Telekom

Heute Abend habe ich wegen einer Frage die sogenannte Hotline der Telekom angerufen. Ich wurde in eine Warteschleife geschickt. Mir wurde eine ziemlich langweilige Musik vorgespielt, immer wieder unterbrochen durch eine männliche Stimme, die mir erklärte, im Moment seien alle Mitarbeiter im Gespräch, ich möge bitte warten.

Ich habe den Hörer auf laut gestellt und neben den Herd gelegt, wo ich Spaghetti mit Pesto zubereitete. Nach dem Essen wartete ich weiter. Zwischendurch stellte ich mir vor, wie am anderen Ende der Leitung eine kleine Kapelle diese immer gleiche Melodie spielt und ein Sprecher den immer wieder selben Satz spricht…

Da diese Musik zwischendurch mal leiser wurde, flackerte bei mir die Hoffnung auf, dass sich doch noch mal jemand melden könnte. So muss es der Hauptfigur In Kafkas „Vor dem Gesetz“ gegangen sein. Wahrscheinlich ist diese Parabel auch als vorausgenommener Erfahrungsbericht von Flüchtlingen, die auf ihren Asylbescheid warten, zu verstehen.

Mir erschien ein Bild vor meinem inneren Auge, wie ich – wie Robinson Crusoe – mit langen weißen Haaren und einem noch längeren weißen Bart in vielen, vielen Jahren immer noch neben dem Telefon sitze und der mir zur Heimat gewordenen Telekom-Melodie und der Stimme, die mich auffordert zu warten, lausche…

Der Schreck über diese Phantasie veranlasste mich, schon nach läppischen 1,5 Stunden den Hörer aufzulegen. Ich hatte sowieso vergessen, was ich von der Telekom wollte.