50 Shrinks

Vor nicht all zu langer Zeit habe ich einen einzigartigen Bildband in Händen gehabt, der einen Einblick nicht nur in die Geheimnis umwobenen Praxen von Psychoanalytikern gibt, sondern auch mittels einfühlsamer Portraits einen Einblick in das Seeleninnere besagter Psychoanalytiker erlaubt.

Da gibt es, wen wundert es, die einfache, schnörkellose Couch des berühmten Analytikers Otto Kernberg. Marsha Rosenbergs Praxis erinnert eher an einen Wintergarten oder ein Gewächshaus, was wahrscheinlich der Ressourcen orientierten Arbeit einen prägenden Stempel verleiht. Martin Bergmanns Praxis ermöglicht dem auf der Couch Liegenden, in diesem Fall dem Analysanden, eine wunderbaren Blick auf die NY-Skyline sowie eine beindruckende Bücherwand, die sich zwischen den beiden Seiten des Panoramas erhebt.

Pamela Thorps Praxis wirkt hingegen eher wie ein Spielzimmer. Wobei die Praxis von  Anni Bergman kunterbunt ist und zur Anmutung einlädt, sich zu Hause fühlen, wie im Wohnzimmer eines ehemaligen Hippies.

Sebastian Zimmermann, selbst Psychiater und anerkannter Fotograf, zeichnet den noch immer vielfach bestehenden Mythos der Undurchsichtigkeit der psychoanalytischen Aura nach. „In manchen Praxen hatte ich, so Zimmermann, ein so behagliches Gefühl, als säße ich in Mutters Schoss. Dann wiederum gab es auch sehr spartanische, funktional wirkende, fast kalte Raume. An solchen Orten hatte ich das Gefühl, ich könnte mich nirgendwo verstecken.“

Der Mythos Psychoanalyse lebt, er lebt weiter. Und er lädt ein, sich zu beteiligen. 🙂

„50 Shrinks“, David Zimmermann (2014), ISBN 978-0-615-83552-5

 

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