Bewegung beim Sex

Die Bewegung macht’s. Sexuelle Zufriedenheit, Genusserleben, sexuelles Selbstbewusstsein, Orgasmus beim Verkehr – all diese schönen  Dinge hängen vom Einsatz des Körpers in der sexuellen Erregung ab. Von Muskelspannung, Atmung, Bewegung, Stimulation bestimmter Rezeptoren. Das zeigt Annette Bischof-Campbell in ihrer Masterarbeit an der Uni Zürich.

Mit einer Online-Befragung von 1400 Frauen suchte sie nach empirischen Belegen für den Approche Sexocorporelle, ein sexualtherapeutisches Vorgehen, das stark auf körpertherapeutische Methoden setzt.  Bewegung bei der sexuellen Erregung, also bei Selbstbefriedigung und beim Verkehr – im Gegensatz zu forcierter mechanischer Stimulation hängt nicht nur mit häufigeren Orgasmen und größerer Befriedigung zusammen, sondern auch mit stärkerem sexuellen Begehren und einer stolzen Beziehung zur eigenen Weiblichkeit.

Eine schöne Abwechslung in der sexualtherapeutischen Landschaft, wenn nicht zum x-ten Mal betont wird, dass das „Sprechen“ so wichtig sei und der Körper primär oder ausschließlich als kommunikativer Bedeutungsträger verstanden wird. Also Bewegung, aber richtig. Shake it, baby!

Download der Studie:

http://www.ziss.ch/Studie/

14 Gedanken zu “Bewegung beim Sex”

  1. nun, als Ferenczi, Reich u.a. den Körper, gerade auch in Bezug auf die Sexualität, praktisch in ihrer Arbeit zu wertschätzen begannen, förderte das nicht unbedingt Ihre Reputation im psa Feld.
    Als Reich, nachdem er aus diesem Feld ausgeschlossen wurde, sich sexualpädagogisch und politisch vor Ort in den tatsächlichen Lebensräumen der Menschen (Aufbau von Sexualberatungsstellen)praktisch betätigte, wurde er auch aus dem politischen (kommunistischen) Feld ausgeschlossen.

    Ich teile Ihre Aufassung und die Ergebnisse der Zürcher Arbeit voll und ganz. Die praktische Berücksichtigung dieser Auffassung im Psychotherapiezimmer (gerade wenn man über seine Praxis zu sprechen beginnt)ist für viele immer noch mit tatsächlichen Schwierigkeiten/Konsequenzen verbunden.
    So dürfen PT und HP für PT ihre Patienten/Klienten, gerade auch wenn es indiziert ist,nicht berühren. Mit dem Körper zu arbeiten ist prinzipiell und tatsächlich imemr mit der (Notwendigkeit von) Berührung verknüpft. Mit dem tatsächlichen Körper in der Körperpsychotherapie zu arbeiten steckt somit in einem sichtbaren Dilemma (bis hin zur Kriminalisierung.
    Zum Glück gibt es gerade im körperpsychotherapeutischen Feld genügend überzeugte und mutige KollegInnen. 🙂

  2. Das wußten wir natürlich längst vor der Studie. Wir „singen“ nicht nur gerne, wir „tanzen“ vor allem auch gerne.
    Also an die Männer, die hervorragende Tänzer sein können: Dance with me!
    Unter uns Frauen herrscht die Meinung, daß Männer Frauen vor allem nach deren Gang/Bewegung beurteilen würden, ob sie gut im Bett seien: Gang, ggf. à la Model, lange Beine, High Heels, etc.. Stimmt es, daß Männer das zum Beurteilen heranziehen und gibt es Studien dazu? Oder wird doch eher auf andere Dinge geachtet (Blick, Mund, Brust, Po, Pheromone/Zeit um die Ovulation, usw.)?

  3. Ich habe es an anderer Stelle hier schon erwähnt. Ich bin regelmäßig in einem Fitnesstraining, bei dem mit dem Körper und der Atmung gearbeitet wird und nicht an Geräten geübt wird. Eine tolle Erfahrung und für mich das geeignete Mittel, sich den eigenen Körper bewusst anzueignen. In der Zwischenzeit bin ich sehr sicher in dem, was mein Körper will und nicht will. Für diese Erfahrung schwitze ich gerne vor mich hin und habe ab und zu heftigen Muskelkater. Dann diese Körpererfahrung ins Bett zu übertragen ist nur noch ein kleiner Schritt…:-)

  4. Als sinnvolle Ergänzung zu „Just do it“?

    @1 Ihren Kommentar zu obigen Thema finde ich sehr interessant. Ich stimme Ihnen voll und ganz zu.
    Meine Meinung ist, ohne ein Minimum an Sympathie kommt keine therapeutische Beziehung zustande. Sympathie, Vertrauen und sich öffnen führen zwangsläufig zu Liebe. Liebe will verwirklicht werden. Der klare Rahmen: „Ich werde Sie berühren, aber glauben Sie nicht, daß ich was von Ihnen will, denn ich ziehe meine persönliche Befriedigung daraus, Ihnen zu helfen.“ macht die Sache sehr spannend.
    Meine therapeutische Beziehung ist ganz schnell in sich zusammengefallen, als mir meine „Übertragungsgefühle“, ich als Laie nenne das Liebe, abhanden gekommen sind. Ist das jetzt der Beweis für meine Therapieresistenz? Gibt es eigentlich Studien, wie hoch der Anteil der Klienten ist, die sich in ihre Therapeuten verlieben und umgekehrt…und vor allem wie hoch ist der Anteil der angeödeten Frauen, die ihre Phantasien mit dem Paartherapeuten füllen und so ihre sexuelle Beziehung zum Partner aufpeppen, aber ich komme vom Thema ab…
    Was ich eigentlich fragen wollte, ist die Therapie zu Ende oder erfolgreich, wenn sich der Klient diese Berührung wünscht?

    @2 Keine Antwort ist auch eine Antwort.
    Um unsere Neugier (was sonst) zu befriedigen, könnten wir doch mal Herrn Brüderle an der Hotelbar auflauern.

    @3 Was jetzt?

  5. @5: Was meinen Sie damit, daß keine Antwort auch eine sei? Daß die Männer auf Bewegung achten? Ich denke, sie achten natürlich darauf. Ich hätte nur gern genauer fachlich (nicht aus Neugierde) gewußt, ob sie es empirisch belegt alle tun und anderen Bewertungsverfahren vorziehen. ?

    Ich persönlich glaube nicht, daß Sympathie, Vertrauen und Sich-Öffnen zwangsläufig zu Liebe führen, sondern ein Stück Intimität möglich machen, was wiederum den Therapieerfolg oder in anderen Kontexten die Art der Begegnung begünstigt. Liebe ist etwas völlig anderes, eine ganz andere Stufe. Ich denke, daß Liebe nicht ohne Intimität denkbar ist, Intimität wohl aber ohne Liebe.

    Intitmität ermöglicht auch auf Therapeutenseite ein Stück Selbsterfahrung, Begegnung mit sich selbst und manchmal Reifung, auch wenn das meist nicht ausgesprochen wird.
    Insofern können beide Seiten von Intitmität profitieren.

    @alle Blogschreiber: Wie ist das mit der Intimtität generell? In der Therapie auf beiden Seiten und auch sonst?
    Welcher Therapeut hat das noch nicht gespürt? Sich noch nicht verliebt?

    @Blogger: Ich würde mich auch über Themen zu männlicher Sexualität sehr freuen, die uns Frauen natürlich mächtig interessieren. Es geht oft um die Frauen, die sich doch sowieso so offen und selbstbewußt zeigen und auch diesen Blog kräftig mitgestalten. Aber was ist denn mit all den Männern, den jüngeren, mittleren, älteren, den Singles, Partnern, Vätern, dominanten, dominierten, etc., MatO, tobi und Herrn Sollmann, die ja einfrig schreiben, ausgenommen? Was ist mit männlicher Sexualität? Irgendwie kommt mir diese hier im Blog oft so „verhuscht“ vor im Kontrast zur „stolzen Beziehung zur eigenen Weiblichkeit“.

  6. @6 Ihren Kommentar finde ich klasse! Dem kann ich nur voll zustimmen. Mehr von der männlichen Sexualität und dem was Männer denken und fühlen mitzukriegen, halte ich für die eigene Positionierung zum anderen Geschlecht für total wichtig.

  7. Der UC-Fanclub Sektion Berlin Südwest hat soeben einstimmig beschlossen:
    Auch wir möchten hier mehr über männliche Sexualität lesen.

  8. Und: Greta sollte mal eine ihrer Mitarbeiterinnen dichten und tippen lassen, die können das besser.

  9. @Thema: Eine sehr interessante und umfassende Arbeit. Daß das Augenmerk dabei auf den lebenspraktischen Bewegungsmodi liegt ist äußerst spannend und erklärt anschaulich, warum weibliche Orgasmen so unterschiedlich und auch multipel sein können und warum frau sie eben doch sehr gut erlernen und abrufen kann. Die notwendige Verbindung Gehirn/ Erotik und Körper wird ebenfalls erarbeitet, interessant dabei v.a. auch die Unterscheidung in sinnlich-sexuell und koital-sexuell. Interssant außerdem die Annahme, daß bei Orgasmen, die rein durch Fantasien enstehen, archaische Bewegungsmuster eingesetzt werden – also doch nicht nur Hirn, sondern ganz schön viel Körper, auch wenn das Gehrin das dann unbewußt steuert und man an Körpereinsatz gar nicht denken würde.
    Wie ist das denn bei den Männern mit den Orgasmen: sind die alle eher gleich, mal von Unterschieden in der Stärke abgesehen oder gibt es da auch unterschiedliche Formen (auf Genitalregion beschränkt/Ganzkörper/archaische Muster) mit unterschiedlichen Bewegungsmodi o.ä.?

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