Kabarett – (Szenen eines systemischen Symposiums 1/3)

Stellen Sie sich vor, Sie besuchen ein Fachsymposium, schließen die Augen und hören nicht mehr auf die Inhalte, die Ihnen vorgetragen werden.

Stattdessen lassen Sie sich in den schwingenden Klang der Stimme des Vortragenden fallen. Beeindruckt von der Choreographie des Sprachtempos des Redners wächst das Erstaunen über die Kunst der überraschenden Handhabung rhetorischer Pausen. Sie bewundern die Besonderheit und Einzigartigkeit des Ausdrucks im Rausch der Sinne. Im Rausch Ihrer eigenen Sinne.

Die spontan gewachsene Überzeugung kann Ihnen nun niemand mehr nehmen. Nämlich die Überzeugung, dass jeder der Vortragenden seine ureigene, persönliche, unverwechselbare Handschrift besitzt.

Warum sollte es auch anders sein. Sind Sie doch gerade deswegen gekommen. Gekommen, um diesem einzigartigen Schauspiel (erneut, wie so oft) beizuwohnen.

Ich durfte in der vergangenen Woche an der Universität Witten-Herdecke ein solches Ereignis erleben. Eingeladen wurde zum Thema Systemische Konfliktbearbeitung in Organisationen. Die Vortragenden – ausgewiesene Experten ihres Themas. Das Publikum – sehr erfahrene und kompetente Kollegen aus dem deutschsprachigen Raum. Die Bühne – die erste private Hochschule Deutschlands.

Ich kam mir vor…..wie denn?

Nicht wie im Wiener Burgtheater. Nicht wie in der Frankfurter Oper. Nein, ich war glücklich über die wirklich gelungene Kabarettveranstaltung, in die ich hineingeraten war. Ganz unverhofft! Hatte ich doch eher eine tiefgründige, fachspezifische Veranstaltung erwartet. Gespickt mit Vorträgen, die der Bedeutung mehrperspektivischer Zugänge in Theorie und Praxis  Rechnung tragen würden. Und war das Motto doch gerade auch als spezifisch SYSTEMISCH ausgewiesen.

Ich habe noch gut einige zentrale Aussagen in Erinnerung wie „ich konstruiere mir meine Wirklichkeit“, „der Beobachter des Beobachters“. „es kommt auf die Perspektive an“ oder „aus hypnosystemischer Sicht gibt es gar keinen Konflikt“.

Wie ist es aber nun um die doch nicht zu leugnende persönliche Handschrift jedes einzelnen Vortragenden bestellt? Eine Handschrift, die unverkennbar und unabänderlich ist. Eine Handschrift oder ein Bewegungsmuster, das einem Finderabdruck gleich immer gleich ist. Und auch gleich bleibt, was er auch sagt, welche Perspektive er auch einnimmt, von welchem 2. Beobachter er auch gesehen wird.

Harald Schmidt ist Harald Schmidt. Günther Jauch ist Günther Jauch. Stefan Raab ist und bleibt Stefan Raab. Unabhängig von der Perspektive. Unabhängig von irgendwelchen 2. Beobachtern. Unabhängig davon, ob und wie ich mir mein eigenes Bild mache, im Hier und Jetzt. Sie vielleicht anders als ich ( oder auch nicht 🙂 ). – Im Grunde spielt es aber keine wirkliche Rolle.

Wenn ich ins Kabarett gehe, verfolge ich selbstverständlich die Pointen. Begeistert bin ich aber dadurch, dass ich wieder einmal Harald Schmidt oder Hagen Rether gesehen, gehört und erlebt habe. Laden diese Protagonisten mich doch ein, wieder einmal in das rauschende Meer meiner Sinneseindrücke abzutauchen. – Genauso wie Sie ja vielleicht, wenn Sie jetzt die Augen schließen.

 

 

 

 

9 Gedanken zu “Kabarett – (Szenen eines systemischen Symposiums 1/3)”

  1. Also Bitte – die Stimme ist doch keine Handschrift. Ganz und gar nicht. Und ich bin heute auch nicht die selbe (alte Oma) wie morgen. Das ist Ihre Betrachtung und liegt nur daran, dass Prof. Simon (z.B.) jedes seiner Bücher mit Fritz B. Simon als Autor angibt (manchmal schreibt er vielleicht auch Carl Auer…aber das ist ein minimaler Unterschied). Mehr schon aber nicht. (Im Grunde ist das eine üble Täuschung des Lesers, glaubt er doch wirklich, immer ein und denselben Autor vor sich zu haben…).

  2. Naja, wer glaubt in Witten sei die Wetterlage, da westlich wesentlich schlechter oder besser, hat halt nicht so ganz begriffen, was es mit dem Stein und seinen Nachfolgern im Pott so auf sich hatte.
    Wo Is denn irgendwas los? In diesem auf Smoothie getrimmten Saftladen? Alles immer nur dasselbe Regietheater? Na, prima.
    Wenn PB auch schon längst über die Wupper getanzt ist, Is es auch egal, welchen Eiertanz man noch voll führt. In dementia prä oder Post Cox. Hauptsache, es bleibt noch so viel Fleisch am Knochen, dass man damit zumindest noch mit ein paar Lippenblütlern an Aromaten die Geruchsorgeln im Stadrpark schwälmerich abnicken kann. Ja, die Harmonie und das Bermuda-Dreieck. Als Beides noch funktionierte, das waren noch Zeiten. Nich wahr, Herr Sollmann? ???

    • …tut mir leid lieber Fritz. Bin gerade aus China zurück und mach mich am Wochenende dran. 🙂

  3. Droi Choinoissen middem Kontrabois?
    Na denn man los, sons verpass ma nochn Starlight Express,un dann kannse gucken wiede nachm Bahnhof komms. Is nich so grad ma umme Egge.

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