Oettinger schießt sich selbst ins Knie

Oettingers „Schlitzaugenrede“ war wohl ein Schuss ins eigene Knie. Fallen sie doch jetzt alle mit heftiger Kritik über ihn her, während er selbst seine Worte als „saloppe Äußerung“ neutralisieren will. China selbst drückt sein Erstaunen über das „verblüffende Überlegenheitsgefühl“ aus, so eine Sprecherin des Außenministeriums.

Nun, so etwas kommt immer wieder, auch in politischen Kreisen vor, nicht nur bei Spätpubertärern. Im Vergleich zur US-Schlammschlacht zwischen Trump und Clinton sind Oettingers Worte doch nur Peanuts. Also warum sich über Oettinger aufregen?

Habe mir die Auszüge der Rede auf Youtube angeschaut und finde den Kontext, in dem sich Oettinger sich geäußert hat, schon bemerkenswert. Betont er doch die Notwendigkeit Werte und Menschenbilder zu vertreten, um handlungsfähig zu bleiben. — Um dann ohne groß auszuholen, sich unverhohlen über die gegelten Frisuren von seinen chinesischen Gesprächspartnern (oder war es doch vielleicht „schwarze Schuhcreme“?) auszulassen. Er kann dabei meines Erachtens nicht den Anschein verbergen, sich lustig gemacht zu haben.

Wie passt das zusammen, frage ich mich: sich nämlich öffentlich über Gesprächspartner einer anderen Kultur lustig zumachen, sei es auch nur im saloppen Ton. Wenn er doch wissen müsste, dass China nicht unbedingt über unsere, was hier heißt Oettingers Art von Humor lachen kann.

Oettinger hat eine Rede in der offiziellen Öffentlichkeit gehalten. Und zwar in seiner politischen Funktion. Es war weder Stammtischgespräch, noch ein privater Plausch. Er hat dabei die Bedeutung von Werten und Menschenbildern angemahnt. Nicht nur das, sondern auch auf die besondere Bedeutung der hierauf aufbauenden Handlungsfähigkeit abgestellt.

Gerade das unterschiedliche Humorempfinden von Menschen oder unterschiedlichen Menschengruppen zu berücksichtigen, ist Teil der hohen Kunst von praktizierter Wertehaltung in Management und Politik. Gelingt es einem nicht, wird derjenige oftmals als überlegen wahrgenommen. Selbst fühlt man sich öffentlich vorgeführt (bei Chinesen kann dies leicht zum Erleben von Gesichtsverlust führen. Und Chinesen haben das bekannter weise nicht so gerne). Handlungsfähigkeit mutiert dann schnell zur Dysbalance der Kräfte.

Das müsste Oettinger als alter politischer Hase und schlauer Fuchs doch wissen.

Oft heißt es im Management: tue Gutes und rede drüber. Abgewandelt für Oettinger müsste dies heißen: rede gut und tu es dann auch.

 

 

7 Gedanken zu “Oettinger schießt sich selbst ins Knie

  1. Oettinger ist ja schon des öfteren aufgefallen durch die Art und Weise wie er sich ausdrückt. Mich erinnert das immer wieder an autistische Kommunikationsstile (das meine ich jetzt micht böse, bin selber ein wenig aspergerisch…). Intressant ist jedoch, dass er offenbar die Notwendigkeit, als Politiker auf seine Sprache zu achten, nicht erkennt. Damit stelle ich die geringe Lernfähigkeit vieler Politiker mal wieder in Frage. Aber Sie beobachten ja sehr diffizill.

  2. „Oettinger als alter politischer Hase und schlauer Fuchs“
    Ich dachte, das sei ein Billigbier…
    Vielleicht wollte Herr Oettinger gar nicht schießen? Er hat halt so geredet als stehe er in der Umkleidekabine mit Gleichgesinnten – das ist derzeit en vogue. Oettinger ist eher die harm- und humorlose Clownsversion eines Trampeltiers

  3. Das wirkliche Problem ist ein ganz anderes:

    Kein Politiker wäre so schamlos, im privaten Gespräch jene Dinge zu äußern, die er vor Parteitagsdelegierten und laufenden Kameras vorträgt.

    !!!!!

  4. Liebel Hell Guenthel Oettingel, nul Schlitzohlen wie Sie schaffen es, sich selbst ins Knie zu schießen, denn dabei ging Ihl folgendel voellig volulteilsfleie Satz an die Schlitzaugen, äh Chinesen, fast untel: „Bitte investielen Sie tlotzdem fleißig in Ländel del EU und lassen Sie sich Ihlen Hund schmecken.“

  5. Früher lachte man und ärgerte sich über Rentner, die Falschparker aufschrieben.
    Heute betätigt sich eine ganze Gesellschaft (und Blogchefs) als Moralhüter, Sittenwächter und Sprachpolizisten.

    Offensichtlich hat man genauso wenig Sinnvolles zu tun.

    Solange wir uns nicht mit der wirklichen Politik beschäftigen müssen, weils uns (zu) gut geht, haben wir kein echtes Problem.

  6. @ 6: Und ich hatte angenommen, Oettinger sei ein Politiker und hätte mit Lobbyisten, äh Unternehmern beim Europa-Abend des norddeutschen Unternehmensverbands AGA über wirklich wichtige politische (= ökonomische = echte) Probleme gesprochen…

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