Ich kenne keine Italiener, die Berlusconi gut finden oder zugeben würden, ihn gewählt zu haben. Im Gegenteil: Die meisten meinen, sich für ihn entschuldigen zu müssen. Wenn man sie fragt, wie sie sich seinen Erfolg bei den Wählern erklären, dann geht es natürlich immer auch um das Männerideal, das in Italien gepflegt wird und dem er offenbar hinreichen entspricht.

Erwähnt werden aber auch die wirtschaftlichen Verhältnisse, die (z.B.) von der deutschen Presse als schlecht bewertet werden. Aus der italienischen Innenperspektive sieht das aber offenbar anders aus. Den italienischen Familien geht es relativ gut. Sie haben viel gespart, und die Steuern und öffentlichen Abgaben sind niedrig. Man kann sich preiswerter als in Deutschland ernähren, und der öffentliche Nahverkehr, Zeitungen und Bücher sind, um nur ein paar Beispiele zu nennen, auch billiger als bei uns.

Dafür wird bei den öffentlichen Ausgaben für Kultur gespart, für Bildung, Theater, Museen usw. Aber das sind Punkte, die der Mehrheit der Wähler nicht wichtig erscheinen.

Allerdings scheint sich am Wohlstand der Bevölkerung langsam etwas zu ändern: Gestern stand in Zeitung, dass sich seit 1990 der jährliche Sparbetrag der durchschnittlichen italienischen Familie um 40% verringert hat. Trotzdem – auch das betonen meine italienischen Informanten – die Familien leben nicht auf Kredit, sondern geben nur das Geld aus, das sie haben (auch, wenn es weniger wird). Hier liegt einer der Unterschiede zu anderen Gegenden der Welt (z.B. USA), und deshalb macht die Staatsverschuldung hier niemandem Sorge.