Seit mehr als 20 Jahren ist die akademische Psychiatrie aus meiner Sicht ein ziemlich korruptes System. Das liegt daran, dass die Pharma-Industrie zu einem guten Teil die Karrieren aufstrebender Psychiater durch gut dotierte Drittmittelprojekte sponsort. Letztlich sind seit etlichen Jahren die meisten Ordinarien nicht mehr als habilitierte Pharma-Vertreter. Das ist einer der Gründe, warum die biologische Psychiatrie solch einen Aufschwung erlebt hat. Dies ist allerdings nicht nur ein deutsches Problem, sondern eines der ganzen westlichen Welt.

Gestern stand in der New York Times ein langer Artikel über die Verquickung der Interessen von angesehenen Uni-Psychiatern und Pharmafirmen. Es ging dabei um eine Kongresskomission, die diese Interessenkonflikte untersucht. Beispiel war ein Professor der Emory Universität, der sich persönlich mit Miilionen von Glaxo hat bezahlen lassen:

http://www.nytimes.com/2008/10/04/health/policy/04drug.html?pagewanted=2&_r=1&hp

Niemandem, der sich auch nur ein paar Wochen in der universitären Psychiatrie aufhält, bleibt die Verquickung der Interessen der Pharmaindustrie und der dort tätigen Psychiater verborgen. Das fängt beim Sponsoring von Vortragsveranstaltungen an, setzt sich mit der Bezahlung der Teilnahme an Medikamenten-Studien fort und endet bei Kongressreisen ans andere Ende der Welt (mit Partner).

Klar, viele Kollegen sagen sich: "Ich nehm das mit, aber ich bin ja nicht bestechlich...!"

Aber da sollte sich keiner so sicher sein.

Ich bin übrigens auch schon ganz gut von Pharma-Firmen bezahlt worden: Schon für meine Doktorarbeit habe ich Geld bekommen, dann oft gute Honorare für Vorträge und manchmal auch für die Teilnahme an Tagungen etc.

Aber ich bin ja nicht bestechlich...