Man kann Jodelkurse anbieten, Gold verkaufen, Atomkraftwerke, Heroin oder Autos, und wer wem was verkauft und aus welchen Motiven, ist ohne Bedeutung, solange der Handel überhaupt zustande kommt. Danach kann er sofort vergessen werden. 


Der evolutionäre Vorteil der Erfindung von Märkten ist, dass die Teilnehmer nichts voneinander wissen müssen und im Prinzip auch keiner speziellen Ausbildung bedürfen. Kleine Kinder bieten auf Flohmärkten ihr altes Spielzeug und Steine an, die sie gefunden haben, Einwanderer, die weder die Sprache noch die Sitten ihres neuen Heimatlandes kennen, kochen und verkaufen am selben Ort Spezialitäten ihrer alten Heimat usw.


 


Literatur:


"Die Entfaltung der Kompexität des Entscheidungsverhaltens in Netzwerke der Konkurrenz und der Kooperation etabliert den Markt als einen Rechenmodus eigenen Typs. Dieser Rechenmodus besteht aus einigen wenigen Elementen. Erstens wir eine Komplexitätsreduktion vorgenommen, die darin besteht, die Intrasparenz der Gegenseite nicht zu beklagen, sondern hinzunehmen. Bedürfnisse verdanken sich so oder so der rivalisierenden Imitation, orientieren sich an kreditgemilderten Budgetrestriktionen und entwickeln eine Pfadabhängigkeit, die sei aus vorherigen Handlungen und aus der Orientierung an Bezugsgruppen zu prognostizieren erlaubt. Durch Handlung offenbarte Präferenzen (»revealed preferences«) im Kontext der gegebenen Opportunitäten (»revealed references«) sind alles, was die Marktgegenseit von sich preisgibt. Zweitens steht angesichts der Intransparenz des Marktgegenübers umso mehr Aufmerksamkeit zur Verfügung, um die eigene Marktseite daraufhin zu beobachten, unter welchen Konditionen und mit welcher Qualittä dort welche Produkte begehrt  und erfogreich oder nicht sind: Produzenten beobachten Produzenten, und Konsumenten beobachten Konsumenten. Und drittens kann unter diesen Voraussetzungen entschieden werden, welchem Markt it welcher Priorität man welche Aufmerksamkeit scheint,l Orientiert man sich in der Wertschöpfungskette flussqufwärts, um die Qualität der Produkte zu erhöhen, die man von Zulieferern erhätl, und die Preise zu senken, die man schuldig ist? Orientiert man sich flussabwärts, um die Qualittä mindestens konstant zu halten und die Preise zu erhöhen, die man von Endabnehmern erhält?"


Baecker, Dirk (2017): Produktkalkül. Berlin (Merve), S. 57f.