten Tag bei Licht dem schwer geschundenen Pferd in Turin verzweifelt mitfühlend um den Hals fiel. Ich weiß sein Denken aber auch in einem Feld einzuordnen, das für viele als Weide von Weltschmerz und „Nihilismus“ mißverstanden wird – ich verstehe meinen Nietzsche gern anders. Nämlich dass er unter unsäglichen Kopfschmerzen litt. Ich bewundere ihn dafür, dass er unter diesen Bedingungen das geschaffen hat, was er schuf. Grandiose Reflektierte Anregungen zum Denken.

    Ich finde im Lichte dessen, was Sie sagten, “ dass eine saubere Buchhaltung manchmal sinnvoll sein kann: Die Ideale/das Perfekte ins Transzendente und das Imperfekte/Provisorische ins Immanente…“ dass auch hier ein Trennung (Unterscheidung) nicht sinnvoll ist. Aus meiner Sicht durchdringen die Bereiche von Transzenden und Imanenz einander, nur wir treffen diese Unterscheidung und können Sie daher auch für einen Augenblick oder für immer NICHT mehr treffen.

    Insofern möchte ich Herrn Kaspers Bemerkung hier wiederholen „Wenn wir uns bemühen, alles stets ein wenig besser als bisher zu machen, unser Denken, Schreiben, Meiseln, Rechnen, Malen, Heilen, Lernen, Lehren usw., und behalten dabei im Bewusstsein, dass auch das augenblicklich absolut Bestmögliche nicht das endgültig und absolut Beste sein kann…“ dann ist das Ganze von dem wir reden eine gemeinsame Bewusstwerdung davon dass ein Handlungs-Ideal zu verfolgen nur in der „Imanenz“ möglich ist.

    Was jetzt meine „Radikalität“ betrifft, fühle ich mich insofern dabei „kindlich“ im Sinne von unverfroren, als ich, den Begriff des Radikalen Konstruktivismus beim Wort nehme und eine Konzeption der Instantanität entwerfe, die versucht Bewusstsein und Kognition aus geisteswissenschaftlicher Sicht zu fassen (sieh mein Buch) und diesen beiden strikt getrennten Bereichen ein Interface dafür anzubieten, wie „Geist“ und „Natur“ je und jäh auseinander hervorgehen – und das müsste ja nun wieder Ihnen gefallen. Oder ? Mit herzlichen Grüßen Sylvia Taraba

  15. Liebe Frau Taraba,
    Vielen Dank für Ihre schöne Antwort!
    Sie schreiben: „Aus meiner Sicht durchdringen die Bereiche von Transzenden und Imanenz einander, nur wir treffen diese Unterscheidung und können Sie daher auch für einen Augenblick oder für immer NICHT mehr treffen.“ Da stimme ich Ihnen prinzipiell zu, dass wir diese Unterscheidung treffen oder nicht treffen können – wenn wir wollen. Dennoch: In der Praxis kann man zwar wollen, aber in realo seinen Willen eben des öfteren aben nicht wollen… Spannender ist m.E. zu diskursiv zu reflektieren, wann, wozu diese Unterscheidung zu treffen nützlich ist und wann und wozu eben gerade nicht – zumindest in klinisch relevanter Hinsicht (siehe meinen Comment #5).
    Was die beiden Bereiche Bewusstsein und Kognition angeht, da habe ich gerade beim Schmökern in einem Merve-Büchlein, in welchem Gespräche zwischen dem Filmemacher und Schriftsteller Alexander Kluge und dem „Luhmann-Sohn“ Dirk Baecker gesammelt sind, folgende Überlegungen gelesen:
    “ Das Bewusstsein hat die Schrecksekunde und reagiert auch sofort, wobei der Schrecken ja schon die Reaktion ist. Das Denken läßt sich vielleicht von dem Erschrecktsein des Bewußtseins erschrecken, aber es tut dies dann auf eine Art und Weise, die den Schrecken relativiert und Kontexte mobilisiert. …
    Das Denken ist immer auch in Gefahr. Das Denken hat gegenüber dem Bewußtsein den Vorteil, dass es einige, vielleicht sogar viele Gefahren schon überlebt hat und von daher Sicherheit im Umgang mit Unsicherheit, mit Gefahren oder mit Risiken hat. Das könnte der lustvolle Moment am Denken sein.“
    Herzliche Grüße
    Matthias Ochs

  16. Sehr geehrter Herr Simon,
    jenseits des Makels… wird es auf einmal ganz leicht. Vielen Dank für diese so einfache wie umfassende Anregung bezügich des Provisoriums. Wie sehr bewundere ich immer diese Menschen, die die ganze Welt schlüssig und umfassend in ein paar Stunden und Sätzen erklärt haben. Bei mir bleibt da immer noch ein „Aber..“, ein „und daneben…“ oder ein „und gleichzeitig“. Ich kann die Welt so nicht begreifen und nicht so erklären.
    Meine Ansichten (obwohl ich oft stur wie ein Esel erlebt werde) sind immer im Fluß, ich bin immer darin zu erschüttern (weil ich immer offen bin für andere Sichtweisen). Das kann sich schon einmal auswachsen zum echten Gefühl charakterlicher oder psychischer oder psychiatrischer Unzulänglichkeit. Variationen des Makels.
    Danke dafür, diesen Variationen etwas entgegengestellt zu haben.
    Die Vielzahl der Kommentare läßt erraten, daß man darüber lange streiten kann. Und das wird in diesem Fall kaum zu einem Ergebnis führen. Schade, Herr Liebscht, andernfalls hätte ich so gerne einmal etwas zu Ihnen geschreiben, ….
    Vielen Dank, Herr Simon und herzliche Grüße
    Ihr
    Robert Wagner

  17. Vor ein paar Tagen wieder erklärte mir die resolute Busenfreundin meiner – abgesehen von mir gegenüber – sonst nicht so resoluten Freundin, daß ich garantiert deshalb immer wieder solche Probleme hätte, weil ich – um es nicht unnötig kompliziert zu machen – ein Blödmann sei. Da ich die Selbstgewißheit dieser Dame nie erreichen und notgedrungen neidvoll anerkennen muß, sagte ich mir angesichts ihrer bizarren Augenbewegungen, daß ich einfach besser verstehen müßte, wie sie ihre Hemisphärenvernetzung organisiert – weil mich die Klarheit mancher Leute vermut ich ähnlich fasziniert, wie Herrn Simon, wenn er bis ans Ende seiner Tage darüber meditieren kann, wieso man Frotteetücher, die man doch eigentlich nicht zu bügeln braucht, genausogut bügeln kann wie mancher sein Motorad wartet.
    Das Dumme am Intellekt scheint zu sein, daß sein Streben daraufhin ausgerichtet zu sein scheint, ungestraft dumm sein zu können. Kurioserweise oder einfach aufgrund Macht der Gewohnheit gelingt das letztlich höchst unvollkommen.

    Mag schon sein, daß ich mir rekonstruieren (heißt evtl. soviel wie früher „deuten“) kann, daß die resolute Freundin aufgrund beneidenswerter Lerngeschichte („Verdammt sind da jene, welche gezwungen sind, ein interessantes Dasein zu führen- Altes Chinesisches Sprichwort) über eine sehr übersichtliche Landkarte verfügt, mit der sie die Pirouetten, die zu drehen, ich mich gezwungen sehe, nicht bzw. bestensfalls als blödsinnig begreifen kann und dabei ungestraft übersehen kann, daß dies sowohl mit ihrem evtl. kargen Modell zu tun haben könnte, welches Differenzierungen nur halb bzw. unklar abbilden kann, als auch mit meiner Vergeisterung im Tranceraum mental repräsentierter Beziehungszusammenhänge zu tun haben könnte.

    Mir geht es aber wie Herrn Simon, der sich durch diesen blödseligen Streifen derart bannen ließ, daß er die ordinäre Hausarbeit dieser womöglich ziemlich beschränkten Schachteln mit Zen, Tich Nat Han & Co übereinanderlegte. Ich selbst bin immer mal wieder sprachlos und fasziniert auch und gerade angesichts der widersinnigsten Geistesäußerungen. Das ergibt sich womöglich einfach aus der berufsbedingten Verblödung bspw. dadurch, man als Therapeut mental immer wieder am Gucken is, „Ja wo isses denn, das wahlmöglichkeitenerweiterende Reframing ?“ – und hoppla plötzlich is keins zu finden. Genau an dem Punkt setzt sie vermutlich auch gerade bei Herrn Simon glatt aus, die auf Sinn machen ! getrimmte Hemisphärenkooperation. Millionen menschen dieser welt haben dostojewski gelesen und sich nichtsdestotrotz gegenseitig die Eingeweide zerschießen mögen. Je mehr man etwas so oder so sehen kann desto empfänglicher ist man für möglichst Einfachheit versprechende hypnotische Induktionen – hypnotherapeutische Strategien der Aufmerksamkeitsfokussierung bzw. Konfusionierung suchen dies auf hoffentlich konstruktive Weise zu utilisieren. Was nicht heißt, daß ich der mich immer mal wieder sprachlos machenden dummdreisten Busenfreundin nicht noch viele Frotteetücher zum Bügeln wünschen würde.

    Was die künstlerischen Büglerinnen (J.Beuys: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“) angeht, neige ich zu jenem vorläufigen Schluß, daß in gewisser Weise sowieso bestenfalls ein anderer des Einen Anregung zum Zen sein kann.
    So such ich mir mal wohl mal widerwilig die Welt zu erklären und hab wohl, solange ich es mir irgend leisten kann, trotzdem auch absehbar selten genug das Zeug dazu, eine Entscheidung, Beurteilung innert sieben Atemzügen zu fällen – Vielleicht beliebte dem Herr de Shazer deshalb, solche langen Pausen zu machen, weil sich auf diese Weise differenzierte Abbildung und pragmatisch einfache Konstruktion am besten verbinden ließen?

    Möcht allen, die jenseits des Makels Leichtigkeit genießen mögen, geeignete Kontexte dafür wünschen!

    PS: Als Anregung für Carl Auers Bücherwunschliste: Es scheint noch kein Buch über das Phänomen der Sturheit geschrieben worden zu sein!

  18. Manchaml vergeß ich glatt das Richtige zu vergessen;
    Hier das Falsche:

    Wer verwirrt wird
    wirkt verwirrt
    daß er für verwirrt
    gehalten wird.

    (Zum Geleit im Falle zuviel Leichtigkeit)

  19. außer
    laaaaaangsaaaaaamer büüüüüügeeeeeeln
    mein ich

    Bloß, weil man sich auf möglichst tiefenstruktureller Ebene womöglich gerne mal wieder bissel unordentlicher sein lassen möcht, muß man ja nicht gleich knitterig werden

  20. Vorschlag: Einfach weiter so! Oder aber: Sich bügeln lassen! Oder auch: Beides! (Wobei ich nicht weiss, welche der 17 Formen des Beides ich meine… FBS

  21. Dann schauen Sie doch einfach mal in einem Ihrer Bücher nach.
    Sonsten ist mir das eine nich bloß manierliche sondern sehr schöne Antwort, womit sich als Landei prompt ein Stück weiterkommen läßt…
    … wodurch sich möglicherweise auch Fragmentierungen ansatzweise auflösen lassen (ähnlich wie Nierensteine über Ultraschalloszillationen).

  22. Sehr geehrter Herr Simon, sehr geehrter Herr Liebscht,
    jetzt gehts aber rund. Aber so richtig und auf allen Ebenen und in einem Maße kryptisch, daß man sich glatt ausklinken möchte, bescheiden und beschämt, weil man gar nichts mehr versteht und….
    Rasanter können nicht die neunundachzigste und neunzigste Minute inclusive der Nachspielzeit eines Champions-league Spieles sein.
    Wollte ich noch was sagen oder will ich nicht mehr (ich versuche noch das Spiel zu entschlüsseln: geht es wirklich darum was zu sagen und ich verstehe es nicht also sage ich es nicht, oder geht es gar nicht darum etwas zu sagen und deshalb kann ich nichts verstehen und sage dann gerade recht erst was??? Wer sprach da von Nebelbomben??)
    Eines zur Richtigstellung, Herr Liebscht, falls da irgendein Bezug zu meinem Kommentar war: ich denke in Richtung Komplexität, Heisenbergsche Unschärfetheorie etc., Sie schreiben von Verführbarkeit… Das sind doch zwei (mindestens) und recht verschiedene Dinge (in meiner Auffassung). Jenseitw Ihrer wirklich verschlungen komplexen Sprache wird es da doch zu simpel.
    Eines zum Fragen: ich lese hier oft und interessiert, habe erfolglos versucht Sie, Herr Liebscht, zu gogglen, weil ich Majestätsbeleidugung vermieden will. Wollte ich dies nicht unbedingt vermeiden so schriebe ich schon mal gerne: halten Sie es mit dem Verleger Tucholoskys:“ ach das wollten Sie schreiben?? Dann schreiben Sie es auch!“ .
    Oder ist der viele Nebel das Mittel, ein helleres Licht zu fordern???
    Aber wahrscheinlich (schon wieder mein Kreuz mit dem Makel) liegt es doch nur an mir.
    Herzlich (?), nun ja, grüßend
    R. Wagner

  23. Hab jetzt doch mal bissel nachgestöbert.
    Mitgliedschaft in streitbarem Luhmann – Lesezirkel für soviel Pinke wie mein Aldi – Jahres – Budget. Da staunt die Oma.
    Das ist hier wohl schlicht nicht das Forum, in dessen Rahmen Sie sich gern provozieren lassen.
    Pardon & Bon Voyage!

  24. Komplexität? Schon recht! Schwer is ja leicht was
    sexy – wenn es schön einfach nicht zu machen is.
    Wollte eefach bissel was studieren,
    wovon ich keene Ahnung habe
    – leider
    und selbst davon freilich
    nichts geschrieben zu liegen habe, peinliches oder Fromms
    Zum Wohl
    Allen günstiger Positionierten

    Das Klicken dekorierter Relais rauskitzeln
    halbwegs in Echtzeit Prozessmuster herauszuhören
    weil „es“ sich so besser lernt
    paar Kombis covern, auch mal bissel mitboxen, also paar Kombis reinhauen
    von wegen Abbildungs- bzw. Verrechnungsmöglichkeiten komplexer (und das geht wenigstens bei mir schon beizeiten bzw. 3 los) Interrelationen
    jedenfalls liegen meiner Behörde in der Tat mehr Fragen statt peinliche Tatbestände vor bezüglich diesem meinem jungen Hobby
    Früher haben hier viele – nicht nur andere 🙂 – schicke Bierdosen gesammelt
    also gut: komplexitätsadäquate Gruppensimulationsverfahren, coole Kybernetika – verbal partout unbeschreiblich? Darüber fleischwarm was zu erfahren, war hier so mein Erkenntnisinteresse
    Merk nu prompt, wat mei Vadda selich mir immer predichte: „So eefach isses eefach nich, wie Du Dir das gärnne dängst“

    Ich mein: wer nich weiß woer is
    weiß nich wasser soll
    was man vielleicht einfach wissen sollte, bevor man anfängt
    künstlich Frotteetücher zu bügeln,
    bloß weil hier womöglich jemand,
    der nich genug zu tun hat oder zu oft das Verkehrte, guckt

    das hier jedenfalls scheint wohl eher relativ Blaskapelle gemeint
    da spielt man auf eher auf Zeit als mit Engagement
    guggeln Sie nur ruhig noch äh bissel wat oder witt es so gibt uff de Wält
    da scheint es ´ne Art Freimaurerclubs zu geben
    verdammt exclusiv
    wo man sich brabbelnd vermut ich, weiter aus dem Fenster lehnt
    wie sexy un oder ordentlich so was is …

    … als die Oma sich das eben von außen angesehen hat
    was da! los zu sein scheint statt hier
    war se vielleicht erst mal geplättet
    is aber nu ganz ernüchtert und entspannt zwischen Sein und Werden oder was & legt das Bügeleisen gaaanz laaangsaam aber ordentlich uff de Seite
    wiewohl kaum eener gucken dürfte:
    mit Schubkarren kommt man da eefach nich rein
    wennich grad genuch Schotter drin is
    soll nich sein
    & muß aber och nich

    „Verführbarkeit“ beliebte dem aktuell zu ordentlichen Herr Simon als erstes in den Mund zu nehmen
    sofern ich diesen ana – chronistischen Schied richtig erinnere

    Heisenberg Unschärfe
    Keine Ahnung
    muß man wohl inzwischen
    aber nicht unbedingt denken nennen
    kann man freilich
    solang die Relation nicht vergisst, an Sie zu glauben
    wünschenswerterweise

    warum nich herzlich Ihro Durchlaucht?
    warum nich mehr oder weniger ähnlich
    vorsichtig
    freundlich weit auseinanderliegende Tastaturen betasten

    manchmal lohnt es sich ein bißchen, manchmal lohnt es sich nicht so sehr … u.s.w.
    wie es weiter geht, werdich zwischen drinnen und draußen wohl
    am besten doch einfach selber sehen
    beziehungsweise was Geh halt angeht, schließen: verkehrte Party –> open spacigere Bühne
    soll es geben!

  25. aber vielleicht is „dort“ Hintern
    Zaun mehr martialische denn künstlerische
    Verantwortlichkeit beisammen
    denn just allhier

    mit der Art Segen unbekleidet gesichteter Päpste:

    Max Liebscht

  26. Ach jeh. Ach je.
    Hab schon mit mehr weniger bewirkt.
    Ach jeh.
    Ich wußte es war falsch, was von google zu schreiben.
    Und die Majestät sollten Sie sein, nicht ich.
    Aber eines habe ich richtig verstanden: ich verstehe nicht.
    Andererseits: ich habe schon mit noch weniger noch mehr bewirkt (falls ich denn was bewirkt habe, weil ich das gar nicht weiß, weil Sie sich gar nicht beziehen.)
    Und ich weiß: tut mir leid, hätte mehr meta- statt nur kommunizieren sollen´. Aber ich wollte nicht unfreundlich sein, sonst hätte es viel direkter und einfacher gelautet (hoffentlich gibt es keine Blog-Ettikette, die ich gerade verletze): „schwätz klartexscht odder hall die babbel, du nervscht.“ Nun, es wird so oder so falsch sein.
    Andererseits: auch l´art pour l´art gefiel mir
    Andererseits. Andererseits.
    Wußte nicht, daß so empfindlich.
    Hab´s mir überlegt.
    Herzliche Grüße (tatsächlich)
    Ihr
    Robert Wagner

  27. Möchte mich entschuldigen Herr Wagner, war schlampig mit Ihrem Text, weil ich wohl grad was angegnatzt bin seit ich das da mit diesem „fortlaufenden“ Luhmannclub angeguggt habe
    Hatte da was übersehen bei Ihnen,
    Auch wenn ich nicht zuerst von „Verführung“ geschrieben habe, fällt mir irgendwoher ein
    Woran anzuschließen ich zu Annäherungszwecken aussichtsreich finde:
    Vielleicht erinnern Sie sich: Sogenanntes freies Assozzieren bei den anal. Psychofritzen
    Da isses doch nach ´ner Weile ziemlich Essig von wegen „frei“ (man muß da nur ´ne Weise am Ball einer Frage bleiben, bevor man sich einen neuen aufschwatzen lässt und den dann lange genug mit spielt)
    „Frei“ ha ha also. Demgegenüber bspw. „Chaos“ – als ob es das gäbe!
    So oder so, ohnmächtig viel Wille zum Sinn, bzw.
    „Wie sinnlos zu wissen, wenn wir nicht zweifeln können“ (Wittgenstein)
    Aber okay, schauen wir mal weiter, kommt vielleicht auch viel auf die Optik an,
    welche Strukturebene wir rekonstruieren wir von welcher aus zu rekonstruieren suchen und finden
    wiewohl Simons Bauprinzipien sich einigermaßen als die gleichen auf Makro Meso Mikro der Ebene bzw. Repräsentation (daazu hab ich mir was ausgedacht, was ich gern ordentlich veröffentlichen würde, nicht zu kunstvoller Vagheit sexologischen Oszillationen) ausnehmen :
    die Qualität der Selbstorganisation bzw. Fremdverstörungsmöglichkeiten is von Ebene zu Ebene sicherlich in relevanter Weise unterschiedlich
    und das is wichtig, Emergenz heißt das wohl
    Woran ich mich Freud aber noch mächtig wenig Übersicht denke, was ich aber im Zusammenhang mit dem was Sie …. nee anders
    Ich führ das vielleicht erst mal mit Ihrem Postulat weiter:
    „Ich kann die Welt so nicht begreifen und nicht so erklären.“
    Ich könnte neidisch werden, wenn es stimmte, was Sie schreiben. Weil wenigstens ich muß andauernd, was Sie nicht können, wie Sie schreiben, also so nicht begreifen und so nicht erklären. Daher bzw. dahin: Was könnte ich oder wer?
    Ob ich in bzw. außer 1 Beziehungszusammenhang laienhaft von Oszillation fasel, Frau Taraba (hab ihre Logologik leider immer noch nicht lesen können) sexy philosophiert – da scheint es wohl um Formen zu gehen. Mit den Strukturen is nu zu experimentieren, wie weit man damit kommt zwischen sens und nonsens.
    Und zwischen dem, was wie Sie schreiben, mindestens zwei verschiedene Dinge sind, scheint es aber verblüffende Annäherungsmöglichkeiten zu geben. Im Bereich Hypnotherapie/NLP gibt es das Milton – Modell oder diesen polykontexturalen (?) oder syllogistischen (??) Diamond und ähnliches, womit ich hier in Kleinposemuckel wohl unersetzlich selber beschäftigen muß. Wenn nun bspw. I. Sparrer & M. Varga von Kibéd mit Lösungsgeometrischem Interview experimentieren, lassen sich solche Annäherungen oder ja … vielleicht eher Neckarwürfel- mäßigen Klappeffekte erleben, wenn Leute in der strukturellen Abbildung eines Beziehungssystems sitzen und sich atemberaubend genau einfallen lassen, was die orginalen Mitglieder des Systems an ihrer Stellen SAGEN, denken, wahrnehmen könnten. Das ist jetzt mal ein so ein Beispiel, das mir da jetzt einfällt, auf der Position im Feld möglicher Positionen dazu , zu der ich stolpernderweis halt jetzt gelangt bin und gucke und eher weniger als mehr kalkuliert erzähle und weitergucke und mir weiter einfallen lasse, was von den Leuten in der Isolationshaft berichtet wird, oder im Samadi- Tank erlebt bzw. vergessen werden können soll. Individuelles und kollektives Unbewusstes hinsichtlich Ko – Evolution wie hinsichtlich Bewusstseins – grundlegender Aufrechterhaltung als aufeinander verwiesen. Womöglich Kontingenzen, welche die Prozessorientierten Psychologen bei Ihrer Großgruppenarbeit nutzen. Gruppenleiterfokus zur Abwechslung auch mal auf Grund statt Figuren kollektiver Aufmerksamkeitsbündel – oder Feldkonturierung? Licht! „Wenn man vor dreißig Leuten steht, verliert man einfach das Bewusstsein“ fällt mir der Satz eines meiner Trainer ein, dass es wohl auf die Position sehr ankommt, aus der man tanzt. Noch keine Ahnung. Wenn die Freaks, die wir zu kennen glauben, uns jedenfalls für länger nicht mehr mit Ihrem Identitätsvergewisserungen umgeben – ja wie es dann erstaunlich dünne wird, von wegen der Dichte eigener unbewusster Bestände, deren Zusammenhalt auf die gewohnten Nervereien verblüffend stark angewiesen scheint – was freilich nicht heißen soll, dass jemandem was fehlen müsste, wenn ich nicht gewohnter Dichte täglich bzw. mehr oder weniger Säglichem herumstroboskopiere
    Schauen Sie sich das mit dem Flippen zwischen verbaler Sprache und Beziehungsstrukturaufstellung bzw. Aufstellungselementen in verbaler Sprache jedenfalls ruhig mal an, wenn es Sie interessiert. DAS is interessant. Vielleicht trifft man einander später mal wieder, im Moment bin ich etwas vergnatzt, weil auf meine häuslichen Werte verwiesen worden und daher eher selbst fortlaufend.

    m

  28. Sehr geehrter Herr Liebscht,
    jetzt aber. Ich hatte schon an einem Nachruf für Sie gebastelt, beginnend etwa mit Worten wie: „Er schrieb so unsagbar und atemberaubend schön, ich wußte nur nie was.“ Da tauchen Sie wieder auf. Wie schön.
    Das meiste, was Sie in mir zum Klingen brachten und worauf ich reagierte war ich selbst. Ein Teil meines Selbst, ein Stück Vergangenheits meines Selbst klang da, durch Ihre Worte in Schwingung versetzt, vernehmbar auf.
    Ein anderes Bild zweier vergangener Freunde gewann Ton und Farbe: Sie schreiben mit der Stimme von Andreas Heinrich Schmitt die Worte von Hans Peter Frühauf.
    Schwamm drüber.
    Was mir gefällt: Skepsis. Aber vielleicht nicht da, wo sie sich gegen meine Grundfesten richtet. Ein bissel was braucht doch jeder zum Festhalten. Auch wenn alles relativ ist. Andererseits.
    Was mit noch gefällt: Witz, Ironie, auch Bissigkeit (wenn man sie an der Leine hat wie einen gefährlichen aber gut erzogenen Hund. Immer schade, wenn man selbst der Dackel an der Leine seiner Bissigkeit ist).
    Subtil sein (wie heißt das Nomen dazu?): wenn dahinter etwas durchschimmert. Bei Ihnen schimmerte nichts durch, was ich entziffern konnte, und bei aller Neigung zum Makel werte ich doch lieber andere ab als mich selbst. (Obwohl ich weiß, daß beides nur zusammen geht) (Weshalb ich die, die mich am heftigsten abwerten, am meisten bedaure).
    Aber (was ich eigentlich -auch noch- sagen wollte:) Das ist schon toll mit den Struktur- oder mit den Aufstellungen an sich. Neben aller Theorie und allen Schamanentums rein praktisch, pragmatisch, ergebnisorientiert. Letzte Woche erst wieder, auffe Arbeit schön aufstellen lassen als diagnostisches Instrument des Fallverstehens: und siehe da…. Alle folgenden Erklärungsversuche waren schlimm und abschreckend. Allein das Ergebnis… Alle Achtung.
    Nun denn..zurück zum Broterwerb und Ihnen dankend
    Ober bin ich Ihnen jetzt auf dem Leim gegangen und Sie sind noch viel schlimmer und hintergründiger als ich dachte.
    Nun, nicht schlimm, um es mit Herrn Schmidt zu halten (diesmal der Gunther): nicht als Opfer sondern als Akteur einer freien Entscheidung tat ich es (das Reinlaufen in die Falle, wenn denn da eine war). Das macht im Ergebnis (Zuschnappen) keinen Unterschied, ist bezüglich einer möglichen Traumatisierung allerdings relevant.
    Jetzt würd ich Sie ja schon fast gerne in der Arm nehmen so herzlich grüß´ ich Sie.
    Robert Wagner

  29. Sehr geehrter Herr Simon,
    Sie Schelm. Was haben Sie angerichtet mit einem so unscheinbar daherkommenden Gedanken zum Provisorium. Da gibt Ihnen doch schon die Resonanz recht. Oder.
    Herzlich
    Ihr
    Robert Wagner

  30. Sehr geehrter Herr Wagner,

    ist das Ergebnis nicht nahezu perfekt (wenn auch nicht beabsichtigt, geplant, geahnt)? Es wäre wohl perfekt gewesen wenn der Kontakt/die Kommunikation abgebrochen wäre… Nur gut, dass die Funkstille nur provisorisch war.

    Beste Grüsse, FBS

  31. Klartext für Schwaben und stille Funker

    Wenn es um Perfektion geht, ist gewöhnlich die Telekom zuständig.
    Besonders, wenn die Rechnungen nicht bezahlt sind.

    Hier auf dem Lande finden dauernd irgendwelche Poetry – Slams, Dichter – Wettbellwerbe statt. Ich find es irgendwie unfair, die Kulturbourgeoisie da zu verstören. Gibt schon genug Leute, die nur noch Comics verstehen. Aber die Annäherungsmöglichkeiten zwischen Hypno – Talk und Poetischem Denken bzw. Schreiben innerhalb der systemischen Gemeinde ein bißchen systematischer auszutesten, erscheint mir schon legitim. Mir unklar, wieso Herr Trenkle da nicht genau. Vielleicht hat er auch keine Kapazitäten frei. Möchte da nicht jemand mal in Vorleistung gehen? Erscheint mir aussichtsreich und womöglich witzig. Und nüscht von wegen poor Art pour l´art

    Diese 17 Formen von „Beides“ müßten sich als Bastelanleitung womöglich sogar „Basistheorie“ zur Kreation von hypnotischen Sprachmustern & Provokation „freierer“ Assoziationen doch prima nutzen lassen?

    Sonsten schimmerte mir so was wie
    daß sich interessante Bewußtseinszustände ergeben müßten,
    wenn die Figur – Grund – Oszillation zwischen kollektivem Unbewußtem wie Martin Buber es womöglich meinte und individuellem Unbewußten ausgesetzt wäre. Womöglich ´n alter Schlappen für die systemischen Veterinäere, nich weiter aufregend, für Konfliktmoderation aber schon mal praktisch nutzbar.

    Außerdem gibt es mir zu denken, wenn da oben irgendwo so tückisch schlicht von denselben Bauprinzipien gesprochen wird. Hatte aber offenbar auch keiner mehr Bock drauf, an der Nane weiter zu katschen.

    Lieber Herr Wagner,
    angebellt hatte ich weniger Ihre gewogene Irritation
    als dieses exclusive Alternativforum &
    so gern ich mich als armer haltloser Mann über freundliche Umarmungen freue:

    Alles is relativ
    einschließlich dieses Satzes.
    Als Kurzform für eine konstruktivistische oder skeptizistische Ethik
    möchte ich Ihnen diesen Satz mal eben empfehlen.

    Sonsten an das Moment der Freiheit erinnern, daß innert der Grenzen des hier Möglichen … intensiv geschwiegen oder extensiv geschwätzt werden kann. Wie frei hier assoziiert werden kann, um bspw. das Lob des Provisorischen gestalttechnisch perfekt zu ergänzen …

    Wenn in der Vergangenheit irgendwas interessant gewesen sein sollte, freut es mich, Sie daran erinnert zu haben. Vermutlich hätte ich eindeutiger formulieren sollen, für welche (provisorischen) Konstruktionen ich mir gelegentliche Tatbeihilfe wünschte innerhalb dieses preisgünstigen Reflexionszirkels.

    Bei der Aufstellungsarbeit handelt es sich jedenfalls nicht bloß um ein diagnostisches Instrument des Fallverstehens, vielmehr um nichts weniger als eine faszinierende, uns als Einzelne inkludierende und überschreitende Sprache, die uns offenbar ein radikal systemischeres Selbst- und Weltverständnis zumutet, als womöglich sogar hier in diesem Forum usus zu sein scheint. Aber bevor es wieder heißt, ich würde mit Nebel werfen statt tischtennismäßig Ideen anzuspielen …

    MfG
    wennschon ungezogen
    womöglich ein andrer blöder Hund
    als Ihr Dackel
    (Schade, daß man von Diogenes & den Kynikern so wenig weiß)

  32. Sehr geehrter Herr Liebscht,
    wie froh ich bin, daß Sie genauso schreiben wie Sie schreiben. Anders gefiele mir nicht und klarer hätte wohl jeden Kommentar vereitelt. Das ist schon richtig so wenn auch manchmal nervig. Aber zumindest in diesem Medium ist nervig nicht schlimm, ich kann ja aufhören zu lesen oder zu kommentieren. Und Sie können tun und alssen was Sie wollen. Nur nicht so schnellm verschrecken lassen.
    OK. Dackel war nicht fein. Das sollte auch nur abwerten. Kenne mich richtig nur mit Settern aus, aber ein Setter war es nicht. Würde Gunther Schmidt meine Imagination anregen und ich ein Bild des entsprechenden Hundes entstehen lassen das dieses: noch nicht ganz aus den Flegeljahren raus (auch Hunde pubertieren), aber von der Grundrasse wesens- und charakterstark, eigen, stolz…, kein ausgesprochenes Rudeltier . Es stünde außer Sichtweite aber ich kann ihn riechen, das macht ihn gefährlicher, die Zähne sind messerscharf, aber noch spielt er nur damit….
    Sie sehen, den Dackel muß ich dringend zurücknehmen. Aber als Hund hat man es auch nicht mehr so leicht.
    Und (wie wirklich amüsant): ich bin doch hier der, der gerne mit den Großen pinkelt (und die weigern sich dann noch, als groß engesehen zu werden, siehe Herr Simon) und gerne per Internetrecherche klärt, mit wem er sich anlegt bevor er sich anlegt (weil er sich der von Ihnen erwähnten exclusiven Gesellschaft nicht zugehörig fühlt oder nur zögernd an die Türe klopft.).
    Und natürlich haben Sie mit allem Recht.
    Wer ist die exclusive Gesellschaft. Oder tagt die gerade mit Kafkas Wächtern vor der Türe?
    Auf jeden Fall geben wir beide ja schon mal ein nettes Kaffekränzchen des lockeren Austausches.
    Vielen Dank und Wünsche nach Belieben
    Ihr
    Robert Wagner

  33. Hunde pubertieren? Ich geh fest! Stell mir das aber d-rollig vor. Aber klar, warum nicht.
    Klar, daß ich so was wieder nich weiß und selber draufkommen müßte wenn bspw. Sie es mir nich sagten. Hier gibt es eine Krenzelgasse mit einem Café Krenzel.
    Das Beste wird sein, ich imaginiere mich mal in dieses Ding da rein,
    währenddem ich mich hier zur Abwechslung mal weng verbreite.
    Das Teil is dermaßen steilüsch, daß man glatt vergessen könnte, daß man dermaßen weit im Osten ist, daß es weiter kaum geht (30 Meter bis zur Altstdtbrücke nach Polen, an deren Fuß ich als ALG 2 Einstiegsgeld gestützter frischgebackener Psychofritze Stück für Stück meinen eigenen Laden notwehrmäßig hochzuziehen suche, weil schon 2 Bewerbungen ergeben haben, daß mich viele nette Leute gerne zu Besuchszwecken mögen und engagieren würden, es bei der Vorstellung, mich als Teamarbeiter dabei zu haben, aber mit der Angst zu tun kriegen. Sicherlich auch Mentalität dieser Gegend, hab wenn man alleene hier zwee Gören samt sturem Frauenzimmer rumzuloffen hat …
    Neulich war ich in dem erwähnten Kontext mit ein paar von diesen Crash – Kids, die keiner brauchen kann. So was nennt man wohl interkulturelle Verständigung. Irgendwie war da was anders als sonst in der von Glatzen verfurzten Dönerbude. Und so ein feiner Kuchen aber auch!
    Importierte Wessiprofs, verlaufene Touris, die sich im durchaus stilvollen Ambiente über den ostigen Osten wunderten, ihre abenteuerliche Kaffeekomposition reinlöffeln, mittendrinen die Jungs die sich wieder fast gewaltsam zusammenreißen müssen, damit er drinne drinnen bleibt der Rülps und die Hand uffm Dische statt an der Nase.
    Kontext klar?
    Fallarbeit mit Aufstellungsarbeit bringt es also. So so schreiben Sie. Stellen Sie da schon selber was auf? Wie stellen Sie das an?
    Das ist, was mich derzeit besonders interessiert. Überschreitung der Möglichkeiten verbaler Textproduktion mitsamt Simons aristotelischen Versuchungen.
    Nehme an, daß diese leidlich reflektierte Entwicklungsphase interessant is, was die Lehrbarkeit des Ganzen angeht.
    Herr Simon hat schon darüber geschrieben und veröffentlichen lassen, denkt vermutlich auch ´ne Menge darüber nach, wo auch immer es ihm belieben mag, sich diesbezüglich auch mal weiter aus dem Fenster zu lehnen.
    Ulsamer schreibt nebenan darüber. Und scheint eher über die Inhalte mit dem Phänomen repräsentierender Wahrnehmung in ihren verschiedenen Formen verbunden zu sein. Nix von wegen sozialer Konstruktivismus und ander abstraktem Zeug. Ein eher anschaulicher, wie es heißt, „phänomenologischer“ Zugang mit Vorteilen, Nachteilen der da gepflegt wird. Man muß womöglich nicht so viel erklären und erklärt den Leuten dafür mitunter etwas, was man womöglich besser offen lassen könnte.
    Wäre man also wieder bei den hypnotheraeutischen Aspekten verbaler Sprache, aristotelischen Denkzeugs. Eher konstruktivistische Rahmensetzungen (Bert Ulsamer als NLP – ler)versus phänomenologische Rahmensetzungen (Bert Ulsamer nach Bert Hellinger). Bert Ulsamer womöglich als eine leibhaftige Erscheinungform von „beides“, welche die postulierte Dichotomie, den bisherigen Rahmen womöglich ein Stück aufhebt. Wo könnte man da selbst stehen als bluiger Anfänger in diesem Feld? Als ein sogenanntes „freies Element“ ganz dem eigenen Gusto hingegeben hin und her im hier und jetzt herumflitzen, vorzüglich pragmatisch, bedarfsgerecht oszillieren?
    Bevor es aber weiter geht mit dem, was für dieses Forum hier womöglich gar nicht so unpassend wäre, geht muß ich aber erst mal in den Aikidoclub, sonst stellt mir womöglich der verflixt fitte Geist von Frau Taraba ein Bein zuviel.
    Ich selber bin ja zu vergeistert für so was, aber für die Rotzblagen …
    kostet das hoffentlich nicht zu viel Geld. Mmh. Wie war das:
    50 € Jahresbeitrag für den Aikidoklub und 1500 oder was für den Luhmannzirkel.
    Sonsten genieße ich den Luxus, jetzt nachdem mich das Studium nicht mehr am Studieren stört, ab und zu mal ein paar Zeilen lesen zu dürfen. Habe vorgestern die „Zentralkarte“ von de Shazer kennengelernt als Improvisationsgrundlage und bin begeistert. Hat etwas gerade zu Ästhetisches, wie der da scheint´s rangegangen ist. Da gaggeln die meisten NLP- ler ab, mit ihren Versuchen, das was funktioniert, zu modellieren.
    Etwas ähnliches wie die Zentralkarte hab ich selbst womöglich ausgegaggelt bzw. ausgebrütet(und bin ganz stolz darauf), damit mein laienhaftes systemisches Hoppsasa nicht allein die Leute dauernd weiterbringt, sondern ich selber irgendwie auch noch eintüten kann, was ich oder ander wär da eigentlich mache, das Systemische also ein wenig systematischer gerät – bevor es dann doch wieder hinläuft, wo es will aber nicht immer soll.
    Und natürlich bin ich neugierig, ob es sich lohnt, mehr davon zu produzieren, ein Prosit ein Prosit oh Du fröhliche Witzelnschaft! soll heißen Carl – Auer wär vermutlich der passende Laden dafür, mit sowas öffentlich namentlich Rabbatz zu machen. Falls doch noch jemand reinguckt, kanner ja seine Steinchen schon zurechtlegen.
    Jetzt hier was von zur Diskussion rauszuschicken scheint aber irgendwie nich zu gehen, Abbildungen, hab ich gemerkt, werden durch die Übertragung zerpflückt, schon das Timing scheint ja hier nicht ganz hinzuhauen und Texte, die reinkopiert wurden, erscheinen mitunter in einer vorherigen Bearbeitungsvariante, wemma nich uffpaßt und noch mal kontrolliert. Wenn ich die Gebrauchsanleitung für meine womöglich blödselige Ehrfindung (um korrekt zu sein, handelt es sich eigentlich wohl eher um Ein- fälle in den Raum des aktuell Bewußtseinsfähigen, fixe, aber hinreichend fixierbare Ideen, die Einen an einer bestimmten Position im Gelände möglicher Optionen einfallen, wenn man so will, unser ehrwürdiger Herr Wolfgang von Frankfurt sprich vom „sich ergreifen lassen“, wenn man etwas nicht begreifen konnte aber wollte, die ähnlich schlauen I.Sparrer und M.Varga von Kibéd sprechen – buddhistisch inspiriert – von Denken als einer Form der Wahrnehmung.) aber fertig gebastelt habe, schmeiss ich das Gerät mal unter die Meute diverser kleiner und „groß“artiger Pinkler, sofern das dann inzwischen irgendwie geht: „Meta- Modell der Psycho – Logischen Lernebenen des Menschen“ – klingt doch schon so bescheiden – oder? Sonsten? Kafka? Ich hab so eine Postkarte mit seiner Handschrift: „Ich bleib, wie ich bin.“ Das war doch so ein neurotisierter, recht unglücklicher Mensch gewesen, glaub ich. Da fand ich (!) diesen Satz irgendwie rührend. Es gibt ja Menschen, die schreiben dermaßen schön, daß sie eigentlich nur schreiben können. Rilke war ja auch so ein Kaliber. Mein Leben find ich zwar auch ziemlich scheisse, aber solang ich noch irgendwie dieses Lächeln (untere Gesichtshälfte) hinkriege, an dem der leutselig freundlich lächelnde, aber recht eiswürfelmäßig äugende Bert Hellinger die Menschen erkennt, die verstrickt sind bzw. gern mit Ihren unglücklichen Familiengeistern im Nacken umherwandeln …
    Kenn jedenfalls nich fille von dem armen, lieben Franz. Wächter hieß man ein guter Mathelehrer von mir. Das Leben meinermuttersohn kommt mir zwar öfters unziemlich „kafkaesk“ (?) vor, aber wenn jemand vor der Tür steht, hoff ich, daß es nicht wegen der Miete oder ach wie viel ärgerlicher Rechnungen oder familiärem Wahnsinn is. Wer sich mit so Gekläff allzuviel solcher kleinen, aber bisssigen Schnappfallen- und Fußhupenköter dauernd aufhalten und besorgen muß, der gerät soziologisch natürlich bissel ins Grübeln, angesichts diesem phantastischen Luhmannlesezirkel für phantastische Mitgliedsbeiträge.
    Womöglich sollte ich also mal einen anderen Rahmen anlegen. Diverse Vor- oder Rückschläge für schockgefrostetes Vorstellungsvermögen begrenzt durch ländliche Idylle? Wobei Heidelberg ja eigentlich auch bloß so ein Dorf sein soll gegenüber 60 000 Görlitzer „Dummen, Armen und Alten Hiergebliebenen“, wie es ein – wohl auch wegen diesem Spruch doch nicht als Bürgermeister gewählter – westimportierter Politfunktionär hienieden eigentlich auch bloß mal so gesacht hat.
    Also ballso Ihro Durchleucht, lassen Sie – Onkel Seiwert selbstverfreilich eingedenk – im Rahmen des Möglichen gelegentlich mal hören, was Sie so beschäftigt. Womöglich sind Sie ja auch grad noch so bissel am Lernen, hört sich fast so an, wie wenn Sie noch nicht ganz so würdig wären, wie der mutmaßliche Erfinder dieses vagabundierenden Textproduktionsunwesens. Hier guckt inzwischen eh keine S. (eele!) mehr rein, da fällt es wohl nicht weiter auf, wenn wir bissel Kaffee verschwäppern (Eigentlich vertrach ich ja gar keinen, werd immer so redseelig davon.)
    Ach so, guggeln Se mal in Simons Kleingarten, da finden Sie die Brüder schon.
    Und anlegen? Is mir wurscht so was. Hab schon genug Scherereien.
    Ein anderer mäht als Ausgleich Rasen, ich guck hier ab und an mal rein und frag meistens erst mal mich an Stelle des anderen, ob sie meinen, was sie zu sagen scheinen. Vielleicht zu zerstreut allzu strategisch zu denken, vielleicht nur noch nicht die passenden Akupressurpunkte gefunden, der trashige Zappa war letztlich ja auch geschmackvoller unterwegs als man dachte, ich denke gleich weiter und gern an die Analogie von Möglichkeiten körperlicher Immunisierung und wie es wohl wäre, wenn einem manches mal weniger berührte als es noch guttuttut.
    Den mir leider nur aus zweiter Hand bekannten Dr. Gunther Schmidt mag ich jedenfalls auch. Scheint glücklicherweise auch keinen Kaffee zu vertragen. (Wiedern juted Beispiel für wat ick imma sache: „Alle Heldentaten dieser Welt entstehen aus Verzweifelung und Schönes stets nur aus Versehen“, und da handelt es sich wohl ein besonders aussagefreudiges Exempelar für diese hehre Weisheit eines leidlich jungen Mannes). Er lieferte – von Mindell und SySt abgesehen – über die Jahre hin, den derzeit (soweit ich das von Kleinposemuckel aus überhaupt übersehen kann) integrationsmächtigsten weil konsistentesten Rahmen für Bastelarbeit mit und in Beziehungssystemen. Und ich, der gerade anfange bissel nachzudenken über das, was ich so mache oder lieber nich, bin da ächt dankbar dafür diesen Rahmen von wegen Hypnosystemischer Ansatz. Hier an meiner Schule war auch so ein Prof, dem vom Psychodrama, Levin, Mead, Holzkamp und Lorenzerischer Psychoanalyse her so ´ne Integrationsmöglichkeit wohl schwante, der dann aber statt THEORIE darin unterging, seine eigene THERAPIE nicht zu Ende zu kriegen, und infolge häufigerem Brillenwechsel was praktisch Brauchbareres wahrzunehmen, sprich ´ne Rekonstruktion dessen was funkt hin zu bekommen. Ätzend, wie man da als Studi sinnlos lauert auf was, das sich laufend andeutet aber nich kommen kann und zwecks staatlich garantierter Rundumversorgung spaßeshalber auch nie kommen muß. Auch solche Entwicklungen find ich mitsamt meinem eigenen Wahnsinn natürlich interessant, die Chance mitsamt Psychologiestudium & Anhang für Leisetreter gleich eine hübsche Therapieresistenz zu erwerben, eine womöglich wesenverändernde Randbedingung, auf welche die Studienplatzbewerber eigentlich hingewiesen gehören. Kürzer gesagt: Möglichkeiten, sich selbst zu verstören, interessieren mich la Tür nich auf auch, also was da an Gerichten Hausmacher Art im Spiel zwischen Kooperation – Non – Kooperation auf verbalsprachlicher bzw. transverbaler Abbildungsebene für einen just von sich selber aus zum anderen hin und irgendwie verwirrend anders wieder zurück möchlich is bzw. nich so sehr.

    Von dem, was der FBS vermutlich derzeit geil bzw. einträglicher findet, Selbstorganisationsentwicklung hab ich bei weitem keene Ahnung, muß da wohl soziologisch, kybernetisch spieltheoretisch, was weiß ich was, ran rein oder raus und zurück und so weiter gehen, aber auch von Parsons, Goffman, Luhmann und anderen unbekannten Variablem abgesehen, dürften Prozeßorientierte Psychologie und SySt praxistheoretisch wesentliches beizutragen haben ….
    Na ja und außerdem braucht man halt Pulver, um sich mit solchen Späßen befassen zu dürfen und sollte sei bissel restliche Lebenzeit nich für Gelalala verschenken

    Schöne Grüße nach Schwaben oder wo

  34. Gestern erst beschlossen, hier nichts mehr zu schreiben.
    hat sich zu sehr konzentriert auf uns beide – einerseits. Und dann fangen Sie mich doch wieder ein, lieber Herr Liebscht (und ich hoffe, mit dem lieb trete ich Ihnen nicht zu nahe, denn lieb zu sein versuchen Sie wenn überhaupt dann nur sehr subtil und umwegig).
    Und einerseits hatte ich auch beschlossen, Sie gar nicht zu mögen – andererseits. Was Sie ein Glück im Pech gaben, daß ich so ein dauernder emotional wie geistiger Wackelkandidat bin. Nicht mal Nicht-Leiden-Können kann ich richtig. Und in ihrem Fall habe ich es anfangs wirklich versucht.
    Manchmal mache ich den Fehler zuzuhören. Und das bewirkt dann was. Das tut mir leid.
    Was mir gefällt und meinen Horizont enorm erweitert: wenn ich Sie lese und ihnen schreibe und mir ab und an vergegenwärtige, daß es da eine Öffentlichkeit gibt, die zumindest regelmäßig nachsieht, was da am Angelhaken zappelt und ob sich das Schnappen nach dem Appetithapen lohnt – wenn es mundet kommen die blog-Kommentare mitunter recht schnell angerauscht – dann glaube ich zu verstehen, wie sich Schauspieler fühlen dürfen, wenn sie, versunken in ihr Spiel das Publikum nicht mehr spüren und Teil des Spieles werden, mit ihm verschmelzen, aufgehen darin. Interessante Erfahrung. Einige meiner Vorstellungen waren dem Publikum zugedacht. Auf einmal ertappe ich mich im Kammerspiel mit Ihnen versunken und nehme kaum mehr war, daß es medienöfentlich ist.
    So wie so, jetzt schreibe ich doch wieder.
    Und: mein Schwaben liegt im Rheinland (mit Umweg über Saarland und Mainz) Im Geschriebenen nähern sich die Dialekte einander an, (nur nicht Ihrer und die von…….) (Aber das liegt vielleicht nicht allein am Dialekt, auch nicht am Dialektischen.)
    Ich glaube ernsthaft, Herr Ulsamer könnte das schnell rauszufinden helfen. Das mit Opfer und so hat mich wirklich tief berührt (die Idee macht so stark und autonom). Das mit der therapeutischen Strenge hat mich allerdings abgeschreckt (ohne Hellinger zu kennen stellt sich nach allem bei vermuteter Hellinger-Nähe eine automatisierte Aversions-Reaktion ein. Also ein dickes Entschuldigung in Richtung Herr Ulsamer, wenn ich da ganz falsch liege.)
    Obwohl das mit der Strenge schon streng riecht. Und das Gefühl, wenn man so viel helfen wollte und dann nicht konnte und es dann in Strenge umschlägt…. Mag man es Ärger nennen oder Gegenübertragung… ?? Bei strengen Therapeuten geh ich lieber … Oder ist gerade das mein Problem? Andererseits: warum hat man denn das ganze joining gelernt, wenn dann der eigene Ärger mit dem Besen therapeutischer Strenge doch ales wieder wegwischt. Oder habe ich (schon wieder) etwas ganz falsch verstanden?
    Aber wieder wegen Opfer. Ihre Jungs aus der Pommes-bude: das klingt schön und romantisch verklärt, fast idyllisch und wenn Klaus Hoffmann ein Lied daraus macht hört es sich auch noch schön an: „Ost-rotz und Ost-trotz tropft den Gören vom Kopf durch die Nase auf Wessi-Treter….Wendeopfer…“
    Wirklich wahr? Die Jungs gibt es auch hier in der Kante, viel mit Ihnen geredet, viel gearbeitet… alles Opfer. Und wegen Opfer mal schnell anderen eine Kniescheibe gerenkt – aus, nicht ein. Das sind dann Opfer zweiter Ordnung. (Die Kybernetik der Straße).
    Klingt Ihnen alles zu stubenrein. Dann ziehen Sie es ruhig weiter durch den Schmutz und machen es gossenfein, Hauptsache Sie veröffenlichen es dann und hauptsdache es hilft.
    Oder Sie überlegen sich das alles noch einmal, Herr Liebscht. Sonst werden Sie wirklich zum Opfer. Dann werden Sie nämlich gelesen, und man diskutiert mit für gegen wider über Sie, und dann werden Sie eingeladen und reden mit und schreiben mit und dann kennt man Sie und dann verdienen Sie Geld und dann sind Sie wer und dann nehmen Sie teil an verbalen Duellier-Clubs und Debatier-Clubs und dann – sind Sie auf einmal einer von DENEN!!!! Was schreiben Sie denn dann?
    Fragt Sie dann im Spiegel auf einmal einer den Sie kennen von früher, aber nur noch vage und nicht gerne….
    Aber wie das Leben einem so mitspielt stehen Sie dann vor dem Spiegel, fühlen sich gar nicht mher als Opfer sondern soufflieren sich selbst Herrn Ulsamers Worte: Als erwachsener Mensch habe ich bewußt eine Entscheidung getroffen für einen Weg mit all seinen hellen und all seinen dunklen Seiten. Ich liebe die hellen und respektiere und achte die dunklen – und muß niemanden, auch nicht mich abwerten.
    So einfach könnte es sein.
    Bis dahin, muß wieder Geld verdienen
    Ihr ergebener
    Robert Wagner
    P.S.: Kafkas Wächter??? Der Witz ist: da war gar kein Wächter. Kein Herr Ulsamer, kein Herr Simon, keine Frau Taraba, niemand hinderte am Gehen außer…?

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