Er gehört zu einer Gruppe französischer Philosophen, die Ende der 70er Jahre viel Aufsehen erregten, weil sie sich als Bilderbuch-Intellektuelle und Ex-Kommunisten kritisch mit dem Sozialismus, vor allem aber mit totalitären Systemen im allgemeinen auseinander gesetzt haben und – wie ich meine – bei mehr oder weniger reaktionären Positionen gelandet sind.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Sich mit dogmatischen linken Theorien kritisch zu beschäftigen, scheint mir keine schlechte Idee, und sie aufgrund ihrer Rigidität zu verwerfen, ebenfalls nicht. Aber diese französischen Meisterdenker, sind in ihrer intellektuellen Entwicklung nicht wirklich weit gekommen, denn sie bleiben bei den alten Strategien eines gewalttätigen „Humanismus“. Sie beanspruchen für sich eine Art übergeordneter, moralischer Definitionsmacht, was – nicht anders als die alten totalitären linken Modelle – ihnen vermeintlich das Recht gibt, sich gewalttätig in fremde Konflikte einzumischen, um den „Guten“ zu helfen.

Beispiel ist jetzt Herr Lévy, der – so steht es zumindest in der Zeitung – Sarkozy davon überzeugt hat, in Libyen kriegerisch zu intervenieren – natürlich nur, um ein Massaker zu verhindern.

Dass ich von solchen Maßnahmen nicht sonderlich überzeugt bin, habe ich hier schon signalisiert. Wie Herr Lévy das alles sieht, kann man im Handelsblatt lesen

(http://www.handelsblatt.com/politik/international/die-deutschen-haben-einen-schlechten-aussenminister/4009612.html).

Und natürlich stehen da auch Sätze drin, denen man zustimmen kann, z.B. dass die Deutschen einen schlechten Außenminister haben. Aber das ändert nicht viel an der Problematik der Intervention. Und ich befürchte, dass dieser Krieg nicht in ein paar Tagen zu Ende sein wird, sondern – nach unendlich mehr als dem einen, befürchteten und durch die Intervention verhinderten Massaker in Bengasi – noch Monate dauern wird.

Der Unterschied zwischen gut und gut gemeint ist eben nicht zu vernachlässigen.

Man kann nur in Konflikte intervenieren, wenn man entweder dazu ein Mandat der Konfliktparteien erhalten hat oder sich selbst als Konfliktpartei versteht. Dann aber muss man auch bereit sein, langfristig im Spiel zu bleiben. Wenn man das in Nordafrika macht, dann nennt man das Kolonialismus.