Es gibt zwar vielfältige gesetzliche Regelungen, die von beiden Vertragspartnern - Miglied und Organisation - verlangen, dass sie gegenseitig ein loyales Verhalten zeigen. Der Begriff der "Loyalität" leitet sich von Frz. "loi" (Gesetz) ab, womit schon auf die gesetzlich definierten, zu erwartenden Erwartungen aneinander verwiesen ist. Aber auch wenn dies für viele Mitglieder von Organisationen keinerlei gesetzlicher Regelungen befürfte, da für sie ein Gefühl der Loyalität mit dem Gefühl der Zugehörigkeit gekoppelt ist, kann dies nicht selbstverständlich vorausgesetzt werden. Deswegen verlangen manche Organisationen von ihren Miglieder eine Verschwiegenheitserkärung (NDA) zu unerzeichnen. Und deswegen ist auch der Status für "Whistleblower" häufig so prekär, da sie sich fast zwangsläufig in einem Konflikt zwischen der Loyalität gegenüber ihrer Organisation und irgendwelchen höheren Werten erleben, wenn z.B. ihr Unternehmen in krimineller Weise Müll oder Giftstoffe entsorgt usw. Da die meisten Mitglieder sich zu unterschiedlichen sozialen Einheiten (innerhalb und außerhalb der Organisation) zugehörig fühlen, können sie in Loyalitätskonflikte geraten... Die Loyalität der Organisation ist - im Unterschied zu der ihrer Mitglieder - nicht durch Gefühle gestützt (da soziale Systeme nicht "fühlen"), sondern formal, d.h. rechtlich, abgesichert (was nicht ausschließt, dass sogenannte "Entscheider" aufgrund von Loyalitätsgefühlen ihren Mitarbeitern gegenüber "für die Organisation" entscheiden).


 


Literatur:


"Organization members are social persons, whose knowledge, beliefs, preferences, loyalties are all products of the social entvironments in which they grew up, and the environments in which they now live and work. Because of these complex loyalties to a variety of groups and subgroups  - including the self and family, organizations and their subunits - intrapersonal and interpersonal conflicts are omnipresent features of organizational life. These loyalties develop and shape the actions of organization members. In particular, the strong loyalties to organizational units, global or parochial, that people acquire constitute a basic mechanism for securing adherence to organizational goals."


March, James G., Herbert A. Simon (1958): Organizations. Cambridge, Massachusetts (Blackwell) 1993, S. 13f.