Selbstbezüglichkeit

Die Recycling-Geschichte aus der Titanic („Ich war eine Dose!“) erinnert mich an ein anderes Highlight aus derselben Zeitschrift. Es muss Mitte der 80er Jahre gewesen sein, also in einer Zeit als Haarspray noch aus FCKW gefüllten Dosen weltweit die Locken kittete. Auf der Rückseite des Blattes war eine Mauer zu sehen. Auf sie war in leuchtender Farbe gesprayt: „Rettet den Ozon-Gürtel!“

Die Fallstricke der Selbstbezüglichkeit lassen sich wohl am besten durch solche Geschichten illustrieren. Daher mein Aufruf an alle, die sich angesprochen fühlen: Schickt mir Beispiele, ich sammle sie und werde für ihre Publikation (hier und anderswo) sorgen. Auf dass unser aller Ruhm ewig währe…

Ich fange schon mal mit meinem Lieblingswitz an:

„Herr Ober, da schwimmt ein kleines Hörgerät in meiner Suppe!“

„Wie bitte?“

Auch nicht schlecht ist ein Aufkleber auf Autos, den man eine Zeit lang in den USA beobachten konnte:

„I would never display my opinion publicly!“

Ein anderer Klassiker, verwandt mit der Suppengeschichte:

„Hallo, hören Sie, Ihr Schutzblech klappert!“
„Ich kann Sie nicht verstehen, mein Schutzblech klappert!“

Eine wahre Geschichte aus einer Paartherapie, von mir mit eigenen Ohren gehört:

Sie: „Was ich wirklich überhaupt nicht vertragen kann und was mich zur Weißglut bringen kann, ist, wenn Du mir erklärst, wie alles wirklich ist…“
Er: „Aber Schatz, das siehst Du vollkommen falsch, das ist alles ganz anders…“

Und so weiter…

Also, ich sammle! Danke im voraus!

17 Gedanken zu “Selbstbezüglichkeit”

  1. Ich steure selbstverständlich gleich meinen Lebens-,Sach-,Fach-, Haupt- und Lieblings-Koan bei

    Ein Zen-Meister wurde von einem neugierigen Mönch gefragt:
    „Was ist der Weg?“
    „Er ist gerade vor deinen Augen“, sagte der Meister.
    „Warum sehe ich ihn nicht?“
    „Weil du an dich selber denkst.“
    „Und du: siehst du ihn?“
    „Solange du doppelt siehst und sagst: ‘ich sehe nicht’ und ‘Du siehst’
    und so weiter, sind deine Augen getrübt“ sagt der Meister.
    „Wenn es weder ‘ich’ noch ‘du’ gibt, kann man ihn sehen?“
    „Wenn es weder ‘ich’ noch ‘du’ gibt, wer ist derjenige, der ihn sehen will?“

  2. Ich habe eine:
    Eine schwerkranke Frau: Das nimmt kein gutes Ende mehr…lange wird es nicht mehr dauern bis…
    Die Tochter: Na ja…Du hast viel Kraft…
    Die schwerkranke Frau beginnt ihre Verlassenschaft zu ordnen. Sie spricht mit erhobener Stimme zu ihren Kindern: Aber mein Auto dürft ihr nach meinem Tod nicht verkaufen!
    Die Kinder: Aber warum nicht?
    Die Schwerkranke: Na ja, dann kann ich ja nicht mehr damit herumfahren…
    Die Kinder schweigen betreten.
    Eines der Kinder: Na ja…
    Die Schwerkranke: Jeder zweite Satz beginnt mit Na ja … kannst Du nicht endlich mit dem „Na ja“ aufhören…

  3. Lieber Herr Simon,

    was für eine prachtvolle Idee und welch inspirierende Beispiele Sie da in den Blog gestellt haben! Natürlich fangen die Gedanken sofort an zu kreisen, läuft der Versuch Funken zu schlagen. Gerade erst gestern fand ich im Internet folgenden kleinen Schulwitz:

    50-mal muss der Jochen den Satz „Ich soll meine Lehrerin nicht duzen“ zu Papier bringen. Doch als er sein Heft abliefert, hat er den Satz sogar 100-mal geschrieben. „Wieso hast du das denn doppelt so oft geschrieben?“, will die Lehrerin wissen. „Ach – weil du’s bist“, antwortet Jochen strahlend.

    Herzlichen Gruß, Horst Kasper

  4. Noch eine Geschichte:

    Kollege N. ist am Nachmittag nicht zur hausinternen Fortbildung erschienen. Dabei sollte man doch den ganzen Tag dabei sein dafür, dass an diesem Tag kein Unterricht zu erteilen war. Es ging darum in einer kleinen Arbeitsgruppe Gehirnjogging zu üben, nachdem am Vormittag in gleicher Zusammensetzung die Einführung mit ersten Übungen erfolgt war. Herr N. hat immer wieder Probleme, die Schüler auseinander zu halten. Er kennt manche Schüler gegen Ende des Schuljahres noch immer nicht beim Namen, wenn er zum Beispiel in einer Klasse ein einstündiges Fach unterrichtet. Schon öfter hat er Schüler bei der Notengebung verwechselt, was in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten führte.

    Der Schulleiter bittet ihn am nächsten Tag zum Gespräch und erkundigt sich, warum Herr S. nicht bei der Fortbildung war. Dieser erklärt: „Dieses so genannte Gehirnjogging bringt mir doch überhaupt nichts. Das hat doch mit unserer Arbeit gar nichts zu tun. Das ist für mich reine Zeitverschwendung.“

  5. Eine tatsächliche Fehlermeldung beim Starten des Computers: „Fehler: Tastatur nicht gefunden. Drücken Sie F1 um fortzufahren.“

    Eher metaphorische Selbstreferenzen: „Was haben Schmetterlinge im Bauch wenn Sie verliebt sind?“ (in dieser Art gibt es zahlreiche Listen im Internet mit Fragen wie „Warum gibt es nur eine Monopolaufsicht?“, „Woher wusste der Erfinder der Uhr, wie spät es war?“, „Was zählen Schafe, wenn sie nicht schlafen können?“, „Welche Farbe bekommt ein Schlumpf wenn man ihn würgt?“, usw.)

    „Guck mal wie der guckt, aber guck nicht hin denn der guckt gerade“

    Laut Titanic soll der Regisseur Taylor Hackford im Radio zu seinen Film „Ray“ den Kommentar abgegeben haben, er finde es schade, dass Ray Charles das fertige Werk „nicht mehr sehen konnte“.

    Eine selbsterfundene, fiktive Selbstreferenz: als Mindesthaltbarkeitsaufdruck auf einem Joghurtbecher „Mindestens haltbar bis: siehe Inhalt“.

  6. Ich vergaß zu erwähnen, dass ich diese Geschichte als Schulleiter wirklich selbst erlebt habe.

    Gruß, Kasper

  7. Mir fälllt auch noch eine Suppengeschichte ein:

    Ein Gast bestellt eine Suppe im Restaurant, der Kellner bringt sie, doch noch bevor er sie auf den Tisch stellen kann, sagt der Gast: „Die Suppe ist nicht heiß genug!“

    Der Kellner macht kehrt, kommt mit einem neuen Teller Suppe zurück, die Szene wiederholt sich, d.h. noch bevor er die Suppe auf den Tisch stellen kann, sagt der Gast: „Die Suppe ist nicht heiß genug!“

    Beim vierten Versuch, als er wieder hört, die Suppe sei nicht heiß genug, fragt der Kellner: „Sagen Sie mal, wie kommen Sie eigentlich darauf, die Suppe sei nicht heiß genug? Sie habe sie doch kein einziges Mal gekostet!“

    Antwort: „Solange Sie den Finger in der Suppe haben, kann sie nicht heiß genug sein!“

  8. „Mindestens haltbar: Siehe Inhalt!“ gefällt mir sehr gut.

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich mir die meisten Antworten auf meine Frage selbst gebe (was zur Frage passen würde) noch eine Film-Szene, die ich mal gesehen habe (leider weiss ich nicht mehr, in welchem Film – Wer Auskunft geben kann, macht sich verdient…), und angeregt durch die Ray Charles Geschichte:

    Einer der Hauptpersonen der Geschichte erklärt, sie könne sich unsichtbar machen: „Es klappt aber nur, wenn keiner zuschaut!“

  9. Meine Einfälle hierzu:

    Ich mußte an Alfred Hitchcock’s Begriff eines McGuffing denken. Zu diesem Element in Filmen, das allein dazu dient, die Handlung in Gang zu bringen, ohne selbst von inhaltlichem Interesse zu sein, erzählte Hitchcock folgende Geschichte:
    „Zwei Schotten fahren in der Eisenbahn und der eine fragt den anderen, was da im Gepäcknetz liege. ‚Oh, das ist ein MacGuffin.‘ ‚Was ist ein MacGuffin?‘ ‚Ein MacGuffin ist ein Apparat, um in den Bergen von Adirondack Löwen zu fangen.‘ ‚Aber es gibt gar keine Löwen dort.‘ ‚Nun, dann ist es eben auch kein MacGuffin.'“

    Vielleicht daran angelehnt, gibt es die zwei schottischen Zuggäste auch als Witz, in dem das Gespräch wiefolgt verläuft: „Was haben sie denn da in ihrem Koffer?“ „Das ist ein Apparat, um wilde Elefanten fernzuhalten.“ „Aber in dieser Gegend gibt es keine wilden Elefanten.“ „Na, das sehen sie mal, wie gut der wirkt.“

    Dann kam mir noch in den Sinn, daß es gerüchteweise einst in Amerika eine Verpackung zu finden gab, auf deren Unterseite man aufgedruckt hatte „Do not turn upside down“.

    Zu den letzten beiden Beiträgen fallen mir schließlich noch zwei Dinge ein. Erstens Bastian Sick’s lesenswertes Buch „Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“ und zweitens, daß der Film mit dem unsichtbaren Helden, dem keiner bei seinem Können zusehen durfte, möglicherweise um „Mystery Men“ handelt.

    Beste Grüße, Martin

  10. Neulich bat ich einen Autor um die Genehmigung, einen Vortrag von ihm in die HörBar des Carl-Auer Verlags stellen zu können. Da der Vortrag anläßlich eines Kongresses im Jahr 2000 aufgenommen wurde, meinte der Autor: Ich würde gerne noch mal einen Blick reinhören, damit ich weiß, was ich damals gesagt habe.

  11. „Warum stellst Du immer, wenn ich eine Frage stelle, eine Gegenfrage?“ – „Warum soll ich keine Gegenfrage stellen!“

  12. Bei Selbstbezüglichkeit muß ich immer an die „Unendliche Geschichte“ denken: Bastian, der ein Buch liest, in dem er selbst als buchlesender Junge vorkommt.

  13. Eine weitere Selbstbezüglichkeit aus einem Film: die Steinigungsszene in Monty Pythons „Leben des Brian“. John Cleese verliest vor dem gefesselten Miesetäter noch mal die Anschuldigungen und erwähnt, er sei verurteilt worden, da er den Namen „Jehova“ ausgesprochen habe, woraufhin ihn zunächst ein Stein, wenig später dann ein ganzer Hagel aus der versammelten Menge trifft.

  14. Mit ein wenig Verspätung „noch ein Witz“:

    Eine Wiener Obdachloser durchstöbert auf seiner täglichen Suche nach Nahrung die Wiener Mülltonnen. Dabei stößt er in einem Kübel auf einen zerbrochenen Spiegel und weicht erschrocken zurück:
    „Jössas, a Leich!“
    Er rennt zur nächsten Polizeistation und meldet: „I hob a Leich gfund’n, im dritt’n Mistkübel beim Stefansplotz, schaut’s euch des o!“
    Die Polizei fährt sofort zum besagten Mistkübel, ein Beamter öffnet die Tonne, schaut in den Spiegel, erbleicht und sagt: „Mei Gott, des is ja ona vo uns!“
    Besagter Polizist nimmt den Spiegel als Beweismaterial mit, vergisst ihn aber in seiner Uniform. Abends dann daheim durchwühlt seine Tochter die Jacke nach einer kleinen Taschengeldaufbesserung – findet den Spiegel und ruft:
    „Mama, Mama, da Papa hot a Freindin!“
    Die Mutter eilt herbei und sieht sich den Spiegel an: „A so a hässliche Sau!“

  15. In einer Berliner Stadtzeitung wurde über die jungen Kreativen in Berlin berichtet („urbane Penner“).

    Junge Kreative kommen nach Berlin, weil sie wenig Geld haben.

    In Berlin kann man auch ohne viel Geld gut leben.

    Die Wohnungen und die Ateliers sind sehr billig.

    Die billigen Wohungen brauchen sie, weil sie keinen Job haben.

    In Berlin gibt es keine Jobs.

    Deswegen sind in Berlin die Wohnungen billig.

    Weil sie keinen Job haben, haben die jungen Kreativen kein Geld.

    Weil sie kein Geld haben, kann niemand teure Wohungen bezahlen.

    Weil niemand teure Wohungen bezahlten kann, sind die Wohungen billing.

    Deswegen kommen die jungen Kreativen nach Berlin.

    In Berlin können sie leben, obwohl sie keinen Job haben.

    Wenn sie einen Job hätten, dann könnten sie sich teure Wohnungen leisten.

    Wenn das der Fall wäre, wären die Wohungen teurer und die jungen Kreativen kämen nicht nach Berlin.

    Aber dann müssten sie auch nicht nach Berlin kommen usw….

  16. Die Metapher verbindet zwei entgegengesetzte Welten mit dem Reitersprung der Bildvorstellungskraft.
    (Lorca)

    Herr Lehrer, können sie mir mal ein anderes Wort für Synonym sagen?
    (selbst erlebt)

    Im Türkischen, Objekt stehen in Satzmitte (taz)

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