Trump/Kim – Beispiel einer gegenseitigen Fehldeutung des Verhaltens

Wenn man die Interaktion Trump/Kim betrachtet, so zeigt sich, dass sie offenbar von beiden Seiten unterschiedlich interpretiert wird.

Beginnen wir bei Kim. Der hat atomar aufgerüstet, um auf Augenhöhe (=symmetrische Beziehung) zu den USA zu gelangen. Da Trump ihm verkündet hat, er wäre zu einem Treffen und Gesprächen mit Kim bereit, hat der dies als Zeichen der Symmetrie interpretiert. Er sah sich in seiner Aufrüstungspolitik bestätigt.

Trump hingegen will eine asymmetrische Beziehung, d.h. Unterwerfung von Kim (oder wem auch immer). Durch seine Drohungen und Pöbeleien und das Signalisieren, dass er zum Krieg bereit sei, meint er Kim zur Unterwerfung gebracht zu haben. Er sieht sich in seinem Powerplay bestätigt…

Da nun Herr Bolton und andere US-Offizielle deutlich machen, dass sie keineswegs Symmetrie anbieten, sondern Unterwerfung fordern, merken die Nordkoreaner, dass sie die US-Reaktion falsch gedeutet haben.

Konsequenz: Sie ihre Bomben nicht verschrotten, sondern werden ihr Atomprogramm wieder aufnehmen. Dass sie das Testgelände schon man abgebaut haben, ist wahrscheinlich eher dadurch zu erklären, dass es eh unbrauchbar geworden war, als dass es Zeichen der Akzeptanz des US-Beziehungsangebots war.

9 Gedanken zu “Trump/Kim – Beispiel einer gegenseitigen Fehldeutung des Verhaltens

  1. Aus ähnlichen ungewollt-gewollten Missverständnissen sind schon Kriege entstanden.
    Im Grunde herrscht bereits eine Art von „kalter Kriegszustand“ zwischen den USA und Nordkorea, wenn auch ein virtueller bzw. rhetorischer. Doch das aktuelle Kriegsgerede, die verbale Schlacht zwischen Washington und Pjöngjang, die extrem aufgeladene Stimmung, die blankliegenden Nerven – all das führt dazu, dass eine militärische Auseinandersetzung wahrscheinlicher wird.

    @ FBS: Um welchen Wetteinsatz ging es noch mal?

  2. Aufgrund eines fehlenden Friedensvertrags existiert bis heute lediglich ein Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und Korea. Die USA-Streitkräfte trainieren in andauernden Militärübungen eine Invasion des Nordens. Seit dem Koreakrieg (5. Juni 1950 – 27. Juli 1953) haben die in Korea stationierten US-Truppen im Kriegsfall den Oberbefehl über die südkoreanischen Truppen. Sie kontrollieren dann nicht nur die rund 30.000 eigenen Soldaten, sondern auch die 600.000 südkoreanischen Soldaten und rund 3 Millionen Reservisten.
    Aktuell laufen diplomatische Bemühungen zur Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea. Offensichtlich haben die südkoreanischen Kapitalisten ein großes Interesse an einer Wiedervereinigung, denn Nordkorea bietet ihnen einen großen neuen Markt, wertvolle Rohstoffe und seltene Erden. Hinzu kommt die Möglichkeit der Ausbeutung der nordkoreanischen Arbeiterklasse, wie bislang schon von über 50.000 Arbeitern im Industriepark Kaesong im Norden Südkoreas. Die direkten Gespräche zwischen Nord- und Südkorea sind Ausdruck des Strebens nach einer größeren Eigenständigkeit der aufstrebenden südkoreanischen Wirtschaft, die ihren nördlichen Landesteil aus dessen Isolation lösen möchte.

  3. “Americans and Europeans see it as self-evident that it is their responsibility to judge what is happening in the rest of the world. Based on the idea of moral superiority. This has been tolerated for more than 200 years, but listen: that time has passed. It’s about time to start listening to the rest of the world.” – Kishore Mahbubani (Trouw).
    Sehenswerter Vortrag und Gespräch bei ‚De Balie Invites‘ mit:
    ‚Kishore Mahbubani is a Singaporean academic and former diplomat. He is a Professor in the Practice of Public Policy at the National University of Singapore where he was formerly Dean of the Lee Kuan Yew School of Public Policy. From 1971 to 2004, he served in the Ministry of Foreign Affairs and was Singapore’s Permanent Representative to the United Nations. In that role, he served as President of the United Nations Security Council in January 2001 and May 2002.
    https://www.youtube.com/watch?v=M8ayDH5DuJA&feature=youtu.be
    (‚De Balie welcomes international thinkers to Amsterdam to discuss the relevant topics of this day and age. De Balie sees it as her duty to stimulate reflection and dialogue: the essentials for an open, democratic and civil society and constitutional state. ‚)

  4. @ 4
    SPIEGEL-Gespräch „Schluss mit den Belehrungen!“
    Politikprofessor Kishore Mahbubani über die Zukunft der Demokratie in Asien, das überhebliche Auftreten des Westens und die verheerenden Auswirkungen von Guantanamo auf die Menschenrechtsdiskussion. http://www.spiegel.de/spiegel/a-554273.html

  5. @7 GEZ?
    Möglich
    Geo-Schlagwörter & Autokorrektur,
    iPhone, Android, Windows Phone, BlackBerry?

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