Nicht anne Merkel packen….

….sonst kann es gefährlich werden. Merkel hat inzwischen alle CDU-Granden politisch überlebt. Damit meine ich die christlich-sozialen Männer. Man mag sich nur an den historisch mal recht bedeutsam gewesenen Anden-Pakt erinnern. Oder auch TG, der vom Süden der Republik vielleicht ja doch einen Re-Start hinlegen wird. Wer weiß.
Nun, es ist mal wider Zeit für einen Berliner High Noon, für das politische TV-Duell.
Die beiden Kontrahenten werden sich nicht viel antun. Schwert oder Degen oder Florett, wer weiß. Eins ist klar, beide kennen sich schon seit langem und begegnen sich politisch nicht gerade jungfräulich. Was ist also zu tun? Wie wird das medial hochgepushte September-Ereignis wohl enden? Wer wird Sieger, wer wird Verlierer sein?
Denke ich an die beiden letzten Duelle warteten alle sehnsüchtig auf ein klares Ergebnis: einen eindeutigen Gewinner und entsprechend einen eindeutigen Verlierer. Weit gefehlt. Einerseits sah es ziemlich wie Kopf an Kopf aus, obwohl einige scharfsinnige Analytiker, Auguren gleich, die feinen Unterschiede hervorzuheben wussten. Ging es doch in der Regel um ihr eigenes Renommee.
(Ich weiß aus eigener Erfahrung, worüber ich rede 🙂 )
Am Wahlabend spielten die Deutungen aber keine wesentliche Rolle mehr. Merkel, auch wenn sie im Duell – im Schlagabtausch mit ihrem jeweiligen Herausforderer- in der Regel nun keine gute Figur abgab, wurde wiedergewählt. Man weiß eben was man an ihr hat.

Hat Schulz also keine Chance? Wir werden sehen.

Eins scheint mir jedoch erwähnenswert zu sein: im Duell geht es nicht um Sieg oder Niederlage, um Gewinner und Verlierer, sondern um ein Warmlaufen, um ein Schaulaufen wie in einer Zirkusarena. Entscheidet doch das TV-Duell überhaupt gar nichts, rein gar nichts. Die Wahl am Wahltag entscheidet. Es handelt sich also um ein zahnloses Duell. Ein Duell, in dem man mit stumpfem Florett oder Schreckschusspistolen aufwartet.

Und doch, alle Welt in der Republik richtet sich schon auf das Septemberereignis ein. Wie gesagt, Schulz hat wohl keine richtigen Chancen, sich in der Auseinandersetzung mit Merkel, nicht anne Merkel, zu profilieren. Würde íhn doch in einem solchen Fall das Schicksal anderer, früher mal bekannter politischer Männer ereilen.

Schulz hat nur ne Chance, wenn er szenisch, gut dosiert, Merkel auch mal „links“ d.h. politisch rechts liegen lässt. Schulz sollte prinzipiell Merkel (auch) ignorieren können müssen, indem er sich beispielsweise von der Kanzlerin abwendet und einfach mal mit den Zuschauern kommuniziert. Schnacken kann er doch. Dafür war er sich noch nie zu schade.

Wäre neugierig auf Merkels Reaktion. Neugierig zu sehen, wie sie das TV-Duell-Vakuum aushalten würde. Ist sie doch schon immer jemand gewesen, deren besonderes Talent die Kommunikation war. Wie aber da im Studium rumsitzen, ohne dass Schulz mit ihr kommuniziert? Ist sie doch unter Stress geradezu auch von der Kommunikation abhängig.

Wir werden sehen.

Wer mehr zu „nicht anne Merkel packen“ erfahren möchte, kann sich meine Analyse, die ich 2002 für Aspekt / ZDF gemacht hab anschauen.

8 Gedanken zu “Nicht anne Merkel packen….

  1. „Schulz hat nur ne Chance, wenn er szenisch, gut dosiert, Merkel auch mal „links“ d.h. politisch rechts liegen lässt.“

    Angela Merkel ist derart uneitel und zugleich so selbstbewusst, dass sie ein „Ignorieren“ oder gar ein „TV-Duell-Vakuum“ locker aushalten könnte und sie das Heft der Gesprächsführung in ihre Hände zurückholen würde. Auch inhaltlich-programmatisch ist sie meines Erachtens kaum angreifbar, auch wenn Alice Weidel sie wegen volksschädlichem Verhalten verklagen möchte (aussichtslos, wenn nicht lächerlich) – und doch sehe ich Schulzes einzige Chance in einer klaren Oppositions-Position, die seine beiden Hauptanliegen „Gerechtigkeit“ und „Bildung“ klar akzentuieren sollte. In diesen beiden Bereichen sind der Regierung (zu der freilich auch SPD-Mitglieder gehören) einige Verschlechterungen und Versäumnisse vorzuwerfen – insbesondere im Arbeits- und Tarifrecht -, aber natürlich auch früheren SPD/Grünen-Regierungen (Hartz-IV). An diesen wunden Stellen könnte Schulz bei seinen Anhängern punkten.
    Vorsichtig sollte er beim Thema „Einwanderung“ sein, weil Angela Merkel auf diesem Gebiet meines Erachtens flexibler reagieren kann, weil sie aus vielerlei eigenen Erfahrungen für diese Problematik besonders sensibilisiert ist und auch emotional werden kann.
    Nach meiner Erfahrung geht es in solchen öffentlichen Show-Gesprächen weniger um die inhaltlichen Aussagen als vielmehr um die persönliche Glaubwürdigkeit und Authentizität des Auftretens, um staatsmännische Selbstsicherheit und das Erwecken von Vertrauen.
    Keinesfalls wird es auch nur ansatzweise so laut und aggressiv zugehen wie zwischen Hillary Clinton und Donald Trump oder auch zwischen Angela Merkel und Gerhard Schröder, der sie immer wieder von oben herab behandelt hat und versucht hat, sie als Politikerin zu belächeln und als Frau abzuwerten.

  2. Ja das liebe (Kommunikations-)Vakuum (Nichts/Leere). Dass könnte der Kanzlerin tatsächlich zu schaffen machen. Dagegen hätte sie wohl kaum was entgegen zu setzen. Sie braucht diejenigen die ihr widersprechen oder sie abwerten um zu punkten und sich selbst aufzuwerten.

    Im Vakuum könnte auch Kanzlerin Merkel nicht überleben. Als politische Kern-Physikerin und physische Politikerin, kennt Dr. Merkel die überlebensfeindlichen Tücken eines politischen, wie auch physischen Vakuum.

    Wer den Versuch unternahm sich an ihr „abzuarbeiten“ hat sich bislang erschöpft und Merkel ging allein dadurch gestärkt hervor, dass sie ihre Gegner ins „Leere“ laufen ließ und keinen wirklichen Widerstand bot. Die Kanzlerin ist, was ihre Resilienz gegenüber Verbal-Attacken anbelangt, bislang ungeschlagen. Dieses Phänomen beeindruckt mich.

    Bin schon gespannt, wie sich Herr Schulz präsentiert, in einem stumpfen TV-Duell, das zwar nicht die Wahl entscheidet, aber sehr wohl ob Herr Schulz fähig ist, selbst daraus unbeschadet hervor zu gehen.

  3. @ 2: Nach meiner Einschätzung wird sich Martin Schulz nicht blamieren – er ist kein sozialdemokratischer Populist, wie Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine, und auch kein Draufgänger, wie Rudolf Scharping. Er ähnelt eher dem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, der intellektuell und rhetorisch durchaus etwas auf der Pfanne hat, aber gegen Merkel keine Chance hatte.

  4. Martin Schulz‘ politische Positionen sind wahlkämpferisch schwierig, weil sie erklärungsbedürftig sind (Revision der Agenda 2010, Arbeitslosengeld Q, Abschaffung befristeter Arbeitsverhältnisse und der Einkommenslücke zwischen Frau und Mann, Begrenzung der Manageregehälter, Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Krankenversicherung, Ausbau von Weiterbildung und Infrastruktur).
    Martin Schulz‘ noch größeres Manko ist seine Aussprache, die es mir schwer macht, ihm zuzuhören.
    Martin Schulz wirkt engagiert und überzeugt, doch empfinde ich ihn nicht als charismatisch – schon gar nicht so wie einst Willy Brandt. Selbst Helmut Schmidt wirkte überzeugender.

  5. Angela Merkel hat sich ihre mädchenhafte Beeindruckbarkeit teilweise bewahrt. Sie sieht so sehr von sich und ihrer Rolle als „mächtigster Frau der Welt“ ab, dass sie locker auf alle möglichen Attacken reagieren kann. Doch das geschieht nicht aus Machtbewusstsein, sondern weil sie sich rational in der überlegenen Position fühlt.

  6. „Zwei sind nicht zu bremsen“
    Die Zuschauer können ja ins parallele Privatfernsehenuniversum umschalten zum Actionklamauk aus 1978 mit Terence Hill und Bud Spencer, um wenigstens ein paar oberflächliche Lacher zu erhaschen, bevor sie Sonntag bei Merkel und Schulz anfangen zu schnarchen, nachdem Merkel, das Konzept bereits im Vorfeld zum Korsett zu ihren Gunsten verwandelt hat.

    Für Bernhard Pörksen ist klar: „Das TV-Duell ist die Symptomveranstaltung eines politisch entleerten und inhaltlich entkernten Wahlkampfes. An Stelle von Sachfragen und Konzept-Unterschieden geht es um das Inszenierungsgerangel im Vorfeld und vor allem um die Meta-Ebene der Kommunikation: Wie teilen sich die Moderatoren die Zeit? Welche Spielregeln hat die Bundeskanzlerin vorab durchgesetzt? Wie düster ist die Stimmung aktuell in der SPD? Hier zeigt sich die Diskursermüdung, die diese Bundestagswahl charakterisiert, in selten deutlicher Weise.“

    http://www.wn.de/Welt/Kultur/Fernsehen/2962501-Merkel-vs.-Schulz-Das-Fuer-und-Wider-rund-ums-TV-Duell

  7. @ 6: „die Diskursermüdung, die diese Bundestagswahl charakterisiert“

    „Diskursermüdung“ geht in die richtige Richtung, doch treffender finde ich „Diskurserweichung“. Die Positionen der Parteien, die Aussichten haben in den künftigen Bundestag einzuziehen, sind allen Diskursteilnehmern klar. Die Unterschiede im Spektrum zwischen „Die Linke“ und „Alternative für Deutschland“ ist nicht allzu groß (außer in der Europa- und Flüchtlingspolitik), und die Diskursteilnehmer interessiert eher, welche Koalitionen wahrscheinlich sein könnten. Doch darüber darf vor der Wahl offiziell nicht diskutiert werden.
    Dieses Thema wird in der Fernsehdiskussion unausgesprochen im Raum stehen.
    Dabei steht wohl für viele Diskursteilnehmer fest, dass Angela Merkel und die CDU/CSU-Fraktion die Stimmenmehrheit gewinnen dürfte und sich ihren Koalitionspartner aussuchen darf: entweder Martin Schulz und seine SPD-Ministerriege oder Christian Lindner, der eigentlich kein ministeriables Personal zu bieten hat. Deshalb käme unter Umständen eine Jamaika-Koalition zustande, die für Angela Merkel und die CDU/CSU-Fraktion jedoch schwieriger zu ertragen wäre als die dritte Fortsetzung der Großen Koalition, die von Martin Schulz und seinen SPD-Ministern (als Notlösung) angestrebt wird, ohne das offen sagen zu dürfen. Doch in drei Wochen haben die Wahlberechtigten das Wort bzw. die Möglichkeit „ihre Stimme“ dazu abzugeben. Unter diesen Wahlberechtigten ist meines Erachtens keine wahlkampftypische Wechselstimmung zu erkennen, deshalb vermute ich, dass alles beim Alten bleiben wird, mit einer Minister-Rochade bei der SPD: Ich halte Martin Schulz wegen dessen langjährigen EU-Erfahrungen für besser geeignet für den Posten als Außenminister denn als Wirtschaftsminister. Auf diesen Posten dürfte Sigmar Gabriel zurückkehren, was er nur ungern tun wird, weil ihm der Posten als Außenminister offensichtlich gut gefällt.
    Zu Martin Schulz: Dieser könnte in der Fernsehdiskussion außer mit den SPD-Themen Gerechtigkeit und Bildung auch mit dem persönlichen Pfund seiner langjährigen EU-Erfahrungen wuchern.
    Dagegen braucht sich Angela Merkel einzig und allein als „Mutti der Nation“ zu präsentieren. Bei Sachthemen muss sie sich nicht umbedingt als fachkompetent beweisen.

  8. Wenn Angela Merkel ihren Herausforderer ein wenig kitzeln möchte, könnte sie Martin Schulz auf den Uralt-Jungsozialisten Gerhard Eigennutz ansprechen.

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