Zustandsbeschreibung

Ich mache jetzt mal eine kleine Pause (was die Probleme betrifft) und nähere mich dem Leben phänomänologisch. Irgendwie bin ich nicht in bester Stimmung, aber auch in keiner schlechten. Ein melancholischer Zustand eben. Man denkt unglaublich viel nach, ohne dass das Geringste dabei passiert.

### Erinnerungen dampfen auf, ###

### Fragmente längst zerstörter Bilder ###

### suchen sich ins Rauschen heim. ###

### Verflügelte Gedanken flüstern durch die Luft, ###

### vertanzen und veratmen sich. ###

### Zwischen den Zeiten träume ich ###

### vom großen Wunsch und ###

### von anderen Jagdszenen ###

### durch die Kammern unserer Herzen. ###

Für diejenigen von Euch, die denken, dass die Dinge umso weiter zurückblicken, je näher man ihnen kommt, fahre ich mit einer allgemeinen Gebrauchsanleitung fort, zur pragmatischen Handhabung des Themas:

Manchmal sitz ich ganz bezogen

nur auf mich in einem Zug

und es zieh´n mir die Gedanken

durch den Kopf – doch nicht genug:

durch die Gänge zieht der Schaffner

auf und ab kontrollengeil,

draußen zieht die Landschaft weiter

und es zieht auch im Abteil.

Ja, in diesen Situationen

zieht es mich wie ein Magnet

hin zu jener Problematik

wo sich´s um Bezüge dreht,

denn unvorstellbar was in diesen

Augenblicken alles zieht:

der Zug zieht mich,

darauf zieh ich

auch noch sie gedanklich mit.

„Sie“ bezieht sich auf Beziehung,

die bezieht sich auch auf ihn

beziehungsweise umgekehrt,

denn zu ihr zieht es ihn hin.

Das zieht ab wie ´ne Rakete,

das zieht auf wie ein Komet,

das zieht hoch tief rauf und runter:

der Beziehungszug entsteht.

Anfangs zieh´n sich beide an

oder vor – wie man es nimmt,

dann entzieh´n sie sich den Blicken,

zieh´n sich aus (falls alles stimmt).

Bald darauf zieh´n sie sich runter

der Bezogenheit genug,

beide werden ziemlich zickig –

ohne jeglichen Bezug.

Züge ziehen, Zeiten ziehen

auch der Zug der Zeiten zieht,

doch nicht Aufzug und nicht Anzug,

denn nur Um- und Auszug zieht.

Ist ein Umzug noch ganz einfach

(er packt seine Sachen ein),

mag der Grund für diesen Umzug,

schon viel komplizierter sein.

Zieht er sich aus der Beziehung,

weil es ihn nach Freiheit giert,

wird der Zug in der Beziehung

erst so richtig kompliziert.

Denn zieht sie sich aus der Beziehung

nun als Folge davon raus,

wirkt sich der Entzug von ihr

auf ihn anziehend gleich aus.

Er verspricht sich zu erziehen,

Umerziehung mit dem Zweck,

dass sie ihm verzeihen sollte…

Sie konsequent, zieht aus und weg,

weil sie die Beziehung satt hat,

doch lässt sie den Zinnober dann?

Nein, sie steht nicht auf Entzug,

denn ein anderer zieht sie an,

den sie vorzieht, denn der ist noch

frisch und nicht beziehungskrank,

also um- und hingezogen,

jetzt zieht man an einem Strang.

Zug um Zug kommt man sich näher,

sie zieht ihn aufs Kanapee,

er zieht mit, die Nacht zieht weiter

und am Morgen zieht der Tee.

Danach eine Zigarette

und sie gibt ihm einen Kuss,

schon geht der Bezug zu Ende,

denn er zog den falschen Schluß.

Na ja, Ziehharmonika zu spielen

darauf war sie nicht erpicht,

sie zieht den Hut und daraus die Lehre,

einen Kürzern zieh ich nicht.

Doch wen zieht sie jetzt zu Rate

– alles zieht sich ins Gemüt -,

die Folgerung ist schnell gezogen,

es zieht sie zu ihm zurück,

zum Bezug zum guten Alten,

sie zieht blank – wer wagt gewinnt –

und daraus dann noch den Nutzen,

dass dann alles wieder stimmt.

Doch der hat sich ihr längst entzogen,

fühlt sich schlapp (so wie ein Lurch).

Zieht denn der jetzt Konsequenzen?

Nein, der zieht sich einen durch!

Nun, Züge ziehen, Zeiten ziehen

Texte ziehen an sich nicht,

denn zieht man endlos ihre Strophen

dann verzieht der Leser sich.

Hoffentlich habt ihr verziehen,

doch wenn nicht, der Schreiber flieht,

um sich ganz schnell zu verziehen,

denn vielleicht zieht niemand mit?

Und geschockt fragt sich der Leser:

„Schrieb der denn da über mich,

beziehungsweise anders rum:

Auf wen bezog der sich?“