Leistungsgesellschaft? Ha, ha…

Im Film „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ (nach dem Buch von Thomas Piketty) wird ein sozialpsychologisches Experiment geschildert, dessen Bedeutung m.E. kaum überschätzt werden kann:

Zwei Versuchspersonen spielen Monopoly miteinander. Per Münzwurf wird entschieden, wer von den beiden bestimmte Privilegien geniessen kann: Er oder sie darf jedes mal mit zwei Würfeln würfeln (der/die andere nur mit einem) und er/sie erhält jedes Mal wenn er oder sie über Los kommt, den doppelten Betrag als der/die andere.

Wie nicht anders zu erwarten, ist die privilegierte Person innerhalb kürzester Zeit sehr viel erfolgreicher (=reicher) als die nicht-privilegierte.

Aber, und das ist das Erstaunliche, obwohl der Münzwurf öffentlich war und auch die unterschiedlichen Chancen dank der ungleichen Regeln für beide, sind die Privilegierten fest davon überzeugt, dass sie ihren Erfolg allein ihren Leistungen zu verdanken haben und sie – mehr oder weniger – etwas „Besseres“ sind als ihr Gegenüber.

Das ist offensichtlich eine Gesetzmäßigkeit, die dazu führt, dass die Reichen und anderweitig durch die ihnen gegebenen Chancen Bevorzugten keinerlei (oder nur wenig) Probleme mit den Ungleichheiten unserer Gesellschaft haben und ihre Vorteile ohne Skrupel oder schlechtes Gewissen genießen…