Putin oder Trump, es kann nur ein Alphatier geben

Alle Welt schaut auf Helsinki. Alle Welt ist tatsächlich verunsichert durch die Twitter-Tiraden des wortgewaltigen US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump und durch den scharfen, undurchsichtigen Blick des Sphinx gleichen russischen Präsidenten Wladimir Putin. Politik lebt gerade in Momenten wie jetzt von der Interpretation. Man weiß nicht, was hinter verschlossenen Türen besprochen oder gar verabredet wurde. Alle Welt schaut daher (auch) auf das, was nicht gesagt wird, nämlich auf das wie Trump und Putin sich zeigen.

Alle Welt schaut auf die Körpersprache der beiden Präsidenten.

Erster öffentlicher Auftritt: beide Präsidenten mit Übersetzern vor der Presse. Trump ist weit nach vorn gelehnt, die Unterarme auf den Schenkeln aufgestützt. Sein Blick ist mit überweit geöffneten Augen offensichtlich auf die Journalisten im Raum gerichtet. Der Kopf leicht zur Seite geneigt, die Schulter dabei nach vorne geschoben. So zeigt sich jemand, der in die Offensive geht, der sich verteidigt, indem er angreift. Putin hingegen zupft seine Hemdmanschette zu recht, blickt wach und abwartend in die Runde. Einige Minuten später blicken beide Präsidenten sich (taxierend) an. Trump weiterhin in besagter Offensiv-Haltung, Putin hingegen mit der linken Hand in der Hosentasche reserviert aber leger. Er scheint genau zuzuhören ohne aber durch Trumps Offensive groß beeindruckt zu sein.

Wieder einige Momente später reichen sich beide die Hand, wobei Trump sich noch weiter nach vorne lehnt und während Putin mit seiner linken Hand die Stuhllehne hält. Würde Putin Trump nun zu sich rüber ziehen wollen, hätte er allein schon aufgrund der Gleichgewichtsverteilung leichtes Spiel. Trump würde sein Gleichgewicht in Sekundenschnelle verlieren. Trumps Gesicht ist dabei sichtlich errötet man könnte dies als ein Zeichen von hoher Erregung verstehen. Putin fixiert sein Gegenüber weiterhin eindrücklich so als wollte er ihn „hypnotisieren“.

Natürlich können beide Herren sich auch sichtlich erfreut schmunzelnd verständigen. Dabei scheint ein spontanes überzeugendes nonverbales Einverständnis vorzuherrschen. Nur könnte der Eindruck auch trügen. Während Trumps Handhaltung ihm Struktur und Halt gibt, genießt Putin locker und entspannt die gemeinsame Situation.

Trumps innere Energie muss raus, das lässt er die Welt tagtäglich manchmal sogar stündlich durch seine Tweets spüren. Er kann nicht anders. Er kann nicht stille halten. Er sprüht über und stolpert über sich selbst. Die wirre Vielfalt seiner Tweets und die darin getätigten oftmals widersprüchlichen Aussagen spiegeln dieses innere emotionale Chaos. Wenn er wie in Helsinki auf seinem Stuhl sitzt, sieht es aus, als wäre wie auf dem Sprung. Das ist eben Trump. Dabei versucht er sowohl durch die Lautstärke als auch durch begleitende Grimassierung seinen Worten ein Gewicht zu verleihen, was dem Gegenüber, nämlich der Welt Angst einflößen wollte. Und die Welt hat Angst vor ihm, scheint es doch nichts zu geben, was ihn ausbremsen könnte, was ihn gar ruhig stellen könnte.

Putin hingegen ist sehr gut geerdet und ruht in sich selbst. Er scheint zu wissen wer er ist und welch politisches Gewicht er darstellt. Er kann sich zurücknehmen, muss nicht wie Trump sich lauthals in den Mittelpunkt stellen. Gerade die Stille im Ausdruck, seine konzentrierte Wachheit für die Umgebung, in der er sich befindet, spiegeln dies. Putin wartet bis sein Gegenüber, hier Donald Trump, aufhört um dann seinen Part kurz und knapp unter Beweis zu stellen. Putins nonverbaler Auftritt ist dann der Beweis, nicht der Inhalt, den er präsentiert. Fast magisch-hypnotisch fixiert er sein Gegenüber und scheint zu wissen, wann und wie er den nächsten Aufschlag zu machen hat.

Man weiß nicht, was die Beiden hinter verschlossenen Türen verhandelt haben. Eins scheint aber durch das Erscheinungsbild bei der Pressekonferenz klar zu sein: Trump geht ebenso wie bei dem Eröffnungsritual eindeutig hinter Putin, ohne dass es sich um eine Höflichkeitsgeste handeln würde. Putin ist es, der den Lead hat. Und Trump kennt keine Höflichkeit, wie er jüngst der englischen Königin unter Beweis gestellt hat.

Trump ist bei der Pressekonferenz auch nicht in der Lage, der hochoffiziellen Situation angemessen zu stehen, nicht in der Lage, sich dem Protokoll entsprechend zu benehmen. Er scheint fast zu stolpern und man könnte meinen, er hätte seine Beine nicht unter Kontrolle. Noch signalisiert er die Souveränität wie es Putins Lächeln  überzeugend zum Ausdruck bringt. Trump blickt abgekämpft und düster drein.

Was hat, so könnte man fragen, Trump so viel Energie gekostet, dass er so abgekämpft wirkt? Was hat Putin erreicht, dass er so selbstsicher und fröhlich lächeln kann?

Ich erinnere mich an dieses Lächeln, wenn Putin mal wieder einen politischen Coup gelandet hat.

 

 

 

2 Gedanken zu “Putin oder Trump, es kann nur ein Alphatier geben

  1. „Der Kopf leicht zur Seite geneigt, die Schulter dabei nach vorne geschoben.“ Trumps Kopf ist, soweit ich sehe, IMMER zur Seite geneigt. einfache Erklärung: er hat einen sog. Schiefhals.

    Her Sollmann, wollen Sie nicht auch mal die Gesten von „Melania“ kommentieren (besonders jene letzte mit der deutlich entgleisten Mimik beim Treffen mit Putin)? Die lassen sich ja irgendwie immer auch als ein Kommentar zu Donald lesen.

    https://www.t-online.de/tv/news/id_84143130/melanias-wortlose-botschaften-an-die-welt.html

  2. Frafri #1 fragt:

    „Her Sollmann, wollen Sie nicht auch mal die Gesten von „Melania“ kommentieren (besonders jene letzte mit der deutlich entgleisten Mimik beim Treffen mit Putin)?“

    Noch besser fände ich Sarah Huckabee Sanders zu körperlesen.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Sarah_Huckabee_Sanders
    „Sarah Elizabeth Huckabee Sanders (born August 13, 1982) is an American campaign manager and political adviser who was appointed as the twenty-ninth White House Press Secretary in July 2017 and serves in the administration of President Donald Trump.*

    Ihre Pressekonferenzen sind oft auf CNN zu sehen.

    Als Nichtexperte im Körperlesen, sehe ich jedenfalls immer die beleidigt gelangweilte Fresse einer Mutter vor ihrem aufmüpfigen Nachwuchs. Ja. „Fresse“ ist das richtige Wort.

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