Ein Fall von „Juxtaposition“

Vergangene Woche hatte Twitter das Video gelöscht, das die Enthauptung des US-Amerikaners James Foley zeigte. Ein Sturm der Entrüstung warf Twitter Zensur vor.

Zur gleichen Zeit wurde das Video, auf eine haushohe Leinwand an einer Busstation im Zentrum Beijings projiziert, öffentlich gezeigt. In diesem vierminütigen Videoclip, der ständig wiederholt wurde (Loop), hatte man Szenen von Foleys Hinrichtung, den Unruhen in Ferguson und Ukraine als bitteren Kontrast neben harmonische Bilder glücklicher Familien und engagierter Kinder, die alten Menschen helfen, gestellt. Der Kontrast im Video sollte es bringen. Dies erinnert natürlich direkt an die aggressive Werbung von Benetton, in der das Elend von Menschen und der Welt genutzt wurde, um Mode zu verkaufen.

Der für das Beijing-Video Verantwortliche, Steve George (Geschäftsführer von „That`s Beijing Magazine“), betonte, dass das Video Teil eines „Propaganda-Loops“ sei. Im übrigen sei diese Art von „Juxtaposition“ üblich in China. „Juxtaposition“ meint, dass zwei Befindlichkeiten als Kontrast nebeneinander gestellt zu einer gemeinsamen Wirkung gebracht werden. Es geht also nicht um die Szenen von Gewalt oder glückliche Kinder, sondern um beides zusammen.

Dies Beispiel kann eine gewiss wichtige inhaltliche, Medien kritische Debatte eröffnen, nämlich zu ermitteln: was, wann und unter welchen Bedingungen Zensur sei. Eine Debatte, die aus deutscher Sicht, Sinn macht, jedoch nicht der für China typischen „Juxtaposition“ gerecht wird.