Gestern war ich (Tip aus einem Buch) in einer Kirche, in der die katholische Liturgie im kongolesischen Ritus vollzogen wurde. Als wir (meine ständige Begleiterin und ich) pünktlich um 11 Uhr in der Kirche der Geburt Jesu ankamen (in der Nähe der Piazza Navona), waren nur drei Leute da, die offenbar zum Chor gehörten. Nach und nach kamen noch ein paar andere – Afrikaner – und probten mit einem Chorleiter. Um Viertel nach 11 erschienen schließlich auch der Priester und sechs Messdiener. Der Pfarrer sah aus wie eine Kreuzung aus Mohammend Ali und Joe Frazier, ein Schrank von einem Mann, mit einem milden Blick, mit dem man sich aber trotzdem lieber nicht in Streitigkeiten verwickeln möchte.
Leute kamen, Leute gingen. Schließlich waren wir etwa 30 "Gläubige" und 15 Offizielle (Priester, Messdiener, Chormitglieder). Die Sänger wurden nicht nur elektronisch verstärkt, sondern auch noch durch ein Keyboard und Bongos. Alles fing damit an, dass der Priester und die Messdiener in die Kirche steppten, rhythmisch, Wiegeschritt, die Gläubigen (das Publikum) klatschte. Der Gesang erinnerte an Youssu N’Dour oder auch an Amadou und Mariam. Ganz unkirchlich für europäische Ohren.
Besonders gefallen hat mir eine Frau, die erst eine Viertel Stunde nach Beginn der Messe kam. Sie trug Tiger-Strümpfe und eine Tigerrock, hohe Hacken, und sie reihte ich sofort in den Chor ein, wo man offenbar schon auf sie gewartet hatte.
Von den 30 Personen im Publikum waren nur etwa 10 Afrikaner, die anderen, soweit ich das einschätzen kann, mit Ausnahme von mir und meiner ständigen Begleiterin, Italiener. Viele Familien mit kleinen Kindern, die großen Lärm machten und auf dem Marmorfußboden, der ansonsten ziemlich herunter gekommenen Kirche herumkrabbelten (die letzte Renovierung des Gotteshauses liegt bestimmt 50 Jahre zurück).
Muhammed Frazier hielt eine dreisprachige Predigt: Italienisch (Rom), Französisch (Sprache der Kolonialmacht) und eine afrikanische Sprache, die irgendwo im Kongo beheimatet sein dürfte.
Die italienischen Teilnehmer der Messe gingen fast alle zur Kommunion. Sie waren wahrscheinlich hier, weil diese Youssu N’Dour-Messe weit lustiger ist als es die langweiligen europäischen sind. Und man kann eben auch auf diese exotische Art seine Christenpflicht erfüllen...
Am Schluss kam Joe Ali und hat allen – auch mir – die Hand geschüttelt und eine guten Sonntag gewünscht (ich habe kurz überlegt, ob ich mir ein Autogramm geben lassen sollte, aber dann davon Abstand genommen).
Draußen war wieder alles römisch.