Ermutigendes Urteil

Vorige Woche hat ein französisches Gericht ein ermutigendes Urteil gefällt. Es hat mehrere Top-Manager der France Telecom zu Gefängnisstrafen verurteilt, die von ca. 10 Jahren im Rahmen eines Umstrukturierungsprozesses des Unternehmens die Mitarbeiter in einer Weise unter Druck gesetzt haben, dass sich 18 Personen suizidiert haben und 13 einen Suizidversuch unternommen haben (nach Angaben der Gewerkschaften gab es sogar 60 Suizide).

Insgesamt wurden 20000 Mitarbeiter "freigesetzt". Da die französischen Arbeitsschutzgesetze strenger sind als etwa die deutschen, war vorhersehbar, dass die Entlassungen mit hohen Abfindungen verbunden sein würden. Also hat man zu kruden Methoden des Mobbings und der Schikane gegriffen, um möglichst viele der Arbeitnehmer dazu zu bringen, freiwillig das Unternehmen zu verlassen. Der emotionale Druck war offensichtlich extrem hoch, so dass es zu der genannten Suizidwelle kam. 

In den USA wäre das nicht möglich gewesen bzw. besser formuliert: nicht "nötig" gewesen, da es dort ohne Schwierigkeiten möglich ist, ganz schnell ganz viele Leute auf die Strasse zu setzen...

Die Lehre aus dem Urteil bzw. den ihm zugrunde liegenden Geschehnissen: 1. Manchmal haben Schutzmechanismen (wie die Regeln des französischen Arbeitnehmerschutzes) nicht-intendierte, paradoxe Nebenwirkungen. 2. Manager sind nicht nur verantwortlich zu machen für die Erfolge eines Unternehmens (Stichwort: Boni), sondern auch für die Scheisse, die dort passiert - vor allem, wenn ihre Entscheidungen und Massnahmen sie produziert haben.