„Sexismus“ und Politiker

Rainer Brüderle, so steht es im STERN, soll eine und nicht nur eine Journalistin sexuell angemacht haben. Die Journalistin Laura Himmelreich, wollte sich in einem professionellen Gespräch mit ihm unterhalten. Abends an der Hotelbar. „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen“, soll Brüderle festgestellt haben. Und noch die eine oder andere Zote von sich gegeben haben. Das ganze firmiert im STERN unter „alltäglicher Sexismus in der Politik“.

Ich frage mich, wen es wundert, dass ein Mann abends an der Hotelbar eine Frau anmacht. Wofür sind Hotelbars denn da? Wenn eine Journalistin diese Situation wählt, setzt sie bewußt auf die Uneindeutigkeit des Ortes und die Kontextvermengung von Information und Anmache. Zumindest nimmt sie es wissend in Kauf. Wer hier Opfer und Täter ist, scheint mir nicht so klar. Ich erinnere an die Waidmanns-Weisheit „Frauen sind die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert.“

Auch wenn Rainer Brüderle nicht mein liebster Politiker ist, kann ich nichts besonders verwerfliches  daran finden, wenn er eine Frau an der Bar anbaggert. Ästhetisch vielleicht, aber nicht moralisch. Die geschlechterpolitische Empörung wertet die direkt oder indirekt mitspielenden Frauen als naiv ab.  Das sollte man einer erwachsenen Frau im 21. Jahrhundert nicht unterstellen.

 

 

17 Gedanken zu “„Sexismus“ und Politiker”

  1. Das stimmt.
    Da ich mich in Männer gar nicht einfühlen kann interessiert mich, was er eigentlich bezweckt hat. Er kann doch nicht annehmen, daß Journalistinnen auf besonders niveaulose Sprüche stehen und es für sich behalten, wenn ihnen die Ehre zuteil wird von ihm angemacht zu werden.

  2. Manchmal produziert fehlende ´Ästhetik´ offensichtlich eine breite Projektionsfläche, besonders für Themen, die selektieren und mit Ungerechtigkeit behaftet sind.

  3. Weder die Handlung an sich noch den Satz finde ich besonders verwerflich. Bin immerhin unter dem weiß-blauen Himmel geboren und dort gilt ein solches Statement als echtes Kompliment. Besser als die Bemerkung, daß man wohl kein Holz vor der Hütten hätte. Dirndl adé. Es gibt bestimmt noch deutlich blödere Sprüche und natürlich auch sehr viel schönere. Andere Bundesländer, andere Sitten. Vielleicht hat die Dame der schwäbische Akzent gestört. Er spricht doch schwäbisch oder irre ich mich?

  4. Zuwenigst einigen Männern, die RB kritisieren für sein doch eher harmloses Gelaber – das ja, wie berichtet wird, dazu führte, dass ihn seine Aufpasserin zu Bett führte und nicht er die von ihm begehrte Journalistin – , darf schlicht Neid unterstellt werden, dass sie nicht wichtig genug sind, sich so wichtig nehmen zu dürfen wie ihr Geschlechtsbrüderle, von dem dann auch noch alle reden.

  5. Der Grad zwischen plumper Anmache und Sexismus ist manchmal sehr schmal. In dieser Story kann ich nur eine armselige Anmache erkennen, die das „Opfer“ des Begehrens auch noch vergleicht mit der Frauenfeindlichkeit und Diffamierung gegen Frau Meiritz (Spiegel). Von einer „Journalistin“ (und Herrn Osterkorn) sollte man doch mehr Sorgfalt und Urteilsvermögen erwarten dürfen.
    Dass ausgerechnet der Stern sich als Kämpfer gegen Sexismus inszeniert, mutet so an als wollte uns die katholische Kirche den richtigen Umgang mit sexuellem Missbrauch erlären.
    Das ganze schadet der Debatte um Sexismus viel mehr als es ihr nützt.
    Frau Himmelreich wird das Ressort wechseln müssen, mit halboffiziellen Politiker-Interviews wird sie kaum mehr aufwarten können.
    Waidmanns Dank!

  6. @10: Wow! Ich glaub, ich muß sie gleich fragen, wo ich diese frauenfreundliche Welt finden kann, in denen die Frauen so sehr gefördert werden und die Männer schlecht weg kommen…

    Auf die Argumente könnte man im einzelnen eingehen und Gegenargumente aufstellen, aber das würde den Rahmen hier sprengen.
    Selbst die DGPPN warnt z.B. vor der erschreckend stark steigenden Zahl psychisch kranker erwerbstätiger Mütter, merkwürdigerweise nicht von der der Väter.

    Liebe Männer,
    ohne Euch wäre diese Welt nur halb so schön – auch in diesem Blog. Ja, ja, Ihr habt es manchmal auch schwer, das ist uns wohl bewußt. Und mit der Findung der „neuen männlichen Rolle“ dauert es auch noch ein bissel; wir warten gerne und sehr gespannt. Aber dämonisiert werdet Ihr nun wirklich nicht und Ihr seid auch nicht die falschen Feinde… in unseren Betten (oder wie hieß der Film?).
    Die Opferrolle würde uns wie auch Euch sicher vertreiben – sie wäre nicht sexy. Und daß wir und Ihr alle nur das Eine wollen, darin sind wir uns doch einig. Oder?

    Ich könnte mich kringeln, welch hohe Wellen eine solche Anmache und das Verhalten der Journalistin schlägt. Das ist schon absurd. Dabei hat sie „lediglich“ einige Formfehler gemacht und er war offensichtlich beim Flirten nicht hinreichend kontextsensibel.

  7. @12 Genau! Eine Dominanzgeste.

    Das erinnert mich irgendwie an Simons Sodomie/FDP Beitrag vom 6.Januar.

  8. @12. finde den Beitrag von Frau Sichtermann eine gute Ergänzung zum belustigten Bagatellisieren unter Rückgriff auf die selbstbewusste Frau ebenso wie die erbitterte Sexismusdebatte andernorts. Sie fügt eine interessante Perspektive hinzu: Die Kultur hat sich bereits verändert, was manche Brüderchen noch nicht geschnallt haben. Es geht nicht darum, dass die Frau von heute nicht wüsste, dass sie auf Augenhöhe ist. So ein „Kompliment“ kann frau ohne das Gefühl von Degradierung hinnehmen. Sie ist aber vielleicht unangenehm berührt davon, dass das Gegenüber gleichsam aus einer vergangenen Zeit zu ihr spricht.
    Natürlich gehört zum schönen Jäger-Beute-Spiel weiterhin der männliche Übergriff. Alles in seinem Kontext. Womit wir doch wieder bei der Ästhetik sind – aber eben vielleicht doch nicht nur.

  9. @12 bis 14: Ja, sehr gut, das stimmt natürlich.
    Wir wissen nur nicht, ob Herr Brüderle und Frau Himmelreich nicht längst begonnen hatten zu flirten; denn dann käme der ästhetische Aspekt wieder ins Spiel.
    Losgelöst von diesem Fall stimmt, was Frau Sichtermann schreibt. Ja, wir sind auf Augenhöhe, fachlich zum Teil besser qualifiziert, usw., wollen nicht ständig auf unser Geschlecht degradiert werden.
    Und dennoch: es begegnen sich auch in der Arbeitswelt Mann und Frau. Eine gewisse erotische Komponente finde ich auch da nicht gerade schlecht und sie kann diese Welt attraktiver und auch manchmal für uns Frauen leichter machen. Ich meine dabei nicht sexistische Anmachen, sich nach oben schlafen, etc.. Nein. Aber mit einem Hauch Erotik, ästhetisch und sehr fein ausgespielt kann vieles auch besser laufen und sogar mehr Spaß machen. Vielleicht kann Frau so und sogar nur so ganz oben mitmischen.

  10. @ 15 wie recht sie haben!
    im letzten abschnitt sprechen sie einen aspekt an, der eher verkrampften debatte (nicht hier in diesem blog) unter den tisch zu fallen scheint.

    heute in der taz hat agnes krummwiede der diskussion noch einmal eine etwas andere richtung gegeben – nicht zu gunsten der medien, um es vornehm auszudrücken.
    http://m.taz.de/!110050;m/

  11. „So ein “Kompliment” kann frau ohne das Gefühl von Degradierung hinnehmen.“ Im Job? Da muß frau aber sehr schlagfertig, kontextsensibel, kompetent, dickfellig und was weiß ich noch was sein. Daß sich die Kultur ändert stimmt. Ich arbeite in einer sehr männerdominierten Branche und sexistisch sind in der Tat nur die älteren Herren (die ostdeutschen eher nicht).

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