Auf Stippvisite bei chinesischen Historikern

Vor einigen Tagen besuchte eine Delegation von chinesischen Historikern Deutschland. Als offizielle Vertreter der Kommunistischen Partei Chinas war sie daran interessiert herauszufinden, wie Deutschland die Zeit nach dem 2. Weltkrieg bis zur Wende verarbeitet hatte. Man besuchte daher verschiedene Vertreter von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft in Berlin und Süddeutschland.

Ich traf die Delegation in Berlin und konnte mit ihr über den Aspekt „transgenerational perspective of traumatization“ sprechen. Die Historiker, ganz im Unterschied zu anderen offiziellen Delegationen, hatten ganze Bündel von Fragen mitgebracht, die sie gar nicht schnell genug loswerden konnten.

Drei zentrale Fragen wurden gleich zu Anfang gestellt, die für die Einschätzung der Politik in China von besonderer Bedeutung sein können:

  • wie wird in deutschen Parteien die Parteigeschichte aufgearbeitet? Gibt es dafür eigene Abteilungen?
  • was und wenn ja wie werden Ergebnisse einer solchen Aufarbeitung ins Parlament eingebracht?
  • Wie war das diesbezügliche Zusammenspiel unter den Parteien und wie die gesellschaftliche Resonanz hierauf?

Der anwesende Vertreter der SPD, Leiter der SPD Delegation, schilderte eingehend, wie differenziert und selbstkritisch die Aufarbeitung in Gesellschaft, Medien und Politik erfolgt ist. Insoweit waren es passende Fragen.

Man stellt aber, vor allem in einer solchen Situation, nicht einfach so, unmotiviert Fragen. Angeregt durch andere Erfahrungen, die in eine ähnliche Richtung gehen, kann man vermuten, dass sich die KP, wenn auch nur zögerlich und noch nicht sichtbar, für eine interessante Perspektive zu öffnen beginnt: nämlich sich auf die eigene Vergangenheit zu besinnen. Die gesellschaftliche und politische. Wenn die Historiker gerade diese drei Fragen als die vordringlichsten genannt hatten, könnte man dahinter eventuell auch ein entsprechendes Interesse in Bezug auf die eigene gesellschaftliche und politische Vergangenheit und den Umgang damit vermuten.

Mal sehen und Augen und Ohren offen halten. 🙂