autobahnuniversität / Kurt Ludewig - Werte in der Psychotherapie

"Werte in der Psychotherapie" lautete der Titel eines Symposiums im Rahmen des legendären Heidelberger Kongresses "Science/Fiction - Fundamentalismus und Beliebigkeit in Wissenschaft und Therapie" im Jahr 1996. Kurt Ludewig, Günter Reich und Jürg Willi führten die Diskussion und gaben zuvor Impulsreferate, die von der Autobahnuniversität aufgenommen wurden.


Kurt Ludewig, Autor grundlegender Werke zu Konzept, Entwicklung und Praxis systemischer Therapie, bezieht sich in seinem Impulsvortrag u. a. auf die von Niklas Luhmann so bezeichnete Leitunterscheidung bzw. den Code der Moral-Kommunikation: Gut/Böse. Ausgehend vom Menschenbild eines konstruktivistischen Ansatzes im Anschluss an Humberto Maturana, Heinz von Foerster und Ernst von Glasersfeld formuliert Kurt Ludewig zwei Grundgebote einer systemischen Ethik im psychotherapeutischen Prozess:


1. Akzeptanz: Achte die Vielfalt der individuellen Welten
2. Respekt: Achte den Anderen


Wenn der Beobachter bzw. die Aktivität Beobachtung als Ausgangspunkt für die Konstruktion von Wirklichkeit gesetzt werden, wie bei Maturana und von Foerster, sind Beobachter keine einfachen Kopierapparate von Realität, sondern aktiv gestaltend. Nach von Foerster muss daraus gefolgert werden, dass ein ethisches "Du sollst" zu ersetzen ist durch "Ich soll". Eigene Verantwortung, so wiederum Maturana, ist nicht zu umgehen. Für von Glasersfeld folgt daraus: Konstruktivisten können keinen Katechismus schreiben. Ludewig: "Werde dir bewusst, dass du wählst bzw. entscheidest."


Die sich entfaltende existenzielle Paradoxie steht im Spannungsfeld der Pole Autonomie und zugleich existenzielle Angewiesenheit auf Andere. In der Begegnung sozialer und auf Sozialität angewiesener Organismen, die, wie Menschen, in Sprache operieren, ist klar: Ein sprachliches Wesen kommt nicht allein vor. Systemische Therapie als praktische Umsetzung systemischen Denkens braucht insofern eine Haltung, die sich an den Grundgeboten orientiert. Sie vollzieht sich in Kommunikation mit dem Ziel, Bedingungen für die Auflösung von Lebensproblemen gemeinsam herzustellen. Dazu gehört seitens des Therapeuten auch der Mut, Klienten zu ermuntern, sich auf Risiken einzulassen.


Kurt Ludewig, Dr. phil., Diplom-Psychologe; systemischer Therapeut und Supervisor. 1974–2004 klinische Tätigkeit an den Unikliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hamburg und Münster. Seit 2008 selbstständige Tätigkeit als Supervisor und Lehrer. Gründungsvorsitzender des Instituts für systemische Studien Hamburg (1984-1996) und der deutschen Systemischen Gesellschaft (1993-1999). 2001–2005 Vorstandsmitglied der Kammer der Nationalen Organisationen an der European Family Therapy Association (EFTA). Publikationen u. a.: „Einführung in die theoretischen Grundlagen der Systemischen Therapie“ (4. Aufl. 2021), „Entwicklungen systemischer Therapie“ (2013) und "Systemische Therapie" (2015). Arbeitsschwerpunkte: Systemische Therapie, Beratung und Supervision mit Einzelnen, Paaren und Familien.



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