Wer in Rom einen Ort sucht, wo er Abstand von allen und allem finden und in Ruhe seinen Tee trinken kann, dem sei das Hotel Plaza in der Via del Corso empfohlen.
Es handelt sich um eines dieser Grand Hotels, wie sie Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurden. Hohe Decken, große Säle, Stuck, kunstvolle Tiffany-Glasfenster, Teppiche auf Marmor- oder Parkettböden. Der „Konferenzsaal“ ist etwa so groß wie zwei Basketballfelder, üppige Polstersessel und Couchen laden zum Hinflätzen, Palmen erinnern daran, dass man sich im Süden befindet und es draußen heiß ist.
Wenn man das Hotel betritt, sieht man (wahrscheinlich nicht immer, aber heute) zwei ältere Herrschaften - der teuren Kleidung nach muss es wohl heißen: einen Herrn und ein Dame – an den beiden Enden einer Couch in sich zusammen gesunken sitzen. Die Augen sind geschlossen, die Münder halboffen. Sie schlafen. Jetlag oder Altersdemenz, (könnte beides passen).
Im Saal: kein Mensch. Doch es tönt Musik. Bing Crosby: „I’m dreaming of a white Christmas“. Der Kellner kommt und serviert den Tee in Silberkannen, aus denen wahrscheinlich schon irgendein früherer Papst getrunken hat (Fotos hängen im Flur zur Toilette). Die dazu gereichten Kekse: vorzüglich.
Und draußen tobt der Verkehr über die Via del Corso, eine der Einkaufsstraßen, die von Touristen und Einheimischen gefüllt sind. Doch hier drinnen, nur wenige Meter entfernt: Ruhe, Stille, Einkehr, White Chrismas...