DGsP Kongress
Diagnose: Mensch – unperfekt, nicht defekt
Im Zeitalter einer zunehmend diagnostischen Sicht auf das Menschsein stellt sich eine grundlegende Frage: Wann beschreiben wir - und wann definieren wir fest? Der Kongress 2026 Diagnose: Mensch. Unperfekt, nicht defekt lädt dazu ein, die gegenwärtigen Tendenzen zur Pathologisierung pädagogischer und sozialer Prozesse kritisch zu reflektieren. Im Fokus steht unser Menschsein nicht als zu optimierendes Objekt, sondern als lebendiges, sich entwickelndes System.
Aus systemischer und konstruktivistischer Perspektive betrachten wir Wirklichkeiten als Ergebnis von Beziehungen, Beobachtungen und Rückkopplungen. Diagnosen erscheinen dabei nicht als neutrale Feststellungen, sondern als wirkmächtige Beschreibungen, die Handlungsräume eröffnen oder verschließen können. Wenn Wirklichkeit konstruiert wird, trägt jede Beschreibung Verantwortung.
Der Kongress sucht Orientierungen für eine Pädagogik, die Unvollkommenheit nicht als Mangel, sondern als Bedingung von Entwicklung versteht. Menschsein bedeutet Werden - in Kontexten, in Interaktionen, in offenen Prozessen. Zwischen Freiheit und Zuschreibung, zwischen Förderung und Fixierung geht es darum, neue Denk- und Handlungsräume zu erschließen.
Zum Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Bernhard Pörksen: Zuhören, Gehörtwerden, den Dialog auf Augenhöhe führen - das sind Schlagworte unserer Zeit, Leerformeln der politischen Rhetorik. Aber was heißt es, wirklich miteinander zu reden und einander zuzuhören, die eigenen Überzeugungen in Frage zu stellen, sich der Weitsicht des Anderen auszusetzen? Wie entkommt man der Neigung zur vorschnellen Verurteilung, die das Kommunikationsklima der Gegenwart vergiftet? Der bekannte Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen zeigt, welche Mechanismen das MiteinanderReden und Einander-Zuhören verhindern - ob im privaten Umgang, in der Öffentlichkeit oder im Angesicht von Krisen und Kriegen, von Missbrauch und Gewalt. Und er präsentiert jenseits von Fertigrezepten und Versöhnungskitsch Ansätze und Methoden, die eine neue Offenheit, tieferes Verstehen und empathisches Zuhören ermöglichen. Wie erreicht man, so lautet die Schlüsselfrage, diejenigen, die man nicht mehr erreicht?