Das Kulturelement #Xerokratie

Was ist Xerocracy?


Xerokratie ist eine Herrschaftsform, welche auf dem (hemmungslosen) Übernehmen von Bewährten beruht. (Viabilität)


Das Konzept hat sich bewährt und ist ganz einfach:



  1. «Finde (irgendwo, zum Beispiel im Internetz) Lösungen für dein Problem, welche passen und funktionieren und übernimm es.»

  2. «Repariere nicht, was nicht kaputt ist!»

  3. «Wenn etwas trotz vieler Anstrengungen nicht gut genug passt oder nicht mehr funktioniert, dann höre damit auf und suche nach einer anderen Lösung.» (Gehe zu Punkt 1)
    - Vergl.: «Lösungsfokussiertes Arbeiten»


Beginnen wir vorne:
Xerokratie ist ein Kofferwort und besteht aus Xerox und Kratie. 


Beginnen wir hinten:



  • Demokratie: Herrschaft der Beherrschten. 

  • Kleptokratie: Herrschaft der Korrupten. 

  • Seniolokratie: Herrschaft der Alten.

  • Und immer so weiter. Wikipedia hilft.


Machen wir am Anfang weiter:
Den Begriff Xerokratie machte die Aktionsform «Critical Mass» bekannt. Auf gemeinsamen Velofahrten, verteilten Aktivist*_Innen flux kopierte Flyer. Quirrlig fahrende Fahrräder blockierten weniger den Verkehr, als viel mehr eingefahrene Denk- und Handlungsmuster: Was auf den Flyern stand, war nicht das Entscheidende. Eher die Form, die Struktur. Abgefahren velorutiv war die Art und Weise, wie Daten, Information, Wissen verteilt wurde. Aber zeitgleich baute sich in höllischem Tempo das #Internetz auf. Zufall?


Xerox war damals ein wichtiger Markennamen eines amerikanischen Fotokopienherstellers. Die Menschen sagten: «Ich mache mir davon eine Xerox…» und meinten damit, dass sie sich eine Kopie «gezogen» haben. Fotos wurden zu jener Zeit noch aus nassen, chemischen Bädern herausge – eben! – zogen. Xerós ist griechisch und kommt von «trocken». Kurzum: Xerox war eine Revolution: Noch nie wurde vorher so trocken, so schnell, so emotionslos, so billig eine Kopie erstellt. (Das war lange vor Smartphone.)

Wenn wir heute «trocken» Informationen im Internetz ablegen und ebenso kühl von dort auch wieder Zeux beziehen, meint dies vor allem, dass zwischen uns kein warmer Händeddruck, kein feuchter Mundgeruch, kein klebriger Schweiss fliesst. Wir unterscheiden uns nicht mehr in Produzenten und Konsumenten. Wir nutzen, was wir selber – irgendwie gemeinsam zusammen mit anderen, kollaborativ und kooperativ – herstellen. Wer kommt und sagt: «Das darfst du nicht kopieren, das ist von mir, das ist mit einem Copyright geschützt…»: dann kichern wir wie fröhliche Kinder. Copyright, das zeigt doch schon das Wort, meint «Right to Copy». (So?)


Soll hier noch erwähnt werden, dass das "Zerschlagt das bürgerliche Copyright" eine wichtige Praxis der 1968er-Bewegung war? Für Kinder, welche mit dem Zeigefinger auf einem Screen zur Welt gekommen sind, ist dieses Recht zu Kopieren, selbstverständlich und völlig undenkbar, es aufzugeben.


Zum Schluss:
Xerokratie ist eine Unterform von Anarchie. Anarchie ist nicht Durcheinander, Chaos, der Stärkere, Faulere, Unflätigere setzt sich durch. GANZ IM GEGENTEIL. Solchen Quatsch nennen wir Anomie. (Wikipedia hilft.) Anarchie ist eine weit höher entwickelte Herrschaftsform als Demokratie. Anarchie lehnt umstandlos jede Herrschaft ab. Die eigene Freiheit wird lediglich durch die Freiheit des Anderen beschränkt.

#agree2disagree
Du überlegst dir also bei allem Handeln, ob du die Freiheit des Anderen beschränkst.
– Und wer die Anderen sind? Natürlich auch deine Feinde.
Auch jene, auf der anderen Seite der Welt.
Freilich auch Tiere.
- Pflanzen nicht? Eben:


Menschen sind Teil von Natur.


Wer über Andere und Anderes herrschen will, hat sich selbst auf die Anklagebank gesetzt. 

Nutze die Hashtags: #xerokratie #xerocracy


PS: Was Q77038235 meint? Das braucht dich nicht zu kümmern. Das ist in etwa das gleiche was hier steht. Bloss geschrieben für Maschinen: https://www.wikidata.org/wiki/Q77038235


PPS: Der Text - ein ähnlicher - ist in Xerosoph.in Ausgabe #002 (Mai 2021) bei Velorution.ch erschienen.