Der Auszug aus X ist keine Flucht. Er ist ein Streit um mediale Gewaltenteilung
Der Rückzug mehrerer deutscher Parteien von X ist mehr als eine Social-Media-Entscheidung. Es geht nicht darum, ob Politiker lieber auf Bluesky, Mastodon, Instagram, TikTok oder in Podcasts auftreten. Es geht um die Frage, wer jene Öffentlichkeit kontrolliert, in der Demokratien ihre Zukunft verhandeln. Und damit geht es um den Übergang von Massenmedien zu Medienmassen.
Die demokratische Öffentlichkeit war de facto seit ihrer Entstehung von Massenmedien geprägt: Redaktionen, Sender und Verlage sprachen zu einem Publikum, wenige sprachen zu vielen. Diese Ordnung hatte ihre eigenen Probleme: Gatekeeping, politische Nähe, ökonomische Abhängigkeiten, blinde Flecken. Aber sie hatte auch erkennbare Verantwortlichkeiten. Es gab Redaktionen, Chefredaktionen, Presserecht, journalistische Standards, Gegendarstellungen, Medienkritik. Macht war konzentriert, aber sie war sichtbar. Unterm Strich haben sich die westlichen