Was in der deutschen Presse, vor allem aber in der französischen Presse bislang überhaupt nicht zur Kenntnis genommen worden ist: Die Italiener (womit hier die veröffentlichte Meinung bezeichnet sein soll) haben ein Problem mit den Franzosen. Das zeigt sich z.B. an Titelbildern mit Sarkozy, welche die Unterschrift tragen „Sarkofag“, und in Artikeln, in denen darüber philosophiert wird, dass Franzosen nur auf Gewalt reagieren. Alles in allem Ausdruck einer tiefen Kränkung, nicht ernst von den Nachbarn genommen zu werden.

Das betrifft die selbstherrlichen Entscheidungen (ohne die kriegsbereiten Italiener zu fragen) in Bezug auf Libyen, die Einreisebeschränkungen in Ventimiglia/Menton für Flüchtlinge aus Tunesien, die zu ihren Verwandten in Frankreich wollen, aber auch die Übernahme italienischer Unternehmen durch französische (Bulgari, Parmalat).

Als es noch die beeindruckenden, „mächtigen“ Persönlichkeiten wie den Olivetti-Chef De Benedetto und Fiat-Chef Agnelli gab, da war das alles anders ... (schreibt man). Da genoss Italien noch Respekt in Frankreich. Jetzt aber nehmen die Franzosen noch nicht einmal wahr, dass die Italiener Probleme mit ihnen haben: Die französischen Zeitungen schreiben nur über Berlusconis Sex-Affären...

Ja, so ist das eben, wenn man einen Ministerpräsidenten hat, der diese Art der Fokussierung der Aufmerksamkeit bevorzugt. Denn das ist ja eine der zentralen Steuerungsgrößen in jeder Kommunikation. Nebeneffekt: Man sieht sich Deutschland wieder näher. Und Berlusconi sagt, er hätte sich – wie Frau Merkel – wohl auch besser aus Libyen heraus gehalten. Ob ihr das so recht ist?