Geld ist das zwar (symbolisch generalisierte) Kommunikationsmedium, das die meisten Kommunikationen auf einem Markt definiert, aber es gibt auch Märkte, auf denen Transaktionen ohne die Vermittlung von Geld vollzogen werden: Tauschmärkte. Man tauscht zum Beispiel Briefmarken gegen andere Briefmarken, Bierdeckel gegen andere Bierdeckel, und so geschieht das auch bei anderen sammelbaren Gegenständen (z.B. Kronkorken). Und wenn es um größere Transaktionen geht, dann können auch Röhren gegen Erdgas getauscht werden (Barter-Geschäfte).


Aber dies alles ist nur ein minimaler, mehr oder weniger zu vernachlässigender Teil der weltweit stattfindenden Märkte und der dort vollzogenen Transaktionen. Im allgemeinen findet man auf Märkten einen Typus von Interaktion, bei dem alle Merkmale und Besonderheiten der Teilnehmer vollkommen uninteressant sind außer der Tatsache, dass sie entweder - auf der einen Seite - im Besitz eines Gutes sind (d.h. eines Gegenstands oder der Kompetenz eine Dienstleistung zu vollziehen) oder - auf der anderen Seite - im Besitz von Geld oder eines - um die Briefmarkensammler nicht zu vernachlässigen - Gegenstands, die getauscht werden könnten. Außerdem muss es auf beiden Seiten die Bereitschaft geben, sich von seinem Eigentum zu trennen, um ein anderes zu erwerben. 


Um miteinander "ins Geschäft" zu kommen, braucht man also im Prinzip nichts voneinander zu wissen, außer dass der andere in der Lage ist zu kaufen bzw. zu verkaufen. Was auf Märkten geschieht, ist daher immer mit einer graandiose Abstraktion von alle sozialen Unterschieden - Herkunft, Status, Bildung, Religion, Beruf, Geschlecht, sexuelle Orientierung usw. - verbunden (außer der Tatsache, dass manche Leute mehr Geld haben als andere oder mehr zu verkaufen haben also andere). Die Arm-reich-Unterscheidung ist die einzige, die für den Markt bzw. die Teilnahme an den dort vollziehbaren Transaktionen relevant ist.


Wo immer soziale Spielregeln "den Märkten" überlassen werden, kommt es zu einer sozialen Entdifferenzierung, zur Spaltung der Gesellschaft zwischen Arm und Reich.


 


Literatur:

 

"Der Mechanismus des Marktes ist über den Begrif der Ware mit den verschiedenen Elementen der gewerbichen Wirtschaft verzahnt. Waren werden hier empirisch als Objekte definiert, die für den Verkauf auf dem Markt erzeugt werden; Märkte wiederum werden empirisch als die tatsächlichen Kontakte zwischen Käufern und Verkäufern definiert. Soit wird angenommen, daß jegliches Erzeugnis der gewerblichen Wirtschaft für den Markt produziert wurde, da es dann, und nur dann, dem Angebots- und Nachfrqagemechanismus unterliegt, der wiederum mit dem Preis zusammenwirkt. In der Praxis bedeutet diese, daß es für jedes Element auf diesen Märkten in eine Angebots- und eine Nachfragegruppe eingeteilt ist, und daß jedes Element einen Preis hat, der sich durch Nachfrage und Angebot bildet. Diese Märkte - es sind unzählige - sind untereinander verbunden und bilden einen einzigen großen Markt."

 

Polanyi, Karl (1944): The Great Transformation. Frankfurt (Suhrkamp) 1978, S. 107.

 

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"Die durch Märkte vermittelten Transaktionen nehmen in der Frühmoderne rapide zu. Die lokale bzw.. regionale Differenzierung der Märkte wird überformt oder sogar ersetzt durch eine warenspezifische (also rein ökonomische) Differenzierung der Märkte für Seide, für Getreide, schließlich sogar für Bilder, Graphien, Skulpturen. Entsprechend löst sich der Begriff des Marktes ab von der Bezeichnung bestimmter, für Transaktioen freigegebener Plätze und wird zum Formbegriff, der die Eigenlogik der Transaktionen bezeichnet, die von keinem weiteren Sozialmerkmal abhängen."

 

Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt (Suhrkamp), S. 724f.

 

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"Daher ist denn auch die Meßfunktion des Geldes, die von vornherein am wenigsten an die Materialität seines Substrats geknüpft ist, durch die Veränderungen der modernen Wirtschaft am wenigsten alteriert worden.

Ein Maßverhältnis zwischen zwei Größen nicht mehr durch unmittelbares Aneinanderhalten herzustellen, sondern daraufhin, daß jede derselben zu je einer anderen Größe ein Verhältnis hat und diese beiden Verhältnisse einander gleich oder ungleich sind - das ist einer der größten Fortschritte, die die Menschheit gemacht hat, die Entdeckung einer neuen Welt aus dem Material der alten. Zwei Leistungen ganz verschiedener Höhe bieten sich dar - sie werden vergleichbar, da sie im Verhältnis zu dem Kraftmaß, das jeder der Leistenden einzusetzen hatte, die gleiche Willenanspannung und Hingebung zeigen; zwei Schicksale stehen auf der Skala des Glücks weit voneinander ab - aber sie gewinnen sogleich eine meßbare Beziehung, wenn man jedes auf das Maß des Verdienstes hin ansieht, durch das sein Träger seiner würdig oder unwürdig ist."

Simmel, Georg (1900): Philosphie des Geldes. Frankfurt (Suhrkamp) Gesamtausgabe Bd. 6, (1989) S. 162.