Stabilität, nicht „Frieden“…

Eine der m.E. besten und der Komplexität am ehesten angemessenen Analysen der aktuellen Weltlage habe ich in einem Interview mit dem englischen Historiker Max Hastings gelesen. Ich denke, seine Ausführungen sprechen für sich und bedürfen meinerseits keiner weiteren Kommentierung:

Quelle: Trump, Brexit and Echoes of World War I – Bloomberg

6 Gedanken zu “Stabilität, nicht „Frieden“…

  1. „Frieden ist nicht das Ziel, sondern Stabilität. Wir müssen uns fragen, warum wir immer wieder Soldaten mit Verantwortung für fantastisch komplexe kulturelle und soziale Probleme belasten, die weit außerhalb ihres Fachgebiets liegen. Die Spezialität der Soldaten ist das Töten von Menschen – das ist ihre Aufgabe, und wir brauchen sie zu diesem Zweck. Aber die Vorstellung, dass von Soldaten erwartet werden kann, dass sie die Antworten auf Länder wie Afghanistan oder den Irak geben, ist immer falsch.“

    Wie sinnvoll und nachhaltig reagieren auf wild gewordene Potentaten, machtsüchtige Herrscher und fanatisierte Terroristen?

  2. Max Hastings analytische Fähigkeiten scheinen, wenn es um britische Innenpolitik
    und die Charakterisierung des politischen Gegners geht, unter Schlagseite zu leiden und zu entgleisen:
    „The ‘Paradise Papers’, 13.4 million leaked documents on the affairs of some of our richest fellow citizens, reveal the names of a startling number, headed by Her Majesty the Queen, who lodge huge sums offshore, in places where HM Revenue and Customs does not get a sniff at them.
    It deserves stress that most of this activity is perfectly legal. But at a time when Jeremy Corbyn’s neo-Stalinist Labour Party is ahead in the polls, the Government is tottering, wages are stagnant and new figures from the Office for Budget Responsibility show taxation heading towards taking its largest slice of national income since 1970 (34.4 per cent in 2019-20), it is hard to imagine a more brutal blow at the image of capitalism…“
    http://www.dailymail.co.uk/debate/article-5056623/Naked-greed-tax-avoiders-playing-Corbyn-s-hands.html
    Auch seine Analyse der Weltlage ist, auch wenn er die Bruchzonen klar herausarbeitet, in vielen Punkten fragwürdig schlagseitig. Für die Situation im Nahen und Mittleren Osten scheint mir z.B. der britische Journalist Robert Fisk der kundigere Gewährsmann zu sein.

  3. @ 2

    Stabilität lässt sich mit einer Beschleunigung des derzeitigen Systems nicht mehr lange gewährleisten, und zwar nicht wegen des zunehmenden Widerstands in den Kapitalzentren, sondern auch wegen der Machtkämpfe in der Peripherie. Ob Weltkrieg oder Weltwirtschaftskrise – es fehlt nicht viel zum nächsten Crash.

  4. Zitat dem Link @0:

    „Eines der Dinge, die ich als Historiker gelernt habe, ist, dass man niemals auf jemanden hören sollte, der das Wort „Lösung“ benutzt. Die schwierigsten Probleme der Welt sind nicht lösbar. Man kann sie (bestenfalls) managen. Wir würden uns alle viel besser verstehen, wenn wir verstehen würden, dass es nicht die geringste Möglichkeit einer „Lösung“ oder gar mehrerer Lösungen für die Probleme im Nahen Osten gibt, weil sie so fantastisch komplex sind. …………
    Wie können wir es vermeiden, die Dinge noch schlimmer zu machen?“

  5. „Es muss Kontrollen der Einwanderung geben. Es ist kaum verwunderlich, dass eine ganze Menge vollkommen anständiger Menschen sowohl in Großbritannien als auch in den Vereinigten Staaten zutiefst wütend auf die Eliten sind, weil sie die Einwanderung nicht kontrollieren…..“

  6. ie Eliten, von denen er selbst freiwillig zugegeben hat, dass sie Teil waren, es nicht geschafft haben, die Zustimmung der Wählerschaft für das zu erhalten, was vor sich geht. Und all diese Eliten in Großbritannien – zum Beispiel diejenigen, die das Europäische Projekt durchfuhren, ohne die Notwendigkeit zu berücksichtigen, die Zustimmung der Wähler zu erhalten – tragen eine beträchtliche Verantwortung dafür, dass wir in dieses Chaos geraten.

    „Solange der Wohlstand seit 1945 anwuchs, waren die westlichen Wähler bereit, den Eliten ein sehr beträchtliches Maß an Diskretion darüber zu geben, was sie taten, ob sie die Vereinten Nationen gründeten oder die Vereinigten Staaten oder Großbritannien zu Allianzen zwangen, was auch immer es sein mochte. Sie waren bereit zu akzeptieren.

    Jetzt wird der Wohlstand gedrückt, die Löhne stagnieren, und für viele Menschen wird es kaum mehr real steigen. Es wird viel schwieriger sein, die Zustimmung der westlichen Wähler zu den Zwecken aufrechtzuerhalten, die die Eliten als aufgeklärt und selbstlos betrachten…….“

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