VW hat`s geschafft: Frankenstein lebt doch

Der Skandal um VW und die manipulierte Software bringt es endlich auch an das Licht der breiten Öffentlichkeit. Das, was seit einiger Zeit schon bekannt ist, greift nun Raum. Maschinen überholen den Menschen.

Frankenstein lebt doch. Endlich.

Sascha Lobo spricht diese Woche ganz lapidar von 100 Millionen Codes, die in der Software eines PKW stecken. Dies ist eine Größenordnung, die nicht mehr durch den Menschen selbst beherrschbar sei. Lobo meint, dass in den meisten Fällen selbst die Entwickler ihr eigenes Werk nicht mehr überblicken oder steuern könnten.

Wenn, wie es heute in Spiegel Online heißt,  Software Entscheidungen trifft, dann ist das ein genauso emotions- und bewusstseinsloser Prozess wie jeder andere digitale auch. Ist das, was man VW nun vorwirft, Ausdruck des Zusammenspiels dieser 100 Millionen Codes? Sind dies die Geister, die von Softwareentwicklern (ungewollt, ohne böse Absicht?) gerufen wurden, und die man nun nicht mehr los wird? Oder steht hinter dem Skandal eine raffiniert angelegte und verschleierte Lüge?

Eine Lüge wird aus dem Verhalten erst durch den Beobachter, denn der wird getäuscht. So heißt es weiter in dem Text. Sind wir es also, die VW, zum Lügner deklariert, an den virtuellen Pranger stellen?

Software wird im Zeitalter von Maschine 4.0 durch Unüberprüfbarkeit charakterisiert. Wir werden also, trotz besten Bemühens, letztendlich wohl nicht rausfinden, ob VW wissentlich oder absichtsvoll gelogen hat.

Wir müssen uns eben daran gewöhnen, was so manchem unter uns bereits seit langem schon klar ist, dass das Leben nicht beherrschbar ist. Maschinen, als Teil des Lebens, schon gar nicht. Sind Maschinen heute doch zu Frankensteins Kindern mutiert.

2 Gedanken zu “VW hat`s geschafft: Frankenstein lebt doch

  1. So unterschiedlich geht Trauerarbeit:

    Manche emotionalisieren und empfinden Schadenfreude, über die angebliche Dummheit eines Vorzeige-Konzerns, der sich und anderen schadet und unterstellen niedere Beweggründe.

    Manche rationalisieren und sehen im Rückblick einen „lebendigen Frankenstein“, reagieren schockiert und empören sich nicht weniger moralisch.

    Manche fantasieren und träumen von KI und einer technologische Singularität in welcher unbestechliche Prüfmaschinen in der Zukunft uns und allen Maschinen zur Selbstoptimierung.dienen.

    Alle sehnen sich nach „(Er-)Lösung“ von Schuld, Scham und „schwarzen Schwänen“.

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