Von Einflüsterern, Verführungsbonbons und anderen News

„Der Sinn empfängt von den Worten seine Würde, anstatt sie ihnen zu geben“, so Blaise Pascal.

Man kann viel über das streiten, was:

Lüge, falsche Information, Schwindel, Falschmeldung, Propaganda, Gerücht, Bots als maschinisierte Lügen oder entsprechender Irrweg, alternative Fakten oder oder oder genannt wird. Es hängt immer von der Perspektive ab, sagen die Einen. Und bekämpfen sich gegenseitig, unbeirrt angetrieben von der Hoffnung, am Ende die Wahrheit gefunden zu haben. Wähnt man sich doch als treuer und unerbittlicher Verfechter derselben. Natürlich meint dies konkret den insgeheimen Wunsch, letztendlich die meisten Anhänger um sich scharen zu können.

Betrachtet man das Geschehen von der Warte der Verführbarkeit durch solche menschlichen Erfindungen, wie es die Medien und das durch sie geschaffene virtuelle Gehabe einzusuggerieren versuchen, taucht der basale Sinn, die Sinneserfahrung als Orientierung auf. Ist doch die sinnliche Erfahrung schon seit Urzeiten der Zugang zur Welt. Natürlich kann man das virtuelle Geschehen, und all die oben genannten medialen Verführungsbonbons gehören dazu, nicht sinnlich erfahren. Es ist aber die Empfindlichkeit, mit der wir Menschen heutzutage auf das alles reagieren, gewachsen.

Wir sprechen also dem Erzeuger oder Vertreter solcher wie auch immer gearteten Information mehr oder weniger Vertrauen zu. Vor allem, wenn wir selbst die Dinge nicht durchschauen können oder sie uns über den Kopf wachsen. Diese Haltung macht uns Menschen dann eher anfällig oder verführbar für die eine oder die andere Art von Information. Anfällig für „Lügen“, die unser eigenes Weltbild bestätigen. Dort nämlich fühlen wir uns am ehesten zu Hause. Dort erleben wir uns sinnlich mit uns selbst und bezogen auf die Welt.

Wir brauchen eben die Geschichten, die uns glauben machen, dass sie das Leben sind, dass diese oder jene Geschichte unser Leben sei.

Was würde Kant hierzu sagen?

Blogfoto.

6 Gedanken zu “Von Einflüsterern, Verführungsbonbons und anderen News”

  1. Wie gern hätte ich ihn (Blaise Pascal) im realen Leben kennengelernt.
    Was bleibt, ist die reale Wirkung seiner Gedanken. Die machen (für mich) Sinn.

  2. Sie schneiden an altes Erkenntnisproblem an, das sich in der vernetzten Welt voller unterschiedlicher Interessen und Meinungen noch verschärft: Wir machen Aussagen über die Welt auf der Grundlage unserer Sinneserfahrung. Spätestens seit Kants Kritiken wissen wir, dass wir die Welt nicht auf die Art und Weise sehen, wie sie wirklich ist, sondern wie sie uns durch unsere Sinne erscheint.
    Die Aussage „Diese Tomate ist rot“ kann Wahrheit für sich nicht beanspruchen. Eine Tomate hat eine bestimmte Oberflächenbeschaffenheit, von der Lichtwellen mit einer bestimmten Wellenlänge reflektiert werden. Diese Wellen treffen unsere Retina, der Sehnerv leitet sie als elektromagnetische Impulse in den visuellen Cortex. Das beeinflusst unser Sehen. Erst jetzt rufen diese Impulse den Wahrnehmungseindruck für die Farbe Rot hervor. Die Farbe Rot ist in unserem Kopf und haftet nicht an der Tomate.
    Wie die „Tomate an sich“ ist, können wir nicht wissen, da wir versuchen müssten, die Tomate unabhängig von unseren Sinnen zu sehen, was unmöglich ist, da wir unabhängig von unseren Augen gar nichts sehen. Wir erkennen die „Tomate für uns“, aber Aussagen über die „Tomate an sich“ können wir nicht machen. Die „Tomate für uns“ ist ihre Erscheinung. Daher sollte man fragen, wie die Tomate uns erscheint und nicht, wie sie ist, um eine vernünftige Antwort zu erhalten.
    Die „Dinge an sich“ befinden sich außerhalb unseres Bewusstseins, dagegen liegen die Erscheinungen als Resultat von Sinnesreizen nur in uns. Wir schreiben – beim Beispiel mit der Farbe – der Tomate eine Eigenschaft zu, die sich gar nicht an ihr befindet.
    Ähnlich differenziert müssten wir auch mit politischen Aussagen umgehen und immer mitbedenken, wer was mit welcher Absicht über wen oder was sagt bzw. wie es uns erscheint, dass es ihm erscheint.

    • habe gerade ein Foto eingebaut. Schauen Sie doch mal nach, was Kant hierzu sagen würde. 🙂

      • Ein Foto ist eine trügerische Sinneserfahrung – zumal in Zeiten von Photoshop. Deshalb ist es ratsam, seine Kritikfähigkeit auf der Basis vernünftiger Erfahrungen und Erkenntnisse zu schärfen und Manipulations- und Indoktrinierungsversuchen Einhalt zu gebieten.

  3. Vielleicht benötigen wir Fake-News, um – ähnlich wie durch die künsterischen Irritationen von Escher, Magritte, Dalí und anderen – die Realität besser erkennen zu können?

  4. Manipulierte Bilder: Fake oder Fakt?
    Langsam gewöhnen wir uns daran, Fotos zunehmend zu misstrauen. Aber wie gut sind wir darin, manipulierte Bilder als solche zu erkennen? Nicht sehr gut, sagen Psychologen – aber testen Sie selbst.
    19.07.2017, von Sibylle Anderl
    http://www.faz.net/aktuell/wissen/geist-soziales/fake-oder-fakt-erkennen-wir-manipulierte-bilder-15110733.html?xtor=EREC-7-%5BPolitik%5D-20170720&utm_source=FAZnewsletter&utm_medium=email&utm_campaign=Newsletter_FAZ_Politik

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