Nizza……es „muss“ doch ein Terrorist gewesen sein

Als ich Freitag Abend im Heute Journal Frau Slomkas Überlegungen hörte, ob es sich in Nizza um einen Terroristen handeln würde oder nicht, wurde mir erst im Nachgang deutlich, dass es für sie nur zwei Möglichkeiten gab: entweder ein vom IS ausgebildeter Terrorist zu sein oder ein sog. „einsamer Wolf“. Letzterer würde als unerkannter Einzelgänger, sozusagen als Schläfer, sich irgendwie radikalisiert haben, um dann überraschend zuzuschlagen.

Im Nachgang habe ich die dritte Möglichkeit (obwohl implizit von Frau Slomka angekündigt) vermisst, die bei der aktuellen Informationslage auch in Betracht gezogen werden muss. Nämlich, dass es sich bei dem Attentäter um einen psychisch Kranken oder Amokläufer oder einen sonst wie gewalttätigen Menschen handeln würde.

Es liegt in der gegenwärtigen, extrem angespannten und hoch sensibilisierten Situation, in der Nerven bei vielen blank liegen, nahe gleich an Terrorismus zu denken. Die gestern und zur Zeit aktuelle Informationslage lässt einen solchen Schluss aber (noch) nicht zu. Ich halte Frau Slomka für als Journalistin gut geerdet und kritisch genug, um keine vorschnellen emotionsgeladenen Aussagen zu machen.

Gestern hat sich aber gezeigt, dass sie auch Mensch ist, und ev so fühlen mag, wie andere Menschen, die sich nicht mehr vor ihren eigenen Ängsten schützen können. Und bei einer solch extremen Gewalttat unweigerlich an Terrorismus denken (müssen).

Andererseits gibt es berechtigten Anlass zu befürchten, dass und wie geschickt bzw, wie tief der Angst machende IS bereits jetzt schon in das Gefühlsleben der Menschen eingedrungen ist und dieses zu beherrschen beginnt.

Wenn es wie gesagt zur Zeit noch keine relevanten verlässlichen Hinweise auf Terrorismus gibt, ist also zu befürchten, dass Menschen, und da nehme ich Frau Slomka nicht aus, sich selbst zu terrorisieren beginnen. Wenden sie doch ihre eigenen Gefühle (hier die Angst vor Terrorismus) gegen sich selbst, nämlich gegen Selbstbestimmung und Freiheit als einen unsere Gesellschaft prägenden Wert. Nämlich die Freiheit auch daran festzuhalten, dass Terrorismus eine Möglichkeit ist, aber nicht die einzige.

Der französische Premierminister Manuel Valls zeigte sich übrigens am Freitag sogar überzeugt, dass der Tunesier ein organisierter Islamist war, auch wenn die Ermittlungen dies noch nicht bestätigt hätten.

Ganz im Unterschied zu einem ausgewiesenen französischen Terrorismus-Experten.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/nizza-anschlag-attentaeter-koennte-psychisch-krank-gewesen-sein-a-1103308.html