Wer einer Organisation beitritt (z.B. einen Arbeitsvertrag unterschreibt), gibt - mehr oder weniger freiwillig - einen Teil seiner Freiheitsrechte auf. Er oder sie erklärt sich bereit, sich an die expliziten oder implizten Spielregeln der Organisation zu halten. Das betrifft vor allem die Notwendigkeit Entscheidungen anderer zu akzeptieren und sich ihnen gegebenenfalls unterzuordnen. Die Kommunikation von Entscheidungen, an die sich andere Entscheidungen anschließen, ist die spezifische Weise des Selbsterhalts von Organisationen (=Aufrechterhaltung der Autopoiese) - oder auch des Wegs in den Abgrund, wenn die Entscheidungen dysfunktionell sind. Wer diese Entscheidungen trifft bzw. empfängt und ob diese Entscheidungen durch einen Teamprozess (z.B. mit Hilfe von Design-Thinking-Techniken o.Ä.) getroffen wurde oder von einem einsam entscheidenden Patriarchen, ist dabei im Prinzip egal. Allein von Bedeutung ist, dass der Anschluß von Entscheidungen an Entscheidungen die Organisation als abgegrenzte Einheit erhält (oder auch nicht, wie etwa bei Fusionen, Mergers oder Übernahmen - von Pleiten gar nicht zu sprechen).


 


Literatur:


"Da Mitgliedschaften durch Entscheidungen begründet werden und das weitere Verhalten der Mitglieder in Entscheidungssituationen von der Mitgliedschaft abhängt, kann man Organisationen auch als autopoietische Systeme auf der operativen Basis der Kommunikation von Entscheidungen charakterisieren. Sie produzieren Entscheidungen aus Entscheidungen und sind in diesem Sinne operativ geschlossene Systeme. In der Form der Entscheidung liegt zugleich ein Moment struktureller Unbestimmtheit. Und da jede Entscheidung weitere Entscheidungen herausfordert, wird diese Unbestimmtheit mit jeder Entscheidung reproduziert. […] Organisationen erzeugen Entscheidungsmöglichkeiten, die es anderenfalls nicht gäbe. Sie setzen Entscheidungen als Kontexte für Entscheidungen ein. An die Entscheidung über Mitgliedschaft können Unmengen anderer Entscheidungen angeschlossen werden. Man kann Weisungsunterworfenheit vorsehen, Arbeitsprogramme festlegen, Kommunikationswege vorschreiben, Personaleinstellungen und Personalbewegungen regulieren, und all das in allgemeiner Form, die dann situativ in Entscheidungen umgesetzt wird." (S. 830)

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„Jeder kann immer auch anders handeln und mag den Wünschen und Erwartungen entsprechen oder auch nicht – aber nicht als Mitglied einer Organisation. Hier hat er sich durch Eintritt gebunden und läuft Gefahr, die Mitgliedschaft zu verlieren, wenn er sich hartnäckig querlegt. Mitgliedschaft in Organisationen ist mithin kein gesellschaftlich notwendiger (obwohl heute in vielen Hinsichten fast unvermeidlicher) Status. Mitgliedschaft beruht auf Mobilität, und Mobilität muss gesellschaftlich zugelassen sein. Sie wird durch Entscheidung (und hier typisch: eine Kombination von Selbstselektion und Fremdselektion) erworben und kann durch Entscheidung (hier entweder Austritt oder Entlassung) verloren gehen.“ (S. 829)

Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt (Suhrkamp).

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"Die Organisationssoziologie hat (...) die Mitgliedschaft zum Definitionsmerkmal dessen gemacht, was Organisationen von anderen sozialen Systemen, zum Beispiel von einem Funktionssystem wie der Wirtschaft, der Politik oder der Wirtschaft, aber auch von flüchtigen Interaktionssystemen wie Unterhaltungen, Parties oder was immer unterscheidet. Man kann sich frei entscheiden, Mitglied einer Organisation zu werden oder nicht, und kann sich auch, bestimmte Kündigungsregeln akzeptierend, frei entscheiden, aus einr Organisation wieder auszutreten. Aber wenn man die Beitrittsentscheidung einmal getroffen hat, ist man Mitglied der Organisation und muß sich auch als solches behandeln lassen."

 

Baecker, Dirk (2003): Organisation und Management. Frankfurt (Suhrkamp), S. 30.