Das geht unter die Haut

„Man kann einen Menschen nie wirklich verstehen, ehe man in seine Haut klettert und ein wenig in ihr umherspaziert“, heißt es in Amerikas Nationalroman „Wer die Nachtigall stört“. In diesem zweitwichtigsten Buch nach der Bibel geht es um Recht und Gerechtigkeit. Darum, wie das „Eigene“ und das „Fremde“ sich begegnen und zu einem inspirierenden Ende kommen.

Das geht unter die Haut, meinen viele, wie da zurzeit zwischen Griechenland und der EU verhandelt wird. Aber wer von der großen Politik möchte heutzutage in der griechischen Haut herumlaufen? Und wer als Grieche möchte heutzutage in Merkels oder gar Schäubles Haut schlüpfen? Und noch dabei auf der weltpolitischen Bühne gesehen werden?

Die Haut ist das Organ, über das der Mensch, im Mutterleib, den Eintritt ins Leben spürt und erlebt. Über diese Hauterfahrung beginnt er schon sehr früh am Leben draußen teilzuhaben. Die dauerhafte Berührung im Mutterleib stimuliert sein Haut-Ich. Die dabei erlebten Erregungsprozesse strukturieren schließlich das Gehirn des Menschen. Das Organ, mit dem er denken kann. Das Organ, mit dem er die meisterliche Leistung vollbringen will (soll und kann?) Europa zu bleiben.

Die Haut ist auch das letzte Organ, über das der Mensch den Schritt in den Tod erlebt. Über die Haut spürt er, auch wenn er ohne Bewusstsein ist, was um ihn herum geschieht. Er erlebt, ob jemand für ihn da ist oder ob er schon alleine ist. Menschen, die den Sterbenden begleiten, berühren hierdurch natürlich auch den eigenen späteren Tod.

Was ist die lesson learnt? Die Haut ist das menschliche Kontaktorgan. Über die Haut erfährt man Nähe und Distanz. Die Haut prägt den sensorischen Einstieg ins Leben und beendet diesen auch wieder. Die Haut ermöglicht die Regulierung der Erregung, die im menschlichen Miteinander das lebendige Leben ausmacht. Und an der Haut vermischen sich Innen und Außen, das „Eigene“ und das „Fremde“.

Das, was Europa offensichtlich braucht und gerade zurzeit exemplarisch lernt, ist Kontakt-Erfahrung. Eine Erfahrung, die metaphorisch gesehen, ein Europa-Ich möglich machen kann. Eine Erfahrung, die natürlich auch sehr weh tut.

 

2 Gedanken zu “Das geht unter die Haut”

  1. Der poetische Text ging ein wenig „unter die Haut“. Die menschliche Haut scheint ja nicht nur flächenmäßig das größte Organ zu sein. Für’s Lernen, d.h. Hirn- und damit Selbst-Entwicklung jedenfalls unentbehrlich. Was nicht „unter-die-Haut“ geht, vergessen wir. Als Kommunikationsfläche und Projektionsfläche jeder Mensch sein eigener Hau(p)tdarsteller auf der Bühne des Lebens. Doch ob dick- oder dünnhäutiger ist wohl nicht so wichtig. Wenn Menschen einander – nackt wie sie geboren wurden und auch abtreten – tragen und ertragen, wertschätzen und würdigen lernen, werden bisherige Abwehrmaßnahmen von Scham und Schuld, wird das Anziehen von Masken und Feigenblätter obsolet. Wachsendes Vertrauen, führt letztlich zu mehr „ehrlicher und echter Haut“. Empathischer werden mit sich und anderen, als Königsweg zu mehr „Gänsehauterleben“. Sich und anderen mehr innere und äußere Bewegungsfreiheit zu zu trauen, hilft Unpassendes abzulegen.
    Der Mensch scheint (fast?) das einzige Tier, dass sich was aus „Kleidern“ macht. Hau(p)tsache, die Hau(p)tsache bleibt Hau(p)tsache.

  2. Man fragt sich, wieviel Hornhaut auf sämtlichen Wahrnehmungsorganen man als Entscheidungsträger braucht, um das Elend im eigenen Haus, direkt vor der eigenen Tür nicht wahrnehmen zu müssen.
    Sich der Dünnhäutigkeit von „Schmerzbürgern“ zu widmen mag nicht jedermanns Sache sein.
    Jedoch auch den Unmut bis hin zu gewalttätigem Protesten von „Wutbürger“ derart lange auszusitzen, bis Rost die Dukaten in den heimeligen Laubengängen zerfressen und Grünspan selbst nicht nur Basen, sondern in langer Reihe auch die Vettern reihum dahingerafft hat, dazu bedarf es offenbar einer besonders verstrickten persönlich adaptierten Schutzausrüstung mit starrsinnigstem Überlebenswillen im ewigen Eis.
    Man wäre angesichts des allumfassenden Desasters fast geneigt, zu wünschen:
    Wohl denen, die noch von Gänsehaut befallen werden und noch -ohne zwischenzeitlich in Gänze zu ex- oder auch implodieren- mit kühlem Kopf erdulden können, dass sich sämtliche Nackenhaare aufstellen, um so auch immer wieder Antrieb und Nachschub zu liefern, dem sich rasend,mit Globalisierungstendenz ausbreitenden Flächenbrand eine kühle Stirn bieten zu können.
    Insgeheim bangend, dass Millionen umschlingende Strohfeuer ähnlich so schnell erlöschen wie glitzernd bunt zerplatzende Feuerwerkskörper. Und gleichermaßen Respekt die Quadratur der automatisiert vor sich hinschuftenden Uhr von Gesetzes wegen in Schach zu halten vermöge.
    Bleibt weiterhin zu hoffen, dass Schwindsucht sich in Seide spinnend und am selbigen Faden hängend, sich auch selbst beraupend ihre Rückzugs- Straße bahnt.

    Längerfristige und niederschwellige Knalltraumata resultieren in Vertäubung im Schneckenhaus.
    Al.o y si, us.
    Cur,e lexs icy Rums!
    #F 2A men!
    😉

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