Eine der Paradoxien, die auf den ersten Blick wahrscheinlich Herrn Guttenberg nicht durchschaubar ist, besteht darin, dass er sich seine Chancen auf die Übernahme der Kanzlerschaft in Deutschland verscherzt, wenn er nicht zurück tritt.
Es wird in Zukunft genügend Menschen - auch in seiner Partei - geben, die sich daran erinnern, dass er die so heilig vor sich hergetragenen Werte der CDU in den Schmutz gezogen hat. Und das heißt, er wird ein Schicksal haben, wie Franz-Josef Strauss: Er wird immer genügend Feinde im eigenen Lagen haben (von denen draußen gar nicht zu sprechen) die offen oder (meist) verdeckt gegen ihn kämpfen werden.
Würde er hingegen zurücktreten, hätte er den Vorteil des gefallenen Helden. Wenn man sich mit der Logik von Heldenrollen beschäftigt, so zeigt sich, dass nachhaltig nur diejenigen, die ein grandioses Scheitern hinter sich haben, als Helden akzeptiert werden. Ein Scheitern, dass auch sie als solches erlebt und bekannt haben. Versuchen sie aber - wie Theo - die Selbst-Idealisierung aufrecht zu erhalten, d.h. zeigen sie einen Mangel an Demut und/oder Einsicht in das eigene Versagen, so werden sie langfristig abgestraft.
Um es kurz zu mache: Viele haben in Guttenberg den kommenden Kanzler gesehen. Wäre er/würde er zurücktreten, dann hätte er realistische Chancen, das auch zu werden.
So aber nicht...
(Ich bin bereit, größere Beträge zu wetten.)