Nächste Woche werde ich ein einwöchiges Gruppendynamik-Training leiten. Deswegen werde ich wahrscheinlich nicht dazu kommen, hier irgendwas zu schreiben. Ich bin weit weg von meinem Computer und wahrscheinlich so absorbiert, dass ich auf kaum etwas anderes meine Aufmerksamkeit richten kann als die Dynamik meiner Gruppe.

Ich veranstalte solche Gruppen ("Systemische Gruppendynamik") zwei Mal im Jahr zusammen mit meinem Kollegen Rudi Wimmer. Einmal in Heidelberg für externe Teilnehmer, einmal in Witten für die dortigen Wiwi-Studenten.

Meines Erachtens kann man in keinem anderen Setting so viel über soziale Systeme lernen wie dort. Auf der einen Seite ist man außenstehender Beobachter in Bezug auf die Spielregeln der Gruppe und ihre Entwicklung, auf der anderen Seite ist man aktiver Teilnehmer und (mit-)verantwortlicher Gestalter der Regeln, die sich da entwickeln. Die klassische Innen-außen-Unterscheidung zwischen dem distanzierten, "objektiven" Beobachter, dem Zuschauer, der auf derTribüne sitzt, und dem Spiel, das beobachtet wird, ist aufgehoben. Sie zeigt sich als Fiktion, die für die Beobachtung der unbelebten Natur von Nutzen sein mag, im Bereich des Zusammenlebens von Menschen aber problematisch ist. Man hat die Chance zu experimentieren, sich und die anderen dabei zu erleben, wie jedem aufgrund des eigenen Verhaltens bestimmte Eigenschaften zu- oder abgeschrieben werden, wie man Einfluss gewinnt oder verliert, wichtig oder unwichtig für die Gruppe wird, wie man zur Entwicklung von Normen, Standards und Erwartungen beiträgt oder sie zu Grabe trägt, denen man selbst ausgesetzt ist oder war...

Das Ganze ist erfahrungsgemäß so spannend, dass der Rest der Welt leicht vergessen wird - nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für die Trainer. Also: Rechne keiner damit, dass ich in der nächsten Woche hier irgendwas schreibe. Ich bin beschäftigt.