Thomas Szasz gestorben

Einer der Leser dieses Blogs hat mir darauf hingewiesen, dass Thomas Szasz im Alter von 92 Jahren (nach einem Sturz, wie die New York Times berichtet) gestorben ist.

Da ich ihn für einen der intelligentesten, originellsten und – was durchaus ambivalent zu betrachten ist – radikalsten Denker im Bereich der Psychiatrie halte, Grund zur Trauer, aber auch Grund, um noch einmal auf sein Werk zu schauen. Da ich hier schon mehrfach über Szasz, den ich persönlich – wenn auch nicht sehr gut – kannte, geschrieben habe, drucke ich nachfolgend noch einmal meinen Beitrag vom 30. Dezember 2010 ab, in dem ich mich mit einem seiner, wie ich finde, schwächeren Bücher beschäftige. Die Lektüre war aber immerhin Anlass, eine Neuübersetzung seines bahnbrechenden und immer noch für die Psychiatrie bzw. deren Verständnis unverzichtbaren Buches „Geisteskrankheit – ein moderner Mythos“ in Auftrag zu geben.

Hier also noch einmal der Text von 2010:

„Er war einer meiner Heroes, als ich meine psychiatrisch-psychotherapeutische Karriere begann: Thomas Szasz. Sein Buch „Geisteskrankheit – Ein moderner Mythos“, das 1961 erschien, war in seiner radikalen Kritik an der Medizinalisierung abweichenden Verhaltens bahnbrechend.

Jetzt habe ich sein neuestes Buch „Psychiatry – The Science Of Lies“ (2008) mit der Frage, ob es im Auer-Verlag publiziert werden kann/soll, gelesen. Und es hat mich deprimiert. Nicht dass die Kritik, die Szasz äußert, weniger radikal oder berechtigt wäre. Ganz im Gegenteil: Die Medizinalisierung (und das heißt für mich: Verblödung) der Psychiatrie hat zugenommen. Das war vor allem das Deprimierende.

Als das Buch auf Deutsch erschien – in der Zeit um 1968ff. – war man ja gesellschafts- und kapitalismuskritisch und hat daher auf Interaktion und Kommunikation geschaut. Szasz bekämpfte damals in erster Linie die Psychoanalyse, die sich dem medizinischen Krankheitsbegriff anpassen wollte. Das tut er (leider) immer noch. „Leider“, nicht weil die Psychoanalyse sich in der Hinsicht geändert hätte, aber er scheint mir den falschen Feind zu bekämpfen.

In den 60er und 70er Jahren war die Psychoanalyse mit ihren Konstruktionen psychischer Krankheiten und ihrem Versuch, von den Ärzten als Wissenschaft akzeptiert zu werden, für Szasz zu recht ein Hauptgegner, wie ich finde. Aber jetzt kräht ja eh kaum ein Hahn mehr danach, was Psychoanalytiker meinen (in den USA schon gar nicht), so dass die von Szasz immer noch weiter geführte Polemik gegen die Psychoanalyse mir als ein Kampf erscheint, der schon längst entschieden ist.

Das heißt m.E. nicht, dass nicht die Medizinalisierung und Biologisierung der Psychiatrie kritisiert werden sollte, aber heute ist es die Hirnforschung, die zu schwachsinnigen Erklärungen abweichenden Verhaltens führt. Und sie ist für die Entwicklung der Psychiatrie weit fataler als es die Psychoanalyse je werden konnte, denn Medikamente zu geben ist für die Anwender eines biologischen Paradigmas weit einfacher, als Menschen auf die Couch zu legen (vor allem, wenn diese Medikation für denjenigen, der sie vornimmt, gut honoriert wird).

Was in dem Ansatz von Szasz vor allem fehlt (und auch schon früher fehlte), ist ein Alternativ-Vorschlag, was mit Menschen zu tun ist, die sich nicht an die Erwartungen, Spielregeln etc. halten und anderen Angst machen und/oder sich und andere gefährden.

In den 70er Jahren gab es zwei Antworten auf diese Frage: Die eine war die Sozialpsychiatrie, die sich für das Krankheitsmodell entschied und so für die Chronifizierung der Patienten auf komfortablerem Niveau sorgte. Biologie + Fürsorge, so könnte man deren Formel zusammenfassen. Eine ganz andere Antwort hat die systemische Therapie geliefert, die das Krankheitsbild als Konstrukt verstand und sich damit beschäftigte, welche sozialen (=Kommunikations-) Systeme die „Herstellung“, „Chronifizierung“ und „Beseitigung“ von Verhaltensweisen, die üblicherweise als Ausdruck psychischer Krankheiten definiert werden, wahrscheinlich machen. Die Dekonstruktion der „Krankheit“ wurde zum therapeutischen Mittel, und die praxisorientierten Bücher, die es inzwischen zuhauf gibt, zeigen, wie man das machen kann.

Szasz ist ja ein sympathischer Mensch und sein auch heute noch unvermindertes Engagement ist anrührend (er ist jetzt 90 Jahre alt). Aber was m.E. jetzt gebraucht wird, sind kompetente Hirnforscher, die der Öffentlichkeit deutlich machen, dass die Pathologie des Gehirns nicht erklären kann, warum ein Mensch ein Wahnsystem entwickelt, aufhört zu essen oder bei Daimler arbeitet etc. …

Auch wenn ich nicht dafür plädieren werde, das neue Buch von Szasz auf Deutsch herauszubringen, war es für mich doch Anlass, noch mal in das Buch von 1961 (s.oben) zu schauen: Es ist aktuell wie eh und je und sicher einer der wichtigsten Texte zur Theorie der Psychiatrie, der je publiziert wurde – auch ein Grundlagenwerk zur systemischen Sicht abweichenden Verhaltens (oder dessen, was man heute unhinterfragt medizinalisiert „psychische Krankheiten“ nennt).“

Zum Tod von Szasz siehe auch:

http://www.nytimes.com/2012/09/12/health/dr-thomas-szasz-psychiatrist-who-led-movement-against-his-field-dies-at-92.html

11 Gedanken zu “Thomas Szasz gestorben

  1. Kleiner Tipp für alte und neue Szasz-Fans:

    Das Buch „Geisteskrankheit ein moderner Mythos. Grundlagen einer Theorie des persönlichen Verhaltens“ (Autor: Thomas Szasz) erscheint im März 2013, natürlich im Carl-Auer Verlag.

  2. Man muss die Hirnforschung auf Kongressen nicht als Bestätiger und zu Bestätigende einladen, wie es ja leider meistens geschieht – die selbsternannten Konzept-Klitschkos, mit denen sich keiner anlegen will – sondern wirklich in den Ring schicken. Bescheidene Werbung: der Atmosphären-Essay in der aktuellen Ausgabe der Zschr. Für Systemische Pädagogik, Nr. 2, letzter Absatz. Die bildgebende Verfahren sind’s nicht, die so mächtig sind, sondern die daraus abgeirrten Sprachbild-gebenden Verfahren, die uns in die verfahrenen Konzepte steuern.

  3. Ich kann die Gefühle der Trauer beim Verlust eines Menschen, der einem – auch aus der Distanz – in der eigenen Entwicklung viel bedeutet hat nachvollziehen

    Was ich nicht so ganz nachvollziehen kann, da ich auch sein Werk nicht kenne, sind diese Einschätzungen:
    „Da ich ihn für einen der intelligentesten, originellsten und – was durchaus ambivalent zu betrachten ist – radikalsten Denker im Bereich der Psychiatrie halte, Grund zur Trauer, aber auch Grund, um noch einmal auf sein Werk zu schauen.“
    „Sein Buch “Geisteskrankheit – Ein moderner Mythos”, das 1961 erschien, war in seiner radikalen Kritik an der Medizinalisierung abweichenden Verhaltens bahnbrechend.“

    Dieses Buch kenne ich nicht. Es posthum noch zu lesen, wäre interessant. Allerdings schreckt mich der Begriff der „Medizinalisierung“, der auch im Blog zuvor schon erwähnt wurde, bereits ab.
    https://www.carl-auer.de/blog/simon/das-ende-der-biologischen-psychiatrie/#comments

    Ich vermute mal, dass mich zweierlei auch bislang davon abgehalten hat, es zu lesen:

    1) Bereits der Titel „Geisteskrankheit“ enthält den elementaren historischen Denkfehler der Psychiatrie katastrophalen Ausmaßes. Der Begriff „Medizinalisierung“ als „syntaktische Mißgeburt“ nach Heinz von Foerster, verweist darüber hinaus auf ein kaum auszurottendes Vorurteil
    gegenüber der Medizin seitens der Psychiatrie, die sich immer noch – im übrigen auch in Teilen der Anti-Psychiatrie – bei Beobachtung, in Diagnosen und im Umgang mit der menschlichen Psyche der Medizin haushoch überlegen zu fühlen scheint. Zumindest hallt dies auch bei fortschrittlichen Psychiatern im Subtext immer wieder nach. Hierzu ist mit Gunther Schmidt zu sagen: „Psychiatrische Diagnosen sind Halluzinationen, die Psychiater auf ihre Klienten projizieren.“ – Dieses Phänomen näher zu erläutern, sprengt nun den Rahmen dieses Kommentars – Jedoch lässt sich der Riesenirrtum im Mainstream der gesellschaftlich hyperaktiven Psycho-Szene, beginnend mit der Psychoanalyse, später der biologischen Psychiatrie samt Neurobiologie bis dato dahingehend beschreiben, wie es Karl Kraus einst so treffend auf den Punkt brachte. „Die Psychoanalyse ist eine Krankheit, für deren Therapie sie sich hält“.

    2) Gleichgültig, welche Erkenntnisse über die Mythen der Psychiatrie Thomas Szasz erkannt haben mag und wie diese innerhalb des „Systems Psychiatrie“ zu werten sind: Schwer verdaulich für externe Beobachter und wissenschaftliche Beurteilungen sind folgende biographische Fakten:
    Veröffentlichung von Büchern wie u.a. „Ideology and Insanity: Essays an Psychiatric Dehumanization of Man“ (1970), jedoch 1969 Gründung der „Citizens Commission an Human Rights“ mit der „Scientology Church“ .Laut Artikel der New York Times habe er sich zwar von Scientology als Kirche distanziert, deren Ansichten im Hinblick auf die Psychiatrie jedoch weiterhin geteilt. Er wird auch als Gründer o.g. weltweit vertretener Organisation bis dato auf deren Website geführt.

    Kurzum:
    Die Informationen lassen schon erhebliche Zweifel an den wissenschaftlichen Ernsthaftigkeit und Kompetenzen von Herrn Szasz aufkommen. Auch ob Thomas Szasz auf demselben
    intellektuellen Niveau wie Erving Goffman und Michel Foucault anzusiedeln wäre,
    bedarf vielleicht noch einer Vergleichsanalyse durch die Komparatistik der Soziologie.
    Unter Ausblendung eigener Lebenslügen lässt sich nämlich vorzüglich über Ideologien Anderer herziehen. Hauptsache man findet einen Sündenbock unter den üblichen Verdächtigen.
    Ob ein solches Verhalten nun als besonders „intelligent, originell“ zu bewerten wäre, dazu finden sich auch im Artikel der NYT ganz andere Meinungen. Als „radikal“ könnte man es unter fundamentalistischen Kriterien vielleicht schon bezeichnen. In Zusammenhang mit den radikalen Konstruktivisten ergeben sich – mal epistemologisch betrachtet- schon gewisse Zweifel, ob „Denker“ hier auch der richtige Ausdruck wäre.

    A propos „Medizinalisierung“ : Von Ausnahmen selbstverständlich abgesehen, hat die Mainstream -Psychiatrie im Gegensatz zur Medizin – obwohl sie bis dato weiß Gott genug Zeit zum Reflektieren hatte, ihre grausamen ideologieverblendeten Irrtümer und Verbrechen in ihrer Historie zumindest gedanklich in Ansätzen zu korrigieren – eines nicht geleistet:
    Detailliert zu beobachten, um anschließend auch vernünftige Differentialdiagnosen zur Beschreibung von Symptomen in Referenz zur jeweiligen sozialen Matrix zu liefern. Obwohl sie den Krankheitsbegriff durch Störung bzw. Erkrankung, – disorders vs. diseases bzw. illness – ersetzt hat – hat es die Psychiatrie bis heute nicht geschafft, in psychischen Symptomen interne und/oder externe Konflikte an den Schnittstellen der Kommunikation von bio-psycho-sozialen Systemen zu sehen, um jeweils gesunden Reaktionen von kranken Umgebungsverhältnissen zu unterscheiden.

    Was das Akzeptanz – und Fassungsvermögen von externen Beobachtern dieser Szene
    völlig übersteigt, ist die Tatsache, dass die in „Science“ veröffentlichte Studie aus den 70er Jahren „On being sane in insane places“ von David L. Rosenhan – nachzulesen auch in Watzlawick „Die erfundene Wirklichkeit“ nicht längst der Psychiatrie zur internen Qualitätskontrolle
    dient, um iatrogen verursachte Schäden durch Stigmatisierung mit psychiatrischen Diagnosen
    zu vermeiden. Zur zweiten Erkrankung durch professionelle Stigmatisierung mit sozialer Exklusion in Folge gibt es mittlerweile genügend Literatur.

    Auf dieser Basis wäre es auch längst an der Zeit, die Systemische Familientherapie aus den „hard sciences“ heraus mit den „hard facts“ zu unterlegen und in der Wissenschaft mit Beiträgen zur Grundlagenforschung zu etablieren. In Kooperation mit der Medizin wäre dies auf konstruktivistischer Basis mit hohen Signifikanzen möglich. Vielleicht käme man auf diese Weise auch zur Realisierung des vielbeschworenen Paradigmenwechsel.

    Wenn man Ruesch / Bateson „Kommunikation. Die soziale Matrix der Psychiatrie“ dazu liest, dürfte beim gesamten Spektrum an Beschreibungen des Wahnsinns in der sozialen Matrix in allen möglichen Varianten – gerade durch Konstruktivisten, Familientherapie und Systemtheorie längst klar sein, wo –gerade auf dem unübersichtlich boomenden Psychomarkt mit einer Fülle von Scharlatanen – wissenschaftlich zur Abgrenzung anzusetzen wäre und wo auch Interventionen dringlich zu erfolgen haben.

    Jeder Burn-Out, jede Depression, jeder Suizid in der Arbeitswelt und Gesellschaft ist einer
    zuviel. Studien und Forschungsergebnisse liegen bereits in Hülle und Fülle vor und müssen nur noch
    semantisch umgedeutet werden. Fakt ist, dass wesentliche Informationen durch Organisationen systematisch zu 99% unterdrückt werden als Relikt aus hierarchisch strukturierten Zeiten unterschiedlicher Formen von Feudalherrschaft, wie Dirk Baecker beschreibt.

    Es ist längst an der Zeit, diesem Angst- und Terrorregime mit Eigen- und Fremdgefährdung als Folge von transgenerationaler Trivilialisierung durch Ideologien unterschiedlichster Erscheinungsformen von fundamentalistischem Puritanismus ein Ende zu bereiten. Das Böse – ideologisch gesteuert mitsamt Kadavergehorsam- ist verdammt banal, wie Hannah Arendt – aber auch Alice Miller, Arno Gruen und -nicht zu vergessen- Helm Stierlin bereits beschrieben hat.
    Vielleicht kommen wir damit auch im gemeinsamen Lernen weiter.

  4. Das Werner-Fuss-Zentrum hat diesem Newsletter verbreitet:

    Gestern erreichte uns die traurige Nachricht, dass Thomas Szasz am letzten Samstag überraschend verstorben ist.
    Seine Tochter berichtete der New York Times, dass dies die Folge eines Sturzes war. Er wurde 92 Jahre alt.

    Die Irren-Offensive hat 1987 das von ihm entwickelte psychiatrische Testament, einen der Vorläufer der PatVerfü, übersetzt und veröffentlicht.
    1997 hielt er auf bei dem Symposium der Freien Universität zur Gründung des Foucault Tribunals „Grausames Mitleid“ drei Reden: http://www.irrenoffensive.de/szaszsymposium/index.htm
    2001 war er beim Russell Tribunal zur Frage der Menschenrechte in der Psychiatrie in Berlin einer der beiden Ankläger: http://www.freedom-of-thought.de/deutsch/index_deutsch.htm

    Thomas Szasz war 2002 der erste Preisträger des Freiheits-Preises der Irren-Offensive: http://www.irrenoffensive.de/szasz/start.htm
    Weil alles, was damals bei der Verleihung gesagt wurde, wahr geblieben ist, soll es hier wiederholt werden:

        Lieber Tom,
    
        im Namen der Irren-Offensive verleihe ich Dir den Freiheits-Preis der Irren-Offensive, die "Goldene Taschenlampe". Es ist unser erster Freiheits-Preis und wir sind stolz, dass Du ihn annimmst. Dieser Preis ist ein Symbol unseres Dankes, da Du die erste Person innerhalb des unterdrückenden Berufsstandes der Psychiater bist, der den Mut und die Ehrlichkeit hatte, Licht in diese Schlangengrube zu werfen.
        Deine Wahrheit befreite uns, die Wahrheit, dass so etwas wie "Geisteskrankheit" überhaupt nicht existiert.
        Es gab immer Klagen und Widerstandshandlungen in der Schlagengrube, aber die Stimmen der Verfolgten wurden als irrational diskreditiert, es fehle ihnen an Krankheitseinsicht, sie würden nur meckern, oder sie wurden einfach nicht gehört. So brach vor mehr als 40 Jahren Deine Stimme das Schweigen und war folglich der grundlegende Riss im Fundament der Unterdrücker, die Objektivität für sich beanspruchen. Die Wahrheit wird schließlich siegen, sie werden sich davon nie mehr erholen können.
        Wir haben die "goldene Taschenlampe" gewählt, um folgendes damit zum Ausdruck zu bringen:
        - zuerst Deinen Sinn für Humor
        - zweitens den bahnbrechenden Wert Deiner Arbeit und
        - drittens die Sicherheit und Modernität Deiner Ideen, die meistens als gefährlich, wie eine offene Flamme im Pulvermagazin, missverstanden werden.
        Wir wählten den Ausdruck "Schlangengrube", nicht nur weil es in Amerika ein übliches Wort für das psychiatrische Gefängnis ist, sondern auch als Allegorie auf die Schlange, die als Symbol der Medizin gilt.
        Du entmystifiziertest ihre bösartige Funktion, wenn die Medizin behauptet, mit Gewalt und Zwang helfen und heilen zu können.
        Dieser Freiheits-Preis ist folglich auch ein Friedenspreis, da Deine Arbeit ein tiefes Vertrauen in zivile, gewaltfreie Verhältnisse zum Ausdruck bringt, anstelle eines gewalttätigen und paternalistischen, entmenschlichenden und entwürdigenden Verhaltens und einer Sprache im Befehls-Modus.
        Du hast eher mit einem Scheinwerfer als einer Taschenlampe die grausame und inquisitorische Praxis dieser neuen Kirche, der medizinischen Wissenschaft, beleuchtet und deshalb ist dieser Freiheits-Preis auch ein wissenschaftlicher Preis, weil Du die grundlegende Funktion von Wissenschaft erfüllst, die nämlich darin besteht, zu kritisieren und die Wahrheit auszusprechen.
        Vielen Dank Tom, dass Du seit über 40 Jahre der Leuchtturm für uns bist, der uns in unserem politischen Kampf für die Menschenrechte, die Wiedergewinnung unserer Würde und Menschlichkeit und die Überwindung eines entwürdigenden und entmenschlichenden Systems Orientierung gibt.
    
        Die Irren-Offensive
    

    Wer mehr vom bahnbrechenden Werk von Thomas Szasz erfahren will, findet auf dieser Website, neben einer Bibliographie, eine Auswahl von Texten in Deutsch: http://www.szasz-texte.de

    Wer im Internet Kondolenzbuch etwas in Englisch eintragen möchte, findet hier dazu Gelegenheit: http://www.tributes.com/condolences/leave_memory/94416283

    Ein kurzer Nachruf in Englisch ist außerdem hier veröffentlicht: http://reason.com/blog/2012/09/11/thomas-s-szasz-relentless-freedom-fighte

    Dies ist eine Benachrichtigung des
    Werner-Fuß-Zentrum
    im Haus der Demokratie und Menschenrechte
    Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin
    http://www.psychiatrie-erfahrene.de

  5. @3 Heroen-Verschiebebahnhöfe helfen niemandem. Michel Foucault hielt Chomeini für einen Hoffnungsträger. Sehen wir’s ihm doch nach. Sonst kommen wir überhaupt nicht weiter, sondern bewegen uns auf dem Nivea des Austauschs von Spitzeln.

  6. @4: Genau von „Heroen-Verschiebebahnhöfen“ sollten wir endlich runterkommen, da sie nur zu weiteren Dominanz-Unterwerfungs-Mustern führen.

    Ich wollte lediglich dazu anregen, den Fokus mehr durch die Brille von GSB „true = open to proof“ als Grundlage jeder Wissenschaft zu richten. Was eben auch heißt, dass sich Wissenschaftler bei aller Kritik, die sie anderen gegenüber lebenslang ausdrücken, schon auch mit eigenen Fehlern und Irrwegen konfrontieren lassen müssen. Wer es ernst meint mit seinem wissenschaftlichen Ansatz, handelt und lebt auch danach. Bzw. korrigiert auch immer wieder seine Fehler. Das ist einfach eine Frage persönlicher Redlichkeit.

    In allen Professionen und Bereichen tummeln sich Solche und Solche, von Gut bis Schlecht in bunter Mischung. Woran will man denn im Funktionieren sozialer Systeme erkennen, wer echt ist und es ehrlich meint und wer – vor allem fortgesetzt – den Epimedides spielt, aus welchen Gründen auch immer?

    Es dreht sich doch lediglich darum, herauszufinden, wer insgesamt zum Gelingen von Kommunikation in sozialen Systemen beiträgt und wer nicht. Jeder stört schließlich und macht auch Fehler. Nur permanente Störenfriede, die nur zu Konflikten beitragen, sind in keinem System besonders angenehm.

    Um das herauszufinden, bedarf es doch keiner Bespitzelungen.
    Lügen, auch Lebenslügen, haben in der Regel kurze Beine.
    Gründe für individuelle Fehler, Abweichungen und Versagen sind doch völlig irrelevant, solange die interpersonellen Grenzen gewahrt bleiben und keine Fremschäden entstehen.
    Schaut man sich jedoch näher an, was Scientology mit den manipulativ ausbeuterischen Strategien an Opfern produziert hat, die auf die Verführungs-Progaganda hereingefallen sind, dann hielte ich es schon für angebracht, auch Kritik an denen zu üben, die dieses Programm „wissenschaftlich“ unterstützen.
    Das ist keine persönliche Kritik an Herrn Szasz. Das ist auch
    keine Kritik an seinen Aussagen, mit denen er sicherlich auch Recht haben mag. Es ist lediglich eine Kritik, daran, wie
    sich Wissenschaftler mit ihren Forschungsergebnissen immer wieder in den Dienst von Ideologien stellen lassen. Die Wissenschafts-Geschichte ist voll davon, man braucht nur an die Physiker mit ihrer Kernspaltung zu denken. Mißbrauch von Forschungsergebnissen ist schwer zu verhindern, es sei denn
    die Wissenschaft behauptet sich zur eigenen Qualitäts-Kontrolle.

    Nochmals: Solide und qualitativ gute Wissenschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie immer bereit ist, aus Fehlern zu lernen und Risiken zu minimieren. Dies läßt sich auf einen ganz einfachen Nenner bringen von GSB bringen: „true = open to proof“

    Setzen wir dann die Imperative von HvF dagegen,
    „Handle stets so, dass die Zahl der Wahlmöglichkeiten größer wird.“ (Ethischer Imperativ)
    „Willst du sehen, so lerne zu handeln.“ (Ästhetischer Imperativ)

    so steht es, wie immer jedem frei, darüber nachzudenken, ob und wie das Ganze nun in die Tradition, auch des Carl Auer Verlags passt. Wer Fan bleiben bzw. werden will, dem sei dies doch unbenommen. Ein guter Verlag legt eine Vielfalt kritischer und kommentierter Ausgaben auf.

    Und wenn Sie schreiben, Herr Simon:
    „Was in dem Ansatz von Szasz vor allem fehlt (und auch schon früher fehlte), ist ein Alternativ-Vorschlag, was mit Menschen zu tun ist, die sich nicht an die Erwartungen, Spielregeln etc. halten und anderen Angst machen und/oder sich und andere gefährden.“
    dann vermisse ich einfach bislang einen kritischen Kommentar zum Engagement von Thomas Szasz in .o.g. Scientology Organisation.
    Vielleicht erklärt sich dies bereits aus seinem Ansatz, der außer Kritik eben alternativlos bleibt. Alternativlose Theorien
    sind eben Särge.

  7. Ach Gott, haben wir denn aus der unsäglichen Walser-Bubis-Debatte so gar nichts gelernt? Wer maßt sich denn an, von wem irgendwelche Stellungnahmen zu irgendwas zu verlangen, um ihn im Ernst noch zu nehmen? Stellungskrieg 2012?

  8. @8: „Die Toten sind immer die Besten.“
    Und jetzt fehlt noch das Heldendenkmal dazu, vor dem man dann andächtig niederknien kann.
    Mich gruselt so was.

  9. @9: Das monierte „Heldendenkmal“ hat Thomas Szasz schon zu seinen Lebzeiten bekommen: Zu seinem 90. Geburtstag wurde eine Website mit ins Deutschen übersetzen Texten von ihm publiziert, die auf unabsehbare Zeiten gepflegt werden wird: http://www.szasz-texte.de
    So können sich nun jederzeit alle deutschsprachigen Interessierten über die Worte des „Helden“ selber informieren.

    Wer noch ein Portrait von T. Szasz suchen sollte, findet eines von dem Analytiker Ronald Wiegand (sogar mit einer kleinen Referenz zu H. Stierlin drin) hier: http://www.foucault.de/szasz.html#biographischer%20Hinweis
    rene talbot

  10. @10: Danke für die Links.
    „open to proof“, Meinungsvielfalt, Möglichkeiten, differenzierter Betrachtungen, Abbau von Alternativlosigkeit und Fixierungen. Darauf kommt’s mir an.

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